Zwei Monate vor der WM: Recherche legt menschenfeindliche Arbeitsbedingungen in Katar offen

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News | Eine Recherche des Guardian legt erneut gravierende Mängel und menschenfeindliche Arbeitsbedingungen in Katar offen. Auch wenn das Kafala-System gesetzlich reformiert wurde, seien die Bedingungen der Arbeiter noch immer verheerend.

FIFA: Die WM als Katalysator

In genau zwei Monaten beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Am 20. November wird um 19 Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) das Spiel zwischen Katar und Ecuador angepfiffen werden. Und, wie die FIFA wiederholtet behauptet hat, ein Turnier starten, das wie ein Katalysator wirken würde, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Region zu verbessern und die Einhaltung der Menschenrechte voranzutreiben. Eine Haltung, die von Menschenrechtsorganisationen wiederholt in Frage gestellt wurde. Immer wieder gab es Berichte über ausbeuterische Bedingungen, vor allem für Gastarbeiter, und Diskriminierung von Mitgliedern der LGBTQIA+-Community. Eine neuer Bericht legt nun erneut gravierende Mängel und menschenfeindliche Arbeitsbedingungen offen.



Der „Guardian“ interviewte eine Reihe an Gastarbeitern, die für den Bau der WM-Stadien in Al Bayt, Al Janoub und Ahmad Bin Ali vom Al Sulaiteen Agricultural and Industrial Complex (SAIC) beschäftigt wurden. Die Arbeiter, deren Namen der „Guardian“ aus Gründen des Personenschutzes nicht nennt, stammen aus Bangladesch, Nepal und Indien. Laut deren Aussagen wurden ihnen die Jobs von Agenten in ihren Heimatländern vermittelt, denen sie bis heute illegale Gebühren zahlen müssen, um ihren Arbeitsplatz zu sichern.

Kafala-System: Noch immer Praxis?

Zudem sorgte das sogenannte Kafala-System dafür, das Gastarbeiter in absolute Abhängigkeit zu ihrem Arbeitgeber geraten. Es handelt sich um ein Sponsorship-System zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, das dem Arbeitgeber weitreichende Rechte und Möglichkeiten einräumt. Durch das Kafala-System erhält eine Einzelperson oder ein Unternehmen vonseiten des Staates sogenannte Sponsorengenehmigungen für die Beschäftigung ausländischer Gastarbeiter. Dabei ist die Arbeits­erlaubnis eng mit der Aufenthaltserlaubnis verknüpft, sodass lediglich der Sponsor, also der Arbeitgeber, die Berechtigung zur Verlängerung oder Kündigung des Arbeitsverhältnis hat. Zudem benötigten die ausländischen Arbeitnehmer die Erlaubnis ihres Sponsors, um das Arbeitsverhältnis zu kündigen, den Arbeitsplatz zu wechseln und sogar auszureisen. Das führt zu einem enormen Abhängigkeitsverhältnis des Arbeitnehmers von dessen Arbeitgeber und ist mit den allgemeinen Menschenrechten nicht vereinbar.

Da die Kritik an diesem System im Vorfeld der WM immer größer wurde, trat am 30. August 2020 eine Arbeitsrechtsreform in Kraft, mit der das System weitegehend Enden sollte. Die Verpflichtung für Gastarbeiter, die Erlaubnis ihres Arbeitgebers für einen Arbeitsplatzwechsel einzuholen, werde abgeschafft und Katar sei das erste Land in der Region, das einen diskriminierungsfreien Mindestlohn einführe, hieß es damals.

Aus den Gesprächen des „Guardian“ geht nun hervor, dass die Arbeiter noch immer in Beschäftigungsverhältnissen stecken, die sich nicht oder nur marginal vom Kafala-System unterscheiden. „Das Unternehmen erteilt keine Erlaubnis zum Verlassen“, wird einer der befragten Gastarbeiter zitiert. Man könne den Arbeitsplatz nur wechseln, wenn man in sein Heimatland zurückkehren, sein Visum annulliert und einen neuen Antrag stellen würde. Rechtlich sei ein Arbeitsplatzwechsel somit zwar möglich, in der Realität aber so gut wie nicht zu verwirklichen, das die gezahlten Löhne nicht ausreichen, um einen solchen Schritt zu finanzieren.

Die meisten der befragten Arbeiter verdienen einen Grundlohn von 1.000 Riyals im Monat, heißt es in dem Bericht. Das entspricht 266 Euro. Dieser Lohn sei zwar mit dem gesetzlichen Minimum in Katar vereinbar, liege jedoch am unteren Ende davon. Dadurch sei es für viele der Gastarbeiter schwierig, die illegalen Gebühren an ihre Agenten und die aufgenommen Schulden, um überhaupt in Katar arbeiten zu können, zu tilgen. Zumal eine überwiegende Zahl der Arbeiter einen großen Teil ihres Gehaltes zu ihren Familien in der Heimat schicken.

Der „Guardian“ kontaktierte die FIFA mit ihren Recherchen. Der Verband reagierte: „Zusätzlich zu den bereits eingeführten umfangreichen Maßnahmen, die darauf abzielen, die an der Vorbereitung und Durchführung der Weltmeisterschaft beteiligten Arbeitnehmer zu unterstützen, hat die FIFA aktiv auf die Umsetzung umfassenderer Arbeitsreformen gedrängt, die für alle Unternehmen und Projekte im ganzen Land gelten und allen Arbeitnehmern in Katar zugute kommen.“

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