Blick über den Tellerrand | Benfica unter Schmidt souverän, van Bommel bringt Antwerpen auf Kurs, Celtic historisch

Blick über den Tellerrand: Roger Schmidt brachte Benfica auf Kurs.
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Die Berichterstattung über den internationalen Fußball dreht sich hauptsächlich um die führenden fünf europäischen Ligen und ihre Topklubs. Doch auch dahinter wird attraktiver Fußball geboten, auf den wir regelmäßig im „Blick über den Tellerrand“ ein genaueres Auge werfen. Unser Blick richtet sich dabei auf die deutschen Nachbarländer Niederlande, Belgien, Österreich und die Schweiz sowie Portugal und Schottland, die in der UEFA-Fünfjahreswertung starke Positionen einnehmen.

Primeira Liga: Benfica startet makellos, Sporting lässt abreißen

Da Portugal im UEFA-Ranking auf Rang sechs liegt, befand sich der FC Porto als amtierender Meister bei der Champions-League-Auslosung in Topf eins. Diesen Status unterstrich er zu Saisonbeginn, indem er den Supercup problemlos gegen Tondela (3:0) gewann und auch die ersten drei Ligaspiele, darunter ein Duell mit Sporting, überzeugend für sich entschied. Doch am vergangenen Sonntag erwies sich der in die Primeira Liga zurückgekehrte FC Rio Ave als zu stark. Schon zur Pause lagen die Drachen mit 3:0 im Hintertreffen, dem eingewechselte Toni Martínez (25) gelang in der Nachspielzeit noch das Ehrentor.

 

Dennoch musste der FC Porto die Tabellenführung abgeben. Frisch von der Spitze grüßt der SC Braga, der sich in Galaform befindet. 3:0, 5:0 und zuletzt sogar 6:0 beim FC Arouca lauteten die letzten Resultate aus Sicht des Europa-League-Starters, dem in vier Begegnungen bereits 17 Tore, die sich auf acht Akteure aufteilen, gelangen. In der Vorsaison erzielte Braga im Schnitt lediglich eineinhalb Tore pro Partie, doch der offensivere Ansatz des auf zwei Spitzen zurückgreifenden Trainers Artur Jorge (50) brachte neuen Schwung, der am Samstag im Derby gegen Vitória Guimaraes aufrechterhalten werden soll.

Genauso bereitet das in der abgelaufenen Spielzeit noch strauchelnde Benfica seinen Fans derzeit große Freude. Roger Schmidt (55) übernahm zum 01. Juli das Kommando und besaß keinerlei Anlaufschwierigkeiten. In der Liga sprangen drei glatte Siege mit 8:0-Toren heraus. Hinzu kommt die gelungene, in den Vergleichen mit Dynamo Kiew in den Playoffs nie gefährdete Champions-League-Qualifikation. Ebenfalls in der Königsklasse antreten wird Sporting, das sich aktuell jedoch in einer schwierigen Phase befindet. Auf das 0:3 in Porto folgte ein ernüchterndes 0:2 im eigenen Stadion gegen Aufsteiger Chaves, was gleichbedeutend mit dem Fall auf Rang 13 ist. Aufgrund des besseren Torverhältnisses liegt der genauso aus Lissabon stammende Casa Pia AC sogar vor Sporting. Der Neuling kassierte erst einen Gegentreffer – und darf sich genauso wie Rio Ave und Chaves realistische Chancen auf den Klassenerhalt ausrechnen.

Eredivisie: Ajax trotz Substanzverlust, PSV in Torlaune

Ajax Amsterdam zählt im Sommer zu den in Europa am meisten von Abgängen betroffenen Vereinen. Neben Erfolgstrainer Erik ten Hag (52) zogen Leistungsträger wie Noussair Mazroui (24), Ryan Gravenberch (20), Sebastien Haller (28), Lisandro Martínez (24) oder auch Antony  (22) weiter. Der vom FC Brügge gekommene Coach Alfred Schreuder (49) trat eine schwierige Aufgabe an, führte seine Mannschaft nach der 3:5-Niederlage im Supercup gegen Eindhoven aber in die Spur. In der Eredivise steht die Maximalpunktzahl von 12, verbunden mit der Tabellenführung, zu Buche. Dem von Tottenham gekommenen Steven Bergwijn (24) gelang ein Drittel der zwölf Treffer, darunter ein Dreierpack beim 6:1 über Groningen.

