Udinese Calcio, FC Lorient, CA Osasuna: Europas kleine Überflieger

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Spotlight | Neben den üblichen Verdächtigen aus München und Dortmund bestimmen in Deutschland momentan vor allem Union Berlin und der SC Freiburg die Schlagzeilen. Doch welche kleinen Mannschaften überraschen eigentlich in den anderen Topligen? Wir stellen vor: Udinese Calcio, den FC Lorient und CA Osasuna.

Udinese: Der Favoritenschreck aus Italien

Fünf Siege in Serie, Platz drei hinter Napoli und Atalanta: Udinese Calcio erregt zurzeit mächtig Aufmerksamkeit in Italien. Spätestens nach dem jüngsten 3:1-Sieg gegen Inter sind die Friulaner auch europaweit in aller Munde, zuvor machten sie sich bereits mit einem furiosen 4:0-Sieg über Mourinhos Roma einen Namen. Doch was macht Undinese so stark?

Entscheidend war zunächst einmal, dass im Sommer mit Beto (24) und Gerard Deulofeu (28) wichtige Leistungsträger gehalten werden konnten. Beto hat schon vier Saisontore erzielt, Deulofeu fünf Treffer aufgelegt. Sie sind zwei Garanten für den derzeitigen Höhenflug. Youngster Iyenoma Destiny Udogie (19) unterschrieb zwar bei Tottenham, spielt diese Saison aber weiterhin auf Leihbasis für die Italiener. Der linke Wingback ist im System von Neutrainer Andrea Sottil (48) eine der zentralen Figuren, hat sogar schon zwei eigene Tore beigetragen.



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Neben sehr offensiven Schienenspielern lässt Sottil in einem 3-5-2-System viel vertikal spielen, häufig wird der direkte Weg in die Doppelspitze gesucht. Gegen den Ball laufen die „Bianconeri“ häufig hoch an und setzen den Gegner früh unter Druck. Das aggressive Spiel gegen den Ball kommt vor allem Innenverteidiger Nehuen Perez (22) zugute, der seine Stärken im progressiven Verteidigen hat und einer der besten Zweikämpfer der Serie A ist.

Ein weiterer wichtiger Spieler: Roberto Pereyra (31). Mit dem Abgang von Nahuel Molina (24, Atletico) übernahm der Argentinier die für ihn ungewohnte Position des rechten Schienenspielers, die er bislang aber mit Bravour erfüllt. Mit einem Tor und vier Vorlagen hat auch er einen entscheidenen Teil zum erfolgreichen Saisonstart beigetragen. Zu einem Saisonstart, der die Fans von Europa träumen lässt. Schafft es Udinese, seine Spielidee weiterhin so konstant und erfolgreich auf dem Platz umzusetzen, an manchen Stellen vielleicht sogar noch auszubessern, ist dieser Traum auch nicht ganz unberechtigt.

Lorient: Abstiegskandidat in ungewohnten Gefilden

Auf einen ähnlich starken Saisonstart wie Udinese blickt der FC Lorient zurück. Der Klub aus der Bretagne feierte in den ersten acht Spielen sechs Siege, davon zuletzt vier am Stück. Das Zwischenresultat: Platz drei in der Ligue 1 – nur PSG und Olympique Marseille sind besser. Genau wie bei Udinese hat es auch in Lorient einen Trainerwechsel gegeben. Regis Le Bris (46), zuvor in der B-Mannschaft und der U19 des Klubs tätig, übernahm im Sommer die Profis – und unterhält Frankreich mit Offensivfußball.

Tatsächlich sorgen „Les Merlus“ mit einer Zwischenbilanz von 17:12 Toren nur selten für Langeweile. In lediglich zwei der bisherigen acht Saisonspielen mit Lorient-Beteiligung fielen weniger als vier Treffer. Einer der Schlüsselspieler ist Torjäger Terem Moffi (23), der bereits sechs Saisontore erzielt hat. Schon in den vergangenen beiden Spielzeiten war er der treffsicherste Mann beim Aufsteiger von 2020.

