Montag, September 28, 2020

Unruhe auf Schalke: Und täglich grüßt das Murmeltier

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Der FC Schalke 04 bereitet sich gerade mit Trainer David Wagner auf die Saison 2020/21 vor. Wie lange Wagner noch Cheftrainer sein wird, ist schon fraglich, bevor überhaupt ein Pflichtspiel absolviert wurde.

  • Schalke 04: Kaum Geld, kein homogener Kader
  • David Wagner: Schwache Rückrunde, wenig Vertrauen
  • Business as usual: Unruhe auf Schalke

Schalke 04: Der Absturz kam nicht überraschend

“Gregoritsch feiert Einstand nach Maß – Schalker Jahresauftakt gelingt”: So titelte der Kicker nach dem 2:0-Erfolg des FC Schalke 04 zum Rückrundenauftakt der Saison 2019/20 gegen Borussia Mönchengladbach. Nach dem 18. Spieltag standen die Königsblauen punktgleich mit dem Revierrivalen Borussia Dortmund auf Platz fünf in der Tabelle der Bundesliga.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Der Traum von Europa lebte. David Wagner (48), der die Mannschaft zum Saisonstart als Cheftrainer übernahm, hauchte ihr neues Leben ein. Schalke spielte nicht gerade die Sterne vom Himmel, arbeitete aber gut gegen den Ball, war im Angriff effizient. Die Mannschaft schoss die Tore – so auch gegen die Fohlen – zum richtigen Zeitpunkt. Schon damals gab es aber Skeptiker, die von einer gewissen Overperformance der Königsblauen sprachen.

Dass der Schalker Erfolg, zumindest in dieser Art und Weise, nicht bis zum Ende anhalten würde, war keine allzu gewagte These. Dass die Mannschaft von Trainer Wagner am Saisonende, also nur 16 Spieltage nach dem Triumph gegen Borussia Mönchengladbach, auf Platz zwölf stehen würde, hätten aber auch nur die wenigsten Experten für möglich gehalten. Der Abstand auf Borussia Dortmund betrug am Saisonende übrigens 30 Punkte.

Schalke 04: Die Schreckensbilanz der Rückrunde

Der Gladbach-Sieg war für Schalke 04 also keinesfalls die Weiterführung einer positiven Serie, er war vielmehr ein letztes Aufbäumen vor dem Absturz. Von jetzt auf gleich gingen Elemente wie Spielglück, aber auch die defensive Stabilität vollkommen verloren. Die Bilanz ab dem 19. Spieltag liest sich schrecklich. Schalke erzielte nur sieben Tore in 16 Spielen, kassierte aber 37. Kein Sieg, sechs Remis, zehn Niederlagen: In der gesamten Rückrunde war nur der SC Paderborn – bekanntlich als Tabellenletzter abgestiegen -schlechter. 

(Photo by Ronald Wittek/Pool via Getty Images)

Ja, Verletzungen und Formschwankungen spielten eine Rolle. Doch alles darauf zu schieben, ist viel zu einfach. Denn auch ohne eine herausragende Kaderbreite und hohe individuelle Klasse auf mehreren Positionen sollte mehr möglich sein, als eine Rückrunde mit neun Punkten. Amine Harit (23), in der Hinrunde noch einer der besten Spieler, tauchte vor seiner Verletzung bereits nahezu immer unter. Das partiell angewendete mutige Pressing aus der Hinrunde war verflogen.

Schalke spielte immer defensiver, ängstlicher und planloser. Ein geordnetes Aufbauspiel war selten zu erkennen und selbst wenn der Ball mal klug in Richtung offensives Drittel bewegt wurde, verlor man ihn eben dort. Trainer Wagner ging nicht voran, sondern suchte Ausreden. “Es gab klare Szenarien, die dazu geführt haben, dass wir ab Mitte Februar ein anderes Team hatten: Wir konnten Ausfälle nicht kompensieren. Unser Torwart-Paar konnte uns nicht mehr die Sicherheit geben, das Januar-Transferfenster war kein gutes”, wird Wagner am 1. Juli vom Kicker zitiert.

Warum hält Schalke an Wagner fest?

Die immer wiederkehrenden Durchhalteparolen statt einer knallharten Analyse sorgten auch bei den Anhängern der Königsblauen für Kopfzerbrechen. Nicht einmal in der Saisonphase ohne Zuschauer, die zumindest den allergrößten Druck von der Mannschaft hätte nehmen können, änderte sich etwas. Eine Trennung am Saisonende schien von außen betrachtet als realistische und sinnvolle Lösung. Ein Neuanfang musste her – mal wieder.

(Photo by Ronald Wittek/Pool via Getty Images)

Doch Sportvorstand Jochen Schneider (49) sprach Wagner frühzeitig das Vertrauen aus. Die Frage, die sich angesichts der Entwicklung und der Ideenlosigkeit des Trainerteams stellt: Warum eigentlich?

Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie spielen eine Rolle. David Wagner würde bei einer Entlassung eine Abfindung erhalten, ein neuer Trainer müsste möglicherweise für eine gewisse Ablösesumme verpflichtet werden. Für Schalke 04, das schon vor der Pandemie finanzielle Sorgen hatte, war das offensichtlich keine gute Option.

Das alleine rechtfertigt ein Festhalten am Ist-Stand aber nicht. Glaubt Jochen Schneider wirklich an eine Kehrtwende auf Schalke – mit David Wagner? Glaubt man, dass die Rückrunde aus den Köpfen gestrichen werden kann? Oder ist es vielleicht vielmehr Hoffnung, dass sich die Dinge irgendwie wieder zum Guten wenden?

Schalke 04: Das Problem mit dem Kader

Ohne einen Trainerwechsel können neue, frische Impulse in der Mannschaft helfen. Doch die angesprochenen finanziellen Sorgen erschweren auch das. Die Jugendabteilung auf Schalke hat sich über viele Jahre einen sehr guten Ruf erarbeitet und brachte in den letzten Jahren immer wieder spannende Talente hervor, das ideale Umfeld, um ins kalte Wasser geworfen zu werden, sieht allerdings auch anders aus. Auch hier ist Wagner zudem häufig vorsichtig, wie das Beispiel Ahmed Kutucu (20) zeigt.

Externe Neuzugänge sucht man vergeblich. Nabil Bentaleb (25), Steven Skrzybski (27), Mark Uth (29) und Ralf Fährmann (31) kamen von ihren Leihvereinen zurück, mehr tat sich auf der Zugangsseite noch nicht. Es müssen erst Spieler abgegeben werden, ehe nachgelegt werden kann. Doch auch hier will der Stein nicht wirklich ins Rollen kommen. Bentaleb wurde zuletzt wieder in das Mannschaftstraining integriert, Köln will bei Uth so viel wie möglich sparen, bei Spielern wie Suat Serdar (23) und Ozan Kabak (20) ist die Schalke-Schmerzgrenze sehr hoch.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Nun wird Weston McKennie (22) zu Juventus Turin wechseln. Doch auch der Abgang des US-Amerikaners, der zunächst auf Leihbasis erfolgt, ist keine Soforthilfe. Schalke muss also weitere Einnahmen generieren, um den Kader verbessern zu können. Und Baustellen gibt es genügend, angefangen auf der Torhüterposition. Markus Schubert (22) verschuldete in der Vorsaison einige Gegentore, Kontinuität fehlt. Offensiv fehlt es an einem klassischen Knipser, abgesehen von Harit steht niemand im Aufgebot, der im letzten Drittel etwas Besonderes initiieren kann.

Trainerfrage, ungeduldige Fans: Schalke-Chaos

In der Defensive fehlt Geschwindigkeit, einen Rechtsverteidiger hat Schalke 04 überhaupt nicht im Kader und das einzige Gerücht, das es derzeit rund um Verstärkungen in der Defensive gibt, betrifft Sead Kolasinac (27). Einen Spieler, der auf der linken Seite spielt und bei Arsenal viel Gehalt kassiert. Offensiv soll der 36-jährige Angreifer Vedad Ibisevic ablösefrei kommen, mehr haben die Verantwortlichen der Schalker derzeit offenbar nicht in petto. Kein Wunder, dass die Fans allmählich ungeduldig werden.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Bemerkenswert ist auch, dass ausgerechnet jetzt eine Trainerdiskussion geführt wird. Mehreren Medienberichten zufolge soll Wagner vor dem Aus stehen, intern sei angeregt worden, sich nach einem potenziellen Nachfolger umzusehen. Und das, obwohl Jochen Schneider mehrfach betonte, Vertrauen in den Cheftrainer zu haben. Dass diese Meldungen aber völlig aus der Luft gegriffen sind, erscheint ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Und während eine Trainerdiskussion mitten in der Vorbereitung bei anderen Klubs das Thema überhaupt wäre, nimmt man es bei Schalke 04 einfach so hin. Auch das hat Aussagekraft. Überdies war nun mehrfach zu lesen, dass der Rückhalt für Wagner selbst innerhalb der Mannschaft fehlt.

Als wäre das alles noch nicht genug, droht auch beim Blick auf den Spielplan Unheil. Der Saisonauftakt von Schalke 04 findet beim FC Bayern statt, die folgenden beiden Auswärtsspiele absolvieren die Königsblauen in Leipzig und Dortmund. Vielleicht wartet man deswegen auf Schalke mit einer Entscheidung auf der Trainerposition. Möglicherweise soll einem neuen Übungsleiter ein solches Auftaktprogramm nicht zugemutet werden. Andererseits wäre es auch eine Hypothek, nach Amtsantritt keine Vorbereitung zu haben, eine verunsicherte Mannschaft vorzufinden und keine Zeit zu haben, auf dem Transfermarkt zu reagieren. In jedem Fall stehen Schalke spannende, wenn nicht gar wegweisende Wochen bevor. Und wie so häufig, geht der Klub ohne die nötige Ruhe in eben jene… 

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(Photo by Martin Meissner/Pool via Getty Images)

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