Europa League | RB Leipzig trifft auf die Rangers: Vorsicht vor dem Außenseiter

Leipzig vor den Rangers
Vorschau

Für RB Leipzig steht das Halbfinale in der Europa League gegen die Rangers aus Schottland auf dem Programm. Die Rollenverteilung ist klar, der Bundesligist geht als Favorit in die beiden Spiele. Doch die Schotten sind ein unangenehmer Gegner und können auch für RB eine sehr große Hürde darstellen. 

Denn: Auf dem Weg bis in das Halbfinale hat das schottische Team unter anderem Borussia Dortmund ausgeschaltet. Die Europapokalspiele, insbesondere vor toller Kulisse im heimischen Ibrox Stadium, stacheln die Mannschaft noch einmal besonders an. Auch die individuelle Unterlegenheit oder die schwächere Liga, aus der die Rangers im Vergleich zu Dortmund und auch Braga stammten, machten bisher keinen Unterschied. Allerdings hat auch RB Leipzig Grund genug, optimistisch zu sein.

RB Leipzig: Der Aufschwung unter Tedesco ist immens

Das hat in erster Linie mit Domenico Tedesco (36) und der Entwicklung unter ihm zu tun. Der Trainer, der das Amt von Jesse Marsch (48) übernahm, hat RB Leipzig stabilisiert. Er hat Veränderungen herbeigeführt, aber keine komplette Revolution. Tedesco ging analytisch an die Aufgabe heran, lernte die Mannschaft kennen und entwickelte einen Stil, der mit punktuell aggressivem Anlaufen, einer guten Kompaktheit und Tempowechseln im Spiel nach vorne jeden Gegner stressen kann. 16 Siege in 24 Pflichtspielen und eine Verbesserung in der Tabelle von einem Mittelfeldplatz in die Top-4 sprechen für sich.

Auch in Europa zeigte Leipzig ansprechende Leistungen. Real Sociedad wurde ausgeschaltet, anschließend gab es ein Freilos und im Viertelfinale den unangenehmen Gegner Atalanta. In den entscheidenden Spielphasen zeigte sich die Tedesco-Elf clever und unaufgeregt, kam auch mit der wuchtigen Offensive der Italiener einigermaßen gut zurecht und setzte die eigenen Schlüsselspieler gut in Szene. Die Saison kann eine herausragende werden, denn in der Liga ist ein Platz unter den ersten vier Teams wahrscheinlich, im Pokal steht die Mannschaft bereits im Endspiel. Und ein weiteres Finale kann noch hinzukommen.

Leipzig Rangers

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Die Defensive von RB Leipzig wird gegen die Rangers gefordert sein, vor allem im Aufbauspiel. „Die Rangers sind in der Lage, hart zu arbeiten, was besonders bei den jüngsten Siegen gegen Braga und Celtic deutlich wurde, als sie das Spiel sehr hoch ansetzten und die Verteidiger zu wiederholten Fehlern zwangen.  Das war besonders im letztgenannten Spiel beeindruckend, als man erwartet hatte, dass sie sich aufgrund der Strapazen des Europa-League-Spiels gegen die Portugiesen schwer tun würden“, teilte uns James Morgan (u.a. Herald Scotland, The National, Times) auf Anfrage mit.

Im Aufbau ist also die Risikoabwägung ein elementarer Faktor. Leipzig wird wieder mit drei Innenverteidigern spielen, mutmaßlich Nordi Mukiele, Josko Gvardiol und Marcel Halstenberg.  Ein guter Aufbau ist wichtig, um die weiteren Mannschaftsteile entsprechend in Szene zu setzen, im Zweifel dürfte aber, selbst bei Tedesco, auch der lange, sichere Ball erlaubt sein, aus dem zumindest selbst in das Gegenpressing umgeschaltet werden kann.

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Rangers: Vorsicht vor dem schottischen Gegner

In der heimischen Liga stehen die Rangers aktuell sechs Punkte hinter Rivale Celtic in der Meisterrunde. Selbst ein Sieg im direkten Duell am Sonntag würde bedeuten, dass es schwer wird, den Titel zu erreichen. Celtic war über die gesamte Saison hinweg etwas stabiler als die Rangers. Allerdings bleibt zu konstatieren, dass die Leistungen der Schotten in Europa absolut stark waren. In einer Gruppe mit Olympique Lyon, Sparta Prag und Brøndby IF setzte sich das Team durch, anschließend führte der Weg in das Halbfinale über Borussia Dortmund, Roter Stern Belgrad und Braga. 

Nicht nur bei Leipzig, sondern auch bei den Schotten gab es einen Trainerwechsel. Steven Gerrard (41) zog es zu Aston Villa, deswegen übernahm Giovanni van Bronckhorst (47) das Amt im November. Auch er hatte Zeit, seine Vorstellungen von einem intensiven Fußball zu implementieren. „In der Europa League haben die Rangers brilliert, und Van Bronckhorst hat es geschafft, sie durch jede Runde zu führen, indem er hier und da ein paar Änderungen je nach Gegner vorgenommen hat, anstatt große Veränderungen vorzunehmen, seit Steven Gerrard gegangen ist. In der Liga hatten sie jedoch sechs Punkte Vorsprung, als Gerrard ging, aber jetzt liegen sie sechs Punkte hinter Celtic und werden den Titel in diesem Jahr wahrscheinlich verpassen“, so Thomas Duncan, der für die BBC in Schottland tätig ist.

