Simakan überragt, Vinícius gute Performance zu wenig – Leipzig gegen Real Madrid in der Einzelkritik

Leipzig Real Madrid Einzelkritik
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Am Dienstagabend spielte RB Leipzig in der UEFA Champions League das Rückspiel in der Gruppenphase gegen Real Madrid. Die Gastgeber feierten einen wichtigen Sieg, Real Madrid musste sich erstmals in der laufenden Spielzeit geschlagen geben. 

Leipzig feiert wichtigen Sieg gegen Real Madrid

RB Leipzig hielt im Hinspiel im Estadio Santiago Bernabeu schon sehr gut mit, als es gegen Real Madrid ging. Das wollte die Elf von Trainer Marco Rose im Heimspiel natürlich wiederholen. Das Spiel begann wie maßgeschneidert für Leipzig. Im Mittelfeld konnte RB sehr gut mithalten, hatte sogar Vorteile, weil einige zweite Bälle bei den Gastgebern landeten. Offensiv waren vor allem ruhende Bälle gefährlich. In Folge eines Eckballs drückte Josko Gvardiol den Ball noch in der Anfangsviertelstunde über die Linie. Später hatten Christopher Nkunku und Amadou Haidara jeweils eine Chance zum 2:0.

Nkunku machte es dann – erneut nach einem Eckball – besser und erhöhte auf 2:0. Sein Schuss küsste noch die Latte, war absolut unhaltbar. Im Anschluss hatte Real Madrid dann seine erste gute Phase. Es gab auch prompt die ersten Chancen, kurz vor der Halbzeit auch den Treffer zum 2:1. Der zweite Spielabschnitt war dann deutlich umkämpfter, Leipzig hatte mehr zu tun in der Defensive. Die Laufarbeit musste intensiviert werden. RB Leipzig machte es aber besser als im Hinspiel, war griffiger, auch wenn die Präzision im Spiel nach vorne fehlte.

Leipzig Real Madrid

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Diese gab es dann aber nach 81 Minuten, als Mohamed Simakan dynamisch nach vorne zog und Timo Werner, mittlerweile eingewechselt, bediente. Der schüttelte Eder Militao ab und erzielte das 3:1. Marco Rose wechselte clever, hatte damit Erfolg. Im Anschluss plätscherte das Spiel ein wenig vor sich hin, kleinere Chancen gab es auf beiden Seiten. Am Ende herrschte aufgrund eines Elfmeters noch einmal Aufregung. Rodyrgo verwandelte, 3:2.

Benotet wird auf der Grundlage von Noten im Schulsystem, also ist die 1 die beste Note und die 6 die schlechteste. Es können auch „,5“-Noten vergeben werden, wenn ein Spieler zwischen zwei Noten schwankt. Spieler, die zu einem späteren Zeitpunkt eingewechselt wurden und keinen signifikanten Einfluss mehr auf das Spiel hatten, werden nicht mehr benotet. RB Leipzig wurde von Redakteur Manuel Behlert bewertet, Real Madrid beobachtete Victor Catalina ausführlich.

RB Leipzig in der Einzelkritik: Simakan überragt, Joker Werner sticht

Janis Blaswich: Sehr wachsam beim ersten guten Abschluss von Rodrygo in der 35. Minute, sicher pariert. Nutzte zwei Minuten später die Fäuste, ging dabei auf Sicherheit – und das war richtig. Beim Anschlusstreffer von Vinicius dann machtlos. Ihm war der Rhythmus anzumerken, er strahlte wirklich Sicherheit aus, auch bei hohen Bällen. Note: 2,5

Mohamed Simakan: Schob auf seiner rechten Seite früh sehr hoch und war aggressiv. In der Rückwärtsbewegung sehr aufmerksam, offensiv aber auch gut eingebunden. Bei der Entscheidungsfindung dort war ihm anzumerken, dass er kein gelernter Außenverteidiger ist. War in der zweiten Halbzeit dann mehr mit Defensivarbeit beschäftigt. Das lag ihm durchaus, er strahlte defensiv Sicherheit aus. Mit überragender Dynamik bereitete er das 3:1 vor! Note: 1,5

Willi Orban: Defensiv überraschenderweise zu Beginn kaum gefordert, zeigte sich offensiv bei den Ecken sehr präsent. Verteidigte nach 31 Minuten aufmerksam gegen Rodrygo. Ließ selbigen kurz danach aus den Augen und es gab die erste Großchance für Real Madrid. Irrte auch vor dem 2:1 durch den Strafraum und verlor die Orientierung. Starkes Tackling gegen Vinicius nach etwas mehr als einer Stunde. Stand den Gegenspielern in der 2. Halbzeit häufig gut auf dem Fuß, gewann wichtige Zweikämpfe. Note: 2 (mit Tendenz zur 2,5)

