WM 2022 | Entzaubert Kroatien Favorit Brasilien?

Brasilien
WM-Spotlight

Vorschau | Kroatien trifft am Freitagnachmittag um 16 Uhr im WM-Viertelfinale auf Brasilien. Die Seleção ist klarer Favorit, Kroatien aber einer der unangenehmsten Mannschaften des Turniers. Das gibt Luka Modric Hoffnung.

Das letzte WM-Spiel von Luka Modric?

Besser hätte die Weltmeisterschaft für Brasilien bisher kaum laufen können. Die Mannschaft spielte sich souverän durch die Gruppenphase und versprüht spätestens seit dem Traum-Seitfallzieher von Richarlison eine tänzerische Leichtigkeit. Im Achtelfinale gegen Südkorea kehrte Superstar Neymar zurück, um dessen Knöchel zuvor eine ganze Nation gebangt hatte. Vier Tore schenkte die leichtfüßige Offensive den Südkoreanern in etwas mehr als einer halben Stunde ein. Keine Mannschaft verzaubert bei dieser Weltmeisterschaft mehr als Brasilien. Und dann ist da noch Tite, der Trainer, der sich von seinen Spielern nicht nur zum Torjubeltanz bitten lässt, sondern ganz nebenbei unaufgeregt für Struktur und eine heitere Stimmung sorgt. Brasilien ist die einzige Mannschaft des Turniers, die bereits alle Spieler eingesetzt hat. Wer soll diese Mannschaft nur stoppen?

„Kroatien“, so würde Luka Modric diese Frage wohl beantworten. Der Kapitän der kroatischen Nationalmannschaft hockte auf der Pressekonferenz vor dem Viertelfinale tiefenentspannt auf seinem Stuhl. Brasilien, gestand er ein, sei zwar der klare Favorit, „aber die Praxis hat gezeigt, dass das nichts heißen muss. Wir machen uns keine Sorgen.“ Wie das gelingen kann? „Wir müssen Tempo gehen, sie stellen, körperlich und aggressiv agieren.“ Und darüber hinaus gehe es auch darum, das Spiel und die Atmosphäre zu genießen. Denn bei einem Ausscheiden wird es wohl das letzte Weltmeisterschaftsspiel für Luka Modric gewesen sein.



Kroatien spielte in Katar bisher keinen berauschenden Fußball. Nur gegen Kanada konnten sie gewinnen, mit 4:1. Die anderen beiden Gruppenspiele gegen Marokko und Belgien endeten 0:0. Im Achtelfinale sorgte nach einem mühsamen 1:1 gegen Japan erst das Elfmeterschießen für die Entscheidung. Den Fußball, den sie unter Trainer Zlatko Dalic spielen, kann man durchaus als pragmatisch bezeichnen. Ohne taktische Finesse oder herausragende defensive Struktur trägt Luka Modric das Team. Es ist nahezu unmöglich, dem Mittelfeld der Kroaten – bestehend aus Marcelo Brozovic, Mateo Kovacic und Luka Modric – den Ball abzunehmen. Daran sind bei der Weltmeisterschaft 2018 bereits einige Favoriten gescheitert.

(Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

In der Offensive ist es dann häufig Andrej Kramarić, der für Torchancen sorgt. Er ist umtriebig und ein ständiger Gefahrenherd. Bei Kroatien funkelt wenig, und doch stellen sie jeden Gegner vor eine unangenehme Herausforderung, die Taktik-Experte Tobias Escher treffend zusammengefasst hat: „Es ist sehr leicht, nicht gegen Kroatien zu verlieren, allerdings auch sauschwer, gegen sie zu gewinnen.“

Nun könnte man denken, dass Brasilien bei all dem offensiven Furor in genau diese Falle tappt. Doch Brasilien spielt zwar spektakulär, aber nicht weniger pragmatisch als die Kroaten. Die Südamerikaner hatten die beste Abwehr der Vorrunde, was nicht zuletzt an der riegelartigen Doppelsechs aus Casemiro und Paquetá liegt. Der taktische Fokus von Trainer Tite ist ein defensiver, in dem Wissen, dass die Zauberer im Angriff – Neymar, Richarlison, Raphina und Vinicius – nahezu aus dem Nichts zu Torchancen kommen.

Über seine Mannschaft spricht Tite mit Bewunderung: „Das ist eine großartige Gruppe. Ihre Sprache ist die des Tanzes.“ Aber nicht nur, denn das Ziel ist der Titel, und dem ordnen sich auch die Ballkünstler unter. Nach dem Erfolg über Südkorea schwärmte Neymar nicht von dem rauschenden Erfolg, sondern bilanzierte nüchtern, sie seien nun einen Schritt näher an ihrem großen Ziel. Alle, auch die Fans, träumen vom Titel. Und dafür, sagte Tite, müsse seine Mannschaft vor allem eines sein: „effektiv“. Dann sollte Brasilien auch für Kroatien eine Nummer zu groß sein.

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Die möglichen Aufstellungen

Kroatien: Livakovic – Juranovic, Lovren, Gvardiol, Sosa – Brozovic – Modric, Kovacic – Kramarić, Livaja, Perisic

Brasilien: Alisson – Éder Militão, Marquinhos, Thiago Silva, Danilo – Casemiro, Paquetá – Raphinha, Neymar, Vinicius Júnior – Richarlison

(Photo by Alex Pantling/Getty Images)

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