Champions League | Matchwinner Sané, Inters Kollektiv versagt – Die Einzelkritik zu Bayerns Sieg in San Siro

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Spotlight | 2:0 gewann der FC Bayern sein Champions-League-Eröffnungsspiel am Mittwochabend in San Siro. Die Einzelkritik zur Partie.

Sané mit Tor und Vorlage – Bayern gewinnt in San Siro

Gleich vom Start weg präsentierten sich die Münchener äußerst dominant und hatten nach nicht einmal drei Minuten zwei ordentliche Abschlüsse in persona Joshua Kimmich. Es dauerte deren 25, bis dem Rekordmeister der Durchbruch gelang – diesmal mit Kimmich als Vorbereiter. Sein punktgenauer Chipball landete bei Leroy Sané, der die Kugel technisch äußerst hochwertig annahm, sie sich an André Onana vorbeilegte und ins leere Tor zum 0:1 vollendete.

 



 

Inter kam – trotz druckvoller Anfangsphase in der zweiten Hälfte – über offensive Momente nicht hinaus. Und wenn es diese gab, dann landeten die Bälle zumeist unpräzise bei Manuel Neuer. Das 0:2 in Minute 66 war daher folgerichtig: Sané durfte sich am gegnerischen Strafraum aufdrehen und einen doppelten Doppelpass mit Kingsley Coman spielen. Die Hereingabe ins Zentrum war eigentlich für Sadio Mané gedacht. Danilo d’Ambrosio nahm ihm die Arbeit ab und stolperte den Ball ins eigene Tor.

Mit diesem Sieg ordnet sich der FC Bayern auf Platz 2 ein, da der FC Barcelona einen 5:1-Sieg über Viktoria Plzeň feiern konnte. Inter steht eins dahinter auf Rang 3.

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Inter Milan: Im Kollektiv zu wenig

André Onana: Zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Hielt seine Mannschaft einige Male mit guten Paraden im Spiel. Hatte bei seinem kleinen Lapsus, als ihm der Ball durch die Finger rutschte, Glück, dass der Pfosten rettete (64.). Note: 3,5

Danilo d’Ambrosio: Defensiv wackelig. Beim ersten Gegentor ließ er Sané laufen (25.), das zweite beförderte er selbst unglücklich über die Linie (66.). Konnte heute einzig offensiv halbwegs überzeugen, wo er sich ab und an in Angriffe einschaltete. Note: 5,0

Milan Škriniar (bis 72.): Etwas hüftsteif bei gegnerischen Angriffen, was sich gegen die spritzige Offensive der Bayern in einigen Situationen als Missmatch erwies. Dafür rettete er einmal auf der Linie und blockte weitere gefährliche Schüsse. In der Hinsicht durchaus wichtig gewesen, sonst wären im San Siro schon früher die Lichter ausgegangen. Note: 4,0

Alessandro Bastoni (bis 72.): Weitersagend unauffälliger Auftritt. Ließ sich beim zweiten Gegentor allerdings aus der Kette ziehen, begünstige damit das starke Zusammenspiel zwischen Coman und Sané. Auch im Spielaufbau mit Luft nach oben. Note: 4,5

Denzel Dumfries (bis 72.): Ließ sich hin und wieder in der Offensive blicken, was in der Summe für seine Rolle aber deutlich zu wenig war. Oft zu ungenau in seinen Aktionen, eine miserable Passquote von 58 Prozent unterstreicht das. Hatte auch beim 0:1 durchaus Aktien, wo er den langen Pass von Kimmich besser hätte antizipieren und schneller nach hinten rücken können. Note: 4,5

Henrikh Mkhitaryan: Gegen den Ball in Ordnung, wobei teilweise auch mit ausbaufähigem Stellungsspiel. Mit der Kugel am Fuß wollte dem Armenier derweil heute wenig bis gar nichts gelingen. Es fehlte an Idee und Klarheit in den Aktionen, auch sein Freilaufverhalten ließ zu wünschen übrig. Note: 5,0

