Weißt du noch? 24. Mai 1997: Rizzitelli entscheidet den Meister-Vierkampf für die Bayern

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Spotlight | Der FC Bayern beherrscht seit 2012 die Bundesliga wie kein anderer Klub zuvor. Mit Ausnahme vom Vorjahr fand schon lange fand kein wirklicher Showdown an den letzten Spieltagen mehr statt. Dies war nicht immer so. In der Saison 1996/97 lieferten sich beispielsweise gleich vier Teams über lange Zeit ein Rennen um den Titel. Am Ende setzte sich auch damals der Rekordmeister durch, wie dies genau geschah, soll hier noch einmal genauer beleuchtet werden.

Die Ausgangslage: Zwei „übliche Verdächtige“, zwei Überraschungen

Auch wenn danach nicht (unmittelbar) eine derartige Dominanz der Bayern eintrat, wie dies nach 2012 der Fall war, kann die Ausgangslage im Sommer 1996 durchaus verglichen werden. Borussia Dortmund hatte unter Ottmar Hitzfeld zwei Meisterschaften hintereinander gefeiert und strebte mit seinem damaligen Star-Ensemble um die frisch gebackenen Europameister wie Matthias Sammer, Jürgen Kohler oder Andreas Möller die dritte Meisterschaft in Folge an.

Die Münchener zogen zunächst unter Giovanni Trapattoni und dann unter Otto Rehhagel sowie Interimscoach Franz Beckenbauer den Kürzeren und strebten eine Wiedergutmachung an. Dafür nahm der FC Bayern vor der Spielzeit unter anderem Mario Basler (Werder Bremen) sowie Ruggiero Rizzitelli (Perugia) unter Vertrag, welche beide elementare Rollen in der Saison spielen sollten. Zudem kehrte Trapattoni nach einem Jahr Abwesenheit wieder auf die Bank im Olympiastadion zurück.

Zu dem erwarteten Gespann gesellten sich jedoch noch zwei weitere Teams, welche zu Beginn wirklich niemand auf der Rechnung hatte. Bayer Leverkusen vermied im Vorjahr erst am letzten (!) Spieltag den Abstieg im direkten Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Die „Werkself“ verpflichtete daraufhin Christoph Daum als Trainer, welcher bereits mit dem 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart (sogar als Meister) zu Beginn der 1990er Jahre in der Bundesliga für Furore gesorgt hatte.

(Photo by Bongarts/Getty Images)

Der exzentrische Coach beendete für diese Aufgabe sein erfolgreiches Engagement in der Türkei. Auch wenn Bayer einen der namhaftesten deutschen Übungsleiter unter Vertrag nehmen konnte, hätte wohl (außer vielleicht Daum selbst) kaum ein Beobachter der Mannschaft solche Sphären zugetraut.

Der Sachverhalt stellte sich genauso beim VfB Stuttgart dar, der ebenso eine furchtbare Saison 1995/96 erlebt hatte. Stand man zur Winterpause noch auf dem dritten Rang, wurden die Schwaben in dem zweiten Teil der Spielzeit ins Mittelfeld durchgereicht. Trainer Rolf Fringer durfte komischerweise noch die Vorbereitung für die nächste Runde gestalten, wenige Stunden vor Saisonbeginn zog der deutsche Meister von 1992 (unter Daum) dann doch noch die Reißleine.

Für den Schweizer installierte man zunächst eine Interimslösung, welche sich als äußerst gewinnbringend herausstellen sollte: Ein 36-jähriger Novize namens Joachim Löw übernahm das Amt. Nur wenige Stunde nach der Amtsübernahme fegte der VfB mit seinem „magischen Dreieck“ um Krassimir Balakov, Giovane Elber und Fredi Bobic den UEFA-Cup-Teilnehmer Schalke mit 4:0 aus dem Gottlieb-Daimler-Stadion und sicherte sich damit die erste Tabellenführung der jungen Spielzeit.

