FFP „nicht mehr zweckmäßig“: UEFA will amerikanisches Modell einführen

Ceferin (UEFA) bei der EM 2021
UEFA CL/EL

News | Die UEFA hat offenbar vor, das Financial Fair Play abzuschaffen. Stattdessen möchte sich UEFA-Präsident Aleksander Ceferin anscheinend an einem amerikanischen Modell  bedienen.

UEFA: FFP „nicht mehr zweckmäßig“

Die UEFA befindet sich aktuell in einer Zeit voll von Diskussionen und Reformen. Nun soll das Financial Fair Play (FFO) einer Auffrischung unterzogen werden. UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin (53) soll das akuelle Modell für „nicht mehr zweckmäßig“ halten und einen Blick nach Übersee geworfen haben. Wie der englische Telegraph jetzt berichtet, soll sich die UEFA offenbar am Modell der amerikanischen Major League Baseball (MLB) bedienen wollen.



Das soll den Verantwortlichen ermöglichen, in Echtzeit auf etwaige Verstöße gegen das FFP reagieren zu können. Aktuell ist es noch üblich, im Nachhinein Strafen zu verhängen. Außerdem geht es um die Einführung einer sogenannten „Luxussteuer“. Diese soll die Vereine finanziell regulieren und ihnen sprichwörtlich auf die Finger hauen, wenn das Budget überschritten wird.

Mehr News zum internationalen Fußball (Champions League und Europa League)

In der amerikanischen MLB ist dieses Modell seit Gedenkzeiten Gang und Gebe. Bei Überschreitung des Schwellenwerts der Luxussteuer müssen Teams einen bestimmten Prozentsatz ihrer Mehrausgaben als Strafe zahlen. Dieser Prozentsatz erhöht sich, je nachdem, wie oft der Schwellenwert in den vorangegangenen Jahren überschritten wurde. So haben beispielsweise die New York Yankees seit 2003 rund 350 Millionen Dollar (256 Millionen Pfund) an Luxussteuer gezahlt, die offiziell als „Wettbewerbsausgleichssteuer“ bezeichnet wird.

Bei Verstoß: UEFA könnte Spieler sperren

Denn die Steuer berücksichtigt neben den Ablösesummen und Spielergehältern auch die Honorare für die Berater. Vor jeder Saison müssten die Klubs die Kosten für jeden Spieler angeben und eine Liste mit den 25 Namen einreichen, mit denen man die neue Saison bestreiten möchte. Daraufhin wird von der UEFA geprüft, ob die Finanzen den Kontrollen standhalten. Bei Verstößen könnte der Verband Spieler für die drei UEFA-Wettbewerbe (Champions League, Europa League, Conference League) aus dem Kader streichen. Damit würde die Ausgabenobergrenze wieder stimmen. Wiederholte Verstöße gegen das neue Modell würden disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen, die zu sportlichen Sanktionen führen könnten.

UEFA Geldscheine

Photo by Imago

Das englische Blatt spekuliert zudem, ob es zwei Obergrenzen geben wird. Eine, die sich nur auf die Kaderkosten konzentriert und eine andere, die sich ausschließlich mit dem Gesamtkapital eines Vereins beschäftigt. Die UEFA soll überzeugt von der Idee sein und scheint die Schere zwischen den reichen und weniger wohlhabenden Klubs schließen zu wollen. Durch die neue Steuer würden die Gelder umverteilt werden und die „kleineren“ Vereine ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen.

Überwachung der Finanzen in Echtzeit

Aktuell ist es der UEFA möglich, das FFP erst nach einem gewissen Zeitraum durchzusetzen. Nehmen wir beispielsweise den Transfer von Lionel Messi (34) zu PSG. Die Gehälter des Argentiniers werden aller Voraussicht nach erst in den Finanzergebnissen des nächsten Jahres berücksichtigt werden. Diese Ergebnisse erhält die UEFA wahrscheinlich erst im Oktober 2022. Dadurch entsteht eine große Lücke zwischen dem Zeitpunkt der Ausgaben oder eines Verstoßes und einer möglichen Strafe. Mit dem neuen Modell soll der Verband aktuelle Einblicke in die Klubkonten haben.

Messi (PSG) bei seiner Vorstellung bei PSG

Photo: FedericoPestellini/Panoramic / Imago

Zwar ist die Rede von einer „Steuer“, allerdings soll das Modell wohl einen anderen Namen erhalten, da der Begriff irreführend sein könnte. In einer Zeit, wo auch die Gehälter der Spieler exorbitante Sphären erreichen, will die UEFA diese Entwicklung stoppen. Durch die Maßnahmen möchte der Verband die Löhne an die Leistung koppeln. Durch die genaue Überwachung der Fixkosten in Form von Gehältern, Ablösesummen und Spielervermittlungsgebühren.

Photo by Imago

Sarom Siebenhaar

Die Oranje-Connection entfachte seine Leidenschaft für den HSV. Durch zahlreiche Tiefen schmecken die vereinzelten Höhen umso süßer. Schätzt attraktiven Offensivfußball genauso wie kämpferische Höchstleistungen. Internationaler Top-Fußball findet sich nicht nur in den Big Five. Seit 2021 bei 90PLUS.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ähnliche Artikel

WM-Reformpläne | Wenger: „Ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen“

WM-Reformpläne | Wenger: „Ich bin bereit, dieses Risiko einzugehen“

23. September 2021

News | Die FIFA steht einmal mehr in den Schlagzeilen. Momentan wird darüber debattiert, ob die Weltmeisterschaft künftig alle zwei statt vier Jahre stattfinden soll. Arsene Wenger gilt dabei als ein Befürworter der Reformpläne. Wenger: „Wenn wir so weitermachen, fahren wir gegen die Wand“ Arsene Wenger ist einer der großen Befürworter in der aktuellen Debatte um […]

Marin nach Wechsel zu Ferencvaros: „Es wäre zu früh, um aufzuhören“

Marin nach Wechsel zu Ferencvaros: „Es wäre zu früh, um aufzuhören“

21. September 2021

News | Seit diesem Sommer schnürt Marko Marin seine Schuhe für Ferencvaros. Es ist seine zwölfte Profi-Station im zehnten Land. Ans Aufhören denkt der Ex-Nationalspieler dabei noch nicht. Neue Herausforderung für Marin in Ungarn Zuletzt machte er Station in Saudi-Arabien, nun ist Marko Marin (32) zurück in Europa. Diesmal verschlug es ihn nach Ungarn zu […]

WM- und Spielplanreform: FIFA lädt zum Gipfel ein

WM- und Spielplanreform: FIFA lädt zum Gipfel ein

21. September 2021

News | Der Weltverband FIFA hat die Landesverbände zu einem Gipfel am 30. September eingeladen, Thema sind die Reformpläne im Fußball-Kalender, darunter eine zweijährliche WM.  WM alle zwei Jahre? FIFA lädt zur Debatte ein Bei dem FIFA-Online-Gipfel am 30. September 2021 sollen die Pläne zum internationalen Spielkalender ab 2024 mit den Mitgliedsverbänden und anderen Interessengruppen […]


'' + self.location.search