(Photo by MAURICE VAN STEEN/ANP/AFP via Getty Images)

Auf den Fersen von Ajax befindet sich abermals die PSV Eindhoven. Trainer Ruud van Nistelrooy (46) knüpft an den offensiven Stil seines Vorgängers Roger Schmidt, er bejubelte bereits 15 Tore seiner Mannschaft im Ligabetrieb. Sie benötigte dazu lediglich drei Spiele, die allesamt vollkommen ungefährdet, am letzten Sonntag mit 6:1 bei Excelsior Rotterdam, gewonnen wurden. Doch im entscheidenden Champions-League-Qualifikationsspiel blieb seine Auswahl erfolglos, unterlag den Rangers mit 0:1.

Auf Kurs liegen auch die üblich verdächtigen Verfolger wie Feyenoord und AZ Alkmaar. Beide machten sich das lösbare Auftaktprogramm zunutze, sammelten zehn Punkte aus vier Spielen bzw. neun Punkte aus drei Spielen. Ebenfalls noch ungeschlagen ist der SC Heerenveen, der erst nach 354 Minuten sein erstes Gegentor kassierte, aber dennoch Fortuna Sittard mit 2:1 bezwang und von Rang fünf grüßt. Ganz anders ergeht es Vitesse Arnheim, das große Schwierigkeiten hatte, nach dem Abgang des Roman Abramovich (55) nahe stehenden Besitzers Valeriy Oyf (58) einen konkurrenzfähigen Kader zusammenzustellen. Immerhin gelang am Samstag trotz 0:2-Rückstands gegen Waalwijk der erste Punktgewinn. Die Go Ahead Egales und Fortuna Sittard verloren dagegen sämtliche vier Partien – und befinden sich daher am Tabellenende.

Jupiler Pro League: Offensivfreudiges Genk, Antwerpen marschiert

Anders als in den Niederlanden herrscht in Belgien Bewegung an der Spitze. Der in der Vorsaison keine Rolle spielende, die internationalen Wettbewerbe verpassende KRC Genk grüßt vom Platz an der Sonne – und zwar keineswegs zufällig, was 19 geschossene Tore in sechs Spielen verdeutlichen. Wouter Vrancken (43), der in den vergangenen Jahren schon in Mechelen einen offensiven Spielstil vertrat, verpasste dem vierfachen Meister einen sowohl intern als auch extern überzeugende neuen Spielidee. Nach der Auftaktniederlage beim Titelverteidiger in Brügge setzte es fünf Siege am Stück, darunter am vorangegangenen Wochenende ein nie gefährdetes 4:0 beim RFC Seraing. Der erneut herausragende Mike Trésor (23)  steuerte gleich zwei Tore sowie eine Vorlage bei.

Einen Trainereffekt gab es auch bei Royal Antwerpen festzustellen. Der in Wolfsburg noch glücklose Mark van Bommel (45) versucht, gemeinsam mit dem neuen Sportdirektor Marc Overmars, (49) einen spielerischen Ansatz zu etablieren, was bislang außerordentlich gut gelang. 15 von 15 Punkten sammelte der Traditionsklub ein, gewann auch das schwierige Auswärtsspiel in Gent mit 2:1. Dass noch nicht alles zusammenpasst, zeigte jedoch die Conference League, wo Antwerpen in der Qualifikation an Istanbul Basaksehir scheiterte. Dahinter lauert der FC Brügge, der den Verlust prägender Figuren wie Alfred Schreuder (49) oder Charles De Ketelaere (21) verkraften musste. Infolge eines schwachen Starts fuhr er nun aber drei Siege in Folge ein – und scheint ein ernsthafter Titelaspirant zu sein.

