U21: Der 2. Spieltag in Gruppe A

U-21 EM 2017

Es wird ernst! Nach dem 1. Spieltag und dem Remis zwischen Schweden und England und dem Auftaktsieg der Slowaken gegen Polen konnten heute schon erste Entscheidungen fallen. Die englische Mannschaft muss sich gegen die Slowakei steigern, die Gastgeber aus Polen hofften auf ein Remis im Parallelspiel und einen Sieg gegen defensivstarke Schweden.

 

Slowakei 1:2 England

 

1:0 Chrien 23.; 1:1 Mawson 50.; 1:2 Redmond 61.

Slowakei: Chovan, Valjent, Ninaj, Skriniar, Mazan, Lobotka, Chrien (66. Benes), Bero, Mihalik (73. Haraslin), Rusnak, Zrelak (66. Safranko)


Bank: Rodak, Jakubech, Huk, Vestenicky, Spalek, Satka, Skovajsa, Haraslin, Safranko, Vavro, Kacer, Benes

England: Pickford, Holgate (46. Murphy), Chambers, Mawson, Chilwell, Baker, Chalobah, Swift (79. Gray), Ward-Prowse, Redmond, Abraham (88. Woodrow)

Bank: Gunn, Mitchell, Stephens, Gray, Targett, Murphy, Holding, Hause, Iorfa, Hughes, Grealish, Woodrow

Wieder ideenlose Engländer

Die Slowakei setzte auf die bewährten Kräfte, die Engländer brachten mit Swift einen neuen Spieler für die Offensive. Nach dem 0:0 gegen Schweden und der mangelnden Kreativität wollten die Briten heute mehr Durchschlagskraft generieren. In einem gut gefüllten Stadion wollten die Engländer bei bestem Wetter von Beginn an die Kontrolle übernehmen und versuchten den Ball zunächst in den eigenen Reihen zu halten. In der 10. Minute versuchte Chalobah es erstmals mit einem Abschluss, dieser war allerdings sehr harmlos. Die Slowaken versuchten kompakt zu stehen und den Engländern keinen Raum zu lassen. Das gelang auch den Schweden im ersten Spiel gut, das Zentrum war „dicht“ und die Flanken der Engländer im Auftaktspiel sehr schwach. Nach 12 Minuten kassierte Bero die erste gelbe Karte des Spiels, als er Chalobah im Mittelfeld von den Beinen holte. Nennenswerte Torchancen gab es zu Beginn des Spiels also nicht.

(Photo by PIOTR NOWAK/AFP/Getty Images)

Den Engländern fehlte wie schon gegen Schweden die Durchschlagskraft, Redmond verdribbelte sich häufig, die Flanken von Holgate der Chilwell waren ideenlos. Und das, obwohl mit Abraham ein hervorragender Kopfballspieler im Zentrum aufgeboten wurde. Die Slowaken, gegen Polen noch mit guten Nadelstichen von Beginn an, hatten ebenfalls keine nennenswerten Umschaltchancen. In der 23. Minute nutzten die Slowaken dann aber ihre erste gute Standardsituation. Der Eckball von der linken Seite wurde von Rusnak getreten, Chrien verschaffte sich Platz und köpfte den Ball formidabel in die rechte Ecke. Die Engländer reagierten, kamen 2 Minuten später zu einem ordentlichen Distanzschuss durch Baker. Wie schon gegen Schweden konnte das laufstarke englische Mittelfeld keine Chancen initiieren, die Bälle wurden häufig schnell auf die Außen gespielt, Kreativität fehlte komplett.

Die Engländer versuchten das Tempo in der Folge zu erhöhen, wirkten aber weiterhin ideenlos, bissen sich die Zähne an den Slowaken aus. Wie schon gegen Polen ragte Lobotka bei der Slowakei heraus. Er lief nicht nur diverse Lücken zu, sondern ordnete das Spiel der Slowakei überdies, war immer unspielbar und ließ sich nicht unter Druck setzen. Die Finesse im Passspiel fehlte bei den Engländern weiterhin. Ward-Prowse war viel unterwegs, versuchte das Tempo zu erhöhen, aber im Endeffekt hingen die Briten immer wieder auf der Außenbahn fest und konnten keine gefährlichen Hereingaben produzieren. Gefährlicher waren die Slowaken, die nach 42 Minuten einen guten Distanzschuss produzierten. Kurz vor dem Halbzeitpfiff prüfte Ward-Prowse den slowakischen Torhüter Chovan noch einmal mit einem direkten Freistoß. Der Keeper konnte den Ball aber über die Latte lenken.

