A La Liga | Barças erste Bestätigung, Sevilla mit erwartbaren Problemen – Die Brennpunkte

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Spotlight | Drei Spieltage sind rum in La Liga. Während in Barcelona und Villarreal gute Laune herrscht, richtet sich der Blick im rot-weißen Stadtteil Sevillas nach unten.

In „A La Liga“ thematisiert 90PLUS-Redakteur Michael Bojkov ab sofort die Brennpunkte des spanischen Fußballs. Das neue Format erscheint im zweiwöchigen Rhythmus.

FC Barcelona: Die Lok kommt ins Rollen

Der FC Barcelona hat eine beispiellose Sommer-Shoppingtour hinter sich. Mit Andreas Christensen, Jules Kounde, Franck Kessie, Raphinha und allen voran natürlich Robert Lewandowski haben die Katalanen in allen Mannschaftsteilen ordentlich nachgerüstet. Nominell gehört der Kader von „Blaugrana“ spätestens jetzt wieder ins oberste Fußballregal – auch außerhalb der spanischen Landesgrenzen. Damit ist auch klar: Jetzt müssen sie liefern. Und das tun sie. Zum Auftakt gegen Rayo Vallecano kam man zwar nicht über ein 0:0 hinaus, erste gute offensive Ansätze waren aber sichtbar. Gerade im zweiten Durchgang erspielte man sich gute Chancen, ein Sieg wäre definitiv drin gewesen. Das unterstreicht auch die Expected-Goals-Statistik, nach der Barça mit 2:1 hätte gewinnen müssen (fbref.com).



Sei es drum, dafür kam die Maschine die Woche darauf ins Rollen. Das Gastspiel in San Sebastian eröffnete Lewandowski früh mit seinem ersten Tor in La Liga, im zweiten Durchgang wurde es dann deutlich. Der Pole, Ousmane Dembele sowie die eingewechselten Raphinha und Ansu Fati drehten auf und zerlegten Europa-League-Teilnehmer Real Sociedad innerhalb von 14 Minuten. Am Ende stand ein 1:4 auf der Anzeigetafel. Die Fortsetzung des Offensivfeuerwerks folgte vergangenes Wochenende, als Barça erstmals auch vor heimischem Publikum glänzte und Aufsteiger Real Valladolid mit einem souveränen 4:0-Sieg die Grenzen aufzeigte. Damit kann von einem durchaus gelungenen Saisonstart die Rede sein.

Noch funktioniert nicht alles. So hatte man gegen Real Sociedad insbesondere im unter Xavi sehr mannorientierten Pressing Probleme, gewährte dem Gegner gefährliche Räume vor der eigenen Abwehrkette, die er mit etwas mehr Effizienz und einem weniger überragenden Marc-Andre ter Stegen hätte bestrafen können. Auch in der Abwehr gibt es noch das ein oder andere personelle Fragezeichen. So ist die Rechtsverteidiger-Position weiterhin vakant, auch ein festes Innenverteidiger-Pärchen muss sich noch bilden. 

Kurzum: Es ist noch nicht alles perfekt. Das war angesichts der vielen Neuzugänge, deren Integration in der Mannschaft selbstredend Zeit bedarf, aber auch nicht zu erwarten. Es ist nach wie vor ein Prozess, der Xavi und seine Mannschaft auch in dieser Saison begleiten wird. Der positive Saisonstart war aber eine erste Bestätigung dafür, dass sich Barça in sportlicher Hinsicht auf dem richtigen Weg befindet.

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Fehlstart in La Liga: Diego Carlos und Kounde hinterlassen große Fußstapfen in Sevilla

30, 33, 34 – nein, das sind keine Lottozahlen, sondern die Gegentore des FC Sevilla in den vergangenen drei La-Liga-Saisons. Einen großen Anteil an dieser starken Quote hatte das Innenverteidiger-Pärchen Diego Carlos und Jules Kounde. Insofern: Für Trainer Julen Lopetegui war das Duo vielleicht sogar eine Art Sechser im Lotto. Jetzt sind beide weg – und das macht sich im Spiel der Andalusier bemerkbar. Aus den ersten drei Partien gegen Osasuna sowie die Aufsteiger Valladolid und Almeria – alles schlagbare Gegner – gab es gerade mal ein Pünktchen.

Ein Problem liegt auf der Hand: Die Innenverteidigung. Dort spielen im Moment Karim Rekik und Neuzugang Tanguy Nianzou. Ex-Herthaner Rekik hatte insbesondere im Andalusien-Derby gegen Almeria (1:2) Probleme, ließ sich nicht nur einmal vom Gegenspieler abschütteln. Nebenmann Nianzou zeigte beim Debüt gegen Valladolid (1:1) zwar ordentliche Ansätze, das Gegentor wurde aber durch seinen Stellungsfehler begünstigt, und auch an der Niederlage in Almeria hatte der Ex-Bayern-Spieler seine Aktien. Allgemein passt die Abstimmung in der Hintermannschaft in vielen Situationen noch überhaupt nicht, dazu kommen individuelle Aussetzer wie der von Fernando vor Almerias Ausgleich durch Stürmer Largie Ramazani.

