Champions League | Wiederholt Unai Emery gegen den FC Bayern Pellegrinis Kunststück?

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Vorschau | Am Mittwochabend geht es für den FC Bayern im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zu Villarreal. Während der amtierende Europa-League-Sieger mit viel Leidenschaft und Unberechenbarkeit dagegenhalten will, konnte der deutsche Rekordmeister sein zweites, größeres Tief dieser Saison überwinden und fand zuletzt zur Stabilität zurück.

Vor dem Duell sprachen wir mit DAZN-Kommentator Jan Platte, der die Partie am Mittwochabend begleiten wird.

Villarreal CF: Emery, Gerard Moreno und das Publikum als Überraschungsfaktoren, defensive Außen bereiten gegen Bayern Sorge

Märchen beginnen normalerweise mit den Worten „Es war einmal..“. So auch das des Villarreal Club de Fútbol. Es war einmal, am 4. April 2006, um genau zu sein, dass El submarino amarillo, das gelbe U-Boot, schon einmal im Viertelfinale der Champions League stand. 1:2 verloren sie das Hinspiel gegen Inter im San Siro. Doch durch das 1:0 von Rodolfo Arruabarrena zog die Mannschaft von Manuel Pellegrini in ihrer Debütsaison unter die letzten vier ein. Dort war gegen Arsenal Schluss. Kolo Touré erzielte den Siegtreffer in Highbury, Juan Román Riquelme vergab in der 90. Minute des Rückspiels gegen Jens Lehmann vom Punkt die Verlängerung.

 



 

Nun putzt sich Villarreal für einen weiteren, großen europäischen Abend heraus. Nichts und Niemand könne die Illusion nehmen, die im Estadio de la Cerámica lebt, so Unai Emery auf der Pressekonferenz. Das Spiel gegen den FC Bayern sei für den Klub ein „spezieller und einzigartiger Moment“. Für den Basken selbst aber kein neuer. 2017/18 bekam es Unai Emery bereits mit dem deutschen Rekordmeister zu tun, damals noch in Diensten von Paris Saint-Germain. Mit dem 3:0 im Prinzenpark Ende September 2017 fügte er dem FC Bayern die bis heute letzte Auswärtsniederlage in der Champions League zu und sicherte sich, trotz eines 1:3 in München, den Gruppensieg. Dass Villarreal nicht dieselbe individuelle Qualität wie die Pariser besitzt, dessen ist sich Emery bewusst. Deshalb beschwor er vor dem Duell die Einheit mit den eigenen Fans: „Wir müssen alle zusammen sehr stark werden. Es wird wichtig sein, dass wir uns beschützt fühlen, dass wir ihre Energie spüren.“

„17 Mal auf Video angeschaut“ – Platte mit Lob für Unai Emery

Für Jan Platte, der die Partie am Mittwochabend bei DAZN kommentieren wird, könnte vor allem Emery zum Überraschungsfaktor für den FC Bayern werden: „Das Potential zu überraschen hat Villarreal auf jeden Fall. Das liegt vor allem an Unai Emery, der seit Jahren ein Trainer für Titel ist, ein Trainer, der es liebt, sich in gegnerische Topklubs reinzudenken, reinzugucken und dann seiner Interpretation freien Lauf zu lassen, wie man am besten gegen sie spielt. Er hat selbst vor dem Europa-League-Finale gesagt, dass er sich Man United 17 Mal auf Video angeguckt hat.“

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Photo by Aitor Alcalde/Getty Images

Nicht zuletzt wegen Emerys Akribie und unbändigem Arbeitswillen erwartet Platte, dass Villarreal bestens auf den FC Bayern eingestellt sein wird. „Sie haben super Spieler in ihren Reihen und vor allem auch eine super Abstimmung. Vorne fallen mir Jungs mit viel Geschwindigkeit ein, die die Bayern überraschen können, ein Danjuma oder auch ein Chukwueze.“

