Gründe, Entwicklungen, Nachfolger: Fragen und Antworten zur Solskjaer-Trennung

Solskjaer Manchester United
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Ole Gunnar Solskjaer ist nicht länger Trainer von Manchester United. Am Sonntagvormittag folgte die Stellungnahme, die nach dem 1:4 beim FC Watford zu erwarten war. Der Klub muss sich neu orientieren, will aber keine voreiligen Entscheidungen treffen. 

Warum kam es jetzt zur Trennung? Wie kann es für den Klub weitergehen, sowohl kurz- als auch langfristig? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Entlassung von Ole Gunnar Solskjaer (48) bei Manchester United. 

Wie entwickelte sich die Situation um Solskjaer zuletzt?

Zu Beginn seiner Amtszeit trauten viele dem Norweger zu, nachhaltig für Erfolg sorgen zu können. Die Euphorie verflog aber schnell und Phasen, in denen die Mannschaft wackelte und unorganisiert wirkte, wechselten sich mit Phasen, in denen die Red Devils die Gegner binnen Minuten zerlegen konnte, ab. Was fehlte, war die Konstanz. Hohe Siege gegen Gegner, die mitspielten, ließen Fans und Verantwortliche hoffen, aber ideenlose Auftritte gegen defensiv gut organisierte Mannschaften und defensive Aussetzer, die sich unabhängig vom Personal wiederholten, brachten alle rund um den Verein schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Diese Saison, da war man sich bei Manchester United einig, sollte endgültig der Schritt in die richtige Richtung erfolgen. Mit Neuzugängen wie Raphael Varane (28), Jadon Sancho (21) und Cristiano Ronaldo (36) sollte in den Titelkampf eingegriffen werden. Symbolcharakter hatte dabei die Vertragsverlängerung mit dem Trainer bis 2024, die im Sommer bekannt gegeben wurde.

Doch schnell zeigten sich die altbekannten Probleme. Solskjaer schaffte es nicht, der Mannschaft eine nachhaltige Spielidee mit auf den Weg zu geben. Die Red Devils spielten Fußball, der extrem abhängig von einzelnen Spielern war. Individuelle Klasse statt mannschaftliche Geschlossenheit.

Solskjaer Man United

(Photo by Henry Browne/Getty Images)

Das konnte nicht lange gut gehen. Einzelne gute Auftritte wie das 3:0 bei den Tottenham Hotspurs, mit dem man ironischerweise für die Entlassung des dortigen Trainers Nuno Espirito Santo und für die Verpflichtung von Antonio Conte (52), der auch in Manchester auf der Liste stand, sorgte, täuschten nicht über die Problematik hinweg. Klubs wie der FC Liverpool (5:0) oder Manchester City (2:0) deckten die Probleme auf und dominierten United nach Belieben. Die kritischen Stimmen wurden lauter und das 1:4 in Watford, bei dem erneut Abwehrchef Harry Maguire (28) durch einen Platzverweis negativ auffiel, besiegelte das Ende der Zusammenarbeit. 

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Was waren die entscheidenden Gründe für die Trennung?

Die fehlende Konstanz, die bereits beschrieben wurde, ist ein großer Teil der Antwort. Es spielten aber mehrere Faktoren eine Rolle, die insgesamt zu einem sportlichen Totalschaden führten. War die destruktive und reaktive Haltung in den Topspielen anfangs noch Mittel zum Zweck, gerade weil die Mannschaft über einige Konterspieler verfügte, fehlte eine Entwicklung, die es einem großen Klub wie Manchester United ermöglichte, auch fußballerisch gegen Mannschaften wie Liverpool oder Manchester City mithalten zu können.

Ein weiterer Faktor ist das Abschneiden in der Champions League. 2020/21 schied Manchester United in der Gruppenphase aus, auch diesmal ist die Bilanz nicht gerade ideal. Fünf der letzten zehn Spiele unter Solskjaer in der Königsklasse verloren die Red Devils. Hinzu kommt, dass selbst in der Europa League kein Triumph gefeiert werden konnte. 2020 war gegen den FC Sevilla im Halbfinale Schluss, ein Jahr später unterlag man im Finale dem FC Villarreal.