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Photo by MIGUEL MEDINA/AFP via Getty Images

Marcelo Brozović: Heute mit deutlich mehr Tiefen als Höhen. Unter seine Balleroberungen mischten sich leider immer wieder Ballverluste in gefährlichen Zonen. Zudem mit mangelhaftem Stellungsspiel bei einigen gegnerischen Angriffen. Note: 5,0

Hakan Çalhanoğlu ( bis 81.): Auch er hat schon glanzvollere Auftritte für Inter hingelegt. Sonst der Kreativposten in der Offensive, ging dem Türken heute die gewisse Magie am Fuß abhanden. So hatte die Bayern-Defensive keine Probleme, wenn er an den Ball kam. Auch gegen den Ball ausbaufähig. Note: 4,5

Robin Gosens: Defensiv in Ordnung, im eigenen Ballbesitz beraubte sich der deutsche Nationalspieler aber seiner eigenen Stärken. Sonst bekannt für seinen unermüdlichen Offensivdrang und gefährliche Läufe hinter die Kette, blieb Gosens „in den Freilaufbewegungen sehr zaghaft“, wie es DAZN-Kommentator Uli Hebel treffend umschrieb. Gegen die rechte Seite der Bayern, wo sich Pavard gerne mal auch offensiv mit einschaltet und so Räume entstehen, hätte sich der Legionär viel mehr trauen müssen. Note: 5,0

Edin Džeko (bis 72.): Beteiligte sich im ersten Durchgang immer wieder an Offensivkombinationen, machte Bälle fest und setzte seine Mitspieler gut in Szene. Nach der Pause kam der Bosnier auch mal selbst zum Abschluss. Auch er riss keine Bäume aus, an ihm lag es heute aber noch mit am wenigsten, dass es gegen den FC Bayern am Ende nichts zu holen gab. Note: 3,5

Lautaro Martínez: Ging in der Anfangsphase einmal tief und brachte einen halbwegs gefährlichen Abschluss zustande, ansonsten war von seiner Kernspezialität heute recht wenig zu sehen. Wenig eingebunden, wenn doch, zu oft in ungünstigen Positionen, darunter einige Male im Abseits. Versuchte viel, machte auch als Pressing-Initiator seine Sache nicht verkehrt, bekam mit Ball aber auch deswegen nicht viel zustande, weil die Zuspiele fehlten. Etwas undankbarer Abend für den Argentinier. Note: 4,0

Einwechslungen von Inter Milan:

Joaquin Correa (72. für Dzeko): keine Bewertung

Matteo Darmian (72. far Dumfries): keine Bewertung

Federico Dimarco (72. für Bastoni): keine Bewertung

Stefan de Vrij (72. für Škriniar): keine Bewertung

Roberto Gagliardini (81. für Calhanoglu): keine Bewertung

Simone Inzaghi: Sein Matchplan war durchaus ersichtlich: Hinten kompakt und eng gestaffelt stehen, um Bayerns berüchtigten Kombinationen über die offensiven Halbräume im Keim zum Ersticken und nach vorne lange Bälle auf Dzeko, der dann bestenfalls Lautaro in Szene setzt. Dass ein über weite Strecken zäher Auftritt seiner Mannschaft dabei herumkam, ist mit Sicherheit nicht allein des Trainers Schuld. Allerdings muss sich Inzaghi die Frage gefallen lassen, warum etwa Gosens kaum den Weg in die Offensive suchte. Spätestens in der Halbzeit hätte der Übungsleiter vereinzelt Missstände im Spiel der Mailänder korrigieren müssen. Dazu kamen die ersten Wechsel zu spät und hatten überdies auch kaum positive Auswirkung auf das Spiel seiner Mannschaft. Nach zuletzt drei Niederlagen aus vier Spielen steht auch Inzaghi mehr und mehr im Mittelpunkt der Kritik. Note: 5,0

Michael Bokjov

FC Bayern München: Sané sticht aus Bayerns spielfreudiger Offensive heraus

Manuel Neuer: Mit Ausnahme von Inters Druckphase zu Beginn der zweiten Hälfte bisweilen unterbeschäftigt. Sorgte dann eben anderweitig für sein persönliches Highlight, indem er kurz vor Schluss den pressenden Lautaro Martínez gekonnt mit einem Haken aussteigen ließ. Note: 3,0.

