Sechs Monate nach Rauswurf: Paolo Maldini kritisiert Herzensklub AC Milan scharf

1. Dezember 2023 | Serie A | BY Antonio Riether

Paolo Maldini verbrachte seine gesamte sportliche Karriere bei der AC Milan. Ein halbes Jahr nach seinem Rausschmiss rechnete er nun mit der neuen Führung seines Herzensvereins ab.

Paolo Maldini mit Rundumschlag sechs Monate nach Rauswurf in Mailand

Paolo Maldini ist bei der AC Milan eine absolute Legende. Sein ganzes Leben lang spielte er nur für die Rossoneri, von 1985 bis 2009 als Profi, und gewann zahlreiche Titel. Seine Tätigkeit als Technischer Direktor bei den Norditalienern endete nach vier Jahren im vergangenen Juni. Nun packte der dreifache Champions-League-Sieger über die Hintergründe seiner Ausbootung aus und brachte seinen Ärger gegenüber der aktuellen Vereinsführung der AC Mailand deutlich zum Ausdruck.



In einem ausführlichen Gespräch mit der Zeitung La Repubblica schilderte Maldini seine Sicht der Dinge, angefangen hatte alles mit der Übernahme des Vereins durch den US-amerikanischen Investor Gerry Cardinale im Sommer 2022. „Wenn der Verein für 1,2 Milliarden verkauft wird und der neue Besitzer Veränderungen möchte, hat er das Recht dazu“, räumte Maldini ein. Der 55-Jährige, der nicht mit dem Geldgeber zurechtkam, sah keine Wertschätzung für seine Arbeit in der Führungsetage, die er im Jahr 2018 als Direktor Entwicklung aufnahm. „In der Saison 2018/19 hatten wir eine nicht sehr junge und wenig leistungsstarke Mannschaft, die seit sechs Jahren nicht in der Champions League spielte mit Gehaltskosten von 150 Millionen Euro“, erklärte er.

In den Folgejahren hatte er dank geschickter Transfers den Kaderwert „auf über 500 Millionen Euro“ gestiegen, „die Gehälter sanken erst auf 120 und dann drei Jahre lang auf 100 Millionen Euro, ohne mit Hakan Calhanoglu und Franck Kessie verlängern zu können“, erläuterte Maldini. In dieser Zeit nahm Milan dreimal in Folge an der Champions League teil und erreichte nach 16 Jahren wieder das Halbfinale. Zudem holte das Team die erste Meisterschaft nach elf Jahren. „Aber eine Saison reicht, um die vorherigen zu ruinieren“, meinte Maldini vielsagend. Nach der vorletzten Spielzeit, in der Milan zuletzt Meister wurde, war der Klub in der Saison 2022/23 lediglich auf Platz vier gelandet. Zudem schlugen einige von Maldinis Transfers nicht ein.

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Maldini fühlt sich jedoch ungerecht behandelt. Viele der Spieler, die er geholt hatte, wie Rafael Leao oder Theo Hernandez, hatten in Milan ihren Wert gesteigert. Dennoch hatte er sich nach eigener Aussage oft gegen die Vereinsführung durchsetzen müssen. „Spieler wie Leão, Bennacer und Theo gefielen der Vereinsführung nicht, aber ein neuer Weg war notwendig“, erinnerte sich Maldini. Selbst bei Sandro Tonali, der für 64 Millionen Euro nach Newcastle wechselte und einen Gewinn von rund 45 Millionen Euro ermöglichte, war der Klub skeptisch. „Wir mussten heftig mit dem Geschäftsführer diskutieren, nicht einmal die Scoutingabteilung wollte ihn haben.“

Maldini kritisiert Milan-Vereinsführung: „Nach meinem Abgang hat sich das Budget verdoppelt“

Zudem kritisiert der heutige Besitzer des Miami FC, dass er nur wenige Tage vor seiner Entlassung die Mitteilung erhalten habe, dass mit einem niedrigeren Budget geplant werde. „Ich nahm es zur Kenntnis“, meinte Maldini, der jedoch feststellen musste: „Nach meinem Abgang hat sich das Budget dann sogar verdoppelt„. Außerdem deutete Maldini an, dass die neue Summe der Summe verdächtig ähnelte, die er zuvor in einem 35-seitigem Strategiepapier, das er Investor Cardinale präsentiert hatte, vorgeschlagen hatte.

Dass Milan im letzten Sommer, nach seinem Aus, Spieler für 115 Millionen Euro verpflichtet habe, kommentierte Maldini ebenfalls bedeutungsschwer. „Algorithmen sind dafür nicht notwendig, um Ruben Loftus-Cheek, Christian Pulisic und Samuel Chukwueze zu holen. Es reicht, das Geld zu verwenden, das ein Unternehmen erwirtschaftet, das endlich 400 Millionen Umsatz macht“, meinte er bezogen auf die Investoren-Übernahme. „Die vier vorherigen Transferperioden können nicht mit der letzten verglichen werden, denn wir hatten unterschiedliche Waffen.“

Zwar äußerte Maldini, dass er seine AC Milan nach wie vor liebe. „Niemals würde ich zu einem anderen italienischen Verein gehen, eventuell in eine starke ausländische Liga“, meinte er etwa mit Blick auf seine Zukunft. Mit der Vereinsspitze, genauer gesagt mit dem Präsidenten Paolo Scaroni, habe er jedoch seine Probleme. „Milan verdient einen Präsidenten, der sich ausschließlich für den Verein einsetzt und einen Manager, der die Mannschaft nicht allein lässt. Er hat nie gefragt, ob die Mitarbeiter oder die Spieler eine Ermutigung brauchten. Ich habe ihn oft gesehen, wenn die Gegner den Ausgleich erzielten oder in Führung gingen, wie er vorzeitig gegangen ist, vielleicht nur um dem Verkehr zu entgehen“, meinte Maidini. „Aber er war immer pünktlich in der ersten Reihe bei der Meisterschaft. Ich habe eine andere Vorstellung von einem Team und ich kann dasselbe über die CEOs Ivan Gazidis und Furlani sagen“, schloss er sein Statement zur aktuellen Klubführung ab.

(Photo by Alessandro Sabattini/Getty Images)


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