Premier League | Sancho und Martínez glänzen, viel Verschnitt bei Liverpool – Manchester Uniteds Sieg in der Einzelkritik

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News | Am Montagabend des 3. Premier-League-Spieltags empfing Manchester United den Liverpool FC – und gewann nach einer leidenschaftlichen Vorstellung 2:1. Die Akteure in der Einzelkritik.

Sanchos Kunststück sichert den Turnaround – und Uniteds ersten Sieg über Liverpool seit 2018

Manchester United gab vom Start weg den Ton an und belohnte sich in Minute 16: Christian Eriksen schickte Anthony Elanga an die Grundlinie. Dessen Rückpass machte Sancho fest, narrte mit einer Drehung noch James Milner und Alisson und schob sicher unten links ein.

United spielte druckvoll, United spielte gut. So druckvoll und gut, dass sie auch Liverpools beste Torchance vor der Pause hatten. 41. Minute, Milner verlängerte einen Eckball aufs Tor, Bruno Fernandes wollte klären und hätte ein Eigentor produziert, wenn Lisandro Martínez nicht genau richtig gestanden wäre. So ging es mit dem 1:0 in die Pause.

 



 

Auch in der zweiten Halbzeit änderte sich erstmal wenig. 53. Minute, Jordan Henderson versprang ein Ball komplett, der eingewechselte Anthony Martial ging auf die Idee ein und schickte sofort Rashford steil. Frei vor Alisson schob Uniteds Nummer 10 zum 2:0 ein. Darren England schaute sich den Treffer in Stockley Park nochmal an und gab Michael Oliver in Manchester die grüne Linie durch, Rashford stand nicht abseits. 2:0!

Liverpool nun in Schwierigkeiten. Bis auf einen Kopfball nach Ecke des eingewechselten Fabinho kam weiterhin nichts von den Gästen. Wir sind bereits in der 81. Minute, als es Liverpool gelang, einen Eckball scharf zu halten. Fabio Carvalho scheiterte noch an einer herausragenden Parade David De Geas, doch die Kugel fiel genau auf den Kopf von Mohamed Salah. Wenn du dir den Weg zurück in die Partie nicht erspielen kannst, musst du ihn eben erzwingen. Es war sein 120. Tor für Liverpool. Damit zog er mir Steven Gerrard gleich. Mehr als diesen Rekord war der Treffer jedoch nicht wert – Manchester United gewinnt erstmals seit 2018 wieder ein Ligaspiel gegen den Liverpool FC und zieht in der Tabelle vorbei auf 14. Liverpool hingegen ist weiter sieglos und fällt auf Rang 16 zurück. Die Akteure in der Einzelkritik.

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Manchester United: Lisandro Martínez und Sancho glänzen in Uniteds Kollektiv

David De Gea: „Ich habe mein Team drei Punkte gekostet“, zeigte sich De Gea nach dem Debakel in Brentford und seinem Patzer vor dem Tor von Josh Dasilva erstaunlich offen. Gegen Liverpool hielt er mehrmals die Führung fest. Beim Gegentor schuldlos. Dass der Ball nach seiner Parade ausgerechnet auf den Kopf von Salah prallt, war auch ein Stück weit unglücklich. Note: 2,0.

Diogo Dalot: Solider Job auf der rechten Seite. Beschränkte Luis Díaz auf Distanzschüsse. Holte sich für ein Foul am Kolumbianer noch Gelb ab, ließ sich danach allerdings nichts mehr zu Schulden kommen. Machte in Minute 86 für Aaron Wan-Bissaka Platz. Note: 3,0.

Raphaël Varane: Spielte als Abwehrchef seine gesamte Erfahrung von vier Champions-Legaue-Siegen und einem Weltmeistertitel aus. Einmal stand er schräg zum Geschehen. Aber auch das behob der Franzose clever durch ein taktisches Foul an Luis Díaz. Machte in Minute 56 von drei Mann bedrängt den Ball im Strafraum fest und hätte so Marcus Rashford beinahe das 3:0 aufgelegt, wenn Alisson nicht noch etwas einzuwenden gehabt hätte. Note: 2,0.