„Ganz, ganz viel wird, bin ich der Meinung – und auch mit ihm haben die Bayern noch keine Erfahrung gemacht – an Gerard Moreno hängen, der der absolute Kopf dieser Mannschaft ist, zumindest offensiv und der der wichtigste Spieler ist. Er kann die Verteidiger der Bayern nerven, sie rausziehen, um Lücken zu schaffen. Wir kennen dieses Muster, aus dem ersten Tor im Heimspiel gegen Juventus, dass Dani Parejo jemand ist, der von der Sechser- oder Achterposition gerne mal in die Mittelstürmerposition kommt, um dann schnell abzuschließen. Mit ihm ist viel möglich. Im Mittelfeld ist vor allem die Erfahrung da, mit Capoue, mit Parejo, mit einem Trigueros. Da wirst du nicht so wahnsinnig überrascht, aber da triffst du auf viel, viel Qualität“, so Jan Platte über den Tabellensiebten in La Liga. Allerdings sieht er auch Schwächen. Vor allem auf den defensiven Außenpositionen könnte es mit Juan Foyth oder Serge Aurier rechts, beziehungsweise Alfonso Pedraza oder Pervis Estupiñán links gegen Kingsley Coman, Serge Gnabry und Leroy Sané eng werden.

Die jüngere Form Villarreals ist eher durchwachsen. Zuletzt gab es bei Cádiz (0:1) sowie Levante (0:2) zwei Niederlagen in Folge. Drei Siege und drei Niederlagen stehen aus den letzten sechs Pflichtspielen zu Buche. Angesichts von sechs Zählern Rückstand auf das sechstplatzierte Real Sociedad wird es für den amtierenden Europa-League-Sieger mit 45 Punkten vorerst eher um die Conference League gehen. Dort haben sie acht Spieltage vor Saisonende aber auch Konkurrenz von Athletic (44) und Valencia (41).

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FC Bayern München: Aufbruchstimmung zum richtigen Zeitpunkt, aber gegen Villarreal ist Geduld gefragt

Eigentlich spielt der FC Bayern eine äußerst stabile Saison 2021/22. In der Bundesliga ist man voll auf Kurs zehnter Meistertitel in Folge, in der Champions League gewann man sieben der bisherigen acht Partien. Das 1:1 in Salzburg ist die einzige Ausnahme. 30 erzielte Tore und fünf kassierte sind jeweils Bestwert unter den verbliebenen acht Viertelfinalisten.

Nichtsdestotrotz gab es während der Saison zwei negative Höhepunkte, die die Auftritte des Rekordmeisters über einen längeren Zeitraum beeinflussten – nicht zwingend ergebnistechnisch, dafür aber spielerisch: Das 0:5-Pokalaus in Mönchengladbach sowie die 2:4-Niederlage in Bochum. Im Anschluss an beide Auftritte zeigte sich der Rekordmeister defensiv anfällig, eröffnete dem Gegner außergewöhnlich viele Torchancen, die mal mehr, mal weniger konsequent genutzt wurden.

Inzwsichen aber haben sich die Münchener wieder gefangen. Besonders das 7:1 gegen Salzburg sollte sich als spielerischer Wendepunkt herausstellen. Während die Österreicher in der Anfangsphase noch zu einigen guten bis sehr guten Möglichkeiten kamen, kehrte beim Rekordmeister vor allem nach dem zweiten Elfmeter von Robert Lewandowski die Sicherheit und Selbstverständlichkeit zurück ins eigene Spiel.

Das darauffolgende Unentschieden bei der TSG Hoffenheim war eingedenk dreier Abseitstore, zweier Aluminiumtreffer und etlicher vergebener Großchancen ein Stück weit unglücklich, spielerisch jedoch ein weiterer Schritt nach vorn. In den vergangenen beiden Partien gegen Union Berlin (4:0) sowie in Freiburg (4:1) konnte der FC Bayern seine Dominanz auch auf der Anzeigetafel kenntlich machen. Was vergangenes Wochenende auffiel: Die Münchener gingen nicht mehr Risiko, als zwingend nötig. Gegen Freiburgs Stärke im Umschaltspiel stand defensive Kompaktheit im Vordergrund. Man wartete geduldig auf die erste defensive Leichtsinnigkeit des Sport-Clubs, um diese konsequent und gnadenlos auszunutzen. Selbiges galt auch nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Nils Petersen.

