Blick über den Tellerrand | Benfica im Siegesrausch, PSV überholt Ajax, Meister Zürich stürzt ab

Blick über den Tellerrand: Benfica gewann bisher jedes Pflichtspiel.
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Die Berichterstattung über den internationalen Fußball dreht sich hauptsächlich um die führenden fünf europäischen Ligen und ihre Topklubs. Doch auch dahinter wird attraktiver Fußball geboten, auf den wir regelmäßig im „Blick über den Tellerrand“ ein genaueres Auge werfen. Unser Blick richtet sich dabei auf die deutschen Nachbarländer Niederlande, Belgien, Österreich und die Schweiz sowie Portugal und Schottland, die in der UEFA-Fünfjahreswertung starke Positionen einnehmen.

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Primeira Liga: Schmidt-Hype bei Benfica, Porto strauchelt

Benfica (21 Punkte) gibt weiterhin eine herausragende Figur ab. Seit der Ankunft von Roger Schmidt wurden mittlerweile sämtliche 13 Pflichtspiele gewonnen, darunter das wegweisende Champions-League-Spiel bei Juventus (2:1). Die Chancen auf das Erreichen des Achtelfinales stiegen deutlich an. In einer ebenfalls exzellenten Position befindet sich der Rekordmeister in der Liga, wo er sich mit einem standesgemäßen 5:0-Erfolg über das punktlose Schlusslicht Maritimo in die Länderspielpause verabschiedete. Dabei erzielte der in der deutschen Auswahl aktuell nicht berücksichtige Julian Draxler seinen ersten Treffer.

 

 

Als ärgster Verfolger fungiert Sporting Braga (19), das auch auf internationaler Ebene erfolgreich agiert, zuletzt Bundesliga-Tabellenführer Union Berlin mit 1:0 bezwang. Inzwischen stehen acht Pflichtspielsiege am Stück zu Buche. Daher reist Braga am Freitag keineswegs als Außenseiter zum Drittplatzierten FC Porto (16). Der amtierende Meister erlitt zuletzt mehrere Rückschläge. Besonders schwer wiegt das 0:4-Desaster gegen den FC Brügge. Doch auch in der Liga droht Ungemach. So könnte Stadtrivale Boavista (15) am kommenden Wochenende vorbeiziehen. Dieser rang zuletzt das immer noch im Mittelfeld herumirrende Sporting (10) mit 2:1 nieder und sammelte beachtliche 15 Punkte mit nur acht erzielten Toren ein. Selbiges Kunststück gelang dem Fünftplatzierten Portimonense.

Die wichtigsten Spiele bis zur WM-Pause: FC Porto – Sporting Braga (30.09.), Benfica – FC Rio Ave (08.10.), FC Porto – Benfica (21.10.), Sporting – Casa Pia (22.10.), Boavista – FC Porto (13.11.), Portimonense – Sporting Braga (13.11.)

Eredivisie: Heimsiege in den Topspielen – PSV springt an die Spitze

Zwei Spitzenspielen bot die Eredivisie vor Länderspielpause. Zum großen Gewinner wurde die unter Ruud van Nistelrooy bisher nur unregelmäßig überzeugende PSV Eindhoven (18). Sie setzte sich in einem atemberaubenden Duell gegen Feyenoord (16) mit 4:3 durch. Armando Obispo gelang in Minute 83 letztlich das Siegtor, was gleichbedeutend mit der Übernahme der Tabellenführung war, denn das zuvor makellos Ajax (18) verlor trotz früher Führung mit 1:2 in Alkmaar. Mees de Wit sowie Jens Odgaard netzten für AZ ein, das mit 17 Zählern auf Rang drei kletterte – und durchaus die Qualitäten mitbringt, sich auch langfristig im Titelrennen zu etablieren.

Die PSV Eindhoven bezwang Feyenoord mit 4:3.

(Photo by MAURICE VAN STEEN/ANP/AFP via Getty Images)

Zusammengerechnet gerade einmal zwölf Punkte sammelten der FC Emmen (4), SC Cambuur-Leeuwarden (4) und Fortuna Sittard (4) ein. Die beiden erstgenannten Vereine verloren sogar zuletzt vier Ligaspiele in Serie. Insbesondere Cambuur befindet sich im Tief, unterlag in Waalwijk mit 1:5. Einen Befreiungsschlag landete dagegen Sittard, das sich gegen Excelsior mit 1:0 durchsetzte und vor allem die Gegentorflut stoppte. 17-mal schlug es in den vorherigen sechs Begegnungen bereits ein. Einen Zähler vor den drei Klubs stehen der FC Volendam (5) und Vitesse Arnhem (5), die sich im direkten Duell 1:1 trennten. Für Thomas Letsch war es der letzte Auftritt nach knapp zweijähriger, mit Europapokalstarts garnierter Tätigkeit in Arnhem. Ihn zog es in die Bundesliga zum VfL Bochum.