Manchester United Solskjaer Villarreal

(Photo by Aleksandra Szmigiel – Pool/Getty Images)

Hinzu kommt, dass Solskjaer lange in der Kabine gut ankam und sich gut mit seinen Spielern verstand. Doch in den letzten Wochen und Monaten, so berichten englische Medien, soll der Trainer auch Teile der Kabine verloren haben. Die Spieler bemängelten die fehlende Entwicklung, sowohl mannschaftlich, als auch individuell. Fehlende Konstanz, keine Weiterentwicklung einer Spielidee, kein „Plan B“ und auch noch interne Probleme, weil die Spieler kein gutes Gefühl mit der Zusammenarbeit mehr hatten, waren am Ende einfach zu viel.

Wie geht es bei Manchester United jetzt ohne Solskjaer weiter?

Zunächst einmal übernimmt, das gab der Klub offiziell bekannt, Michael Carrick (40) die Aufgabe als Cheftrainer. Er soll den Klub mindestens beim Spiel in der UEFA Champions League gegen den FC Villarreal betreuen. Danach folgen die Ligapartien gegen den FC Chelsea und den FC Arsenal. Auf die Red Devils warten also sehr wichtige Spiele, denn in der Liga droht man den Anschluss zu verlieren und auch in der Champions League ist man nach sieben Punkten aus vier Spielen noch nicht sicher für die K.O.-Runde qualifiziert.

Etwas irritierend war zunächst, dass in der Pressemitteilung die Rede davon war, dass Carrick so lange die Mannschaft betreuen wird, bis eine neue Lösung bis zum Saisonende besteht. Ein Interimstrainer, der an einen weiteren Interimstrainer ergibt? Möglicherweise lässt sich der Klub offen, ob Carrick eine Lösung bis zum Saisonende sein kann. Das hängt sicher davon ab, welche Kandidaten die Verantwortlichen für den Übergang in Erwägung ziehen und welcher dieser Kandidaten zur Verfügung steht. In jedem Fall warten spannende Wochen auf Manchester United.

Welche Nachfolgekandidaten existieren für die Zukunft?

Die Interimslösung spricht natürlich dafür, dass Manchester United für den Sommer 2022 eine große Lösung präsentieren möchte. Gerüchte um Zinedine Zidane (49), den Ex-Trainer von Real Madrid, machten zuletzt die Runde. Doch das klingt eher nach Namedropping als nach einer wirklich realistischen Option. Zidane hat vieles erreicht, kann sich in Ruhe zurücklehnen und auf einen Job warten, der ideal zu ihm passt und möglicherweise auch noch eine emotionale Verbindung mit sich bringt.

Der englische Telegraph benennt drei Kandidaten, die allesamt für das Amt in Frage kommen und gegenwärtig unter Vertrag stehen. Dabei handelt es sich um Erik ten Hag (51), der mit Ajax Amsterdam große Erfolge feiert und einen herausragenden Fußball spielen lässt, Brendan Rodgers (48), der sich bei Leicester City definitiv für größere Aufgaben empfehlen konnte und Mauricio Pochettino (49), der zwar bei PSG angestellt ist und eine extrem gute Mannschaft zur Verfügung hat, aber mit einer Rückkehr nach England liebäugelt. Zudem gibt es in Paris einen noch größeren Druck, hinzu kommen nicht gerade einfache Charaktere innerhalb der Mannschaft.

Rodgers Manchester United

(Photo by Naomi Baker/Getty Images)

Alle drei würden unter gewissen Umständen sehr gut funktionieren können. Und alle drei wären bei der entsprechenden Summe, die angeboten wird, aus ihrem Vertrag loszueisen, vor allem ten Hag und Rodgers. Manchester United muss nun zunächst für sich selbst bestimmen, wie der zukünftige Weg aussehen soll und welcher Trainer dafür der richtige ist.

(Photo by Phil Noble – Pool/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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