Blick über den Tellerrand | Porto demontiert Benfica, Young Boys mit Trainerentlassung trotz Tabellenführung

5. März 2024 | News | BY Yannick Lassmann

Die Berichterstattung über den internationalen Fußball dreht sich hauptsächlich um die führenden fünf europäischen Ligen und ihre Topklubs. Doch auch dahinter wird attraktiver Fußball geboten, auf den wir regelmäßig im „Blick über den Tellerrand“ ein genaueres Auge werfen. Unser Blick richtet sich dabei auf die deutschen Nachbarländer Niederlande, Belgien, Österreich und die Schweiz sowie Portugal und Schottland, die in der UEFA-Fünfjahreswertung starke Positionen einnehmen. Wir blicken auf den portugiesischen O Clássico, das Topspiel der Eredivisie und die Young Boys, die als Erstplatzierter einen Trainerwechsel vornahmen.

Primeira Liga: Porto glänzt auf großer Bühne, Schmidt in der Kritik

Der FC Porto (52 Punkte) wird aller Voraussicht nach zum zweiten Mal in Folge die Meisterschaft verpassen. Doch trotzdem herrscht spätestens seit Sonntagabend große Euphorie um den Klub, der die zwei bedeutendsten Spiele der vergangenen Woche eindrucksvoll für sich entschied, und zwar auf ganz unterschiedliche Art und Weisen. Im Champions-League-Achtelfinalspiel rangen die Dragoes mit einer sehr abgeklärten Vorstellung den FC Arsenal mit 1:0 nieder. Galeno erzielte mit einem sehenswerten Distanzschuss in der vierten Minute der Nachspielzeit das umjubelte Siegtor.



Der Sieg kam keineswegs zufällig zustande. Denn der von Sergio Conceicao bestens eingestellte FC Porto schaffte es Arsenal, das zurzeit in der Premier League eine herausragende Figur abgibt, mit seiner aggressiven und kompakten Spielweise den Rhythmus zu nehmen. So war das Geschehen von vielen Zweikämpfen geprägt, was den teils auch sehr theatralisch agierenden Portugiesen deutlich besser in den Plan passte. Sie besaßen sogar ein leichtes Chancenplus, ehe Galeno einen gelungen Auftritt mit der letzten nennenswerten Aktion des Abends krönte.

Jener Galeno stand auch am Sonntagabend im O Clássico im Vordergrund: Der FC Porto fegte Benfica (58) mit sage und schreibe 5:0 vom Platz. Die Weichen auf Sieg stellte Galeno, der auch auf dem Notizzettel europäischer Topklubs stehen könnte, mit seinen Treffern vor der Pause auf Sieg. Anschließend bereitete der flinke Außenspieler auch noch das 3:0 durch Wendell vor, ehe sich die Gäste auch noch selbst schwächten. Nicolás Otamendi sah nach zwei Frustfouls Gelb-Rot. Pepe und Danny Namsao bauten den Vorsprung in der Endphase weiter aus, sodass der höchste Sieg über Benfica seit 2010 zu Buche steht.

(Photo by MIGUEL RIOPA / AFP) (Photo by MIGUEL RIOPA/AFP via Getty Images)

Beim portugiesischen Rekordmeister ist die Stimmung nach dem Debakel angespannt. Roger Schmidt, im Vorjahr noch gefeierter Meistertrainer, muss sich wieder mit reichlich Kritik auseinandersetzen, auf die er durchaus dünnhäutig reagierte. Er sehe nämlich „keinen Grund“, sich für den Auftritt seiner Mannschaft zu entschuldigen. „Wir haben es nicht absichtlich getan, es war einfach nicht unser Tag“, so Schmidt weiter.

Präsident Rui Costa, eine Benfica-Ikone und 94-facher portugiesischer Nationalspieler, wählte drastischere Worte: „Dieser Abend entspricht nicht den Maßstäben und Zielen des Klubs, er war für alle katastrophal“. Zugleich äußerte er Verständnis für die Aussagen seines Cheftrainers. Dennoch dürfte sich Schmidt auf harte Wochen einstellen müssen. Am Donnerstag zuvor verlor Benfica das Pokal-Halbfinalhinspiel beim Stadtrivalen Sporting mit 1:2. Der Ausgang des Rückspiels sowie die Auftritte in der Europa League, wo im Achtelfinale die Rangers warten, könnte Aufschluss über die Zukunft von Schmidt geben.

Eredivisie: Rasantes Spitzenspiel, Go Ahead Eagles auf Europa-Kurs

Die Maximalpunktzahl von 33 bei einem Torverhältnis von 33:5 sammelte die PSV Eindhoven (66) in ihren bisherigen elf Eredivisie-Heimspielen ein. Am Sonntag gastierte die zweitbeste Mannschaft der Niederlande, nämlich Feyenoord (56), im Philips Stadion. Tabellarisch trennen beide Vereine zehn Punkte. Auf dem Spielfeld fühlte sich der Unterschied wesentlich knapper, auch wenn die Hausherren im ersten Abschnitt die besseren Chancen kreierten, die Führung durch die sehr auffällige Bayern-Leihgabe Malik Tillman trotz zweier Aluminiumtreffer aber nicht veredelten.

