Bournemouth, Everton und Co: 6 Abstiegskandidaten der Premier League im Check ǀ Teil 1

Premier League: Bournemouth, Everton, Leeds, Nottingham und Co. im Abstiegskampf
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Premier League ǀ In dieser Saison werden wir Euch in einem monatlich erscheinenden Artikel auf dem Laufenden halten, wie sich der Abstiegskampf der Premier League entwickelt.

Da zum aktuellen Zeitpunkt der Saison noch nicht abschließend abzusehen ist, welche Teams sich am Ende der Tabelle tummeln werden, wird es in diesem ersten Artikel des neuen Formats um den Transfersommer und den Saisonstart der sechs Teams gehen, die vor der Saison von den meisten Experten im Abstiegskampf gesehen wurden:

Premier League: Die Aufsteiger

AFC Bournemouth

Der Aufsteiger aus dem Süden des Landes gab im Transferfenster für englische Verhältnisse sehr wenig Geld aus. Nur für zwei Spieler wurde überhaupt eine Ablöse gezahlt, namentlich Innenverteidiger Marcos Senesi (25, für 15 Millionen Euro aus Feyenoord) und Mittelfeldmann Marcus Tavernier (23, für 12 Millionen Euro aus Middlesbrough). Dazu holten die Cherries drei ablösefreie Spieler für die Kaderbreite. Das in Kombination mit der geringen individuellen Qualität im Aufstiegskader macht Bournemouth vor der Saison zum Abstiegskandidaten Nummer 1 der Premier League.



Das Auftaktprogramm war extrem hart für die Cherries, in den ersten vier Spielen ging es gegen drei Topteams. Nach einem überraschenden Auftaktsieg gegen Aston Villa (2:0), in dem man zeigte, dass der Klassenerhalt durchaus möglich ist und dass Bournemouth mit mannschaftlicher Geschlossenheit und einem klaren Plan die fehlende individuelle Qualität ausgleichen kann, ging gegen Manchester City (0:4), Arsenal (0:3) und Liverpool (0:9) nichts. Die historische Pleite in Anfield gegen den LFC veranlasste die Verantwortlichen gar, Trainer Scott Parker (41) vor die Tür zu setzen.

Zur Tabelle der Premier League

Das war durchaus verständlich. Denn nach einer solchen Niederlage muss man etwas verändern. Da Bournemouth nicht die finanziellen Mittel hat, nochmal groß einzukaufen, und der Kader keine großen internen Veränderungen zulässt, blieb nur ein Trainerwechsel. Kurzfristig übernahm der ehemalige Co-Trainer Gary O’Neil (39), der die Cherries auch in die Partie gegen die Wolverhampton Wanderers führte. Unter O’Neil rang man den Wolves zu Hause ein torloses Remis ab. Somit steht Bournemouth aktuell bei vier Punkten in der Premier League. Das ist für ihre Verhältnisse nicht schlecht, dennoch muss man sehen, welche Narben die turbulente Saisoneröffnung hinterlassen wird. Am Deadline Day wurde dann noch Innenverteidiger Jack Stephens (28) aus Southampton geliehen, um die Abwehr zu verstärken.

Fulham FC

Fulham ist in den letzten Jahren zu einer echten Fahrstuhlmannschaft geworden. In den letzten fünf Saisons stieg der Klub dreimal in die Premier League auf und die ersten beiden Male direkt wieder ab. Das soll diesmal anders werden. Dafür hat man bereits 2021 die Weichen gelegt, als man viele Stammspieler halten konnte. Einer davon ist Aleksandar Mitrovic (27). Der Angreifer zeigte im Aufstiegsjahr seine Qualitäten und pulverisierte den Torrekord in der zweiten englischen Liga. Der Serbe erzielte in 44 Spielen unfassbare 43 Tore.

Mitrovic trifft gegen Liverpool

(Photo by JUSTIN TALLIS/AFP via Getty Images)

Auch diese Saison ist er wieder sehr gut drauf, nach fünf Spielen steht der Angreifer bei fünf Toren. Von den Leistungen Mitrovics wird viel abhängen im Bezug auf den Abstiegskampf. Dazu kaufte der Verein von Trainer Marco Silva (45) anders als bei den letzten beiden Aufstiegen diesmal clever ein. Unter anderem kamen aus Wolfsburg Rechtsverteidiger Kevin Mbabu (27) und von Arsenal Keeper Bernd Leno (30).