(Photo by DAVID PINTENS/BELGA MAG/AFP via Getty Images)

Zweifel bestehen dagegen beim RSC Anderlecht. Schon in der Vorsaison lag er bereits ein ganzes Stück hinter den Spitzenteams. Der Anschluss könnte wieder verpasst werden, denn am Sonntag verlor er beim Vizemeister Royal Union Saint Gilloise mit 1:2. Dieser wiederum fand nach dem unglücklichen Champions-League-Aus bei den Rangers direkt wieder in die Spur, steht trotz magerer sechs erzielter Treffer bereits bei zehn Punkten aus fünf Partien. Vier Zähler dahinter liegt der einzige Aufsteiger. Der KVC Westerlo fiel nicht nur aufgrund dieser Tatsache auf, sondern auch aufgrund seines mutigen Auftretens, das bereits zu Spektakeln wie einem 4:2-Erfolg über Lüttich oder einer überaus vermeidbaren 4:5-Niederlage in Mechelen führte. Die Lust am Offensivspiel könnte Westerlo aber entscheidend helfen, gar nicht erst in den Abstiegskampf zu geraten. Dort halten sich aktuell im Angriffsspiel harmlose Teams wie Seraing, Kortrijk oder Cercle Brügge auf.

Bundesliga: Der LASK ist Salzburg voraus, Klose mit Altach am Tabellenende

Auch in Österreich trat noch keine Ordnung an der Tabellenspitze ein, obwohl RB Salzburg, das neun Meisterschaften am Stück holte, 15 von möglichen 18 Punkte sammelte. Die 2:3-Niederlage in Graz gab allerdings den Ausschlag zugunsten des LASK. Dieser erreichte nämlich 16 Zähler, meisterte auch die schwierige Aufgabe bei Sturm Graz (1:0). Am Sonntag sprang mit dem 4:1 über Altach ein weiterer klarer Sieg heraus. Schon in Wolfsberg gewannen die Linzer dank eines Viererpacks von Marin Ljubicic (20) mit 5:1.

Höchst zufrieden dürften sich auch die Verantwortlichen von Austria Lustenau über den Saisonverlauf. Zwar setzte es jüngst eine 0:6-Klatsche gegen Salzburg, doch ansonsten überzeugte der Aufsteiger in jedem Saisonspiel, fuhr bereits drei Siege ein und baute bereits ein Polster zum Tabellenkeller auf. Dorthin orientieren sich die Leistungen von Rekordchampion Rapid Wien. Das peinliche Ausscheiden in der Conference League gegen den Liechtensteiner Vertreter FC Vaduz bildete den unrühmlichen Tiefpunkt. Darauf folgte ein 1:2 gegen Graz, sodass der Trainerstuhl von Ferdinand Feldholfer (42), der dem Team bislang keine erkennbare Spielidee verpasste, auf sehr wackligen Beinen steht.

Noch mehr Zeit zum Arbeiten dürfte hingegen Miroslav Klose (44) bekommen. Sein SCR Altach musste in Linz die dritte Niederlage in Folge hinnehmen, rutschte ans Tabellenende und hat bereits 16 Gegentore kassiert. Doch alle Beteiligten in Altach haben sich von Anfang an auf Abstiegskampf eingestellt. Konkurrenten wie der SV Ried oder Austria Klagenfurt liegen zudem in Reichweite.

Premiership: Kopf-an-Kopf-Renenn zwischen Celtic und den Rangers

Der schottische Fußball befindet sich eindeutig im Aufwind. Die Rangers erreichten bekanntlich das Europa-League-Finale, was sie nur hauchdünn gegen Eintracht Frankfurt verloren. In der Champions-League-Qualifikation schalteten sie nun die PSV Eindhoven aus, sodass sie erstmals nach zwölf Jahren in der Zuschauerrolle wieder in der Königsklasse antreten. Dort warten mit dem FC Liverpool, Ajax und der SSC Napoli gleich drei Hochkaräter. Dazwischen geht es im manchmal grauen Alltag im Ligabetrieb um wichtige Zähler. Bislang agierten die Gers zumeist souverän, ließen lediglich beim wilden Remis gegen Hibernian Federn.

