Ein Vorstoß von Arsene Wenger zur grundlegenden Reform der Abseitsregel sorgt international für Diskussionen. Der frühere Arsenal-Trainer, mittlerweile Entwicklungschef bei der FIFA, stößt mit seiner Idee offenbar auf erheblichen Widerstand.
Wie The Times berichtet, hatte Wenger vorgeschlagen, dass ein Angreifer künftig nur dann im Abseits stehen soll, wenn zwischen ihm und dem Verteidiger klar erkennbarer „Tageslicht-Abstand“ besteht. Diesen Vorschlag hatte der 76-Jährige erstmals 2020 angebracht.
Die FIFA will bereits im kommenden Monat bei der International Football Association Board (IFAB) beantragen, entsprechende Testphasen zu genehmigen. Langfristig könnte daraus eine Regeländerung entstehen.
Britische Verbände und UEFA stellen sich quer
Nach Informationen von The Times lehnen die vier britischen Fußballverbände, die jeweils mit einer Stimme im IFAB vertreten sind, Wengers Ansatz jedoch ab. Die Verantwortlichen halten die „Daylight“-Regel für zu radikal und befürchten starke Auswirkungen auf das Spiel. Verteidiger müssten deutlich tiefer stehen, was das taktische Gleichgewicht verändern könnte.
Unterstützung erhalten die britischen Verbände dabei von der UEFA. Gemeinsam soll daher ein Kompromissmodell vorgeschlagen werden: Demnach wäre ein Spieler nur dann im Abseits, wenn ein Teil seines Oberkörpers vor dem Verteidiger ist. Füße, Beine und Kopf würden bei der Bewertung nicht mehr herangezogen. Kritiker der Wenger-Idee argumentieren, dass sich durch die „Daylight“-Regel Unterschiede von bis zu zwei Metern im Vergleich zur aktuellen Auslegung ergeben könnten. Aktuell reicht bereits ein minimaler Vorsprung eines Körperteils für eine Abseitsentscheidung aus.

Wenger und die FIFA sehen hingegen die Einführung von VAR und halbautomatischer Abseitstechnik kritisch. Diese habe die Balance zugunsten der Verteidiger verschoben, da Angreifer oft wegen minimalster Abstände zurückgepfiffen würden. FIFA-Präsident Gianni Infantino sprach zuletzt davon, den Fußball „offensiver und attraktiver“ machen zu wollen. Eine Anpassung der Abseitsregel könne dabei helfen. Für eine Regeländerung sind im IFAB mindestens sechs Stimmen nötig.