Die wichtigsten Spiele bis zur WM-Pause: SC Cambuur – PSV Eindhoven (01.10.), Fortuna Sittard – FC Volendam (02.10.), Feyenoord – Twente Enschede (09.10.), AZ Alkmaar – Feyenoord (16.10.), Vitesse Arnhem – FC Emmen (22.10.), Ajax – PSV Eindhoven (06.11.), PSV Eindhoven – AZ Alkmaar (12.11.), Feyenoord – Excelsior (13.11.)

Jupiler Pro League: Nur noch Genk kann Antwerpen annähernd folgen

Klare Verhältnisse herrschen mittlerweile in Belgien. Das mit großen Ambitionen gestartete Royal Antwerpen (27) befindet sich unter Mark van Bommel weiterhin in überragender Verfassung und gewinnt auch komplizierte Spiele wie gegen ein sehr defensiv agierendes Seraing mit 2:1. Als Belohnung steht die Maximalpunktzahl von 27 Punkten aus neun Partien sowie eine abgehängte Konkurrenz zu Buche. Lediglich der KRC Genk (22) kann noch Anschluss halten, gewann vor der Länderspielpause dank eines späten Treffers von Bryan Heinen mit 1:0 gegen Gent. Schon acht Punkte zurück liegt derweil der in der Champions League begeisternde FC Brügge (19). Auf das sensationelle 4:0 in Porto folgte jedoch die Rückkehr auf den Boden der Tatsachen. Bei Standard Lüttich befand sich der Titelverteidiger frühzeitig auf verlorenem Posten und verlor mit 3:0.

Ohnehin avanciert Lüttich (16) zu eine der positiven Erscheinungen der laufenden Saison. Der seit Sommer amtierende Cheftrainer Ronny Deila entwickelte einen kurzer Zeit eine funktionierende Mannschaft, die zuletzt vier Begegnungen in Folge gewann. Neuzugang Philip Zickernagel fügte sich bei seinem Startelfdebüt gegen Brügge mit einem Doppelpack ein und könnte angesichts seiner Premier-League-Erfahrung noch eine tragende Rolle einnehmen. Nur auf Rang acht liegt dagegen der RSC Anderlecht (13), dem vor allem seine Auswärtsschwäche Probleme bereitet. Erst ein Auswärtssieg gelang bisher, zu wenig für die Ansprüche des 34-fachen belgischen Champions.

Die wichtigsten Spiele bis zur WM-Pause: Sporting Charleroi – Standard Lüttich (09.10.), Standard Lüttich – Royal Antwerpen (16.10.), Royal Saint-Gilloise – FC Brügge (22.10.), Royal Antwerpen – KRC Genk (23.10.), Standard Lüttich – RSC Anderlecht (23.10.), KAA Gent – FC Brügge (06.11.),Royal Antwerpen – RSC Anderlecht (06.11.), RSC Anderlecht – KRC Genk (12.11.)

Bundesliga: Salzburg trotz Remis auf Kurs, Klose mit Altach weiter am Ende

Ähnlich wie der Club Brügge in Belgien fungiert RB Salzburg (22) in Österreich als sportliches Aushängeschild auf internationaler Ebene. In der Champions League erspielte sich der Dauermeister ein 1:1 beim FC Chelsea – das nächste beachtliche Resultat nach dem 1:1 gegen die AC Milan. Ein leichter Spannungsabfall war im Anschluss daran in der Bundesliga zu betrachten. Trotz Führung nach nicht einmal 60 Sekunden durch Benjamin Sesko kam Salzburg nicht über ein 1:1 gegen Rapid Wien, das auf fremden Platz zurzeit eine bessere Figur abgibt, hinaus. Der Punktverlust wiegt nicht besonders schwer, denn der ärgste Verfolger aus Linz (18) verlor gleich mit 1:4 gegen Tirol und liegt ebenso wie Sturm Graz (18), das in der Europa League eine 0:6-Klatsche bei Feyenoord erlitt, vier Punkte im Hintertreffen.

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Nach den Top-3 klafft eine nach neun Spieltagen durchaus große Lücke von sechs Zählern. Rang vier bis neun trennt dafür lediglich einen Punkt, wobei das mit drei Minuspunkten in die Saison gestartete Austria Wien sich schon bald absetzen könnte. Die Serie von sechs ungeschlagenen Ligapartien am Stück unterstreicht die beachtliche Entwicklung der Mannschaft von Manfred Schmid, die sich erneut Chancen auf die Teilnahme am Europapokal ausrechnen darf. Anders ergeht es dagegen Miroslav Klose beim SCR Altach (5 Punkte). Vor der Länderspielpause setzte es eine bittere 1:4-Heimpleite gegen Klagenfurt. Schon am Sonntag steigt das wegweisende Kellerduell beim SV Ried, der gleichauf mit Altach liegt.

Die wichtigsten Spiele bis zur WM-Pause: RB Salzburg – LASK (01.10.), SV Ried – SCR Altach (02.10.), Rapid Wien – Austria Wien (09.10.), RB Salzburg – Sturm Graz (22.10.), Rapid Wien – LASK (06.11.), LASK – Sturm Graz (13.11.)

