Montag, April 6, 2020

Weißt du noch? 23.09.2017: BVB-Pressingfest gegen Gladbach

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Im Topspiel der Bundesliga am Samstagabend trifft Borussia Dortmund auswärts auf Bayer 04 Leverkusen und Trainer Peter Bosz. Eben jener Trainer hat auch eine Vergangenheit beim BVB.

Die Zeit von Peter Bosz bei Borussia Dortmund begann enorm vielversprechend, der Einbruch erfolgte aber genauso schnell. Vor dem Duell des BVB mit dem Ex-Coach blicken wir auf ein Spiel unter Bosz zurück, das zu den besten gehörte.

BVB gegen Gladbach: Die Vorzeichen

Es war der 6. Spieltag der Bundesligasaison 2017/2018, Borussia Dortmund empfing mit Borussia Mönchengladbach den vermeintlich bisher stärksten Gegner der Saison zum Topspiel im heimischen Westfalenstadion. Nach einem furiosen Saisonstart stand der BVB mit 13 Punkten aus 5 Spielen und einem Torverhältnis von 13:0 an der Tabellenspitze.

Die Bundesligasaison verlief für die Dortmunder bis hierhin nahezu perfekt, lediglich ein Punktverlust durch ein torloses Remis gegen den SC Freiburg stellte einen Makel in der Punktebilanz des BVB dar. Im Vergleich zum 3:0-Auswärtssieg gegen den HSV rotierte Bosz, im Hinblick darauf, dass nur drei Tage nach dem Borussen-Duell ein Spiel gegen Real Madrid, den Titelverteidiger der europäischen Königsklasse, anstand, deutlich auf fünf Positionen.

Die Gladbacher befanden sich vor Spielbeginn mit 8 Punkten auf dem 7. Tabellenplatz und erzielten zuletzt positive Resultate gegen den VfB Stuttgart und RB Leipzig, dennoch ging der BVB als klarer Favorit in dieses Spiel.

Aufstellungen und Torfolge

BVB: Bürki – Pisczcek (69. Zagadou), Sokratis © (83. Bartra), Toprak, Toljan – Weigl, Götze, Dahoud – Pulisic (64. Kagawa), Aubameyang, Philipp

Bank: Weidenfeller, Isak, Sahin, Yarmolenko

Trainer: Peter Bosz

(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Gladbach: Sippel – Elvedi, Ginter, Vestergaard, Wendt – Kramer (75. Hofmann), Zakaria, Johnson (72. Herrmann), T. Hazard – Stindl ©, Raffael (61. Cuisance)

Bank: Nicolas, Jantschke, Oxford, Bobadilla

Trainer: Dieter Hecking

Tore: 1:0 Philipp (28.); 2:0 Philipp (38.); 3:0 Aubameyang (45.); 4:0 Aubameyang (49.); 5:0 Aubameyang (62.); 5:1 Stindl (66.); 6:1 Weigl (79.)

Ruhiger Beginn, solide Gästeabwehr

Das Spiel, welches im ausverkauften Westfalenstadion stattfand, begann ruhig. Borussia Dortmund wirkte von Beginn an engagiert und mit Offensivdruck, doch die Gladbacher Defensive machte einen stabilen Eindruck. In der 10. Minute hatte Thorgan Hazard nach einem Konter der Gladbacher die erste Großchance des Spiels, doch scheiterte an Roman Bürki.

Besonders im Zentrum gelang es den Innenverteidigern von Borussia Mönchengladbach gut, die Räume eng zu machen. Ein Punktgewinn schien für die Gladbacher, trotz deutlich weniger Ballbesitz, in der Anfangsphase durchaus realistisch. Erstmals Gefahr strahlten die Dortmunder in der 24. Minute aus, als Tobias Sippel, der heute den verletzten Yann Sommer vertreten durfte, einen abgefälschten Ball von Christian Pulisic über die Latte lenkte. Diese Aktion war der Beginn der Dortmunder Drangphase und wirkte wie eine Initialzündung für den Gastgeber.

BVB-Chancen fast im Minutentakt

Nur kurz nach der ersten Torannährung des BVB folgten gefährliche Abschlüsse der Dortmunder im Minutentakt. So verhinderte Tobias Sippel zweimal innerhalb von 60 Sekunden eine Dortmunder Führung nach gefährlichen Abschlüssen von Pierre-Emerick Aubameyang. Die Führung, die sich mittlerweile offensichtlich andeutete, folgte dann in der 28. Minute durch Maximilian Philipp, als er eine Flanke von Pierre-Emerick Aubameyang per Direktabnahme veredelte. Zehn Minuten später konnte Matthias Ginter dem Druck des exzellenten Dortmunder Gegenpressings nicht standhalten und spielte einen Fehlpass in die Füße von Mahmoud Dahoud, nach einer schnellen Kombination erhöhte Maximillian Philipp die Führung des BVB auf 2:0. 

(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Über die 20 Millionen Euro Ablöse für Maximillian Phillip wurde in den vorausgegangenen Monaten viel diskutiert. Nachdem er seinen vierten Treffer für Borussia Dortmund erzielte, war diese Diskussion zumindest vorerst beendet. Kurz vor der Halbzeit hebelte Sokratis die Defensive der Gladbacher mit einem Steilpass aus. Nur 8 Sekunden nachdem Sokratis, welcher normalerweise nicht für sein überragendes Aufbauspiel bekannt ist, den Ball zu Philipp spielte, befand sich der Ball auch schon wieder im Tor der Gladbacher. Maximillian Philipp legte quer und Pierre-Emerick Aubameyang überwand den Gladbacher Torwart Tobias Sippel mit einer flachen Direktabnahme. Trotz der Überlegenheit des BVB gelang es den Gladbachern in der ersten Halbzeit noch zwei weitere gefährliche Konter zu fahren, die allerdings nicht zu Torerfolgen führten. Die mangelnde Effizienz der Gladbacher spielte den Dortmundern definitiv in die Karten.