Benjamin Pavard: Souveräner Job auf der rechten Abwehrseite, ließ defensiv nichts anbrennen. Offensiv mit der ein oder anderen guten Szene. Note: 3,0.

Matthijs de Ligt (bis 75′): Brauchte ein paar Spiele, um sich in München einzufinden. Spätestens jetzt kann man allerdings sagen, dass die 67 Millionen sehr gut investiert sind. Ging auch am Mittwochabend voran und gab der Defensive unheimlich viel Stabilität. Zudem extrem kopfballstark, sodass Edin Džeko, trotz seiner 1,93 Meter mit Ausnahme von ein, zwei Szenen als Abschlussspieler kaum stattfand. Note: 2,5.

Lucas Hernández (bis 84′): Nicht minder solide. Erlaubte sich sieben Minuten vor Ende der Partie gegen den pressenden Roberto Gagliardini einen schweren Patzer, der eigentlich im 1:2 hätte enden müssen. Stattdessen schoss Joker Joaquín Correa überhastet vorbei. Note: 3,0.

Alphonso Davies: Ein Mysterium dieser Tage. Begann die Saison eigentlich bockstark, baute in den vergangenen Partien allerdings ab und konnte auch in San Siro kaum an sein Leistungslimit anknüpfen. Immer wieder mit kleineren Stellungsfehlern. Kurz nach der Pause ließ er sich zudem von Denzel Dumfries auswackeln, was in einer guten Chance für Edin Džeko mündete. Auch offensiv nicht so auffällig wie sonst. Einer der schwächsten Bayern-Akteure an diesem Abend. Note: 4,5.

Marcel Sabitzer (bis 61′): Zuverlässig wie immer. Lief viele Bälle ab und hielt das Mittelfeld zusammen. Hatte kurz vor der Pause sogar die Chance aufs 0:2, verzog allerdings. Note: 3,0.

Joshua Kimmich: Die Art und Weise wie Sabitzer seine Rolle interpretiert, gibt Joshua Kimmich viel mehr offensive Freiheiten. Nahm sich bereits in Minute 3 zwei Abschlüsse. Erfolgbringend war dann allerdings der Assist für Leroy Sané zum 0:1. Note: 2,0.

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Photo by Francesco Scaccianoce/Getty Images

Kingsley Coman (bis 75′): Hatte gerade zu Beginn einige Ungenauigkeiten mehr als gewohnt in seinem Spiel. Steigerte sich in der zweiten Hälfte. Sein doppelter Doppelpass mit Leroy Sané wurde zum Highlight der Partie. Note: 3,0.

Thomas Müller: Den eigenen Treffer verwehrte ihm André Onana. Ansonsten wurde Müllers Wert vor allem im Pressingverhalten sichtbar, als er die Kommandos gab. Leitete zudem viele aussichtsreiche Chancen ein. Note: 2,5.

Leroy Sané (bis 84′): Die Art Performance, die man sich von ihm schon lange wünscht. Im San Siro war Leroy Sané gegen eine große Mannschaft der erhoffte Unterschiedsspieler. Er übernahm Verantwortung, ging mit Selbstvertrauen in die Dribblings. Sein 1:0 war technisch allerhöchste Kunst, genauso wie der doppelte Doppelpass, mit dem er das 0:2 erzwang. Kein Wunder, dass er von der UEFA nicht nur zum Man of the Match ernannt wurde, sondern auch zur Wahl des Spielers der Woche steht und sein erster Treffer zur Wahl zum Tor der Woche. Genau an solche Auftritte muss Sané anknüpfen. Note: 1,5.