Lisandro Martínez: Aggressive Leader, Go-to-Guy. Für die Rolle des Argentiniers gibt es viele Ausdrücke. Fakt ist, er füllte sie an diesem Abend herausragend aus. Seine Aggressivität in den Zweikämpfen riss die Mannschaft immer wieder mit. Dazu war er defensiv mehrmals in höchster Not zur Stelle. Wenn es sein musste, wie in Minute 41 auch gegen den eigenen Mann. Note: 1,5.

Tyrell Malacia: Wie Dalot auf der anderen Seite eher unspektakulär, dafür genauso zuverlässig – und mit einigen interessanten Standards. Note: 3,0.

Christian Eriksen: In Ermangelung ernsthafter Alternativen von Erik ten Hag vom Zehner zum defensiven Spielmacher umfunkioniert. In Brentford verschuldete er – wie De Gea – noch einen Gegentreffer. Diesmal größtenteils solide, leitete die Führung mit einem sehenswerten Steilpass an die Grundlinie zu Anthony Elanga ein und forderte in Minute 25 Alisson bei einem Freistoß von der linken Seite heraus. Note: 2,5.

Scott McTominay: Fiel besonders in den dominanten Anfangsminuten Uniteds mit präzisen Steckpässen auf. Einer davon landete über Bruno Fernandes und Anthony Elanga am Pfosten. Hielt ansonsten das Mittelfeld durch seine Zweikampfstärke zusammen. Note: 2,5.

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Photo by Michael Regan/Getty Images

Anthony Elanga: Setzte die erste Chance des Abends, in der 10. Minute, an den Pfosten. Sechs Minuten später legte er mit viel Übersicht in den Rückraum zu Jadon Sancho, was im Führungstreffer endete. Bereitete seinen Gegenspielern auch sonst mit seinem Tempo Schwierigkeiten und zwang so Trent Alexander-Arnold in die erste gelbe Karte des Abends. Note: 2,5.

Bruno Fernandes: Für einen nominellen Zehner mit erstaunlich viel „Drecksarbeit“. Die Szene in der 10. Minute, als er den Ball zu Elanga grätschte, war bezeichnend dafür. Zwar hatte er seine gefährlichste Aktion auf der falschen Seite. Dennoch enorm mannschaftsdienlich, bisweilen etwas zu sehr, als er gelbvorverwarnt nach dem Treffer von Mohamed Salah den Ball nicht hergeben wollte. Note: 3,0.

Jadon Sancho: Zusammen mit Lisandro Martínez der beste Mann in rot. Stellte brillant auf 1:0, indem er mit einer einfachen Drehung sowohl James Milner als auch Alisson aussteigen ließ. Der Abschluss war mehr oder weniger Formsache. Auch danach immer wieder mit guten Ideen, um Liverpools Pressing auszuhebeln. Machte in Minute 71 für Fred Platz und durfte sich verdientermaßen Standing Ovations abholen. Note: 1,5.

Marcus Rashford: Es war ein Spiel zweier unterschiedlicher Hälften für Marcus Rashford. Vor der Pause wollte ihm im Sturmzentrum eher wenig gelingen. In der zweiten Hälfte stellte Erik ten Hag um und ihn auf den linken Flügel, sodass er mehr mit Tempo aus der Tiefe kommen konnte – und postwendend das 2:0 erzielte. Hatte im Anschluss zwei sehr gute Gelegenheiten auf seinen Doppelpack. Note: 2,5.

Einwechslungen von Manchester United

Anthony Martial (ab 46′): Ersetzte für die zweite Hälfte seinen Namensvetter Elanga und ging ins Sturmzentrum, während Marcus Rashford die Position auf der linken Seite übernahm. Keine zehn Minuten auf dem Platz profitierte er von einer misslungenen Ballannahme Jordan Hendersons und durfte sich mit einem präzisen Steilpass, den Rashford zum 2:0 nutzte, einführen. Zog in den Schlusssekunden noch ein Foul, um den Sieg endgültig zu sichern. Gelungener Jokerauftritt. Note: 2,0.

Fred (ab 71′): Kam für Jadon Sancho und tat das, was von ihm verlangt wurde: Den Sieg nachhause kämpfen. Note: 2,5.

Aaron Wan-Bissaka (ab 86′): Ersetzte in den Schlussminuten Diogo Dalot. Wirklich Zeit, auffällig zu werden, hatte er kaum. Brachte den Sieg sicher ins Ziel. Note: 3,0.

