Serie A | Nach neun Spieltagen: Welches Team hat die größte Chance auf den Scudetto?

28. Oktober 2023 | Spotlight | BY Lea Selin Thomas

Der zehnte Spieltag in der italienischen Serie A steht vor der Tür un hält gleich zwei hochspannende Begegnungen bereit: Tabellenführer Inter bekommt es mit der AS Roma zu tun, während es zwischen Napoli und Milan zum Duell der beiden jüngsten Scudetto-Sieger kommen wird. Apropos Scudetto – wie steht es nach neun Spieltagen um die Titelchancen der Top-Teams? Eine Einschätzung.

Titelkampf in der Serie A: Inter grüßt von der Spitze, Napoli unter Druck

Obwohl die Spielzeit 2023/24 noch immer recht jung ist, sind die Favoritenrollen in der Serie A bereits klar verteilt. Mit 22 Punkten aus neun Spielen führt Inter derzeit die Tabelle an, dicht gefolgt von Stadtrivale Milan. Der amtierende italienische Meister Napoli findet sich hinter Juventus auf Rang vier wieder – der Abstand auf Spitzenreiter Inter beträgt bereits jetzt fünf Zähler.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es selbstverständlich noch zu früh, um eine endgültige Prognose über den weiteren Saisonverlauf zu treffen, allerdings lässt ein Blick auf die Tabelle keinen Zweifel daran, dass die Nerazzurri sich in einer herausragenden Verfassung befinden und zu Recht an oberster Stelle stehen. Die Mannschaft von Trainer Simone Inzaghi konnte bislang sieben Siege einfahren und stellt mit 24 Toren die stärkste Offensive der Liga. Auch die Defensive ist mit lediglich fünf Gegentoren die sicherste innerhalb der Serie A.

Bei Inter läuft es rund – Hauptgrund dafür ist neben Inzaghis Einfluss wohl die Tatsache, dass die Mailänder mit Lautaro Martínez und Marcus Thuram das gefährlichste Sturmduo Europas in ihren Reihen wissen. Während der Argentinier mit elf Treffern und großem Vorsprung die Torschützenliste der Serie A anführt, konnte der Ex-Gladbacher drei Tore sowie starke sieben Vorlagen beisteuern. Thuram fungiert demnach in erster Linie als Vorlagengeber, Martínez hingegen – inzwischen mehr denn je bekannt unter seinem Spitznamen „El Toro“ – verkörpert den gnadenlosen Vollstrecker.

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Ein eingespieltes Team: Lautaro Martínez und Marcus Thuram. (Photo by Marco Luzzani/Getty Images)

Zusammen kommen die beiden Angreifer nach neun Spieltagen auf 23 Torbeteiligungen. Hinten bilden Benjamin Pavard, Alessandro Bastoni und Stefan de Vrij eine Abwehrreihe, an der sich gegnerische  Teams regelmäßig die Zähne ausbeißen. Was den Verfolgern um Milan und Co. Hoffnung machen dürfte: Inter musste bisher ein Remis und eine Niederlage einstecken – gegen Bologna und Sassuolo. Sollten die Nerazzurri noch öfter gegen mittelmäßige Teams stolpern, könnte sich die Konkurrenz dies zunutze machen.

Gerade Napoli kämen derartige Patzer vom Tabellenführer wohl gerade recht. Unter hohem Erwartungsdruck starteten die Süditaliener in die laufende Saison – und mussten bereits zwei Niederlagen sowie zwei Remis hinnehmen. An der personellen Situation hat sich im Vergleich zur Spielzeit 2022/23 nicht viel geändert – abgesehen von Innenverteidiger Kim Min-jae musste man keine absoluten Leistungsträger abgeben.

Die Meistermannschaft ist im Grunde erhalten geblieben, allerdings scheint sie unter Rudi Garcia noch nicht so zu funktionieren wie unter dessen Vorgänger Luciano Spalletti. Der holprige Saisonstart sorgte zuletzt auch intern für Unruhe – man bedenke die Videos auf Napolis TikTok-Account, in denen der eigene Torjäger Victor Osimhen verhöhnt wurde. Dahingehend scheinen sich die Wogen mittlerweile geglättet zu haben, doch wenn die Partenopei nicht den Anschluss verlieren möchten, müssen die Leistungen fortan konstanter werden.

Zuletzt konnte man sich mit 3:1 gegen Hellas Verona durchsetzen, am Sonntag folgt dann das Spitzenspiel gegen die AC Milan. Dabei muss Trainer Garcia auf seinen Topscorer Osimhen verzichten – der Nigerianer wird momentan von einer Verletzung ausgebremst.



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Milan und Juve kämpfen – Überraschungsmannschaft Fiorentina?