Josko Gvardiol: Schaltete nach der Courtois-Parade nach zwölf Minuten am schnellsten und köpfte zum 1:0 ein. Defensiv gute Abstimmung mit Orban. Im Spielaufbau eher unauffällig, war auf Sicherheit bedacht. Das ist aber nicht negativ zu bewerten. Guter Block vor dem möglichen 2:2! Hatte mitunter den Fuß drin, wenn Real Madrid mal in gefährlichen Räumen war. Stellungsspiel permanent gut. Note: 2

David Raum: Besetzte die Außenbahn bei eigenen Angriffen offensiv, am Anfang aber zu ungenau bei den eigenen Flanken. Profitierte mitunter von der Unterstützung von Forsberg, bekam damit die Defensivarbeit auf seiner Seite in den Griff. Im Vorfeld des 2:1 kein Gegnerdruck auf Vazquez, der unbedrängt den Pre-Assist vor dem Tor holte. Wenig Licht, viel Schatten, wirkte immer etwas unsicher und Real Madrid fand hinter ihm einige Lücken. Wurde vor der Schlussphase vom Feld genommen. Note: 4

Amadou Haidara: Extrem viel unterwegs, mit einem hohen Aktionsradius, nahm sich deutlich mehr Freiheiten als Schlager. Der Mittelfeldspieler agierte umtriebig, war gut und präsent im Gegenpressing, testete Courtois mit einen schönen Schlenzer. In der zweiten Halbzeit mit einem unnötigen Dribbling, das gleich eine Chance zum 2:2 nach sich zog. Danach aber wieder präsent im Mittelfeld, bügelte seine Fehler auch selbst wieder aus. Nicht alles lief perfekt, aber insgesamt ein guter Auftritt. Note: 2,5

Xaver Schlager: Früh mit einem technischen Fehler, ließ sich zudem von Camavinga düpieren. Kam nicht gut in die Partie. Spulte viele Kilometer ab, stand aber nicht häufig im Mittelpunkt. Positiv war seine Dynamik mit dem Ball, wenn er aber den Pass in die Spitze suchte, ging dieser häufiger schief. Das durchschnittliche Passspiel in eigentlich guten Umschaltmomenten schlägt ein wenig auf die Bewertung. Note: 3

Dominik Szoboszlai: Bewegte sich früh klug zwischen den Linien, sorgte für Gefahr. Leitete mit einem schönen Eckball das 1:0 ein. Durfte auch weitere ruhende Bälle treten, sorgte damit immer wieder für Gefahr. Hätte das 3:0 erzielen können, doch sein Abschluss nach 41 Minuten war extrem unpräzise. In der zweiten Halbzeit mehr im Defensivbereich gefordert, hielt dort aber gut dagegen. Es funktionierte natürlich nicht alles, aber er hatte definitiv schon Spiele mit schlechterem Output. Note: 2,5

Emil Forsberg: Schob gegen den Ball häufig mit in das Zentrum, um selbiges zu schließen. Offensiv war der Schwede zu Beginn weniger auffällig. Allerdings war er wichtig für das Spiel mit dem Ball, weil er die einfachen Bälle richtig spielte. Defensiv mischte er mitunter auch mit, gerade in der ersten Druckphase von Real. Vorsprang hier und da der Ball, aber er schloss die Räume auch sehr schnell. Die Finesse in der Offensive fehlte, Ballverluste waren die Folge. Insgesamt aber eine engagierte und kämpferisch gute Leistung. Note: 3

Christopher Nkunku: Dirigierte zu Beginn direkt das Pressing von RB mit. Hatte die Chance auf das 2:0, setzte sich clever ab, ging an Courtois vorbei, schloss aber aus großer Distanz und spitzem Winkel nicht ganz perfekt ab. Später aber schon: Nkunku nutzte die zweite Chance, die er bekam, für das 2:0. Es war ein herausragender Schuss, der Courtois keine Chance ließ. In der zweiten Halbzeit mit der Chance zum 3:1, wurde aber auch gut geblockt. Insgesamt bester Offensivspieler. Einziger Negativpunkt: Der verschuldete Elfmeter in der Nachspielzeit, bei dem sich der Franzose mindestens ungeschickt anstellte. Das gibt einen Abzug. Note: 2

Andre Silva: Setzte sich nach der Szoboszlai-Ecke direkt vor dem 1:0 durch und zwang Courtois zu einer Parade. Setzte ab und zu Akzente im Pressing. Beim 2:1 etwas zu passiv gegen Asensio, aber andere Fehler waren bedeutend signifikanter. Einige technische Fehler in der zweiten Halbzeit, wurde dann auch ausgewechselte. Seine Präsenz war wichtig, seine Intensität im Pressing mitunter ebenfalls, Torgefahr gab es aber zu selten. Note: 3,5

Timo Werner (ab 68. für Silva): Sofort nach der Einwechslung präsent, erster Sprint, guter Abschluss auf die lange Ecke, knapp vorbei. Seine zweite Chance nutzte er dann eiskalt, musste den Ball nur noch über die Linie drücken. Lief vorher Militao aber auch sehr klug davon. War der richtige Wechsel zur richtigen Zeit. Deswegen auch noch eine Bewertung. Note: 2,5

Dani Olmo (ab 68. für Forsberg): Sollte mit seinen technischen Fähigkeiten dafür sorgen, dass die Konter zu Ende gespielt werden. Begann aber gleich mit drei Fehlpässen im Spiel nach vorne – nacheinander. Danach nicht viel eingebunden, hatte aber noch einen Schlenzer auf das lange Eck. Keine Bewertung mehr.

