Champions League | Haaland auch ohne viele Aktionen im Mittelpunkt, Dortmund belohnt sich nicht – Die Einzelkritik zu Manchester Citys Sieg gegen den BVB

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Spotlight | Dank zweier später Treffer von John Stones und Erling Haaland dreht Manchester City die Partie am Mittwochabend des 2. Champions-League-Spieltags und gewinnt 2:1. Die Akteure in der Einzelkritik.

Haalands spätes Traumtor knackt leidenschaftlichen BVB

Die erste Hälfte verlief gänzlich ereignisbefreit. Erst gut zehn Minuten nach Wiederanpfiff wurde es interessant, als sich der defensiv gut stehende BVB auch nach vorne mehr zutraute. Ein Eckball landete geklärt im Rückraum bei Marco Reus. Jude Bellingham hielt noch den Kopf in den Abschluss und stellte auf 0:1.

 



 

Jedoch gelang es City, spät zurückzuschlagen. John Stones profitierte bei seinem wuchtigen Abschluss in der 80. Minute von einem Lapsus Alexander Meyers. Der zweite Treffer, vier Minuten später, war ganz große Kunst: João Cancelo flankte mit dem Außenrist punktgenau an den zweiten Pfosten. Erling Haaland lag horizontal in der Luft und traf artistisch eingesprungen zum 2:1-Endstand. Die Einzelkritik zur Partie.

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Manchester City: Haaland glänzt auch ohne viele Aktionen

Ederson: In seinem Kerngebiet praktisch nicht gefordert. Zwei Schüsse brachte der BVB aufs Tor. Den ersten, von Salih Özcan, fing der Brasilianer locker ab. Der zweite war drin. Einen wirklichen Vorwurf kann man ihm allerdings nicht machen. Souveräne Partie. Note: 3,0.

João Cancelo: Gab in der ersten Hälfte einen passablen Distanzschuss ab. Wesentlich gehaltvoller war jedoch das, was Citys vielseitiger Außenverteidiger in Minute 84 produzierte. Mit dem Außenrist fand er am zweiten Pfosten den eingesprungenen Erling Haaland, der auf 2:1 stellte. Defensiv zumeist sicher. Note: 2,5.

Manuel Akanji: Ließ sich kurz nach Wiederbeginn von seinem Ex-Kapitän Marco Reus an der Grundlinie eindrehen, was zur ersten wirklich nennenswerten Offensivszene des Spiels führte und hatte Glück, dass der Ball knapp am langen Eck vorbeifiel. Hatte Jude Bellingham zudem beim Treffer nicht auf der Rechnung. Note: 3,5.

John Stones: Wenn du die Tür nicht mit der Haarnadel aufbekommst, dann tritt sie halt ein. Im Stile eines kernigen Innenverteidigers hielt der englische Nationalspieler zehn Minuten vor Schluss einfach mal voll drauf und traf wuchtig zum 1:1. Ansonsten war auch er in der Defensivbewegung eher seltener gefordert, sah jedoch eher suboptimal aus, als Donyell Malen in der 93. Minute von links nach innen zog und sich so nochmal eine Chance erarbeitete. Note: 2,0.

Nathan Aké: Setzte Ederson kurz nach Wiederbeginn etwas unnötig unter Druck. Ansonten gut in der Rückwärtsbewegung. Offensiv wäre jedoch mehr drin gewesen. Note: 3,5.

Rodrigo: Ließ sich in der Schaltzentrale nicht viel zu Schulden kommen. Einmal stand er etwas schräg zum Geschehen und holte sich für ein taktisches Foul an Jude Bellingham Gelb ab. Note: 3,0.

Kevin De Bruyne: Tat sich gegen Dortmunds kompakte Defensive lange Zeit schwer, gefährliche Momente heraufzubeschwören. Zehn Minuten nach dem Gegentreffer gelang ihm erstmals ein Pass auf Erling Haaland, der postwendend am Außenpfosten landete. Holte sich zudem den Assist zum 1:1 ab. Nichtsdestotrotz eines seiner schwächeren Spiele. Note: 3,5.

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Photo by Michael Regan/Getty Images

Ilkay Gündoğan: Ein besonderes Spiel für ihn. Empfing als Citys Kapitän seinen Ex-Klub. Hatte, analog zu De Bruyne, jedoch große Schwierigkeiten, wirklich in sein Spiel zu finden oder selbst torgefährlich zu werden. Machte in Minute 58, direkt nach dem Gegentreffer, Platz für Bernardo Silva. Note: 3,5.

Riyad Mahrez: In der Anfangsphase der Partie zeigte sich der Algerier mit einigen Hereingaben auffällig. Danach hatte ihn die BVB-Defensive unter Kontrolle. Ging in Minute 58 für Julián Álvarez vom Platz. Note: 4,0.