Sadio Mané: Einiges an Licht, aber auch noch viel Schatten. Leitete einige Szenen gut ein. Wenn es allerdings ins letzte Drittel ging, noch immer mit zu vielen Ungenauigkeiten. Dennoch besitzt Mané die seltene Fähigkeit selbst, wenn er keinen Top-, Top-, Top-Auftritt abliefert, seine Mitspieler gut aussehen zu lassen. Eine Fähigkeit, von der seine Teamkollegen profitieren und die seinem ehemaligen Arbeitgeber an allen Ecken und Enden fehlt. Note: 3,5.

Einwechslungen des FC Bayern München

Leon Goretzka (ab 61′): Ersetzte Marcel Sabitzer und fügte sich gut ins Bayern-Gebilde ein. Man merkt aber, dass ihm nach seiner langen Verletzungspause noch die Matchpraxis fehlt. Note: 3,0.

Dayot Upamecano (ab 75′): Kam für Matthijs de Ligt. Viel bekam er nicht zu tun, da Inters Wille mit dem 0:2 gebrochen war. Zwar mit einigen kleineren Ungenauigkeiten hier und da. Dennoch ein souveräner Auftritt. Note: 3,0.

Serge Gnabry (ab 75′): Bekam in Minute 82 die Großchance zum 0:3. Anstatt die einfache Lösung ins lange Eck zu wählen, entschied er sich für den Abschluss unter den Querbalken, der letztlich drüber ging. Auch im Dribbling noch zu unpräzise. Note: 3,5.

Josip Stanišić (ab 84′): Ersetzte Lucas Hernández positionsgetreu und brachte den Erfolg sicher ins Ziel. Acht Ballkontakte sind allerdings eine etwas dünne Bewertungsgrundlage. Note: ohne Bewertung.

Jamal Musiala (ab 84′): Kam für Matchwinner Leroy Sané. Auch bei ihm sind drei Ballkontakte zu wenig für eine Bewertung. Note: ohne Bewertung.

Julian Nagelsmann: Bis auf die allgemeinen Unsauberkeiten im letzten Drittel kann er mit dem Champions-League-Start seiner Mannschaft zufrieden sein. Bayern zeigte sich von Beginn an äußerst dominant, presste früh, zwang Inter in die Ballverluste und beschränkte sie offensiv auf Momente. Zu Beginn der zweiten Hälfte gerieten die Münchener erstmals unter Druck, aus dem sie sich allerdings befreien konnten und mit dem herausragend kombinierten 0:2 alles klar machten. Im Anschluss wäre auch ein noch höherer Sieg möglich gewesen. Schaut man sich jedoch an, wie andere Teams, auch solche, die in den Favoritenstatus gehoben wurden, gestartet sind, gibt es weitaus schlechtere Ergebnisse, als ein 2:0 in San Siro. Note: 2,0.

Clément Turpin: Zeigte einmal mehr, warum ihn die UEFA ein ums andere Mal für die größten Partien nominiert. Seine ruhige Linie tat dem Spiel enorm gut. Nachvollziehbar in der Zweikampfbewertung. Korrekt, in keiner Situation auf Elfmeter zu entscheiden. Ein normaler Tag im Büro für den Franzosen, was im Allgemeinen einer überdurchschnittlichen Schiedsrichterleistung entspricht. Note: 1,5.

Spielnote: Eine interessante Partie mit vielen Abschlüssen, vor allem vonseiten des FC Bayern. Inter war sichtlich bemüht, mehr Intensität, als bei den Niederlagen bei Lazio (1:3) sowie Milan (2:3) zu zeigen. Letztendlich war dieser FC Bayern für sie aber vor allem in der Offensive ein, zwei Level zu talentiert. Dem Etikett als Spitzenspiel wurde die Partie dennoch weitestgehend gerecht. Note: 2,5.

Victor Catalina

Photo by MARCO BERTORELLO/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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