Saudi-Arabien 2034: Fragen und Antworten zur WM-Vergabe

9. Dezember 2024 | Global News | BY sid

Für die laufende Woche wird erwartet, dass die FIFA ihre Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2034 an Saudi-Arabien bestätigt. Der SID beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Turnier.

WM-Vergabe: Was steht an?

Auf dem virtuellen Kongress des Fußball-Weltverbands FIFA am Mittwoch werden die Weltmeisterschaften 2030 und 2034 im Doppelpack vergeben. Für beide Turniere gibt es jeweils nur eine Bewerbung. Spanien und Portugal wollen die WM in sechs Jahren gemeinsam mit Marokko ausrichten, dazu sollen aufgrund des 100-jährigen WM-Jubiläums in Uruguay, Paraguay und Argentinien Spiele stattfinden. Deutlich umstrittener ist der bevorstehende Zuschlag für 2034 an Saudi-Arabien. Die Vergabe gilt in beiden Fällen als Formsache.

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Wie werden die Turniere vergeben?

Über die beiden Turniere wird „en bloc“ entschieden. Wer also für 2030 stimmt, stimmt automatisch auch für 2034. Dem Vernehmen nach findet die Bestätigung per Akklamation statt. Auf dieses Verfahren hat sich das FIFA-Council um DFB-Präsident Bernd Neuendorf (63) einstimmig verständigt. Kritiker sehen die Doppelvergabe als Abkehr von den Reformen, die infolge des FIFA-Skandals 2015 eingeführt worden waren. Zudem sei Saudi-Arabien durch einige Council-Entscheidungen erst der Weg geebnet worden.

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Was sagt der DFB?

„Ja“ – zu beiden Bewerbungen. Dies hat das Präsidium „einstimmig“ entschieden. „Es gab keine einzige Stimme, die gesagt hat, dass wir hier falsch unterwegs sind“, sagt Neuendorf, der als Mitglied im FIFA-Council übrigens jährlich 250.000 US-Dollar erhält. Er meint: Würde der DFB sich gegen Saudi-Arabien stellen, „hätten wir uns aus dem Spiel genommen. Wir müssen mit der FIFA darauf hinwirken, dass sich die Situation in Saudi-Arabien, was Menschenrechte und Nachhaltigkeit betrifft, verbessert.“ Eine Ablehnung der Bewerbung sei „reine Symbolpolitik“. Auch andere europäische Verbände, die etwa 2022 in der „One Love“-Thematik involviert waren, befinden sich weitgehend ruhig auf der FIFA-Linie.

Warum eigentlich Saudi-Arabien?

Kritiker werfen der FIFA unter ihrem Präsidenten Gianni Infantino (54) vor, dass sie den großen Geldgebern hörig ist. Infantinos Vorgänger Joseph S. Blatter sagt über seinen Landsmann, dass er die Geldmaschine immer mehr anheizt. In diesem Kontext wird auch Infantinos Präferenz für Saudi-Arabien gesehen – aller Proteste zum Trotz. Australien sah sich chancenlos gegen die Saudis und verzichtete auf eine Bewerbung.

Die Skyline der saudi-arabischen Hauptstadt Riad

(Photo by Justin Setterfield/Getty Images)

Was ist mit dem Thema Menschenrechte?

Erst kürzlich erhob Human Rights Watch in einem Bericht erneut schwere Vorwürfe gegen Saudi-Arabien. Darin geht es um Zwangsarbeit, grassierenden Lohndiebstahl oder unzureichenden Schutz vor extremer Hitze. Auch nicht untersuchte Todesfälle von Arbeitern werden dokumentiert. Die Situation in dem Land, das den Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018 beauftragt haben soll, wird teilweise noch kritischer als vor der WM 2022 in Katar beschrieben.

Wie bewertet die FIFA die Menschenrechtslage?

Die FIFA bescheinigt Saudi-Arabien eine „einmalige, innovative und ambitionierte Vision“, im jüngsten Prüfbericht wird von einem „mittleren Risiko“ beim Blick auf die Menschenrechte ausgegangen. Dabei beruft sich die FIFA auch auf eine Bewertung einer in Saudi-Arabiens Hauptstadt Riad ansässigen Kanzlei, die von Menschenrechtlern als „künstlich eingeschränkt, irreführend und übermäßig positiv“ bezeichnet wird.

Wie geht es weiter?

Dieser „gefälschte Evaluierungsprozess der FIFA“ werde „unvorstellbare menschliche Kosten verursachen, einschließlich negativer Auswirkungen auf Wanderarbeiter und ihre Familien“, sagte Michael Page, stellvertretender Direktor für den Nahen Osten bei Human Rights Watch. Für das Turnier sind umfangreiche Baumaßnahmen nötig wie beispielsweise elf neue und vier renovierte Stadien. Dazu gelten die klimatischen Bedingungen im Sommer als riskant, wie bereits 2022 dürfte in Saudi-Arabien im Winter gespielt werden.

Ein Stadion der WM 2022 in Katar

(Photo by David Ramos/Getty Images)

Was sagen die Nationalspieler und der Bundestrainer?

Aufgrund seiner negativen Erfahrungen in Katar wünscht DFB-Kapitän Joshua Kimmich (29) seinen Nachfolgern, „dass sich die Jungs in zehn Jahren auf das Sportliche konzentrieren können“. Auch Julian Nagelsmann (37) sieht die Aufgabe des Teams darin, sich „sportlich“ vorzubereiten – „unabhängig davon, wo das Turnier stattfindet.“ Er betonte aber auch: „Dass nicht alle Dinge top funktionieren in Saudi-Arabien, liegt auf der Hand.“

Welche Ziele verfolgt Saudi-Arabien im Sport und mit der WM?

Die dänische Initiative „Play the Game“ hat 910 Partnerschaften des Königreichs in verschiedenen Sportarten ausgemacht. Diese seien „Teil einer der Strategie, das globale Image des Königreichs zu verbessern und gleichzeitig den Sport als Instrument geopolitischen Einflusses zu nutzen“, sagte Stanis Elsborg von „Play the Game“ dem WDR-Magazin Sport inside. Der Einfluss im Fußball ist riesig, der staatliche Ölkonzern gehört beispielsweise seit diesem Jahr zu den FIFA-Sponsoren, der Staatsfonds (PIF) hat den Premier-League-Klub Newcastle United übernommen. Aber auch in der Formel 1, im Golf oder im Boxen mischt Saudi-Arabien längst im großen Stil mit. (SID)

(Photo by KIRILL KUDRYAVTSEV/AFP via Getty Images)


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