Erling Haaland: Er ist nicht passiv, er lauert. Zwar hatte der Ex-Dortmunder an diesem Abend spielerisch keine großen Aktionen. Aber sein Spiel lebt auch nicht davon, dass er viel kreiert oder unzählige Torschüsse hat. Beim 4:0 gegen AFC Bournemouth kam Haaland auf acht (!) Ballkontakte in 74 Minuten, legte De Bruyne dennoch ein Tor auf. Deren 16 waren es gegen Crystal Palace, gepaart mit drei Schüssen aufs Tor – alle drin. Im Duell mit dem BVB kam Haaland auf vergleichsweise stolze 26 Ballkontakte, brachte genau einen Ball auf den Kasten von Alexander Meyer – und das war der goldene. Artistisch sprang er in die Außenristflanke von João Cancelo und erzielte den Siegtreffer, den Pep Guardiola nach dem Spiel sogar mit einem von Johan Cruyffs Treffern verglich. Note: 1,5.

Jack Grealish: Versuchte beharrlich, von links nach innen zu ziehen und mit seiner engen Ballführung zum Abschluss zu kommen. Den Move hatte die Dortmunder Defensive jedoch gelesen und so war der englische Nationalspieler bis zu seiner Auswechslung in Minute 58 für Phil Foden nahezu wirkungslos. Note: 4,5.

Einwechslungen von Manchester City

Bernardo Silva (ab 58′):  Ersetzte Ilkay Gündoğan. Viele Aktionen hatte auch er – trotz 49 Ballkontakten – jedoch nicht. Note: 4,0.

Phil Foden (ab 58′): Kam für Jack Grealish und hatte seine beste Szene, als er scharf in den Fünfmeterraum flankte und Mats Hummels in allerletzter Sekunde vor Erling Haaland retten musste. Note: 3,0.

Julián Álvarez (ab 58′): Ersetzte den weitestgehend unauffälligen Riyad Mahrez. In Minute 89 bot sich ihm eine gute Gelegenheit, mit dem 3:1 endgültig den Deckel auf die Partie zu machen. Alexander Meyer parierte. Note: 3,0.

Kalvin Phillips (ab 90’+2): Tut sich nach seinem Wechsel aus Leeds, auch qua Verletzungen, noch schwer, bei City wirklich zum Faktor zu werden. Gegen den BVB kam er, um klassisch Zeit von der Uhr zu nehmen und damit Erling Haaland seinen verdienten Applaus bekommt. Drei Ballkontakte sind in diesem Fall eine denkbar schwierige Bewertungsgrundlage. Note: ohne Bewertung.

Pep Guardiola: Zog sein Spiel konsequent durch, wenngleich es sehr lange ertraglos blieb. Erst mit den Einwechslungen gelang es City, Stück für Stück „Druck“ aufzubauen. Sie brauchten aber viel Geduld – gepaart mit einem individuellen Schnitzer Alexander Meyers – um endgültig durchzukommen. Erst danach spielte City wie City. Der zweite Treffer war daraufhin gegen einen angeknockten BVB nicht nur eine Frage der Zeit, sondern auch folgerichtig. Keine seiner größten Coachingleistungen. Aber wer gewinnt, hat bekanntlich recht. Note: 3,0.

Victor Catalina

Borussia Dortmund: Keine Belohnung für geschlossen starken Auftritt

Alexander Meyer: In der Spieleröffnung zuweilen etwas ungenau, strahlte abgesehen davon aber viel Ruhe aus in seinem zweiten Champions-League-Spiel. Postierte sich gegen Haaland einmal gut im kurzen Eck und verhinderte damit zur Hälfte den vorzeitigen Ausgleich. Beim späteren Tor zum 1:1 sah Meyer dafür trotz Flatterballs unglücklich aus. Note: 4,0

Thomas Meunier: Defensiv bis auf wenige Ausnahmen gut, dafür mit Ball am Fuß stark ausbaufähig. Im Umschaltspiel und vor allem bei Flanken viel zu unpräzise, ebenso bei seiner Chance zum Ausgleich kurz vor Schluss. Note: 4,0

Niklas Süle: Der Fels in der Brandung. Löschte viele Klein- wie Großbrände, strahlte eine enorme Ruhe aus und verteidigte in den richtigen Momenten auch nach vorne. Sporadisch ließ er sogar seine brasilianischen Fähigkeiten am Ball aufblitzen. An den Gegentoren trifft ihn keine Schuld. Note: 1,5

Mats Hummels: Aufmerksam, fing viele Bälle ab. Machte einmal die Schnittstelle für Haaland auf, war gegen den Norweger dafür kurze Zeit später im letzten Moment mit der Fußspitze zur Stelle. Auch ihn trifft keine Schuld an den späten Gegentoren. Note: 2,0