England dreht auf

Zu Beginn der 2. Halbzeit hielten die Engländer den Ball wieder lange in den eigenen Reihen, konnten aber in der 49. Minute erstmals ein wenig Tempo generieren. Prompt stand Redmond einigermaßen frei und prüfte Torhüter Chovan. Die darauffolgende Ecke konnte nicht ausreichend geklärt werden, Redmond spielte Murphy an, dessen Flanke von Mawson im zweiten Versuch über die Linie gedrückt wurde. Die erste wirklich gute Flanke des heutigen Spiels der Engländer wurde also gleich zum 1:1 genutzt. Die Partie begann insgesamt temporeicher und intensiver als im ersten Durchgang, auch die Slowakei kam zu ersten Abschlüssen, die allerdings von der englischen Hintermannschaft geblockt wurden. Das Gegentor schockte die Slowaken nicht, Bero schoss in der 55. Minute 2-3 Meter vorbei, weiterhin war man keinesfalls schlechter ans England.

Die Engländer verhielten sich nach ihrem Treffer unerwartet passiv, ließen die Slowaken teilweise gewähren und zogen sich sogar etwas zurück. Die Slowakei gewann mehr Zweikämpfe, erhöhte ihrerseits das Tempo und brachte England in Verlegenheit. Abraham ließ sich in der Folge etwas ins Mittelfeld zurückfallen, eröffnete so Räume. Das gelang auch in der 61. Minute, als Abraham in Höhe des Mittelkreises zwei Spieler beschäftigte, den Ball zu Ward-Prowse bugsierte. Der Spieler des FC Southampton nutzte den sich bietenden Raum, spielte einen sehr guten, öffnenden, langen Pass auf die linke Seite. Redmond setzte sich dort gegen seinen Gegenspieler durch und sein abgefälschter Schuss landete im langen Eck, das Spiel war gedreht. Das Ballbesitzspiel der Engländer lief flüssiger, die Angriffe waren eher durchdacht als in der ersten Halbzeit und die slowakischen Nadelstiche wurden seltener.

England’s midfielder Nathan Redmond celebrates scoring his side second goal during the UEFA U-21 European Championship Group A football match Slovakia vs England in Kielce, Poland on June 19, 2017. / AFP PHOTO / PIOTR NOWAK (Photo credit should read PIOTR NOWAK/AFP/Getty Images)

Nach drei Einwechslungen wollten die Slowaken den Schwung wieder aufnehmen und England unter Druck setzen, aber außer Distanzschüssen wurde man offensiv nicht auffällig. Die Bemühungen wurden aber weiter intensiviert, die Engländer kamen kaum noch zu Entlastungsangriffen. Gerade Haraslin trieb das Offensivspiel der Slowaken am Ende an, die Engländer konnten mit hohem Aufwand die Angriffe klären. England wechselte in der Schlussphase noch zweimal, nahm etwas Zeit von der Uhr und gewann das Spiel im Endeffekt aufgrund der Leistungssteigerung im zweiten Durchgang verdient mit 2:1.

 

Polen 2:2 Schweden

1:0 Moneta 6.; 1:1 Strandberg 36.; 1:2 Larsson 42.; 2:2 Kownacki (FE) 90+1.

Polen: Wrabel, Kedziora, Bednarek, Jach, Jaroszynski, Linetty, Dawidowicz (88. Piatek), Kownacki, Moneta (74. Lipski), Frankowski, Stepinski (58. Niezgoda)

Bank: Dragowski, Stryjek, Bielik, Lasicki, Murawski, Lipski, Piatek, Niezgoda, Kubicki, Buksa, Szyminski

Schweden: Cajtoft, Wahlqvist, Larsson, Dagerstal, Lundqvist, Tibbling (62. Tankovic), Fransson (87. Mrabti), Olsson, Hallberg, Cibicki, Strandberg (69. Engvall)

Bank: Erlandsson, Dahlberg, Nilsson, Tankovic, Engvall, Ssewankambo, Brorsson, Mrabti, Eliasson, Binaku, Affane, Asoro

Blitzauftakt und Rückschläge

Die Polen mussten vor dem Spiel eine bittere Pille schlucken: Offensivstar Bartosz Kapustka fehlte verletzungsbedingt. Nach der Auftaktniederlage gegen die Slowakei musste der Gastgeber sich steigern, um noch eine Chance auf das Halbfinale zu haben. Wie gegen die Slowaken begannen die Polen euphorisch und versuchten bereits zu Beginn sich eine gute Chance herauszuspielen, nach 5 Minuten erzielte Moneta dann auch das 1:0 für den Gastgeber. Ein strukturiert vorgetragener Angriff über die rechte Seite führte zum Torerfolg, Moneta verwertete die starke Hereingabe von Kownacki und vollendete unhaltbar. Die Schweden, die gegen England noch so diszipliniert verteidigten, wurden in der Frühphase des Spiels eiskalt erwischt. In der Folge wollten die Skandinavier ihrerseits offensive Akzente setzen, mussten aber zunächst mit gewonnenen Zweikämpfen dafür sorgen, dass die polnische Euphorie nicht zu weiteren Gelegenheiten führte. Nach einem kurzen Schock fingen sich die Schweden allmählich etwas und spielten gefälliger nach vorne, Torchancen konnten zu Beginn aber noch nicht kreiert werden.