Der wichtigste Neuzugang ist Joao Palhinha (26). Der Portugiese kam für 20 Millionen Euro von Sporting und ist der zentrale Mann im Mittelfeld. Der Saisonstart ist durchaus geglückt. Gegen Liverpool (2:2) und die Wolves (0:0) holte man unerwartete Unentschieden, gegen Brentford (3:2) und Brighton (2:1) gab es jeweils drei Punkte. Nur gegen Arsenal verlor Fulham knapp (1:2), man konnte jedoch auch hier mitspielen. Mit acht Punkten sind die Cottagers in der Premier Leaguevoll im Soll. Dennoch schlug der Klub am Deadline Day noch gleich viermal zu. Linksverteidiger Layvin Kurzawa (29) kam von PSG, der ehemalige Chelsea- und Arsenal-Flügelspieler Willian (34) aus Brasilien sowie Stürmer Carlos Vinicius (27) von Benfica. Dazu wechselte Flügelspieler Daniel James (24) von Leeds United per Leihe zu Fulham.

Nottingham Forest

Der Aufsteiger, der im Sommer am meisten für Aufsehen gesorgt hat, ist sicherlich Nottingham Forest. Die Reds gaben auf dem Transfermarkt extrem viel Geld aus und erneuerten ihren Kader nahezu vollständig. 19 neue Spieler kamen für insgesamt 160 Millionen Euro. Vier Spieler kamen aus der Bundesliga. Taiwo Awoniyi (24) kam für 20 Millionen Euro von Union Berlin, Orel Mangala (24) für 13 Millionen Euro von Stuttgart, Moussa Niakhate (26) für zehn Millionen Euro aus Mainz und Omar Richards (24) für 8,5 Millionen Euro von den Bayern.

Diese Auffrischung des Kaders war allerdings auch nötig, da der Aufstieg in die Premier League zu großen Teilen auf den Leistungen von Leihspielern basierte. Vier Stammspieler verließen den Verein im Sommer nach erfolgreichen Leihgeschäften. Der Kader war zu Beginn des Sommers wahrscheinlich nicht mal zweitligatauglich. Und auch die Summen, mit denen hantiert wurde, sind angesichts der Tatsache, dass ein Klassenerhalt dem Verein rund 200 Millionen Euro an Fernsehgeldern bringt, ebenfalls nachvollziehbar.

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Dass der Kader nun in Kombination mit dem starken Trainer Steve Cooper (42) in der Premier League konkurrenzfähig ist, sah man bereits an den ersten Spieltagen. Gegen ein starkes Newcastle (0:2), Tottenham (0:2) und Manchester City (0:6) gab es zwar nichts zu holen, doch im ersten Heimspiel konnte man Europapokalteilnehmer West Ham United schlagen (1:0) und bei Everton holte man immerhin einen Punkt (1:1). Dieses Spiel hätte man durchaus auch gewinnen können, ein später Ausgleich (88.) verhinderte dies. So steht man gemessen am schweren Auftaktprogramm mit vier Punkten ordentlich da.

Premier League: Nach dem Klassenerhalt erneut Abstiegskampf?

Everton FC

Letzte Saison konnten die Toffees gerade noch ihren Kopf aus der Schlinge „Abstieg“ ziehen. Die Mannschaft aus Liverpool rettete sich am vorletzten Spieltag der Premier League und belegte am Ende Rang 16. Und auch dieses Jahr dürfte das einzige Ziel der Klassenverbleib sein. Grund dafür ist, dass man aufgrund horrender Ausgaben in den vergangenen Jahren ein echtes Problem mit dem englischen Financial Fairplay hat – einem Konzept, das im Gegensatz zu seinem europäischen Pendant tatsächlich funktioniert. Aufgrund des FFP musste Everton vor dem 30. Juni noch große Einnahmen generieren und deshalb ihren besten Spieler Richarlison (25) für 58 Millionen Euro zu Tottenham ziehen lassen.

Da zum 01. Juli im Fußballbusiness bilanztechnisch ein neues Jahr beginnt, konnte man danach wieder einkaufen. Die Qualität von Richarlison bekam man jedoch nicht ersetzt. Mit Innenverteidiger James Tarkowski (29) und Flügelspieler Dwight McNeil (22) kamen zwei Spieler von Absteiger Burnley, dazu wurde der in Wolverhampton aussortierte Innenverteidiger Conor Coady (29) geliehen und Stürmer Neal Maupay (26) von Brighton verpflichtet. Der größte Transfer ist sicherlich der von Amadou Onana (20). Der ehemalige Hamburger wurde für 36 Millionen Euro vom OSC Lille losgeeist. Onana gilt im defensiven Mittelfeld als eines der größten Talente in ganz Europa.

