Zinchenko über Krieg in der Heimat: „Kann nicht außerhalb der Situation leben“

Oleksandr Zinchenko im Dress von Manchester City.
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News | Oleksandr Zinchenko kommt zurzeit bei Manchester City nur selten zum Zug, doch er hat weitaus größere Sorgen. In seiner ukrainischen Heimat führt Russland einen fürchterlichen Angriffskrieg, der auch bei ihm persönlich Spuren hinterlässt.

Zinchenko verliert Draht zu russischen Freunden

Seit dem 24. Februar herrscht in der Ukraine ein fürchterlicher, von Russland initiierter Krieg. Oleksandr Zinchenko (25) beschäftigt sich seitdem tagtäglich nahezu rund um die Uhr mit der Situation in seiner Heimat. Gegenüber dem Guardian bezog der Profi von Manchester City ausführlich Stellung.

„Ich kann nicht außerhalb dieser Situation leben. Der Versuch, alles zu verfolgen, ist jetzt mein Leben. Jeden Tag greife ich als Erstes nach meinem Handy und habe es dann ständig in der Hand. Es sind jetzt mehr als sieben Wochen vergangen, und man kann sehen, wie einige Leute beginnen, zu vergessen und sich an die Brutalität in meinem Land zu gewöhnen.“, berichtete der Linksverteidiger.

Der beschriebene Ansatz wäre allerdings der falsche Weg, wie er erläuterte: „Nein, nein, nein. Menschen verhungern, sterben, Leichen werden entdeckt, wie kann man sich da entspannen? Ihr müsst noch mehr reden. Ich hasse die Menschen, die in unser Land eingedrungen sind, jeden Tag mehr und mehr und mehr. Ich werde nicht aufhören, darüber zu reden, denn die ganze Welt muss die Wahrheit erfahren.“

 

Der von einem „Genozid“ sprechende Zinchenko richtete seinen Fokus auch auf die russischen Soldaten, die nicht einmal wüssten, wofür sie gekommen seien. „Wofür kämpfen sie? Für wen? Warum sollte man versuchen, einen Mann zu bekämpfen, der sich schon seit fast zwei Monaten in einem Bunker versteckt? Diese Menschen – und ich kann sie nicht einmal Menschen nennen, weil es keine Worte für sie gibt – haben keine Ahnung, was ihr Ziel ist“, so er mit einer gewaltigen Person Verachtung.

Dabei besaß der vielseitige Akteur einst ein gutes Verhältnis nach Russland. Zwischen 2014 und 2016 lief er für den FK Ufa aus. Der Kontakt hielt auch nach seinem Abgang an. Doch infolge des Kriegsbeginns sei er „fast auf Null“ geschrumpft. „Ich bin so enttäuscht. Die Leute, die ich kenne, riefen mich sofort nach der Invasion an und schrieben mir: ‚Es tut mir so leid, Alex, aber wir können nichts tun.‘ Natürlich könnt ihr das. Wenn man schweigt, bedeutet das, dass man das unterstützt, was gerade in der Ukraine passiert, und ich kann nicht verstehen, warum sie das tun“, betonte Zinchenko.

Seiner Ansicht nach würden prominenten Fußballern oder anderen Persönlichkeiten keine großen Strafen drohen: „Können Sie sich vorstellen, dass sie alle verhaftet würden, wenn sie alle gleichzeitig etwas auf Instagram posten würden, in dem es heißt: „Leute, wir sind gegen den Krieg, wir müssen ihn stoppen“? Natürlich würden sie das nicht. Und es ist eine Schande, dass sie nichts sagen.“

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Umso mehr dankte Zinchenko der britischen Regierung um Boris Johnson (57) für die Unterstützung: „Die Tatsache, dass er nach Kiew kam, war ein gutes Signal für uns.“ Dennoch besteht Verbesserungsbedarf: „Aber ich möchte ihn auch bitten, etwas anderes für die Flüchtlinge zu tun, für Menschen, die ohne Visum kommen können, wie wir sicherstellen können, dass mehr Menschen hierher kommen können, um Hilfe zu bekommen. Es gibt so viele, die dringend Hilfe brauchen.“

Darüber hinaus forderte der Ukrainer die europäischen, in russisches Gas und Öl zu investieren, da so der Krieg und die Gewalt weiter finanziert werde. Es sei wichtig, Russland von allem zu isolieren. An oberster Stelle stehe für Zhinchenko und all seine Landsmänner jedoch die Rettung des eigenen Landes.

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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