Olsson stoppte in der 19. Minute einen lukrativen Konter der Polen mit einem taktischen Foul an Linetty und sah dementsprechend zurecht die gelbe Karte. Den Polen fehlte in der Phase um die 20. Minute etwas die Genauigkeit, gute Ansätze wurden nicht adäquat zuende gespielt, der letzte Pass blieb stecken und die Begegnung wurde zunehmend hektischer. Nach 23 Minuten sah Carlos Strandberg die gelbe Karte für eine Schwalbe, als er – in unerkannter Abseitsposition befindlich – im Duell mit dem Torhüter abhob. In der 27. Minute hatte Strandberg die bisher beste Chance für die Schweden, als er sich etwas zufällig durchtankte, den Ball aber zentral auf den Torhüter schoss. In der 29. Minute sah auch Strandbergs Sturmkollege Cibicki gelb für eine Schwalbe. Zwar lag kein Foul vor, aber eine gelbe Karte war definitiv zu hart.

(Photo by JANEK SKARZYNSKI/AFP/Getty Images)

In der 33. Minute näherten sich die Schweden erneut an, Cibicki schoss aber eine Direktabnahme gute 3 Meter am Tor vorbei. Das Spiel war mittlerweile ausgeglichen, die Polen lauerten auf Konter und standen kompakt, die Schweden kombinierten gefällig. So auch in der 36. Minute, als man sich mit schnellen Flachpässen durch die Mitte kombinierte und zum 1:1-Ausgleich traf. Halberg, Olsson und Fransson initiierten, der Schuss von Fransson wurde nur nach vorne abgewehrt und Strandberg nickte den Ball ins leere Tor ein. Die Schweden erhöhten danach den Druck weiterhin, hatten einen Eckball, einen geblockten Abschluss von Cibicki und erzielten nach einer erneuten Ecke durch Larsson das 2:1 gegen zu diesem Zeitpunkt völlig geschockte Polen. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatte die polnische Mannschaft noch einen Freistoß, der aber nichts einbrachte.

Ein grober Fehler kurz vor dem Ende

Die Polen wollten motiviert aus der Kabine kommen, wurden bereits nach kurzer Zeit schon wieder auf den Platz geschickt, konnten aber in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit keinen Druck entwickeln. Die schwedische Mannschaft wartete ab, was die Polen anbieten und versuchten wieder das Zentrum zu schließen, keine Räume zu öffnen. Stepinski testete den schwedischen Torhüter Cajtoft in der 53. Minute, sein Schuss war aber eher ungefährlich und konnte problemlos gehalten werden. Nur drei Minuten später gab es die nächste Torchance für die Polen, als Linetty nach einem Konter erneut an Cajtoft scheiterte. Die Polen waren nahe am Ausgleich, doch Cajtoft fischte auch die nächste Flanke problemlos aus der Luft.

(Photo by JANEK SKARZYNSKI/AFP/Getty Images)

Der Gastgeber wirkte in der Folge frustriert. Man versuchte Standardsituationen herauszuholen, griff zu etwas derberen Fouls und hatte Schwierigkeiten, das eigene Offensivspiel zu strukturieren. Die Schweden hatten auch nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Tibbling keine Probleme das Zentrum zu verdichten und die polnische Mannschaft vor große Probleme zu stellen. Hallberg, Olsson und Fransson liefen extrem viel, schalteten sich zudem punktuell in die Offensive ein. Hallberg hatte nach 66 Minuten beispielsweise einen guten Schuss aus knapp 30 Metern, der nur ganz knapp über das Tor flog. In der 75. Minute schlugen die Polen einen guten Freistoß in den Strafraum der Schweden, aber keiner der Angreifer konnte diesen Ball verwerten. Quasi im Gegenzug hatte Cibicki eine Kopfballchance, traf den Ball aber nicht richtig.

In der Schlussphase intensivierte die polnische Mannschaft noch einmal ihre Angriffsbemühungen, wohlwissend, dass sich Konterchancen für den Gegner ergeben werden. In der 82. Minute gab es dann doch noch eine richtig gute Chance für den Gastgeber. Der Kopfball von Kownacki wurde von Cajtoft spektakulär zum Eckball abgewehrt, nachdem die Polen eine gute Schusschance hatten. Auch Niezgoda hatte in der gleichen Minute noch eine Möglichkeit, scheiterte aber im Gewusel. In der 86. Minute gab es für Linetty bereits die 3. gelbe Karte wegen Schwalbe in diesem Spiel. In der 90. Minute wurde dem Gastgeber dann ein Elfmeter nach einem Foul von Dagestal zugesprochen! Kownacki erzielte souverän das 2:2. In der 93. Minute traf die polnische Mannschaft noch einmal das Außennetz, aber am Ende reichte es nicht. Insgesamt geht das Remis wohl in Ordnung, beide Mannschaften hatten ihre guten und weniger guten Phasen in diesem Spiel.

Die Tabelle der Gruppe A

England 2:1 Tore, 4 Punkte
Slowakei 3:3 Tore, 3 Punkte
Schweden 2:2 Tore, 2 Punkte
Polen 3:4 Tore, 1 Punkt

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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