Die Vorrunde im Zeichen der Stuttgarter Torfabrik

Unter dem heutigen Bundestrainer starteten die Stuttgarter in beeindruckender Weise in die Saison. Dem Kantersieg zum Auftakt folgten alleine bis zum 5. Spieltag gleich zwei Mal das identische Resultat in Hamburg sowie gegen Köln. Dieser Lauf machte es dem gegenüber Löw zunächst skeptischen Vorstand um Gerhard Mayer-Vorfelder schwer, eine feste Verpflichtung des damals jungen Trainers aufzuschieben. Ausgerechnet nach dem Abschluss des festen Vertrages folgte gegen den späteren Absteiger Düsseldorf die erste Pleite mit einer überraschenden 0:2-Niederlage zuhause.

Dennoch stand die Vorrunde ganz im Zeichen des VfB. Das bereits erwähnte Dreieck an vorderster Front zeigte sich im Herbst 1996 in überragender Verfassung: 5:2 bei 1860 München, 4:2 gegen Freiburg, 5:0 gegen Gladbach – die Mannschaft von Löw schoss die Gegner reihenweise aus dem Stadion. An insgesamt zwölf der 17 Spieltage stand der Verein aus der schwäbischen Hauptstadt an der Tabellenspitze. Demgegenüber zeigte der Titelverteidiger aus Dortmund ungeahnte Schwächen.

(Photo by Bernd Lauter/Bongarts/Getty Images)

Der BVB kassierte unter anderem gleich zum Auftakt vier Gegentore in Leverkusen bei der Daum-Premiere. In Gladbach sollte es sogar noch schlimmer kommen, als die „andere“ Borussia mit einem überragenden Stefan Effenberg den amtierenden Meister mit 5:1 düpierte. In dieser Verfassung sollte der BVB mit der Herbstmeisterschaft nichts zu tun haben, sich aber dennoch in der Rückrunde nochmal entsprechend zurückmelden.

Ganz anders stellte sich die Lage in Leverkusen dar, wo der Sieg zum Auftakt gegen den deutschen Meister einen Startschuss zu weiteren Spitzenleistungen darstellte. Unter Daum spielte die „Werkself“ einen brillanten Offensivfussball und gewann gleich sieben der ersten neun Partien. Am 16. Spieltag kletterte Bayer erstmals auf den ersten Platz. Durch ein vermeidbares 2:2 gegen den (starken) Aufsteiger Bochum verlor man jedoch noch die schon sicher geglaubte Herbstmeisterschaft.

Diese wanderte zum FC Bayern, welcher mit nur 27 Toren nach 17 Spielen eigentlich eine mäßige Vorrunde spielte. Dass die Münchener auf dem ersten Platz überwinterten war angesichts zahlreicher interner Querelen durchaus überraschend, flog man doch beispielsweise im UEFA Cup als Titelverteidiger gleich in der ersten Runde gegen Valencia raus. Auch in der Bundesliga hatte man zu Beginn ordentlich Sand im Getriebe, nach einem verheerenden 0:3 in Bremen lud Thomas Strunz gar zu einer Aussprache nach Hause ein. Diese fruchtete wohl, bis zum Jahreswechsel sammelte der Rekordmeister daraufhin fleißig Punkte.

(Photo by Bongarts/Getty Images)

Rückrunde: Bayern & Bayer setzen sich ab, der BVB blickt lieber auf Europa

Der BVB hatte trotz einer durchschnittlichen Vorrunde nicht umsonst jüngst zwei Meisterschaften hintereinander errungen. Schon im Vorjahr holte das Team von Hitzfeld einen Rückstand auf die Bayern auf, etwas Vergleichbares deutete sich auch im Frühling 1997 an. Die Dortmunder kamen ganz stark aus der Winterpause und setzten sich am 22. Spieltag erstmals in dieser Saison an die Tabellenspitze. Viele Parallelen zum Vorjahr deuteten auf den Titel-Hattrick hin, doch das stetige Weiterkommen in der Champions League sollte sich in negativer Weise auf die Bundesliga auswirken.

Den Pleiten bei den Aufsteigern Bielefeld und Duisburg folgte eine deutliche 1:4-Niederlage beim direkten Konkurrenten aus Stuttgart. Im letzten Jahr unter Hitzfeld verlagerte sich Fokus der eingeschworenen Truppe nach und nach in Richtung Europa, was sich als goldrichtig erwies: Der BVB sollte im Mai 1997 die Champions League gegen Juventus Turin gewinnen! Für diesen Triumph verabschiedete man sich dann doch vergleichsweise früh aus dem Titelrennen und beendete die Spielzeit als Dritter. Hitzfeld legte nach dieser ultimativen Errungenschaft sein Amt nieder.

