Die deutsche Nationalmannschaft testete am Freitagabend gegen die Schweiz und präsentierte sich beim 4:3-Sieg nur bedingt in WM-Form. Während die Offensive – insbesondere Florian Wirtz – ansehnlichen Fußball zeigte, wirkte die Defensive in zu vielen Situationen unsortiert und präsentierte sich 76 Tage vor dem WM-Start noch nicht sattelfest.
Die DFB-Stars in der 90PLUS-Einzelkritik.
Oliver Baumann:
Der designierte WM-Keeper war bei allen drei Gegentoren im Prinzip machtlos (auch wenn das dritte Gegentor mit einem Zwischenschritt vielleicht zu verhindern gewesen wäre), konnte sich auf der Linie auch sonst nicht auszeichnen. Spielte in Minute 73 mal in bester Neuer-Manier mit. Note: 4
Joshua Kimmich:
Mit Ball kurbelte Kimmich als inverser Außenverteidiger immer wieder an und spielte einige gute Pässe ins Zentrum. Auch gegen den Ball hatte er phasenweise wichtige Ballgewinne, seine Positionierung vor dem 0:1 war jedoch nicht optimal. Note: 3
Jonathan Tah:
Das Abwehrduo mit Nico Schlotterbeck wirkte noch nicht wirklich abgestimmt, was allerdings nicht primär am Innenverteidiger des FC Bayern lag. Tah erzielte zunächst den Ausgleich zum 1:1, verlor später jedoch den entscheidenden Zweikampf gegen Breel Embolo. Kurz darauf bereinigte er eine weitere brenzlige Szene allerdings stark. Ein insgesamt solider Auftritt mit einem entscheidenden Makel. Note: 3
Nico Schlotterbeck:
Als Hoffnungsträger für die vakante Rolle neben Jonathan Tah erwischte Schlotterbeck einen rabenschwarzen Abend. Seine Fehlpässe leiteten sowohl das 0:1 als auch das 1:2 ein, zudem brachte er nur 84 Prozent seiner Zuspiele zum Mitspieler. Für einen eigentlich so spielstarken Innenverteidiger ein ungewohnt schwacher Auftritt. Note: 5
David Raum:
Julian Nagelsmann gilt als großer Befürworter des Leipziger Linksverteidigers, doch Raum konnte im Duell mit Nathaniel Brown diesmal kaum Akzente setzen. Seine sonst so gefährlichen Vorstöße verpufften weitgehend, defensiv erledigte er seine Aufgaben solide. Note: 4
Angelo Stiller:
Als Teil der umfunktionierten Doppel-Sechs überzeugte Stiller vor allem mit Ball. Der Stuttgarter glänzte mit linienbrechenden Pässen und hoher Ballsicherheit. Gegen den Ball wurden seine Schwächen jedoch sichtbar, etwa beim 0:1, als er im direkten Duell zu passiv verteidigte. Licht und Schatten also. Note: 3
Leon Goretzka:
Eine fast schon klassische Goretzka-Leistung. Spielerisch passt sein Profil nicht immer ideal zur technisch starken Offensive der DFB-Elf, weil Ballannahme und -mitnahme bei ihm immer wieder Tempo aus den Aktionen nehmen. Mit seinen Vorstößen aus dem Zentrum sorgte er dennoch erneut für Präsenz und Torgefahr. Defensiv leistete er sich vor dem 3:3 allerdings einen gravierenden Fehler im Zweikampfverhalten. Note: 4
Leroy Sané:
Die Frage, warum ein Reservist von Galatasaray in der Startelf der deutschen Nationalmannschaft steht, konnte Sané an diesem Abend nicht beantworten. Zwar wirkte er körperlich präsent, offensiv blieb sein Auftritt jedoch erneut zu teilnahmslos und fehleranfällig. Die Chance, sich aufzudrängen, nutzte er nicht. Note: 5
Florian Wirtz:
Der Offensivspieler des Liverpool FC begann nominell auf der linken Seite und war ohne Zweifel der auffälligste deutsche Akteur. Wirtz überzeugte mit Kreativität, Passsicherheit und mehreren starken Lösungen im letzten Drittel. Beide deutschen Treffer in der ersten Halbzeit bereitete er stark vor, ehe ihm nach dem Seitenwechsel mit den Treffern zum 3:2 und 4:3 selbst noch zwei Geniestreiche gelangen. Eine überragende Leistung. Note: 1
Serge Gnabry:
Die Rolle hinter den Spitzen scheint Gnabry ideal zu liegen – das zeigte sich auch diesmal. Zwar blieb er über weite Strecken unauffälliger als im FCB-Dress, trug sich mit dem Treffer zum 2:2 aber dennoch in die Torschützenliste ein und war damit einmal mehr einer der spielentscheidenden Akteure. Note: 2
Kai Havertz:
Im Kombinationsspiel zeigte Havertz durchaus brauchbare Ansätze, im letzten Drittel fehlte ihm jedoch der letzte Punch. Vor dem Tor agierte er nicht konsequent genug, dennoch war es für sein DFB-Comeback eine insgesamt ordentliche Leistung. Note: 3
Lennart Karl (ab der 63. Minute):
Kam für Leroy Sané in die Partie und wusste bei seinem Nationalmannschaftsdebüt direkt zu überzeugen. Der Youngster stellte die Schweizer Defensive mit seiner Dynamik und Unbekümmertheit mehrfach vor Probleme und hatte Pech, dass Goretzka eine starke Hereingabe nicht verwerten konnte. Dennoch ein vielversprechender erster Auftritt mit guten 30 Minuten. Note: 2
Nick Woltemade (ab der 63. Minute):
Löste Kai Havertz ab und brachte gemeinsam mit Karl neuen Schwung ins deutsche Offensivspiel. Beteiligte sich aktiv am Kombinationsspiel und zeigte eine ansprechende Leistung, auch wenn ihm die entscheidende Aktion verwehrt blieb. Note: 3
Pascal Groß (ab der 80. Minute):
Keine Bewertung mehr.
Anton Stach (ab der 80. Minute):
Keine Bewertung mehr.