Platte: Davies und Goretzka als Schlüsselspieler zum Sprung in Europas Spitze

Was ebenfalls zur Münchener Formstärke beiträgt, ist die Personallage: Leon Goretzka, letztmals Mitte Dezember beim 3:2 in Dortmund im Einsatz krönte sein ohnehin gelungenes Comeback im Breisgau mit dem Führungstreffer. Auch Alphonso Davies, der infolge seiner COVID-19-Infektion mit einer leichten Myokarditis diagnostiziert wurde, ist wieder fit und im Spieltagskader. „Sein Spiro-Test (Spirographie, ein Routineverfahren zur Untersuchung der Lungenfunktion, Anm. d. Red.) war so positiv und ohne jeglichen Befund, dass wir ihn wieder mitnehmen können, dass er auch wieder von Beginn an spielen könnte. Ob das der Fall ist, werden wir im Laufe des heutigen und morgigen Tages entscheiden“, so Julian Nagelsmann auf der Pressekonferenz.

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Photo by Matthias Hangst/Getty Images

Die Aufbruchstimmung hat pünktlich zur heißen Saisonphase Einzug in München gehalten. In den kommenden Wochen wird man sehen, wie nah der FC Bayern an der europäischen Spitze dran ist. „Wenn die Jungs, wie Goretzka und Davies richtig spielfit sind und Julian Nagelsmann ganz klar auf sie setzen kann, machen sie für mich im europäischen Ranking auf jeden Fall nochmal einen Sprung“, meint Jan Platte. „Auch wenn das nicht super-, super-souverän war in der letzten Champions-League-Runde von Liverpool (2:0 und 0:1 gegen Inter, Anm. d. Red.), sind sie und Man City für mich auf jeden Fall nochmal herausgestochen und gehören zu den zwei Topfavoriten. Wenn die anderen Spieler wieder dazukommen, gehören sie für mich in die Top 3. Aber hinter diese beiden englischen Meisterschaftskandidaten.“ Den Hauptgund dafür sieht Platte in der größeren Kaderbreite im Vergleich zu den Münchenern.

Dem Rekordmeister prognostiziert Platte ein kniffliges Auswärtsspiel im Estadio de la Cerámica: „Man hat gegen Juve gesehen, was Villarreal zu leisten imstande ist, vor allen Dingen defensiv. Sie haben ein Tor gekriegt nach 32 Sekunden, nur um die fast 180 Minuten in Hin- und Rückspiel ohne Gegentor zu bleiben. Ich glaube, da das Hinspiel auch in Villarreal stattfindet, wird zunächst ein Stück weit Geduld gefragt sein, weil Villarreal kein Problem damit hat, in internationalen Spielen gegen große Mannschaften auch gerne gegen den Ball zu spielen und zu denken. In La Liga sind sie zweimal gegen Real Madrid ohne Gegentor geblieben (jeweils 0:0, Anm. d. Red.). Ich glaube, die Bayern werden ein bisschen Geduld nach Villarreal mitbringen müssen und dann kann ich es mir insgesamt gut vorstellen, dass das einen ähnlichen Verlauf haben wird, wie in der Runde zuvor gegen Salzburg.“

Prognose von Jan Platte

Ich glaube, Bayern wird eine Nummer zu groß sein. Die Bayern nehmen das natürlich sehr ernst, freuen sich, glaube ich, so ein Stück weit über dieses Los, im Viertelfinale keine der absoluten Topmannschaften als Gegner erwischt zu haben. Sie sind sich des Risikos bewusst. Allein das Ausscheiden von Juve zeigt, dass du Villarreal nicht unterschätzen darfst. Aber das werden die Bayern auch nicht machen. Julian Nagelsmann wird sie sehr, sehr gut vorbereiten und dann glaube ich schon, dass für Unai Emery und Villarreal – auch, wenn das Hinspiel eng werden könnte – dann letztendlich, nicht so deutlich wie bei Salzburg, aber dann wird das Viertelfinale Endstation sein.

Voraussichtliche Aufstellungen

Villarreal CF: G. Rulli – J. Foyth, Raúl Albiol, Pau Torres, Alfonso Pedraza – E. Capoue, D. Parejo – Yeremi Pino, G. Lo Celso – Gerard Moreno, Danjuma

FC Bayern München: Neuer – Pavard, Süle, L. Hernández, Davies – Goretzka, Kimmich – Coman, Müller, Sané – Lewandowski

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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