Donny van de Beek (ab 86′): Copy and Paste, mit der Ausnahme, dass er nicht für Dalot, sondern Christian Eriksen ins Spiel kam. Note: 3,0

Cristiano Ronaldo (ab 86′): Letztendlich brauchte es ihn doch, nachdem die Partie lange Zeit gegenteilig verlief. Hatte kurz nach seiner Einwechslung sogar eine erste Torchance, zog diese allerdings über den Querbalken. Note: 3,0.

Erik ten Hag: Man kann dem Ex-Trainer der Bayern-Amateure dieser Tage beileibe keine fehlende Risikofreudigkeit nachsagen. Ließ seine Mannschaft nach dem Debakel in Brentford Strafläufe absolvieren. Für das Spiel gegen Liverpool strich ten Hag sowohl Kapitän Harry Maguire als auch Cristiano Ronaldo aus der Startelf. Wäre die Nummer nach hinten losgegangen, drohte ihm ein Imageverlust in der Kabine. Ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Die Auf- und Einstellung der Mannschaft war perfekt gewählt. Manchester United zeigte von der ersten Minute an die Attribute, die normalerweise Liverpool erfolgreich machen: Aggressives Gegenpressing, Leidenschaft, schnelles Umschalten, Kreativität. Natürlich mussten sie dem Tempo der Anfangsphase irgendwann Tribut zollen. Aber auch dann verteidigte seine Mannschaft die Führung sehr geschickt. Wäre gut beraten, in Southampton dieselbe Startelf auf den Platz zu schicken, um den internen Konkurrenzkampf anzufachen. Note: 2,0.

Victor Catalina

Liverpool FC: Alisson stark, Lichtblicke sonst nur in vorderster Front

Alisson: War bei einem Freistoß von Eriksen zur Stelle (25.), bewahrte mit einer starken Parade seine Mannschaft gleich zweimal vor dem 0:2 (56./62.) und verhinderte in der Schlussphase das 1:3. In der Spieleröffnung nicht immer sauber, ansonsten stark. An ihm lag es am wenigsten. Note: 2,0

Trent Alexander-Arnold: Katastrophale erste Hälfte, in der er wenig Land sah. Ließ sich ein ums andere Mal überspielen, so auch beim Gegentor zum 0:1 (16.). In Zweikämpfen oft zu zimperlich, im Offensivspiel mit technischen Fehlern. Immerhin: Leistungssteigerung nach der Pause, wo er auch offensiv einen größeren Impact für seine Mannschaft hatte. Note: 4,5

Joe Gomez: In Zweikämpfen häufig nicht resolut genug oder zu spät, ließ beim 0:2 Rashford im Rücken davonziehen (53.). Auch im Spielaufbau schwach, nicht wenige seiner Bälle landeten umgehend beim Gegner. Note: 5,0

Virgil van Dijk: Ähnliches wie für Gomez gilt auch für van Dijk, der heute neben der Spur stand. Zwar nicht entscheidend an Gegentoren beteiligt, dafür aber mit einigen Wackern. Die gewohnt sichere Bank war der Niederländer heute nicht. Note: 5,0

Andrew Robertson (bis 85.): Defensiv sehr unauffällig, was aber mehr für als gegen ihn spricht. Beteiligte sich im ersten Durchgang hier und da gut am Kombinationsspiel, suchte mal die Tiefe, mal auch den Weg ins Zentrum, wenn Díaz der Breitengeber war. In Halbzeit zwei ging offensiv nur noch wenig über seine Seite, zudem waren die Flanken ausbaufähig. Note: 4,0

Harvey Elliott: Den Willen konnte man ihm nicht absprechen, sonderlich viel gelingen wollte allerdings nicht. Versuchte immer wieder, Tempo im Mittelfeld aufzunehmen, blieb dann aber zu oft am Gegner hängen oder spielte unsaubere Pässe. Gegen den Ball zuweilen fahrig. Note: 5,0

Jordan Henderson (bis 59.): Zu Beginn mit ein, zwei guten Pressing-Sequenzen, ansonsten ein schwacher Auftritt des Captains. Im Ballbesitzspiel nicht gewinnbringend, kaum Kontrolle über Ball und Gegner und nicht selten mindestens einen Schritt zu spät. Leitete mit einem Ballverlust das 0:2 ein. Note: 5,5

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Photo by Michael Regan/Getty Images

