Taktik | BVB bereit für das Gipfeltreffen gegen Bayern

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Borussia Dortmund hat den Bundesliga-Restart sehr gut gemeistert und alle Trümpfe in der Hand, den Kampf um die Schale weiterhin offen zu halten. Personell kann Lucien Favre in der Offensive aus dem Vollen schöpfen, doch in der Defensive drückt an manchen Stellen der Schuh. Wir werfen einen Blick auf die kommende Partie gegen Bayern München und beleuchten die Taktik der Dortmunder.

In den beiden Ligabegegnungen gegen Schalke (4:0) und Wolfsburg (2:0) setzte BVB-Trainer Lucien Favre unverändert auf das bisherige 3-4-3 und knüpfte damit an die erfolgreiche Rückrunde an. Nach dem Ausfall von Dan-Axel Zagadou, rückte Manuel Akanji als linker Halbverteidiger in die Dreierkette und zeigte in den beiden Spielen stabile Leistungen. Die Ausfälle von Emre Can und Axel Witsel konnte der BVB sehr gut durch Mo Dahoud und Thomas Delaney kompensieren. Insbesondere Delaney erwies sich als wichtiger Baustein in der Zentrale und konnte viele Bälle und Zweikämpfe gewinnen. 

(Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

BVB offensiv auf Hochtouren

Der Angriff des BVB zeigte sich insbesondere im Revierderby gegen Schalke sehr spielfreudig und brand(t)gefährlich. Erling Haaland konnte einen fast schon zur Selbstverständlichkeit gewordenen Treffer verzeichnen, auch Thorgan Hazard trug sich gegen Schalke in die Torschützenliste ein. Auffällig darüber hinaus, dass die Schienenspieler Raphael Guerreiro und Achraf Hakimi insgesamt vier Treffer erzielen konnte. Beide Spieler profitieren stark vom 3-4-3, können sie doch durch die Absicherung durch die Halbverteidiger der Dreierkette noch weiter aufrücken und von breiten Positionierungen im Feld immer wieder in die gefährlichen Räume des Strafraums stoßen. 

Gegen Wolfsburg konnte häufiger beobachtet werden, dass der BVB seine Außenbahnen aus der Abwehr heraus durch lange Diagonalbälle von Akanji oder Mats Hummels immer wieder in aussichtsreiche Positionen gebracht hat. Durch schnelle Seitenverlagerungen können auf diese Weise Überzahlen geschaffen werden, die in vielen Fällen auch noch durch den sehr flexiblen Julian Brandt unterstützt werden. 

Dadurch konzentriert Dortmund seine Offensivkräfte auf einer Seite und kann durch Freispiel- und Freilaufbewegungen hinter die gegnerische Abwehr kommen. Sehr oft wird Hakimi aus seiner exponierten Positionierung dann mit einem Schnittstellenpass eingesetzt, der dann wiederum von der Grundlinie sehr viele Anspielmöglichkeiten im Zentrum vorfindet. 

Durch die Fokussierung auf eine Spielseite orientieren sich die gegnerischen Spieler ebenfalls auf diesen Bereich und lassen auf diese Weise Freiräume auf der gegenüberliegenden Seite entstehen. Hier kann dann beispielsweise Guerreiro aus seiner linken Offensivposition in den Strafraum ziehen und für Torgefahr sorgen. Nach diesem Muster konnte der BVB beispielsweise den Führungstreffer gegen Wolfsburg erzielen und damit die offensiven Vorzüge des 3-4-3 auskosten.

Brandt erweist sich dabei immer mehr als Stütze für die BVB-Offensive. Der Ex-Leverkusener besticht durch seine Vielseitigkeit und verleiht den Angriffsbemühungen durch seine Kreativität die nötigen Überraschungsmomente. Seine Spielweise entspricht dabei nicht der eines klassischen Flügelspielers, der auf den Außenbahnen „klebt“, Brandt spielt sehr flexibel aus seiner Position heraus und sorgt dafür, dass die Offensive von Borussia Dortmund in die gefährlichen Zonen vordringen kann. 

Neben den funktionierenden, taktischen Abläufen ist der BVB offensiv zudem personell bestens besetzt. Mit Giovanni Reyna und Jadon Sancho konnte Favre gegen den VfL Wolfsburg Qualitätsspieler auf der Bank lassen, von denen so manch Trainerkollege nur träumen kann. Es bleibt abzuwarten, welchen Spielern Favre im Spitzenspiel das Vertrauen schenkt, Julian Brandt dürfte seinen Startplatz nach den überzeugenden Leistungen jedoch sicher haben. 