Abdou Diallo (ab 69. für Raum): Keine Bewertung mehr.

Kevin Kampl (ab 84. für Haidara): Keine Bewertung mehr.

Benjamin Henrichs (ab 90. für Simakan): Keine Bewertung mehr.

 

Real Madrid in der Einzelkritik: Defensivschwächen und ein auffälliger Vinícius

Thibaut Courtois: Bereits nach weniger als einer Minute wurde klar, dass dieser Dienstagabend für ihn ereignisreicher verlaufen sollte, als er einen gefährlichen Querpass Emil Forsbergs entschärfte. Unmittelbar vor dem 0:1 mit starker Parade gegen André Silva. Hätte kurz darauf mit einem missglückten Ausflug das 0:2 verschuldet. Ansonsten bei den Gegentoren ohne Auftrag. Note: 2,5.

Lucas Vázquez: Einige kleinere Stellungsfehler. Ansonsten auf der rechten Seite aber wie gewohnt zuverlässig. Note: 3,0.

Eder Militão: Sah beim dritten Gegentreffer suboptimal aus, als er Timo Werner im Rückraum nicht auf dem Zettel hatte. Bei weitem nicht so sicher wie mit David Alaba an seiner Seite. Note: 3,5.

Nacho: Führte Real Madrid als Kapitän aufs Feld und hielt seine halblinke Seite meistens dicht. Note: 2,5.

Antonio Rüdiger: Ließ Joško Gvardiol vor dem 1:0 freistehend einköpfen. Dafür mit gutem und resolutem Stellungsspiel, als er Timo Werner in Minute 71 zum Abschluss aus zu spitzem Winkel zwang. Note: 3,5.

Aurélien Tchouaméni: Hatte die erste nennenswerte Chance des Abends nach einem Eckball in der 5. Minute sowie kurz vor der Pause, als ihm Xaver Schlager das mögliche 2:2 wegblockte. Ansonsten solide. Note: 3,0.

Champions League RB Leipzig Real Madrid

Photo by Stuart Franklin/Getty Images

Eduardo Camavinga: Einige gute Aktionen in der Offensive. Stand dafür vor dem 0:1 zu weit von André Silva weg und ließ vor dem 0:2 Christopher Nkunku gewähren. Note: 3,5.

Toni Kroos: Konnte Real Madrids Spiel vor allem in der Anfangsphase, als Gvardiol und Nkunku auf 2:0 stellten, kaum die gewohnte Ruhe und Struktur geben. Leipzig nahm ihn mit Tempo nahezu komplett aus dem Spiel. Kam, je länger das Spiel dauerte, besser zum Tragen. Zu diesem Zeitpunkt war der Schaden jedoch schon angerichtet. Note: 3,5.

Marco Asensio: Hatte seine beste Szene in Minute 44, als er bestimmt an Leipzigs Abwehr vorbeizog und die perfekte Flanke in den Rückraum für Vinícius servierte. Solche Aktionen hätte es für Real Madrid häufiger gebraucht. Note: 3,0.

Vinícius Júnior: Offensiv Reals Bester. Sorgte mit seiner Geradlinigkeit und seinem Tempo immer wieder für Gefahr, auch wenn er sich in einigen Szenen final festdribbelte. Belohnte sich kurz vor der Pause dennoch mit seinem Tor und hatte in Minute 79 die Großchance aufs 2:2, bevor Timo Werner mit dem 3:1 alles klar machte. Note: 2,5.

Rodrygo: Nicht ganz so auffällig, wie sein brasilianischer Landsmann. Hatte in Minute 36 eine gute Abschlussgelegenheit, die er allerdings verzog. Das Elfmetergeschenk von Nkunku nahm er allerdings dankend an und verwandelte sicher. Note: 3,0.

Einwechslungen von Real Madrid

Dani Carvajal (ab 69′): Ersetzte Lucas Vázquez und ließ auf seiner rechten Seite kaum etwas anbrennen. Note: 3,0.

David Alaba (ab 69′): Kam für Nacho und hatte am 3:1 gleich seine Aktien. Zuerst mit einem viel zu optimistischen Zuspiel in die Spitze und dann, als er im Duell mit Mohamed Simakan aussah, wie der SUV gegen den Supersportwagen. In der Mitte musste Timo Werner lediglich einschieben. Note: 4,0.

Eden Hazard (ab 76′): Ersetzte in der Schlussviertelstunde Toni Kroos und hatte gleich eine gute Szene, ald er die Großchance Vinícius‘ einleitete. Ansonsten eher blass. Note: 3,5.

 

(Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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