Raphael Guerreiro: Sonst oftmals seine Schwachstelle, ließ er sich defensiv heute wenig zu Schulden kommen. Nach Balleroberung suchte er stets die spielerische Lösung, leitete damit einige gute Umschaltmomente ein oder setzte seine offensiven Teamkollegen selbst in Szene. Gutes Spiel des Portugiesen. Note: 2,0

Jude Bellingham: Im ersten Durchgang gegen den Ball nicht immer sattelfest, ließ zudem eins zwei Offensivaktionen versanden. Steigerte sich aber in beiden Aspekten im Laufe des Spiels. Erzielte zudem das 1:0 stark per Kopf. Note: 2,5

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Photo by Alex Pantling/Getty Images

Emre Can: Leistete viel Laufarbeit und versperrte dem Gegner sämtliche gefährliche Räume vor der Kette. In den Zweikämpfen ging er mit der gewohnten Aggressivität zu Werke. Beim 2:1 ließ der Nationalspieler Cancelo allerdings völlig unbedrängt flanken. Da hätte er als nächster Mann zum Gegner rausschieben müssen. Note: 3,0

Salih Özcan (bis 88.): Sehr abgeklärter Auftritt in seinem zweiten Champions-League-Spiel. Gegen den Ball wie seine Teamkollegen stark, mit Ball am Fuß sehr abgezockt und mit allerhand guten Ideen. Beim Gegentor zum 1:1 hätte er schneller rausrücken und Stones attackieren müssen. Meckern auf hohem Niveau, zumal ManCity das überragend spielte, aber wir sprechen hier nun einmal von der Königsklasse. An seinem insgesamt starken Auftritt ändert das aber nichts. Note: 2,0

Giovanni Reyna (bis 62.): Unterstützte seine Kollegen in der Defensive und machte das gut. War ansonsten kaum ins Spiel eingebunden. Suchte immer wieder die Tiefe, wo dann aber das Zuspiel fehlte. Andersherum war auch der Amerikaner selbst zu unpräzise im Passspiel. Note: 4,0

Anthony Modeste (bis 78.): Der einzige Feldspieler, der noch weniger Ballkontakten als Reyna hatte, war Modeste. Gut in Luftzweikämpfen, abgesehen davon nahezu unsichtbar. Ließ eine gute Umschaltmöglichkeit versanden, indem er mit dem ersten Kontakt versuchte, den Ball in die Tiefe zu spielen, statt ihn kurz festzumachen. Note: 4,5

Marco Reus (bis 88.): Der gefährlichste Dortmunder an diesem Abend. In Minute 52 ließ er einen Gegenspieler gekonnt aussteigen, verfehlte dann aber das lange Eck. Dafür legte er wenige Minuten später das Führungstor technisch anspruchsvoll auf (56.). Muss sich allerdings auch ein Stück weit den Vorwurf gefallen lassen, Stones beim Ausgleich etwas aus den Augen verloren zu haben. Note: 2,5

Einwechslungen

Donyell Malen (62. für Reyna): keine Bewertung

Nico Schlotterbeck (78. für Modeste): keine Bewertung

Youssoufa Moukoko (88. für Reus): keine Bewertung

Karim Adeyemi (88. für Özcan): keine Bewertung

Edin Terzic: Schaffte es, seinen Spielern den Patzer in Leipzig aus den Köpfen zu blasen und stellte sie perfekt auf ManCity ein. Das Drei-Mann-Zentrum vor der Viererkette war die richtige Entscheidung, die „Skyblues“ kamen über die offensiven Halbräume überhaupt nicht zum Zug. In der Schlussphase ließen sich die Dortmunder zu sehr hinten rein drücken. Trotz des Riesendrucks von City und eigenen schwindenden Kräften hätte man beide Gegentore verhindern können, indem man einen Tick früher herausrückt. Note: 2,0

Michael Bojkov

Daniele Orsato: Sehr gute und ruhige Leistung, wenngleich ihm die Partie nicht allzu viel abverlangte. Hitzig wurde es kaum. Auch strittige Szenen gab es so gut wie keine. Am auffälligsten nach der Partie, als Pep Guardiola auf ihn einredete, sich mit einer Umarmung für die gelbe Karte bedankte und dann weiter auf ihn einredete. Note: 2,0.

Spielnote: Eine Partie mit nur einer Halbzeit. Beziehungsweise nur einer nennenswerten. Vor der Pause gab es lediglich einen einzigen Schuss aufs Tor. Auch danach taten sich die Cityzens lange sehr schwer. Die Dortmunder Führung gab dem Ganzen den nötigen Schuss Brisanz. Citys später Sieg und Haalands Traumtor lassen das Spiel in Erinnerung bleiben. Aber definitiv nicht für die 90 Minuten an sich. Note: 4,5.

Photo by LINDSEY PARNABY/AFP via Getty Images

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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