BVB: Defensive als Black-Box

Zwei Spiele, null Gegentore. Ein Traum für den jeden Trainer, Abwehrspieler und Torwart. Doch die oben angesprochenen Offensivqualitäten des 3-4-3 haben eine Kehrseite und können defensiv zum Risiko werden. 

Die offensiv ausgerichteten Außenbahnen sind grundsätzlich nur einfach besetzt und können große Freiräume und Lücken eröffnen, wenn sie sich am Offensivspiel beteiligen. Hier wird es Aufgabe der zentralen Mittelfeldspieler und Halbverteidiger der Dreierkette sein, in den richtigen Momenten die eigenen Positionen zu verlassen und die defensiven Außen zu verteidigen. Kingsley Coman, Serge Gnabry und Ivan Perisic haben auf der Gegenseite extreme Qualität und können jede noch so kleine Nachlässigkeit auf den Außenseiten konsequent ausnutzen. 

Defensiv musste der BVB in den zwei Partien nach dem Restart noch keine allzu großen Bewährungsproben bestehen, zu harmlos und umständlich präsentierten sich Schalke und Wolfsburg in den eigenen Angriffsbemühungen. Hier schwingt daher ein gewisses, nicht greifbares Risiko mit, in welcher Verfassung die Abwehr der Borussia tatsächlich ist. Die Besetzung der Mittelfeldzentrale wird dabei ausschlaggebend für Erfolg oder Misserfolg sein. Delaney verrichtete seine Aufgabe wie bereits angesprochen über weite Strecken sehr gut und dürfte am Dienstag in der Startelf auflaufen. Winterneuzugang Can konnte gegen Wolfsburg eine Halbzeit durchspielen und zeigte sich ebenfalls in einer guten Verfassung. Tendenziell dürfte er den Vorzug vor Dahoud erhalten, der zwar durchaus zu gefallen wusste, seine Hauptqualitäten jedoch nicht in der Erfüllung von Defensivaufgaben hat. Somit dürfe Can die Position neben Delaney einnehmen und damit eine zumindest auf dem Papier stabile Mittelfeldzentrale bilden. 

Extrem wichtig ist zudem die Frage, ob Hummels am Dienstag wie erhofft spielbereit ist. Der ehemalige Bayernspieler ist Fixpunkt der Dreierkette des BVB und lautstarke Organisator des gesamten Konstrukts. Durch die zentrale Position zwischen den Halbverteidigern Akanji und Piszczek kann sich Hummels primär auf sein Stellungsspiel konzentrieren und wird in weniger Laufduelle verwickelt, in denen seine Geschwindigkeitsdefizite zu Tage kommen könnten. Sollte Hummels ausfallen, könnte Can auf seine Position rücken und dann möglicherweise den Startplatz für Dahoud frei machen. 

BVB gegen Bayern: Der Ausblick

Lucien Favre dürfte weiterhin auf das 3-4-3 setzen. Offensiv wird es voraussichtlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Hazard und Sancho um die letzte freie Planstelle hinter Haaland geben. Unabhängig davon, wie Favre sich entscheidet, wird er in beiden Fällen über sehr viel Wechselpotenzial verfügen und Qualität von der Bank bringen können. 

Es wird vornehmlich darauf ankommen, wie der BVB die Offensive der Bayern kontrollieren kann. In den letzten Aufeinandertreffen gab es überdurchschnittliche viele (frühe) Gegentore. Dies zu vermeiden, wird primäre Aufgabe der Borussia sein. Im Angriff greifen die Abläufe aktuell sehr gut ineinander und müssen sich auch vor dem Tabellenführer aus München nicht verstecken. 

Verliert der BVB das Heimspiel gegen Bayern, wird es danach sehr schwer werden, eine erneute Titelverteidigung der Münchener zu verhindern. Der FCB müsste dann in den verbliebenen sechs Partien dreimal patzen, was in Anbetracht der aktuellen Verfassung des Teams unwahrscheinlich erscheint. Um die Titelträume am Leben zu erhalten, bedarf es für den BVB zumindest eines Unentschiedens, um den Konkurrenten aus dem Süden nicht davonziehen zu lassen. Bei einem Heimsieg rückt der BVB bis auf einen Punkt an Bayern ran und kann das Rennen um die Meisterschaft spannend und offen halten. 

Olaf von footballyse-it

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(Photo by Michael Sohn/Pool via Getty Images)

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