(Photo by Bongarts/Getty Images)

Auch der VfB verlor im neuen Jahr etwas den Anschluss, auch wenn, neben dem bereits geschilderten Kantersieg über den BVB, weitere Demonstrationen wie beim 5:1 in Köln oder dem 5:0 über Düsseldorf folgten. Insgesamt ließ die Löw-Elf über die gesamte Runde jedoch deutlich mehr Zähler als die Konkurrenten liegen. Zusätzliche Unruhe gab es zudem, als im Frühling der Wechsel von Elber zum FC Bayern für eine bundesligainterne Rekordablöse von etwa 11 Millionen Mark verkündet wurde.

Wirklich fatal für jegliche Titel-Ambitionen wirkte sich die 1:2-Heimniederlage am 28. Spieltag gegen Leverkusen aus. Der finale Knockout dahingehend folgte dann am 31. Spieltag durch die 1:2-Niederlage bei Aufsteiger Bochum. Der VfB konnte dennoch stolz auf seine Runde sein: Die Stuttgarter spielten fraglos den schönsten Fußball der Liga und schossen mit Abstand die meisten Tore (78 – neun Treffer vor Bayer). Am 33. Spieltag sollten die Schwaben übrigens trotzdem noch eine entscheidende Rolle im Titelkampf spielen, was später ausgeführt wird. Wie der BVB feierte auch der VfB einen versöhnlichen Abschluss mit einem Titelgewinn: Elber sorgte in seinem letzten Spiel für den Verein durch einen Doppelpack gegen Cottbus für den Gewinn des Pokals.

(Photo by Frank Peters/Bongarts/Getty Images)

Und so wurde ein Team der erste Bayern-Verfolger, mit welchem man in Winter aus dem Quartett wohl am Wenigsten gerechnet hatte: Nicht der zweifache Titelverteidiger aus dem Ruhrpott, nicht die Tormaschine aus dem Schwabenland, sondern die im Vorjahr fast abgestiegene „Werkself“ sollte sich mit dem Rekordmeister einen Endspurt um den Titel liefern. Dass es in eine Richtung gehen könnte, konnte schon nach der Winterpause erahnt werden, als Bayer die Bayern im Ulrich-Haberland-Stadion dank einem Dreierpack von Markus Feldhoff mit 5:2 düpierte.

Die Daum-Elf fuhr über die gesamte Rückrunde konstant Ergebnisse ein, weswegen die Bayern sich nie wirklich absetzen konnten. Der maßgebliche Garant dafür war Stürmer Ulf Kirsten, welcher nach einem schwachen Vorjahr von Daum „wiederbelebt“ und am Ende mit 22 Toren der beste Torjäger der gesamten Liga wurde (wie auch in der nächsten Spielzeit). Als zunehmend mehr auf einen Zweikampf hindeutete, begannen auch die medialen Scharmützel der Intimfeinde Daum und Bayern-Manager Uli Hoeneß, die schon in den 1980er Jahren für Gesprächsstoff sorgten.

(Photo by Bongarts/Getty Images)

So versprach Hoeneß dem Coach live im Studio von „ran“, dass er in der kommenden Woche eine Niederlage wegen des steigenden Drucks einfahren würde. Dass der Funktionär überhaupt solche großspurigen Ankündigungen raushauen konnte (diese ging übrigens völlig daneben), zeichnete sich nach den fünf Gegentoren in Leverkusen kurz nach dem Jahreswechsel nicht wirklich ab, gerade weil die Bayern auch im nächsten Spiel in Bielefeld verloren.

Ähnlich wie in der Vorrunde hing der Haussegen zunächst schief, nahezu wöchentlich landeten Interna in den Medien. Als dann auch noch rauskam, dass der Klub auf einige Spieler Privatdetektive angesetzt hatte, schien die Spielzeit verloren. Ein davon entnervter DFB-Kapitän Jürgen Klinsmann verkündete beispielsweise seinen Abschied zum Saisonende. Doch genau wie in der ersten Halbserie raffte sich das Team nach dem großen Knall um den beliebten Trapattoni zusammen: Am 24. Spieltag erklomm der FC Bayern die Tabellenspitze und hielt diese bis zum 33. Spieltag…

