Versäumnisse beim CL-Finale: UEFA soll Schuld gezielt auf Fans abgewälzt haben

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News | Beim diesjährigen Champions-League-Finale rückte schon vor Anpfiff der Sport in den Hintergrund. Vor den Toren des Stade de France gab es Tumulte, viele Liverpool-Anhänger kamen nicht ins Stadion. Ein aktueller Bericht aus England deckt nun weitere Details auf, die die UEFA in ein noch schlechteres Licht rücken.

Von eigenen Versäumnissen will die UEFA nichts wissen

Nach den wilden Szenen vor dem Stade de France behauptete die UEFA in einer Erklärung, dass verspätete Liverpool-Fans der Grund für den verzögerten Anpfiff gewesen seien. Wie der Guardian jetzt erfahren haben will, soll das Statement bereits in der Planungsphase des Spiels formuliert worden sein – für eben jenen Fall, dass es vor den Stadiontoren zu Komplikationen kommt.

Die Situation vor Ort war nämlich eine andere als in der Erklärung beschrieben. Einer visuellen Analyse des Guardian zufolge sollen in einer „chaotischen Warteschlange“ etwa 15.000 Anhängern der „Reds“ der Zutritt ins Stadion von Polizei und Sicherheitskräften verweigert worden sein.

Stattdessen seien sie über eine „Alternativroute“ durch eine schmale Autobahn-Unterführung geschleust worden, wo aufgrund der hohen Personenzahl schon die Gefahr bestand, dass es zu Quetschungen kommt. Viele Fans seien darüber hinaus Opfer brutaler und unverhältnismäßiger Polizeieinsätze geworden.

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In einer zweiten Erklärung nach dem Spiel begründete die UEFA die Tumulte dann damit, dass „Tausende von Fans“ versucht hätten, mit „gefälschten Tickets“ ins Stadion zu gelangen. Für viele Liverpool-Fans waren die Szenen vor dem Stadion sowie die Erklärungen der UEFA ein traumatisches Echo auf die Hillsborough-Katastrophe von 1989, bei der 97 Fans durch grobe Fehler seitens der Sicherheitskräfte ihr Leben verloren hatten. Die Polizei hatte auch damals zu unrecht verspätete Fans ohne Eintrittskarten verantwortlich gemacht.

Auch Steven Rotheram (60), Bürgermeister von Liverpool, wies auf den Vergleich zu Hillsborough hin. Er behauptet zudem, dass er UEFA-Präsident Aleksander Ceferin (54) in der VIP-Lounge des Stade de France auf die Tumulte vor den Stadiontoren angesprochen, dieser jedoch sehr abweisend reagiert habe. Rotheram sagte, er habe seine Besorgnis darüber geäußert, dass Fans draußen getötet werden könnten, woraufhin Ceferin angeblich erwiderte: „Dieses Gespräch ist beendet.“



In einer späteren Erklärung räumte Ceferin ein, „vielleicht etwas schroff“ gewirkt zu haben. „Ich hatte das Gefühl, dass ich unsere Diskussion abbrechen musste, weil wir zu diesem Zeitpunkt größere Probleme zu lösen hatten: sicherzustellen, dass es keine Verletzten gab, dafür zu sorgen, dass Fans mit Eintrittskarten ins Stadion gelangen konnten und schließlich das Spiel zu beginnen“, wird der Präsident weiter zitiert.

Des Weiteren wird dem Verband vorgeworfen, die Partie zunächst nur um 15 Minuten verschoben zu haben, obwohl klar gewesen sei, dass dieses Zeitfenster ob der Szenen draußen unrealistisch ist. Darauf ging Ceferin in seinem Statement allerdings nicht ein, verwies auf die Untersuchungen der UEFA, die bis Ende November einen Bericht zu den Ereignissen vorlegen will. Bereits kurz nach dem Finale entschuldigte sich der Verband bei den Fans, nahm aber weder die Erklärung zurück, in der sie die Liverpool-Anhänger beschuldigte, noch räumte sie Versäumnisse ein.

Rotheram glaubt, dass der Verband die Schuld absichtlich auf die Fans abwälzen wollte: „Das war wie aus dem Lehrbuch; sie wollten keine Verantwortung übernehmen. Ich hatte im VIP-Bereich das Gefühl, dass sie als Organisation nicht zur Verantwortung gezogen werden wollten.“

(Photo by THOMAS COEX/AFP via Getty Images)

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