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(Photo by CRISTINA QUICLER / AFP) (Photo by CRISTINA QUICLER/AFP via Getty Images)

Die Tatsache, dass bislang auch offensiv die nötige Durchschlagskraft fehlt, macht den Fehlstart rund. Was Lopetegui zumindest ein Stück weit entlastet, ist, dass die Probleme defensiver Natur zu erwarten waren. Klar ist aber auch: Die Sevillistas müssen jetzt liefern.

Neuzugang Marcão konnte bislang nicht eingreifen und wird es aufgrund einer Verletzung auch mindestens in den nächsten drei Wochen nicht können. Ob Sportdirekor Monchi nochmal auf dem Transfermarkt reagiert und die Innenverteidigung verstärkt, bleibt abzuwarten. Der nächste Gegner ist übrigens kein geringerer als der FC Barcelona, der nach den deutlichen Siegen über Real Sociedad und Valladolid bereit für das nächste Offensivfeuerwerk ist. Danach stehen mit Espanyol, Villarreal, Atletico und dem Athletic Club weitere knackige Aufgaben an, gesandwicht von Champions-League-Gruppenspielen gegen Manchester City und den BVB. Die Aussichten unter den Dächern des Ramon Sanchez Pizjuan waren in jedem Fall schon mal besser.

Villarreal behandelt seine LaLiga-Allergie

3:0 in Valladolid, 2:0 im Metropolitano bei Atleti – der Saisonauftakt ist für den FC Villarreal geglückt. Das darauffolgende torlose Remis beim FC Getafe macht zwar einen kleinen Kratzer in die Statistik, aber auch im Coliseum Alfonso Perez war man die überlegene Mannschaft, hätte mit etwas mehr Glück und Effizienz vor dem gegnerischen Tor den dritten Dreier mitnehmen können. 

Hauptverantwortlich für den gelungenen Auftakt ist das stabile Grundgerüst der Mannschaft. Torhüter Geronimo Rulli musste noch kein einziges Mal hinter sich greifen, was daran liegt, dass Villarreal gegen den Ball geschlossen und gut organisiert auftritt, die Abläufe im Pressingverhalten stimmig sind. Dem Offensivspiel gibt Dani Parejo die nötige Struktur, der Taktgeber und zugleich Kreativposten ist. Vorne ist die Mannschaft mit einem Mix aus Talent und Klasse gesegnet. Yeremy Pino, Samuel Chukwueze, Alejandro Baena und Nicolas Jackson sorgen für jede Menge Wirbel und bereiten den gegnerischen Verteidigern Probleme. Über allem schwebt weiterhin Top-Torjäger Gerard Moreno, der nach eigenem Selbstverständnis mit Lewandowski und Karim Benzema um die Pichichi-Trophäe konkurrieren will.

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(Photo by Thomas COEX / AFP) (Photo by THOMAS COEX/AFP via Getty Images)

Kurzum: Der Kader von Villarreal liest sich gut, die fußballerische Ausrichtung unter Unai Emery passt. Der vielleicht wichtigste Faktor für die starken Leistungen zuletzt ist aber – so banal es klingen mag – die Einstellung. 2020/21 gewann Villarreal die Europa League, vergangene Saison kamen sie bis ins Halbfinale der Champions League, schmissen Juventus und den FC Bayern aus dem Turnier. Die Erfolge kamen nicht von ungefähr, waren das Resultat starker Arbeit vor wie hinter den Kulissen. Allerdings litten die Resultate in der Liga darunter. Während man im Europapokal regelmäßig die Massen vom Hocker riss, gestalteten sich die Ligaauftritte lustlos und zäh. Folglich war Platz sieben das bislang höchste und einzige der Gefühle unter Emery. 

Schafft Villarreal es, die Liga-Tristesse der vergangenen Jahre abzuschütteln? Der überzeugende Saisonstart lässt hoffen. Ein weiterer wichtiger Punkt, der die Fans vom Angriff auf die Champions-League-Plätze träumen lässt: Das „Gelbe U-Boot“ ist in dieser Saison nur in der Conference League vertreten, wo die Gruppengegner Austria Wien, Hapoel Beer Sheva und Lech Posen heißen, im Härtefall West Ham oder die Fiorentina in einer späteren K.o.-Runde wartet. Entsprechend sollte La Liga in der Prioritätenliste nach oben rücken.

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Michael Bojkov

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