Donnerstag, Oktober 29, 2020

Champions League | RB Leipzig vs. Atletico: Nagelsmann will Simeone überraschen

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Vorschau | Das zweite Viertelfinale im Finalturnier der UEFA Champions League findet im Estádio José Alvalade statt. Hier will RB Leipzig versuchen die erfahrenen Spanier von Atletico Madrid zu überraschen. Das wird ein hartes Stück Arbeit.

Anpfiff der Partie ist am Donnerstag, 21:00 Uhr, Live auf DAZN (Registriere dich jetzt auf DAZN und erhalte einen Gratismonat).

  • RB Leipzig: Erstmals im Viertelfinale der Champions League
  • Atletico Madrid: Gute Form, starker Gegner
  • RB Leipzig muss Timo Werner ersetzen

Vor dem Spiel zwischen RB Leipzig und Atletico Madrid haben wir uns außerdem mit Kerry Hau, Redakteur bei Spox und Goal, über das anstehende Duell unterhalten.

RB Leipzig: Mit Offensivspiel zum Erfolg?

Trainer Julian Nagelsmann (33) hat bei RB Leipzig bisher einiges bewirkt. Die Mannschaft spielt konsequenter nach vorne, presst aggressiver und erzielt mehr Tore. In der Bundesliga reichte dies für die direkte Qualifikation zur Champions League, in selbiger ist die Mannschaft noch vertreten. Und vor dem Spiel gegen Atletico Madrid, einen gleichermaßen erfahrenen wie unangenehmen Gegner, hat RB nur wenig zu verlieren. Und genau das spielt der Nagelsmann-Elf in die Karten.

Allerdings muss RB Leipzig am Leistungslimit spielen, um gegen Atletico eine reelle Chance auf das Weiterkommen zu haben. Defensive Unzulänglichkeiten zogen sich wie ein roter Faden durch die Saison, hinzu kommen Spiele, in denen trotz klarer Überlegenheit und zahlreicher Chancen zu viel liegen gelassen wurde. Das darf man sich gegen Atletico nicht erlauben, denn die Rojiblancos gelten als extrem defensivstark und lassen sehr wenig zu.

(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

RB Leipzig hatte im Achtelfinale mit den Tottenham Hotspurs nur wenige Probleme, gewann beide Spiele ohne Gegentreffer. Atletico ist nun aber ein ganz anderes Kaliber, Erfahrungen mit einer solchen Mannschaft haben die Sachsen noch nicht gemacht. Wichtig wird sein, dass Julian Nagelsmann nicht nur einen Plan A, sondern auch einen Plan B oder gar C im Kopf hat. Da der junge Trainer aber mehrfach auch während der Spiele die Formation oder Ausrichtung ändert, dürfte das kein Problem sein.

Die Frage ist nur, wie effektiv die unterschiedlichen Strategien sind und welches System Nagelsmann wählen wird. “Kopiert” er das 4-4-2 von Atletico oder setzt er auf eine Dreierkette, um bereits im Aufbau über eine gewisse Flexibilität zu verfügen? Der Kader gibt einiges her, Variationsmöglichkeiten bestehen. Selbst ohne personelle Wechsel kann RB Leipzig aufgrund einiger polyvalenter Spieler zwischen zwei Ausrichtungen hin- und herwechseln. Das Ingame-Coaching ist in einem Spiel wie diesem, in dem es in nur 90 oder möglicherweise 120 Minuten um das Weiterkommen geht, von elementarer Bedeutung. Auch für Nagelsmann ist dieses Spiel also eine Reifeprüfung.

Ohne Werner: Die Denkaufgabe für Nagelsmann

Ein weiteres Problem, das es zu lösen gilt, ist die Abwesenheit von Timo Werner (24), der zum FC Chelsea wechselte. “Ohne Timo Werner braucht Leipzig nicht nur einen guten, sondern einen sehr guten Tag. Und Jan Oblak einen sehr schlechten. Denn wenn die in dieser Saison nicht immer vollumfänglich zuverlässige, nach den Abgängen von Diego Godin, Lucas Hernandez und Filipe Luis neu formierte Defensive mal schlief, war Atleticos Schlussmann meist auf der Hut. Klar ist: Gegen eine so erfahrene und abgezockte Truppe wie die von Simeone müssen die Leipziger die wenigen Chancen, die sie bekommen werden, nutzen”, resümiert Kerry Hau die Auswirkungen des Werner-Verlustes.

(Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Die RB-Offensive ist in der Breite gut aufgestellt, die Qualität, die durch den Werner-Abgang in der Spitze entsteht, ist aber nicht aufzufangen. Eine positive Nachricht ist, dass Yussuf Poulsen (26) nach seiner Syndesmosebandverletzung wieder zum Aufgebot gehören kann. Er könnte zusammen mit Patrik Schick (24) eine Doppelspitze bilden, aber auch eine flexiblere Lösung mit einem Spieler, der sich fallen lässt und als hängende Spitze agiert, ist denkbar. Der technisch versierte Spanier Dani Olmo (22) würde beispielsweise für diese Rolle in Frage kommen. Personell hat RB Leipzig keine großen Sorgen, abgesehen von Verteidiger Ibrahima Konate (21) stehen alle Spieler zur Verfügung.