James Milner (bis 73.): Wurde beim 0:1 von Torschütze Sancho nassgemacht, hatte auch sonst seine Probleme gegen den Ball, verlor viele Zweikämpfe. Offensiv beteiligte er sich mit zwei, drei guten Tiefenläufen, das Endprodukt war jedoch ausbaufähig. Auch sein Abend war es nicht. Note: 5,0

Mohamed Salah: War phasenweise nicht gut ins Spiel eingebunden, auch, weil Liverpool im Mittelfeld seine Probleme hatte. Daher wurde der Ägypter auch selten gefährlich – aber er wurde es. So auch beim Anschlusstreffer, als er goldrichtig stand und den abgewehrten Ball von de Gea energisch ins Tor köpfte (81.). Note: 3,5

Roberto Firmino: Musste sich tief fallen lassen, um Bälle zu holen. Offensiv daher wenig in Erscheinung, dennoch an eins, zwei guten Kombinationen beteiligt. Manko: Ungewöhnlich viele technische Fehler im Spiel, auch der ein oder andere unnötige Ballverlust. Note: 4,0

Luis Díaz: Im ersten Durchgang einer der Lichtblicke beim LFC. Riss das Spiel immer wieder an sich, suchte das Eins-gegen-Eins und den Weg zum Tor, beschäftigte die gegnerische Hintermannschaft. Auch ihm wollte nicht alles gelingen, seine Energie auf dem Platz dürfte der Mannschaft aber durchaus Hoffnung zur Besserung gegeben haben. Nach dem Seitenwechsel allerdings immer seltener in Aktion, auch, weil wenig über seine Seite ging. Note: 3,0

Einwechslungen des Liverpool FC:

Fabinho (59. für Henderson): Gab der Mannschaft mit seiner Einwechslung etwas mehr Stabilität und Ballsicherheit. Wurde nach einem Eckball per Kopf gefährlich (67.). Note: 3,5

Fabio Carvalho (73. für Milner): Brachte direkt Energie ins Spiel. Traute sich viel und beteiligte sich gut an Kombinationen, gab mit starker Ballannahme und Abschluss praktisch die Vorlage zum Anschlusstreffer. Guter Kurzauftritt des Neuzugangs! Note: 2,5

Konstantinos Tsimikas (85. für Robertson): keine Bewertung

 

Michael Bojkov

Jürgen Klopp: Zwei Unentschieden, eine Niederlage, damit ist Liverpools Fehlstart in die Saison perfekt. Kann von Glück sprechen, dass Newcastle einen Punkt gegen Manchester City geholt hat. Ansonsten könnte man bei sieben Zählern Rückstand bereits zur dritten Meisterschaft in Folge gratulieren. Während des Spiels ließ es seine Mannschaft ausgerechnet an den Grundtugenden des eigenen Spiels mangeln, agierte kraftlos und unkreativ. Viel mehr, als auf das vorhandene Personal einzureden, blieb ihm allerdings nicht übrig. Durch die Verletzungen von Ibrahima Konaté, Thiago oder Diogo Jota sowie Darwin Núñez‘ Rotsperre waren die Alternativen auf der Bank sehr dünn gesät. Erst in den letzten zehn Minuten wurde seine Mannschaft etwas zwingender. Zum Punktgewinn reichte es jedoch nicht mehr. Note: 3,5.

Michael Oliver: Bewies viel Fingerspitzengefühl, als er Bruno Fernandes nicht vom Platz stellte, obwohl das Blocken des Balles eigentlich eine zweite gelbe Karte gerechtfertigt hätte. Ansonsten ein ruhiger und souveräner Leiter des Spiels, das bis auf die Grundintensität nur wenige herausfordernde Szenen für ihn bereithielt. Note: 2,0.

Spielnote: Ebenjene Grundintensität kam allerdings hauptsächlich von Manchester United, denen man klar anmerken konnte, wieviel für sie auf dem Spiel steht. Nichtsdestotrotz war es ein höchst unterhaltsames Duell und mitnichten die einseitige Angelegenheit, die von einigen zuvor erwartet, beziehungsweise befürchtet wurde. Auch dürfte selten zuvor ein Duell zwischen dem 19. und 15. dermaßen hochklassig verlaufen sein. Note: 2,5.

Photo by PAUL ELLIS/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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