Onana für Everton

(Photo by Stu Forster/Getty Images)

Spielerisch muss man vom Team von Frank Lampard (44) wenig  erwarten. Das Team wird in erster Linie über Kampf und die Emotionalität der eigenen Fans versuchen, sich Punkte in der Premier League zu erarbeiten. Der Saisonstart zeigt die Richtung, in die es auch dieser Spielzeit wieder gehen wird, schon deutlich an. Gegen Chelsea (0:1) und Aston Villa (1:2) verlor man nach großem Kampf knapp, gegen die direkten Konkurrenten Nottingham, Leeds und Brentford gab es je ein eher glückliches 1:1. Die Toffees haben entsprechend erst drei Punkte auf der Habenseite. Und so wurde am Deadline Day auch nochmal im zentralen Mittelfeld reagiert. Idrissa Gueye (32) kehrte nach drei Jahren PSG zurück zu den Toffees, James Garner (21) kam von Manchester United. Zusammen kosteten die beiden 17 Millionen Euro. Andre Gomes (29) verlieh Everton nach Lille.

Brentford FC

Die letzte Saison lief für die Bees überraschend positiv. Nach ihrem Aufstieg konnten sie sich weitgehend aus dem Abstiegskampf heraushalten und landeten schlussendlich auf Platz 13. Warum die Mannschaft von Trainer Thomas Frank (48) vor ihrer zweiten Saison dennoch als Abstiegskandidat in der Premier League gehandelt wurde lag neben dem bekannten „Second season syndrome“, also dem in der Regel schweren zweiten Jahr nach dem Aufstieg, vor allem an einem Abgang: Christian Eriksen (30).

Der dänische Kreativmann stieß im vergangenen Winter zum Team und sorgte mit seiner Kreativität und Leadermentalität fast im Alleingang dafür, dass der Verein sich aus einer schlechten Phase (ein Sieg aus elf Spielen in der Premier League zwischen Ende Dezember und Ende Februar) heraus ziehen konnte und danach sieben der letzten elf Spiele gewinnen konnte. Im Sommer wechselte Eriksen zu Manchester United und die Gefahr wirkte real, dass Brentford zurück in das negative Fahrwasser geraten könnte.

Der Saisonstart ist auch dank guter Transfers wie den Verteidigern Aaron Hickey (20, für 16,5 Millionen aus Bologna) und Ben Mee (32, ablösefrei von Burnley) jedoch gut gelungen. Neben dem fulminanten 4:0 gegen Manchester United holte man in Leicester (2:2), gegen Everton (1:1) und bei Crystal Palace (1:1) jeweils nach Rückstand noch einen Punkt. Mit sechs Punkten kann Brentford zu diesem Zeitpunkt in der Saison absolut leben.

Leeds United

Neben Everton rettete sich auch Leeds United letzte Saison erst kurz vor Ende. Bei den Whites war es sogar noch knapper, erst am letzten Spieltag wurde der Klassenerhalt klar gemacht. Auf dem Transfermarkt war man anschließend sehr aktiv. Mit Sechser Kalvin Philipps (26, für 49 Millionen zu Manchester City) und Raphinha (25, für 58 Millionen nach Barcelona) verlor Leeds zwar seine beiden besten Spieler, aber konnte dafür den Kader mit dem eingenommenen Geld in der Breite extrem aufbessern. Die geringe Kaderbreite war der Wunsch von Ex-Trainer Marcelo Bielsa (67) und einer der Gründe, warum Leeds sich im Abstiegskampf der Premier League wiedergefunden hatte. Ausfälle konnten kaum kompensiert werden.

Das ist nun anders. Für knapp über 100 Millionen Euro verpflichtete Leeds sieben neue Spieler, die in sämtlichen Kaderbereichen einen Mehrwert bringen. Das Hauptaugenmerk des neuen Trainers Jesse Marsch (48) lag dabei auf Spielern, die seinen Fußballstil bereits von seinen ehemaligen Stationen Salzburg und Leipzig kennen. Von den beiden RB-Vereinen kamen mit Brenden Aaronson (21), Tyler Adams (23) und Rasmus Kristensen (25) insgesamt drei Spieler. Dazu wurden unter anderem Sechser Marc Roca (25) vom FC Bayern München und Luis Sinisterra (23) aus Eindhoven verpflichtet.

Leeds jubelt

(Photo by PAUL ELLIS/AFP via Getty Images)

Die Mannschaft setzt entsprechend den RB-Pressingfußball von Marsch bereits jetzt sehr gut um. Und es funktioniert. Wolverhampton (2:1) und Chelsea (3:0) konnten geschlagen werden, gegen Southampton gab es einen Punkt (2:2). Vor allem die Partie gegen die Blues war beeindruckend. Zu Spielbeginn ließ man Chelsea kommen, nur um dann nach einer halben Stunde zweimal zuzuschlagen. In Halbzeit zwei war Leeds die bessere Mannschaft und machte nach 70 Minuten den Deckel drauf. Bisher sieht es also nicht so aus, als müsste sich Leeds erneut Sorgen um den Klassenerhalt in der Premier League machen. Gegen Brighton (0:1) und Everton gab es nur noch einen Punkt, doch acht Punkte sind nach fünf Spielen absolut in Ordnung für die Whites.

(Photo by Stu Forster/Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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