Im rot-schwarzen Teil Mailands hängt derweil nach der jüngsten (und durchaus vermeidbaren) 0:1-Niederlage gegen Juventus der Haussegen schief – es war bereits die zweite Saisonpleite für die Rossoneri. Nichtsdestotrotz ist man Erzrivale Inter mit 21 Punkten dicht auf den Fersen, auch wenn die Mannschaft von Stefano Pioli einige offensichtliche Baustellen aufweist. Die Offensive um Altmeister Olivier Giroud und Rafael Leão hat mit Ladehemmungen zu kämpfen – ein großes Problem ist dabei die mangelhafte Chancenverwertung.

Mit 16 Toren stellt man lediglich die fünfbeste Angriffsreihe der Liga. Eine weitere Problemzone ist das dünn besetzte Mittelfeld – mit Ismaël Bennacer und Ruben Loftus-Cheek fallen derzeit zwei wichtige Spieler aus, Akteure wie Tijjani Reijnders, Tommaso Pobega oder Rade Krunić zeigen zumeist engagierte, aber eben keine überragenden Leistungen. Auch hinten stehen die Rossoneri nicht immer sicher. Im direkten Vergleich zu Inter hat man zum jetzigen Zeitpunkt eindeutig das Nachsehen, wie die 1:5-Klatsche im Derby della Madonnina eindrucksvoll untermauerte.

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Trotz Tabellenplatz zwei läuft bei Milan nicht alles rund. (Photo by Marco Luzzani/Getty Images)

Milan täte gut daran, sich vorerst keinen weiteren Punkverlust zu erlauben – einen solchen könnte Juve nämlich nutzen, um vorbeizuziehen. Die Bianconeri profitierten im letzten Spiel von der Roten Karte gegen Malick Thiaw und konnten letzten Endes einen Sieg einfahren, allerdings wurde während der Partie deutlich, dass bei der Alten Dame noch ordentlich Sand im Getriebe ist. Selbst gegen dezimierte Mailänder tat man sich lange äußerst schwer, der sichtlich frustrierte Übungsleiter Massimiliano Allegri tobte regelrecht an der Seitenlinie.

Es ist ein Stück weit nachvollziehbar, dass die Mannschaft nach den Skandalen um Paul Pogba (Doping) und Nicolò Fagioli (Spielsucht) erst einmal wieder zur Ruhe kommen muss. Doch ungeachtet dessen verrät ein Blick auf die Statistiken, dass die Offensive schwächelt – gegen ein Milan in Unterzahl erzielte man lediglich ein Tor und das auch nur, weil Krunić den Ball entscheidend abfälschte. 15 Treffer stehen für die Allegri-Elf insgesamt zu Buche. Die Defensive hingegen überzeugt schon eher – nach Inter hat man bislang die wenigsten Gegentore kassiert.

Im übernächsten Spiel bekommt Juve es mit der Fiorentina zu tun, die aktuell etwas überraschend auf Rang fünf rangiert, der zur Teilnahme an der Europa-League-Gruppenphase berechtigt. Die Viola hat genau wie Napoli bereits siebzehn Punkte sammeln können und glänzt vor allem mit ihrer offensiven Durchschlagskraft. Auch wenn das Team rund um Ex-Stuttgarter und Top-Torjäger Nicolás González zuletzt im toskanischen Derby gegen Empoli verlor, sollte man die Fiorentina im Auge behalten. Coach Vincenzo Italiano scheint zu wissen, wie er das Beste aus seiner Mannschaft rausholen kann.

Fazit

Inter ist in der Serie A momentan das Maß aller Dinge. Sollten die Nerazzurri so weitermachen wie bisher, könnte der nächste Scudetto-Sieg nach 2021 in greifbare Nähe rücken. Mögliche Patzer könnten von Milan und Juventus ausgenutzt werden – vorausgesetzt, beide Mannschaften finden schnellstmöglich Lösungen für ihre individuellen Probleme.

Dasselbe gilt für Napoli: Obwohl der Saisonstart nicht unbedingt nach Plan verlief, sollte man die Partenopei auf keinen Fall vorzeitig abschreiben. Schließlich haben sie in der vergangenen Spielzeit gezeigt, wozu sie im Stande sind. Was die Fiorentina angeht, so wird sich noch zeigen, ob ihre gegenwärtige gute Verfassung anhält oder nur von kurzer Dauer ist. Tritt ersteres Szenario ein, kann die Viola den Top-Teams durchaus gefährlich werden.

(Photo by MARCO BERTORELLO/AFP via Getty Images)

Lea Selin Thomas

Lebt die Rivalität zwischen den Mailänder Klubs und trägt die rot-schwarzen Farben. Bedauert sehr, dass sie die sportliche Blütezeit der Rossoneri um ein paar Jahre verpasst hat.


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