(Photo by Frank Peters/Bongarts/Getty Images)

33. Spieltag: Derby-Fernkampf entscheidet das Titelrennen!

Am 33. Spieltag hatten die Bayern (67 Punkte/+ 32 Tore) einen Punkt Vorsprung auf Leverkusen (66/+30). Der Rekordmeister empfing im letzten Heimspiel der Saison den VfB (58/+38) zum Südgipfel, für welchen es um eigentlich nichts mehr ging, aber alleine schon wegen einem extrem hitzigen Duell in der Vorrunde hochmotiviert war. Zeitgleich gastierte Bayer beim Daum-Ex-Klub 1. FC Köln im Müngersdorfer Stadion zum Rhein-Derby. Auch hier wartete ein Lokalrivale, welcher die Ambitionen eines Titelkandidaten zunichte machen wollte. Der BVB (60/+22) war genauso wie die Schwaben bereits raus aus dem Titelrennen.

Für die Bayern begann der Showdown in der negativer Weise, als Danny Schwarz nach etwa einer Viertelstunde zum 0:1 für Gäste traf. Aber auch Leverkusen erwischte im Fernduell keinen guten Start, beim VfB-Tor in München lag auch die Bayer-Elf in Köln durch ein frühes Tor von Toni Polster bereits in Rückstand. Der Rekordmeister verkraftete diesen Tiefschlag besser, schon kurz nach dem Gegentreffer glich Christian Ziege in seinem letzten Heimspiel für den FCB aus. Das Pendel schlug noch mehr für die Bayern aus, als Balakov schon nach 25 Minuten die Ampelkarte sah.

Die personelle Überlegenheit konnte quasi mit dem Halbzeitpfiff zur Führung genutzt werden, als Mehmet Scholl per Kopf traf. In Nordrhein-Westfalen hatte sich der Konkurrent nach dem Polster-Schock noch immer nicht richtig erholt, es kam sogar noch schlimmer: Ebenfalls mit dem Pfiff zur Pause erhöhte Janusz Dziwior auf 2:0 für den Außenseiter. Somit deutete nach 45 Minuten alles auf einen vorzeitigen Titelgewinn der Bayern hin.

Doch so leicht sollte es dann doch nicht werden: Nach 50 Minuten traf Bobic herrlich per Flugkopfball und ließ die Münchener wieder zittern. Der VfB machte jetzt mit einem Mann weniger im Olympiastadion richtig Druck und prüfte Oliver Kahn mehrmals. In Köln erhöhte unterdessen Polster seinem zweiten Treffer sogar auf 3:0 und machte damit seinem Spitznamen „Toni Doppelpack“ alle Ehre. Somit würde es einzig und allein auf die eigene Leistung der Bayern ankommen.

(Photo by Bongarts/Getty Images)

Die Erlösung brachte dann in der 65. Minuten durch Rizzitelli, welcher eine Basler-Hereingabe sehenswert zur 3:2-Führung verwertete – das ausverkaufte Olympiastadion explodierte. Diese Ekstase steigerte sich noch weiter, als Marcel Witeczek mit einem fulminanten Schuss aus über 30 Metern etwa zehn Minuten später für die endgültige Entscheidung sorgte. In Müngersdorf ging die Bayer-Schmach derweil weiter: Polster sorgte mit seinem dritten Tor an diesem Nachmittag für eine Blamage. Ausgerechnet beim Lokalrivalen verspielte Leverkusen sämtliche Meisterschaftsträume in teilweise erbärmlicher Manier.

In München gingen unterdessen die Festivitäten los: Mit vier Punkte Vorsprung bei noch einer ausstehenden Begegnung war den Bayern die damals 14. Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Ziege weinte bittere Tränen des Abschieds und ließ sich noch im Stadion eine Glatze im Stadion rasieren (Basler: „Ein frisch lackierter Totalschaden“). Kapitän Lothar Matthäus nahm eine Woche später in Gladbach die Schale vom damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun im neuen Gewand entgegen.