Atletico: Abgezockt und gut in Form

In La Liga belegte Atletico Madrid am Ende der Saison Platz drei hinter Real Madrid und dem FC Barcelona. Insbesondere die Form nach dem Re-Start war enorm vielversprechend, zudem wurde Titelverteidiger FC Liverpool im Achtelfinale der Champions League bezwungen. “Atletico ist und bleibt unter Diego Simeone (50) eine Turniermannschaft, die seit Jahren dazu imstande ist, spielerisch vermeintlich bessere Teams auszuschalten. Simeone versteht es wie kein Zweiter, seine Spieler zu motivieren. Sie gehen für ihn und für den Verein durchs Feuer, sind körperlich präsent – allein deshalb wird auch beim Champions-League-Turnier in Lissabon wieder fest mit ihnen zu rechnen sein”, schätzt Kerry Hau die Chancen der Colchoneros in der Champions League ein.

Demnach ist vor allem Yannick Carrasco (26) ein wichtiger Faktor und mitverantwortlich für die gute Form der letzten Saisonwochen: “In der Rückrunde und insbesondere nach der Corona-Pause hat sich die Mannschaft vor allem im Spiel mit dem Ball verbessert, was meiner Meinung nach hauptsächlich an der Rückkehr von Yannick Carrasco liegt, der einer der wenigen Spieler im Kader ist, die mutig ins Eins-gegen-Eins gehen. Mit seinem Tempo und seinem Spielwitz steht der Belgier für Unberechenbarkeit im letzten Drittel.” Fünf Torbeteiligungen in 15 Spielen sprechen hier eine klare Sprache, zumal der Belgier häufig als Joker eingesetzt wurde.

(Photo by Denis Doyle/Getty Images)

Doch das Hauptaugenmerk liegt wieder einmal auf der Defensive. Der typische, disziplinierte simeoneske Fußball der letzten Jahre ist auch in dieser Saison wieder häufig das Markenzeichen der Colchoneros. Atletico beherrscht es, den Gegner zu kontrollieren, ohne selbst in Ballbesitz zu sein. Das Einhalten von defensiven Abständen ist genau wie das Verschieben ohne Ball nahezu perfekt einstudiert. Kleinere individuelle Fehler werden zudem zumeist vom nächstbesten Spieler ausgebügelt. Kurzum: Atletico zu überwinden ist eine ganz besonders schwere Aufgabe.

Vor der Saison verpflichtete Atletico mit Joao Felix (20) einen sehr interessanten Spieler für die Offensive. Nach dem Abgang von Antoine Griezmann (29) vom FC Barcelona sollte Felix als Freigeist im Offensivbereich fungieren. Seine Saison war geprägt von einigen Blessuren, trotzdem erzielte der Portugiese sechs Ligatreffer. Gegen Leipzig dürfte er vor allem als Joker eine gute Rolle spielen, was auch an einer Simeone-Idee mit Marcos Llorente (25) liegt. “Mit Llorente hat Simeone zudem einen defensiven Mittelfeldspieler in die Offensive beordert, was sich nicht nur im Achtelfinale gegen den FC Liverpool als genialer Schachzug erwiesen hat.”

Nach Corona-Aufregung: Fast alle Mann an Bord

Für Aufregung sorgte kurz vor dem Abflug nach Portugal die Nachricht, dass es bei Atletico zwei positive Corona-Tests gibt. Die Spieler Sime Vrsaljko (28) und Angel Correa (25) sind betroffen. Die im Anschluss durchgeführten Tests des restlichen Kaders ergaben aber ausschließlich negative Ergebnisse. Abgesehen von Vrsaljko und Correa stehen alle Spieler im Kader zur Verfügung.

Das typische 4-4-2-System wird auch gegen RB Leipzig wieder das Mittel der Wahl sein. Atletico beherrscht diese Systematik aus dem Effeff und wird unabhängig von der Anfangself noch genügend starke Optionen auf der Bank haben. Die spannendste Personalie ist der Zweikampf zwischen Llorente und Carrasco. Carrasco würde eher als Freigeist agieren, Llorente wäre die etwas diszipliniertere Variante.

Prognose von Kerry Hau

Wenn sich die Simeone-Elf so präsentiert wie zum Beispiel Ende Juni beim 2:2 gegen den FC Barcelona im Camp Nou, sehe ich wenig Hoffnung für Leipzig. Mein Tipp: Atletico zieht mit einem 2:1 ins Halbfinale ein. 

Mögliche Aufstellungen:

RB Leipzig: Gulacsi – Klostermann, Mukiele, Upamecano, Halstenberg – Kampl, Adams, Nkunku, Sabitzer – Olmo (Poulsen), Schick

Atletico Madrid: Oblak – Arias, Gimenez, Savic, Renan Lodi – Koke, Thomas, Saul, Carrasco (Llorente) – Morata, Diego Costa

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(Photo by Martin Rose/Bongarts/Getty Images)

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