Wartet im Rückspiel auf Leipzig: Das Ibrox Stadium

(Photo by ANDY BUCHANAN/AFP via Getty Images)

Insbesondere das Ibrox Stadium, das für eine fantastische Atmosphäre sorgen kann, sieht er als einen Schlüssel für die guten Resultate in Europa: „Ich glaube, dass der Grund für die besseren Leistungen in Europa in der mentalen Seite des Spiels liegt. Ibrox ist ein großer Vorteil für sie, denn die Atmosphäre bei Heimspielen hilft ihnen, eine Intensität zu erreichen, die sie in der Liga nur selten zeigen. In den letzten beiden Runden haben sie zwar auswärts verloren, aber zu Hause haben sie es geschafft, sich durchzusetzen. Ich denke, dass sie in Europa auch weniger unter Druck stehen, was ihnen erlaubt, etwas freier zu spielen.“

Die Underdog-Rolle als Vorteil für die Rangers gegen Leipzig?

Der Kader der Schotten hat indes einiges zu bieten. Allan McGregor (40) ist ein erfahrener, sicherer Rückhalt, Connor Goldson (29) ein gnadenloser Innenverteidiger, Kapitän James Tavernier (30) entdeckte zuletzt gar seine Torgefahr, Joe Aribo (25) glänzt als vielseitig einsetzbarer Mittelfeldspieler und mit Ryan Kent (25) und Amad Diallo (19) können Überrachungsmomente über die Flüge generiert werden. Über Aaron Ramsey (31), der viel Erfahrung und er Champions League gesammelt hat, ist da noch nicht einmal gesprochen. 

Trotzdem hat Leipzig individuell gesehen den besseren Kader, gleiches gilt auch für die Balance und Zusammenstellung. Das stört die Rangers allerdings nicht, denn die Rolle des Underdogs dürfte dem Team gefallen wie auch Thomas Duncan bestätigt: „Ich denke, dass die Rolle des Außenseiters den Rangers sehr entgegenkommt. Sie sind eine gute Kontermannschaft, die in der Europa League gezeigt hat, dass sie die Räume ausnutzen kann, die ihnen die Mannschaften lassen. Ich denke, ihr Ziel wird es sein, Leipzig in Deutschland zu frustrieren und zu versuchen, das Unentschieden am Leben zu erhalten, bevor sie es zurück nach Ibrox bringen und die Zuschauer nutzen, um in das Endspiel einzuziehen.“

Auch die Fans des schottischen Traditionsklubs sind gut gelaunt und sehen eine Chance gegen den Favoriten aus der Bundesliga, schreibt James Morgan: „Unter den Rangers-Anhängern herrscht die Stimmung, dass ihr Team an die Erfolge der Mannschaft von 2008 anknüpfen kann, die in Manchester das UEFA-Pokalfinale erreichte und dort mit 0:2 gegen Zenit St. Petersburg verlor. Dieses Team spielt besseren Fußball als jenes, aber es hat auch einen weicheren Kern als die Mannschaft des verstorbenen Walter Smith, die sehr pragmatisch war und sich darauf spezialisiert hatte, Spiele knapp zu gewinnen. Ein gut gefülltes, lautes Ibrox ist ein beeindruckendes Stadion und kann den Rangers in Spielen gegen schwierige Gegner sicherlich helfen, aber wir haben kürzlich bei der Liganiederlage gegen Celtic gesehen – als nur 700 Auswärtsfans anwesend waren – dass es auch für die Rangers eine Belastung sein kann.“

Die Mischung aus dem Spielstil, der bei van Bronckhorst klassisch niederländisch geprägt ist, aber auch „schottische Elemente “ mit sich bringt, der Außenseiterrolle, in der sich die Rangers gegen Leipzig wohlfühlen dürften und dem Faktor Ibrox machen die Schotten zu einem Gegner, der Leipzig an guten Tagen alles abverlangen kann. Technisch hochkarätige Mannschaften haben aber selbst die Mittel, um gegen die Rangers zu Erfolg zu kommen, wie schon Lyon in der Gruppenphase zeigte.

Prognose von Thomas Duncan

RB Leipzig ist bei weitem die stärkste Mannschaft, gegen die die Rangers in dieser Saison angetreten sind, also müssen sie ein Niveau erreichen, das sie bisher noch nicht gezeigt haben. Wenn sie nach dem Hinspiel bis auf ein Tor an Leipzig herankommen, haben sie eine Chance, aber wenn sie mit zwei oder mehr Toren verlieren, glaube ich, dass sie es in Ibrox schwer haben werden, sich zu revanchieren.

Personal & mögliche Aufstellungen:

Die Tedesco-Elf stellt sich zumindest defensiv von selbst auf. Mit Mohamed Simakan (21) und Willi Orban (29) sind zwei Innenverteidiger gelbgesperrt, gleiches gilt für Mittelfeldakteur Kevin Kampl (31). Darüber hinaus fehlt auch Amadou Haidara (24), der verletzt ist. Lukas Klostermann (28) trainierte nach Isolation wieder, ist also auch ein Kandidat für die Aufstellung.

Ähnlich sieht es bei den Rangers aus, die ebenfalls schon im Hinspiel auf einige Spieler verzichten müssen. Innenverteidiger Filip Helander (29) muss ebenso passen wie Ianis Hagi (24), der Rumäne aus dem offensiven Mittelfeld. Noch bitterer ist, dass sowohl Alfredo Morelos (25), der beste Torschütze, als auch Kemar Roofe (29), sein logischer Vertreter, nicht zur Verfügung stehen.

RB Leipzig: Gulacsi – Mukiele, Gvardiol, Halstenberg- Henrichs (Klostermann), Adams, Laimer, Angeliño – Olmo, Nkunku – Andre Silva

Rangers: McGregor – Tavernier, Goldson, Balogun, Barisic – Lundstram, Ramsey, Aribo, Kent, Diallo – Sakala

(Photo by Maja Hitij/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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