Udinese Lorient Osasuna

(Photo by FRED TANNEAU / AFP) (Photo by FRED TANNEAU/AFP via Getty Images)

Zudem macht mit Dango Ouattara (20) ein Youngster auf sich aufmerksam. Letzte Saison noch zweite Garde, setzte sich der linke Flügelspieler unter Le Bris als Stammspieler fest. Das Vertrauen des Trainers, der ihn schon aus der B-Mannschaft kennt, rechtfertigte der Burkiner mit vier Toren und vier Vorlagen.

Dagegen bereitet die Abwehr auch in der dritten Erstliga-Saison in Folge etwas Kopfzerbrechen. Hier hat Lorient im Sommer aber auch wichtige Leistungsträger verloren. Gut möglich also, dass die Hintermannschaft noch etwas Zeit benötigt. Solange die Offensive so gut funktioniert wie das bisher der Fall ist, ist das aber verkraftbar.

Dass der überraschende Höhenflug im europäischen Geschäft mündet, darf bezweifelt werden. Dafür ist die Mannschaft individuell eigentlich zu schwach und die Konkurrenz zu stark. Bislang hat es der Spielplan auch ziemlich gut gemeint mit Lorient. So hatte man es – mit kleiner Ausnahme Olympique Lyon – auch noch nicht mit den Topteams zu tun. Für den Klassenerhalt sollte es nach dem starken Saisonstart aber definitiv reichen. Und das wäre auch durchaus als Erfolg zu werten, denn vor der Saison wurde Lorient von den allermeisten zum engeren Kreis der Abstiegskandidaten gezählt.

Osasuna: Mittelfeld-Mannschaft – mit Ambitionen?

In La Liga überrascht derweil der CA Osasuna. Der Klub aus Pamplona steht unter Trainer Jagoba Arrasate (44) für defensive Beständigkeit. So gelang 2018/19 mit nur 35 Gegentoren der Aufstieg in die Primera Division, in der sie sich seither auf die gleiche Art und Weise halten. Wenngleich Osasuna selten für Spektakel sorgt, waren sie nie ernsthaft abstiegsgefährdet.

In Spanien ist Osasuna mittlerweile so etwas wie der Inbegriff einer Mittelfeld-Mannschaft – zu stark für den Abstiegskampf, aber zu schwach, um ersthaft um die europäischen Plätze zu konkurrieren. Diese Saison scheinen sie diesem Stigma etwas zu entweichen. Zumindest lässt das der Saisonstart mit vier Siegen aus sechs Spielen und Tabellenplatz fünf anmuten. Die Defensive ist dabei nach wie vor der Schlüssel zum Erfolg. Innenverteidiger David Garcia (28) und die Doppelsechs aus Lucas Torro (28) und Jon Moncayola (24) sind hier die zentralen Säulen.

Udinese Lorient Osasuna

(Photo by ANDER GILLENEA/AFP via Getty Images)

Dass die Basken auch in der Offensive Fortschritte machen, belegt die Expected-Goals-Statistik. Nach dieser wären zehn Tore erwartbar gewesen (fbref.com) – und damit immerhin drei mehr als Osasuna tatsächlich erzielt hat. Auch interessant: 31 Prozent der erfolgreichen Pässe kommen im Offensivdrittel an (Opta) – zweithöchster Wert hinter dem Athletic Club. Neben Stürmer Chimy Avila (28), der nach schwierigen Jahren voller hartnäckigen Verletzungen endlich fit ist und schon drei Tore beisteuerte, sorgen die Neuzugänge Moi Gomez (28, Villarreal) und Aimar Oroz (20, Osasuna B) für mehr Kreativität und Schwung in der Offensive.

Wer in Pamplona nach Zielen fragt, bekommt stets bescheidene Antworten. Dem Klub sind Ruhe und Beständigkeit wichtiger als große Ambitionen. Der starke Saisonstart zeigt aber, dass ein Angriff auf die europäischen Plätze durchaus möglich ist. Und die Fans würde es nach drei Jahren Platz zehn und elf sicherlich nicht stören, wenn Osasuna auch mal nach höheren Sternen greift.

(Photo by Alessandro Sabattini/Getty Images)

Michael Bojkov

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