Feyenoord glich durch Yankuba Minteh, der ein haarsträubendes Dribbling von Olivier Boscagli bestrafte, aus und ging durch den schon bei 20 Treffern stehenden Torjäger Santiago Gimenez sogar in Führung. Doch auch die PSV Eindhoven hat einen Stürmer auf den Verlass besteht. Luuk de Jong erzielte nicht nur 22 Tore, sondern legte auch bereits elfmal für den Mitspieler auf. Diesmal profitierte Guus Til von seinem feinen Zuspiel und stellte per Volleyabnahme das 2:2-Endresultat her. Somit besitzt die Mannschaft von Peter Bosz weiterhin einen klaren Vorsprung. Die Meisterschaft dürfte ihr nach dem erst dritten Punktverlust in der laufenden Spielzeit kaum noch zu nehmen sein.

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Am Freitag tritt die PSV Eindhoven bei den Go Ahead Eagles (37) an. Womöglich entscheidet sich Bosz mit Blick auf die Champions-League-Partie in Dortmund für die Rotation. Sie wird aber wohl nicht allzu üppig ausfallen. Die Go Ahead Eagles gehören nämlich ebenfalls dem oberen Drittel der Eredivisie an. Dies ist alles andere als selbstverständlich. Der Kader hat lediglich einen Gesamtmarktwert von 18 Millionen Euro. Zum Vergleich: Bei der PSV ist ein Marktwert von über 280 Millionen Euro gegeben und selbst der FC Utrecht oder SC Heerenveen, beide im Tabellenmittelfeld beheimatet, weisen das Doppelte auf.

Dennoch liegt der Klub aus der Hansestadt Deventer nur zwei Punkte hinter Rekordmeister Ajax (39). Dabei weiß er vor allem im Kollektiv, in dem auch der zuvor in 2. Bundesliga und 3. Liga spielende Gerrit Nauber zum Zug kommt, zu überzeugen. Besonders auf sich aufmerksam machten Akteure wie der aus Nijmegen geholte Abwehrchef Boris Kramer, der offensiv denkende Außenverteidiger Bas Kuipers oder die Mittelfeldakteure Philippe Rommens sowie Willum Thór Willumsson. Allesamt Nobodys im europäischen Fußball. Trotzdem haben die Go Ahead Eagles realistische Chancen auf die Teilnahme an der Conference League.

Super League: YB entlässt Wicky nach vier sieglosen Pflichtspielen

Am Montag, dem 12.02.2024, führten die Young Boys (51) mit sieben Punkten Vorsprung auf Servette Genf (50) die Tabelle. Am selbigen Tag trennte sich der Hamburger SV von Trainer Tim Walter. Raphael Wicky, der Berner Chefcoach, wurde als Nachfolger gehandelt. Ein sofortiger Wechsel wäre damals aber nur gegen eine Ablöse umsetzbar gewesen. Drei Wochen darauf beendete YB die Zusammenarbeit mit Wicky.

Was war passiert? Die Young Boys gewannen nur noch eines der darauffolgenden sechs Pflichtspiele. Zum Verhängnis wurden dem auf Ballbesitz setzenden Wicky schließlich die vergangenen sieben Tage. Das Spitzenspiel im Stadion Wankdorf gegen Genf ging mit 0:1 verloren. Darauf folgte das peinliche Aus im Schweizer Cup beim FC Sion, der zwar eine große Pokaltradition besitzt und die Challenge League anführt, aber eigentlich qualitativ deutlich unterlegen ist. Abgerundet wurde die vollkommen misslungene englische Woche mit einem 0:1 beim FC Zürich. Der Treffer durch Ifeanyi Matthew fiel nach nicht einmal 60 Sekunden. YB fand trotz überlegen geführter zweiter Hälfte keine Antwort mehr.

 (Photo by PATRICIA DE MELO MOREIRA/AFP via Getty Images)

Am gestrigen Montag reagierte der Klub und verkündete die Freistellung von Wicky, dessen Vertrag im Sommer ohnehin ausgelaufen wäre. „Nach reiflicher Überlegung sind wir zum Schluss gekommen, dass die Situation festgefahren ist und die Mannschaft frische Energie braucht, um den herausfordernden Weg zurück zum Erfolg gehen zu können“, erklärte Sportvorstand Christoph Spycher.

Neuen Schwung soll der bisherige U21-Trainer Joel Magnin, nicht verwandt mit dem früheren Bundesliga-Profi Ludovic Magnin, bringen. Er soll YB zusammen mit den Co-Trainern Zoltan Kadar und dem bisherigen Nachwuchschef Gérard Castella zum 17. Meistertitel führt. „Nach der Saison werden sie dann wieder in ihren bisherigen Funktionen tätig sein“, verkündete Spycher. Magnin verbleiben zwölf Spiele, um die Tabellenführung zu verteidigen. Den Fokus kann er infolge des Ausscheidens im Pokal und der Europa League (1:3/1:1 gegen Sporting) vollständig auf die Liga richten.

Die Tabellen der anderen Ligen:

Belgien: Jupiler Pro League

Schottland: Premiership

Österreich: Bundesliga

(Photo by MIGUEL RIOPA/AFP via Getty Images)

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.


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