Ende Januar 2025 sagte Markus Kaufmann, Präsident des Liechtensteiner Casino-Verbands, einen bemerkenswert ehrlichen Satz: Wer die Fahrt von Zürich auf sich nähme, um in Liechtenstein zu spielen, der fahre auch 30 Minuten länger nach Deutschland oder Österreich. Er meinte das als Warnung. Es war eher ein Eingeständnis.

Kurz darauf trat das Sperrlisten-Abkommen zwischen der Schweiz und Liechtenstein in Kraft. Rund 100.000 in der Schweiz gesperrte Spieler durften plötzlich auch im Fürstentum nicht mehr an die Tische. Einzelne Casinos verloren bis zu 85 Prozent ihres Umsatzes. Mehrere machten dicht. Der Verband löste sich auf.

So weit die Casino-Seite. Aber das Muster aus Regulierungen, Schlüpflöchern und Ausweichbewegungen zieht sich durch den gesamten Glücksspielmarkt der Region. Am deutlichsten zeigt sich dies bei Sportwetten.

Welches System funktioniert am besten?

  • Deutschland lizenziert rund 30 Anbieter, deckelt Einsätze bei 1.000 Euro monatlich, besteuert mit 5,3 % – und verliert trotzdem mindestens ein Viertel des Marktes an Schwarzanbieter. Sperrlisten gelten nur national.
  • Die Schweiz lässt nur zwei staatliche Wettanbieter zu, sperrt den Rest per DNS-Blocking und tauscht seit 2025 Sperrdaten mit Liechtenstein. VPNs bleiben das offene Einfallstor.
  • Österreich reguliert auf Länderebene ohne zentrale Behörde, ohne einheitliches Limit und ohne Sperrlisten-Austausch mit den Nachbarn.
  • Liechtenstein hat bis auf Weiteres kein eigenes System und überlässt den Markt EU-lizenzierten Anbietern.

2026 steht die Evaluierung des deutschen Glücksspielstaatsvertrags an. 2027 laufen die österreichischen Konzessionen aus. Liechtenstein hat sich bis 2028 Zeit gegeben. Drei Fristen und vielleicht drei Gelegenheiten, das System neu zu denken. Ob eine davon genutzt wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Liechtenstein wartet auf 2028

Das Fürstentum legalisierte Glücksspiel 2010, vergibt aber keine Online-Wettlizenzen. Das dafür vorgesehene Regulierungssystem wurde 2023 auf frühestens 2028 vertagt. Wer legal online wetten will, nutzt Sporttip oder internationale Plattformen mit EU-Lizenz. In der Zwischenzeit können Spieler in Liechtenstein, die sich auf regulierten ausländischen Plattformen orientieren möchten, transparente Vergleichsportale wie Casino.org nutzen, um regulierte und lizenzierte Online Casinos in Liechtenstein zu finden.

Eine Aufsichtsstruktur für den Online-Wettmarkt gibt es schlicht nicht. Das Casino-Debakel vom Januar hat gezeigt, was passiert, wenn sich ein Geschäftsmodell auf regulatorische Lücken stützt. Beim Sportwettenmarkt stellt sich dieselbe Frage – nur schaut dort bisher kaum jemand hin.

Deutschland: 8,2 Milliarden, und trotzdem zu wenig Kontrolle

Der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 hat Deutschland auf dem Papier zu einem der strengsten Sportwettenmärkte Europas gemacht. Die GGL in Halle vergibt Lizenzen, überwacht, sperrt Domains. Lizenzierte Anbieter setzten 2024 insgesamt 8,2 Milliarden Euro um.

Das Problem steht auf der anderen Seite der Bilanz. Die GGL zählte 382 illegale deutschsprachige Sportwetten-Webseiten gegenüber 34 legalen. Der Zuwachs bei illegalen Anbietern betrug 36 Prozent in einem einzigen Jahr.

Über den tatsächlichen Schwarzmarktanteil wird heftig gestritten. Die GGL sagt 25 Prozent. Branchenstudien kommen auf über 60. Egal welche Zahl man nimmt: Es ist zu viel.

Warum laufen so viele Tipper weg? Weil das legale Angebot eng geschnitten ist. Monatlich 1.000 Euro Einzahlungslimit, plattformübergreifend erzwungen. Keine Wetten auf Gelbe oder Rote Karten. Stark beschnittene Live-Wetten. 5,3 Prozent Steuer auf jeden Einsatz. Wer auf eine Plattform mit Malta-Lizenz wechselt, findet nichts davon – und dafür bessere Quoten obendrauf.

Brisant für den Fußball: Wetten auf Amateurspiele sind zwar verboten, werden aber von ausländischen Anbietern trotzdem angeboten. Im April 2025 tauchte ein Kreisliga-Spiel aus Baden-Württemberg bei einem internationalen Bookie auf. Datenscouts sitzen mittlerweile als scheinbare Zuschauer an Bezirksliga-Plätzen und funken Spielstände in Echtzeit an Wettanbieter im Ausland. Die Innenministerkonferenz bastelt an einem verschärften Verbot. DFB-Partner Interwetten hat seine Amateurfußball-Märkte freiwillig gestrichen. Die Mehrheit der internationalen Anbieter macht einfach weiter.

Schweiz: De-Facto-Duopol mit harten Sperren

Radikaler als die Schweiz geht niemand vor. Seit 2019 dürfen exakt zwei Unternehmen Sportwetten anbieten: Sporttip von Swisslos für die Deutschschweiz, Tessin und Liechtenstein, Jouez Sport von der Loterie Romande für die Westschweiz. Bet365, Bwin, Betano – gesperrt. Der legale Markt bringt trotzdem über eine Milliarde Franken im Jahr.

Die Netzsperren funktionieren halbwegs. Per VPN lassen sie sich umgehen, das ist kein Geheimnis. Die Behörden argumentieren, dass Spieler damit zumindest bewusst entscheiden, wenn sie auf nicht bewilligte Seiten ausweichen. Im Bereich Sportintegrität hat die Schweiz früh Pflöcke eingeschlagen – als eines der ersten Länder ratifizierte sie die Magglinger Konvention des Europarats gegen Wettkampfmanipulation. Die Gespa fungiert seither als nationale Meldestelle für Verdachtsfälle.

Österreich: Neun Bundesländer, null einheitliche Linie

In Österreich gelten Sportwetten offiziell als Geschicklichkeitsspiel. Klingt nach einer Fußnote, hat aber massive Konsequenzen: Sportwetten fallen damit nicht unter das staatliche Glücksspielmonopol. Regulierung ist Ländersache. Neun Bundesländer, neun Regelwerke.

Steiermark erlaubt Live-Wetten nur auf Halbzeit- und Endergebnisse. Vorarlberg verbietet Wetten zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens. In Niederösterreich gibt es wiederum überhaupt keine Beschränkungen. Online tummeln sich Dutzende EU-lizenzierte Anbieter weitgehend unkontrolliert, Werbung ist allgegenwärtig. Im Profifußball gehören Wettanbieter längst fest zur Sponsorenriege.

Am grenzübergreifenden Sperrlisten-Austausch nimmt Österreich nicht teil. Was das heißt, sieht man laut Kaufmann jeden Abend vor den Spielbanken in Bregenz, Lindau und Konstanz – dort stehen gesperrte Schweizer Spieler Schlange.

Die Casino-Konzessionen laufen 2027 aus. ÖVP und SPÖ haben sich für ein neues Glücksspielgesetz ausgesprochen. Ob das auch Sportwetten auf Bundesebene erfasst, weiß Stand heute niemand.