Premiership: St. Mirren stoppt Celtic, Rangers finden Anschluss

Sechs Spiele, 18 Punkte und 25:1-Tore: So lautete die herausragende Bilanz von Celtic in der Scottish Premiership vor der Wiederaufnahme des Ligabetriebs nach dem Tod von Queen Elizabeth II. National galten die Bhoys als unantastbar, besonders nach dem 4:0 im Old Firm über die Rangers. Doch im Gastspiel beim FC St. Mirren gab es das böse Erwachen. Dabei trat Celtic gewohnt dominant auf, brachte den Spielstil von Trainer Ange Postecoglu aufs Spielfeld. Die riesige Feldüberlegenheit konnte es allerdings nicht in Zählbares umwandeln. Trotz 19:4-Torschüssen gewann am Ende der Außenseiter mit 2:0, kletterte auf Rang vier und sorgte für große Freude bei den Rangers, die nach drei Pflichtspielniederlagen mit insgesamt 0:11-Toren ihre Pflichtaufgabe gegen Dundee United meisterten (2:1).

Jenes Dundee United steht weiterhin am Tabellenende, zeigte sich aber unter den mittlerweile zum Cheftrainer beförderten Liam Fox deutlich verbessert und somit konkurrenzfähig. Die Messlatte liegt aktuell jedoch nicht allzu hoch, denn Ross County, das zuletzt immerhin zweimal ungeschlagen blieb, und der FC Kilmarnock haben ebenfalls große Probleme. Sie erzielten erst vier bzw. drei Saisontore und tun sich daher äußerst schwer, Spiele auf ihre Seite zu ziehen – und dürften sich in nächster Zeit immer noch im Tabellenkeller aufhalten.

 

 

Die wichtigsten Spiele bis zur WM-Pause: Hearts of Midlothian – Rangers (01.10.), Celtic – Hibernian FC (15.10.), Ross County – Dundee United (15.10.), Hearts of Midlothian – Celtic (22.10.), Rangers – FC Aberdeen (29.10.), Celtic – Dundee United (05.11.), Rangers – Heart of Midlothian (09.11.), St. Mirren – Rangers (12.11.)

Super League: FC Zürich trennt sich von Foda, Basel müht sich

In der Schweiz stand vor der Länderspielpause ein Pokal-Wochenende an. Die zweite Runde des Schweizer Cups bot wenige Überraschungen. Neun von zehn Erstligisten erreichten das Achtelfinale. Mit einem blauen Auge kamen der FC Luzern (1:0 in Bellinzona) und der FC Basel (3:1 in Aarau) davon. Beide Klubs benötigten die Verlängerung, um das Auswärtsspiel bei einem unterklassigen Gegner für sich zu entscheiden. Der FCB geriet sogar in Rückstand und profitierte in der Verlängerung von zwei Platzverweisen zuungunsten des Zweitligisten. Damit gewann Basel das vierte Pflichtspiel am Stück, doch die Leistungen fielen kaum einmal überzeugend aus. In der Super League langte es bisher auch lediglich zu zwei Siegen, verbunden mit Rang sieben.

Immerhin zog der FC Basel im Schweizer Cup weiter, ganz im Gegensatz zum FC Zürich, der einen neuerlichen Tiefpunkt in der noch jungen Spielzeit erlebte. Die Sieglosigkeit aus der Liga wurde mit in den Pokal transportiert. Dort führte der Noch-Meister bis zur fünften Minute der Nachspielzeit beim FC Lausanne, der von Ex-Coach Ludovic Magnin trainiert wird, kassierte das 2:2 und musste sich nach Verlängerung geschlagen geben.

Franco Foda musste den FC Zürich verlassen.

(Photo by Christian Kaspar-Bartke/Getty Images)

Der eigentlich geduldig auftretende Präsident Ancillo Canepa zog daraufhin Konsequenzen und beendete die Zusammenarbeit mit dem erst im Sommer von Erfolgscoach André Breitenreiter übernehmenden Franco Foda. Unter ihm verlor der FCZ zehn von 17 Pflichtspielen, darunter die vergangenen sechs – und entwickelte sich zum Abstiegskandidaten. Als Interimstrainer fungiert zunächst der zuvor bei der U21 tätige Genesis Colatrella. Sein Start hat es in sich: Am Samstagabend steigt das Stadtderby gegen die ungeliebten Grasshoppers, ehe in der Woche darauf das Kellerduell mit Winterthur ansteht.

Die wichtigsten Spiele bis zur WM-Pause: Grasshoppers – FC Zürich (01.10.), Young Boys – FC St. Gallen (08.10.), FC Zürich – FC Winterthur (09.10.), Servette Genf – FC Basel (16.10.), FC Zürich – Young Boys (16.10.), FC Basel – FC Zürich (20.10.), FC St. Gallen – Servette Genf (23.10.), FC Zürich – Grasshoppers (23.10.). Young Boys – FC Basel (30.10.), Servette Genf – Young Boys (06.11.), Grashopper – FC Basel (12.11.)

(Photo by PATRICIA DE MELO MOREIRA/AFP via Getty Images)

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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