Noch konstanter, in beeindruckender Verfassung präsentierte sich Celtic. Am Sonntag nahm die Dominanz historische Ausmaße an. Mit 9:0 triumphierten die Bhoys bei Dundee United, womit sie den höchsten Auswärtssieg der Ligageschichte einfuhren. Kyogo Furuhashi (27) leitete mit einem lupenreinen Hattrick den Kantersieg ein. Nach dem Seitenwechsel trug sich Liel Abada (20) ebenfalls dreifach in die Torschützenliste ein. Der amtierende Meister geht mit 15 Punkten und 21:1-Toren bestens gerüstet in den ersten Old Firm der laufenden Spielzeit, der am 03. September um 13.30 Uhr angepfiffen wird.

 

 

Abseits der Glasgow-Spitzenklubs gaben die Heart of Midlothian eine gute Figur ab. Auf internationaler Ebene qualifizierten sie sich für die Gruppenphase der Conference League. Trotz der Doppelbelastung gewannen sie drei ihrer fünf Ligaspiele, zuletzt knapp mit 3:2 gegen St. Johnstone, das sich wiederum auf Platz zehn wiederfindet. Dahinter rangieren Ross County und das momentan überforderte Dundee United, das im Vorjahr noch auf Platz vier eintrudelte – und den Abgang von Trainer Tam Courts (41) noch nicht verarbeitete. Nachfolger Jack Ross (46) fand noch keinerlei Zugriff auf den Kader, was ein Punkt, ein Torverhältnis von 2:18 sowie das 0:7 Conference-League-Debakel in Alkmaar bestätigen – und am gestrigen Dienstag in seiner Entlassung endete.

Super League: Meister Zürich am Ende, auch Basel strauchelt

Der FC Zürich gewann in der Vorsaison ebenso überraschend wie souverän die Schweizer Meisterschaft. Inzwischen dürfte der Titel schon wieder in Vergessenheit geraten sein. Erfolgstrainer André Breitenreiter (48) ging in die Bundesliga, Torjäger Assen Ceesay (28) unterschrieb in Lecce. Der neue Coach Franco Foda (56) fand noch keinen Zugriff auf die Mannschaft. In der Champions-League-Qualifikation gab es ein enttäuschendes Aus gegen Qarabag Agdam, das jedoch schon wieder in den Hintergrund rückte, denn nach sechs Spieltagen liegt der FCZ mit mageren zwei Punkten auf Rang zehn, dem letzten Tabellenplatz.

Am Sonntag verlor er das Kellerduell gegen den ebenfalls schwach gestarteten FC Basel mit 2:4. Dieser war auf nationaler Ebene ebenfalls ohne Sieg. Erste größere Zweifel am von den Degen-Brüdern vorangetriebenen Umbruch unter Cheftrainer Alexander Frei (56) kamen bereits auf. Der Auswärtserfolg sorgte zumindest kurzzeitig für Beruhigung, doch der Rückstand auf die Young Boys, dem aktuellen Tabellenführer, beträgt bereits acht Zähler. Die Berner nahmen im Sommer ebenfalls einige Veränderungen am Kader vor, ließen unter anderem ihr Sturmduo Wilfried Kanga (24) und Jordan Siebatcheu (26) in Richtung Bundesliga ziehen. Der auf einen offensiven Ansatz – oftmals mit einer Mittelfeldraute – zurückgreifende Übungsleiter Raphael Wicky (45) formte eine spielstarke Auswahl, die bereits einige klare Erfolge einfuhr.

Hinter YB lauern der FC St. Gallen (12) und Servette Genf (11), wobei vor allem erstgenannter Klub mit ansprechenden Leistungen auf sich aufmerksam machte. Trainer Peter Zeidler (60) ging bereits in seine fünfte Spielzeit beim Traditionsklub. Sein von Pressing geprägter Ansatz ist klar erkennbar und bescherte dem Publikum bereits einige mitreißende Spiele, wie die jüngsten 3:2-Sieg in Lugano oder den 4:1-Heimsieg über Luzern. Der gute Start des FCSG ist keinerlei Zufall. Angesichts der schwächelnden Großklubs aus Zürich und Basel könnte er sich sogar in der Spitze etablieren.

(Photo by Carlos Rodrigues/Getty Images)

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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