(Photo by Bongarts/Getty Images)

Ausblick: Startschuss für Bayern vs Bayer

Die Bundesliga-Spielzeit nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1996 war von einer enorm hohen Qualität geprägt. So wurde beispielsweise Matthias Sammer, als bis heute letzter Deutscher, zu Europas Fußballer des Jahres gekürt. Daneben wanderten zwei der damals drei europäischen Titel zu Bundesligisten: Nachdem der BVB völlig sensationell Juventus besiegen konnte, triumphierte auch der Ruhrpott-Rivale Schalke gegen ein anderes italienisches Schwergewicht (Inter) im Finale des UEFA Cups.

Dass die Dortmunder im letzten Jahr unter Hitzfeld den Fokus irgendwann auf Europa legten, war nachvollziehbar. Insgesamt hatten sich Trainer und Mannschaft nach den vielen Erfolgen aufgerieben: Der Triumph von München sollte die letzte große Errungenschaft dieser BVB-Generation sein. Auch die Überraschungsteams aus Stuttgart und Leverkusen wären würdige Titelträger gewesen. Gerade die Schwaben begeisterten mit tollem Offensiv-Fußball.

Intern stand es aber bereits auch schon damals ein wackeliges Gerüst: So erhielt Löw niemals wirklich die volle Rückendeckung des Vorstands. Schon ein Jahr später musste der Weltmeister-Coach von 2014 seine Koffer packen, obwohl er erneut den vierten Platz erreichte und darüber hinaus noch ins Finale des Europapokals der Pokalsieger gegen Chelsea einzog. Diese Entscheidung sollte der VfB noch lange bereuen.

Der Übungsleiter in Leverkusen konnte dagegen auf der Vertrauen seiner Vorgesetzten bauen. Auch deswegen etablierte Daum in den Folgejahren Leverkusen als eine absolute Spitzenmannschaft im deutschen Fußball. Mit Ausnahme von 1998, als der Aufsteiger Kaiserslautern dazwischen funkte, spielten Bayern und Bayer die kommenden Titel immer untereinander aus, was auch vor allem der nie um spektakuläre Überschriften verlegenen Berichterstattung von „ran“ entgegenkam. In diesem Duell behielt allerdings stets nur ein Team die Überhand.

(Photo by Mark Sandten/Bongarts/Getty Images)

Vor allem im Jahr 2000 stand Leverkusen kurz vor dem großen Wurf, bevor das Eigentor von Michael Ballack in Unterhaching sämtliche Träume zunichte machte. Wenige Monate später war die Zusammenarbeit mit Daum wegen seines Kokain-Skandals zu Ende, nicht aber die großen Jahre dieser Bayer-Mannschaft. Dass unter Klaus Toppmöller 2001/2002 das bemerkenswerte und doch tragische Vize-Triple errungen werden konnte, basierte wesentlich auf der Vorarbeit von Daum. Die Tatsache, dass Leverkusen in diesen Jahren nie eine Meisterschaft gewinnen konnte, gehört rückblickend zu den größten Ungerechtigkeiten im deutschen Fußball.

Dies soll keinesfalls heißen, dass die Bayern die kommenden Titel nicht verdient hatten. Nachdem man 1998 den ehemaligen BVB-Coach Hitzfeld unter Vertrag nahm, folgte – ähnlich wie 2012 – mit einem Titel-Hattrick und dem Gewinn der Champions League eine der größten Epochen der Vereinsgeschichte. Diese Dominanz hielt zwar nicht so lange wie die aktuelle Überlegenheit an, doch gewisse Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Die derzeit anhaltende Serie der Münchener basiert womöglich sogar eher auf 2010, als unter Louis Van Gaal ein Fundament für kommenden Jahre gelegt wurde. Der Niederländer ging mit seinen Gesangseinlagen auf dem Rathaus-Balkon am Marienplatz in die Annalen ein, doch in diesem Vergleich überwiegt eine Performance aus den 1990er Jahren:

Das Duett aus Trapattoni und Rizzitelli bei den Feierlichkeiten 1997 bleibt bis zum heutigen Tag unübertroffen – und verlieh einer qualitativ fantastischen Saison 1996/97 einen adäquaten Abschluss.

(Photo by Andreas Rentz/Bongarts/Getty Images)

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Marius Merck

Eine Autogrammstunde von Fritz Walter weckte die Leidenschaft für diese Sportart, die über eine (“herausragende”) Amateurkarriere bis zur Gründung von 90PLUS führte. Bei seinem erklärten Ziel, endlich ein “Erfolgsfan” zu werden, weiter erfolglos.

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