In der zweiten Halbzeit nahm das Gladbacher Unheil seinen Lauf. Nur 4 Minuten nach Wiederanpfiff traf Pierre-Emerick Aubameyang nach einer Freistoßflanke von Mario Götze im zweiten Anlauf zum 4:0. Die in der Anfangsphase des Spiels gut organisierte Gladbacher-Abwehr war nicht mehr wiederzuerkennen und wirkte auch im eigenen Aufbau gegen clever pressende Dortmunder überfordert. In der 63. Minute konnte Pierre-Emerick Aubameyang seinen Hattrick nach einem Steilpass von Mahmoud Dahoud komplettieren. Ausgangspunkt war, wie auch schon beim 1:0, ein Fehlpass eines Gladbacher Abwehrspielers. Jannik Vestergaard konnte dem Druck des Dortmunder Pressings nicht standhalten.

Energiesparmodus und Ehrentreffer

Nach dem 5:0 schaltete Borussia Dortmund ein paar Gänge zurück und sparte sich die Kräfte für das kommende Duell mit dem Champions League-Titelverteidiger Real Madrid. In der 65. Minute musste der BVB nach 515 gegentorlosen Minuten den ersten Gegentreffer der Bundesliga-Saison 2017/18 durch Lars Stindl hinnehmen.

(Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Den Schlusspunkt zum 6:1 setzte Julian Weigl, der aufgrund der generell offensiven Positionierung der Dortmunder, unmittelbar vor dem Sechzehnmeterraum in Ballbesitz kam und den Ball gekonnt im rechten Winkel platzierte. Anschließend holte sich die Dortmunder Mannschaft vor der Südtribüne den verdienten Applaus ab und feierte noch einige Zeit mit den Fans. Der Glaube nach 34. Spieltagen tatsächlich an der Tabellenspitze zu stehen war so stark wie lange nicht.

Hier geht es zu den Highlights des Spiels!

Bosz-Spielidee brillant umgesetzt

In diesem Spiel konnte man die Spielidee von Peter Bosz in der Praxis bewundern. Die Dortmunder waren durchgehend um Dominanz bemüht und nach der einer ruhigen Anfangsphase spiegelte sich dies sowohl im Ergebnis, als auch in den Statistiken wider. Über 90 Minuten spielte die Mannschaft des BVB 924 Pässe, davon 92% erfolgreich. Der Ballbesitz lag über die volle Spielzeit bei 79%, phasenweise waren es sogar 85%. Der BVB überzeugte mit innovativem Positionsspiel im letzten Drittel und erbarmungslosem Gegenpressing im Falle eines Ballverlusts in der Offensive.

Die Treffer des BVB fielen nach einstudierten Mustern, zweimal führte ein Steilpass aus der Tiefe zu einem Treffer für den BVB, dreimal traf man unmittelbar nach einem Ballgewinn am Gladbacher Sechzehnmeterraum. Die Spieleröffnung weckte des Öfteren Erinnerungen an Guardiolas Bayern zu besten Zeiten. Das flexible Positionsspiel von Götze, Dahoud, Pulisic, Aubameyang und Philipp gab den Defensivspielern des BVB die Möglichkeit mit vertikalen und flachen Schnittstellenpässen in die Spitze innerhalb von Sekunden einen gefährlichen Angriff einzuleiten.

 (Photo by Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Nach diesen 90 Minuten konnte man durchaus erahnen, dass Pep Guardiola und Johan Cruyff zu den größten Vorbildern von Peter Bosz zählen. Die Energie und Leichtigkeit auf dem Platz brachte auch Erinnerungen an die Erfolgs-Ära von Jürgen Klopp beim BVB zurück. Über weite Strecken des Spiels gelang es den Dortmunder-Spielern genau das umzusetzen, was Peter Bosz auf dem Trainingsplatz und in der Kabine predigt und fordert. Dadurch ergab sich ein wunderschönes Zusammenspiel, gepaart aus Schlüsselkomponenten der Philosophien von Cruyff, Guardiola und Klopp. An diesem Abend konnte man durchaus von einer schwarz-gelben Pressing-Renaissance sprechen.

From Hero to Zero

Gegen Borussia Mönchengladbach zeigte Borussia Dortmund attraktiven Offensivfußball, welcher in Kombination mit etwas Spielglück und einem taktisch nicht gut vorbereiteten Gegner dafür sorgte, dass die Frage nach dem kommenden deutschen Meister für viele Fans an diesem Samstagabend nur noch eine rhetorische war. Auch in der Presse galt Borussia Dortmund nach diesem Spiel als Meisterfavorit.

Doch die folgenden Monate zeigten, dass die Spielidee Bosz’ zumindest beim BVB nicht nachhaltig genug war. Peter Bosz gilt ohnehin als stur und weigerte sich an den von ihm festgelegten Parametern seiner Philosophie zu schrauben. Die Gegner stellten sich auf Bosz’ Taktik ein, gaben dem BVB keine Gegenpressing-Möglichkeit und nutzten die defensiven Schwächen des Systems, welche auch gegen Gladbach kurz aufblitzten. Die Verunsicherung wuchs und Borussia Dortmund gewann lediglich eins der folgenden neun Bundesligaspiele. Im Dezember 2017 wurde Peter Bosz nur 78 Tage nach dem Kantersieg gegen Borussia Mönchengladbach entlassen.

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(Photo by Christof Koepsel/Bongarts/Getty Images)

Simon Lüttel

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