Dabei sein ist alles! Die Underdogs der WM 2022

Australien ist für die WM 2022 in Katar qualifiziert
WM 2022

Spotlight | Keine WM ohne Underdogs. Bei jedem Turnier gibt es einige Nationalmannschaften, die kaum jemand auf dem Zettel hat und von denen auch entsprechend wenig erwartet wird. Wir stellen die größten Außenseiterteams in Katar vor. Sie alle eint, dass schon ein Überleben in der Gruppe einer riesigen Überraschung gleichkäme.

Tunesien: Der sechste Anlauf

Bei fünf WM-Teilnahmen ist es den „Adlern von Karthago“, wie die tunesische Nationalmannschaft genannt wird, noch nie gelungen, die Gruppenphase zu überstehen. Die Aussichten, dass sich das ausgerechnet in Katar ändert, sind nicht gerade rosig. Immerhin trifft man mit Frankreich auf einen Titelkandidaten und mit Dänemark auf eine Nationalmannschaft, die zum erweiterten Kreis der Top-Nationen gehört. Dem europäischen Fußballfan geläufige Namen lassen sich – wie bei den folgenden Underdogs auch – problemlos an einer Hand abzählen. Mittelfeldmann Ellyes Skhiri (27, 1. FC Köln) kennt man aus der Bundesliga, Innenverteidiger Dylan Bronn (27, Salernitana) dürfte auch dem ein oder anderen geläufig sein.

Der Topstar der Mannschaft ist in der Sturmspitze zu Hause und heißt Wahbi Khazri (31), geht für Montpellier auf Torejagd – und das nicht einmal unerfolgreich. Bei der Nationalmannschaft fehlen dem 31-Jährigen aber häufig die Zuspiele. Trainer Jalel Kadri (50) setzt auf ein defensiv kompaktes 4-4-2, die „Drecksarbeit“ hat oberste Priorität und ist auch die Kernqualität der Mannschaft. Wer für Tunesien den Fernseher einschaltet und sich auf Spektakel einstellt, sollte folglich enttäuscht werden.



Warum wir über die WM in Katar berichten

Australien: Pauli-Kapitän als WM-Hoffnungsträger?

Interessant wird das Aufeinandertreffen mit Australien sein. Sie komplettieren die Gruppe D und sind ebenso wenig an Hurra-Fußball interessiert wie die Nordafrikaner. Die „Socceroos“ kommen über Kampf und Leidenschaft, sind ein eingeschworener Haufen, der um jeden Quadratmeter Rasen kämpft. Zu den Leistungsträgern bei Australien zählt der frühere Brighton-Torhüter Mathew Ryan (30, FC Kopenhagen), Ex-Frankfurter Ajdin Hrustic (26, Hellas Verona) und Abräumer Jackson Irvine (29), der Kapitän beim FC St. Pauli ist.

Insgesamt fehlt es dem Kader schlicht und ergreifend an der individuellen Klasse. Der vielleicht einzige Trumpf in Katar könnten die klimatischen Bedingungen werden, mit denen die Australier deutlich besser vertraut sind als die starken Gruppengegner aus Europa. Allein, dass sie bei der Endrunde dabei sind, kommt einer kleinen Überraschung gleich. So war man in den Qualifikationsspielen Nationen wie Japan und Saudi-Arabien unterlegen, sicherte sich mit viel Glück und Elfmeterschießen gegen Peru die sechste WM-Teilnahme.

Costa Rica: Der letzte Tanz für Navas und Co.

Auch für Costa Rica dürfte allein die Qualifikation für die Endrunde Überraschung genug sein. Lange sah es nicht wirklich danach aus, als könnten sich die „Ticos“ die dritte WM-Teilnahme in Folge sichern. Nun also doch. Für Topstar Keylor Navas (36, PSG), Celso Borges (34), Bryan Ruiz (37, beide LD Alajuelense) und Joel Campbell (30, Club León), die allesamt schon in Brasilien und Russland dabei waren, dürfe das Turnier in Katar das letzte sein. Dennoch darf die Fußballnation Costa Rica durchaus optimistisch in die Zukunft blicken.

Costa Rica ist für die WM in Katar qualifiziert

(Photo by Mohamed Farag/Getty Images)

Neben den Routiniers verfügt Trainer Luiz Fernando Suarez (62) nämlich über einige junge Spieler, die in den letzten Monaten mit starken Leistungen auf sich aufmerksam machen konnten. Die größten Hoffnungen ruhen dabei auf Linksaußen Jewison Bennette (18), der aktuell beim englischen Zweitligisten AFC Sunderland versucht, Fuß zu fassen.

Trotz der Tatsache, dass die Mischung aus Jung und Alt stimmt, ist ein Wunder, wie man es 2014 mit dem Viertelfinal-Einzug vollbracht hat, nahezu ausgeschlossen. Bereits in der Gruppe warten mit Spanien und Deutschland zwei Titelfavoriten, die den „Ticos“ allein einen Achtelfinal-Einzug zum Ding der Unmöglichkeit machen.

Saudi-Arabien: Die No-Names

Wem ein Name aus der Nationalmannschaft Saudi-Arabiens geläufig ist, ohne sich jemals näher mit den „Grünen Falken“ auseinandergesetzt zu haben, darf sich künftig ohne weitere Ermächtigung als interkontinentaler Fußballfachmann ausweisen. Ein Großteil der Mannschaft spielt für den saudischen Klub Al-Hilal, die seit Jahren national und kontinental dominieren. Der Vorteil ist daher, dass sich die Spieler bestens kennen. Im defensiv ausgerichteten 4-2-3-1-System von Trainer Herve Renard (54) weiß jeder haargenau, was er wann zu tun hat, die Rädchen greifen mannschaftsintern nahezu perfekt ineinander.

Wichtigster Mann ist Salman Al-Faray (33) als Denker und Lenker im Mittelfeldzentrum. Anders als die meisten Außenseiter bei der WM hatte Saudi-Arabien kaum Probleme in der Qualifikation. Allerdings heißen die Gegner in Katar nun nicht mehr Usbekistan oder Palästina, sondern Argentinien, Polen und Mexiko – ein Leistungsniveau, an dem einige Nationalspieler das letzte Mal vor über vier Jahren in Russland geschnuppert haben, andere noch nie. Es erklärt sich also von selbst, dass die Saudis absoluter Außenseiter in Gruppe C sind.

Honorable Mentions: Iran und Gastgeber Katar. Hier findet ihr aktuelle News, Storys und Vorschauen zu allen WM-Teilnehmern.

(Photo by Joe Allison/Getty Images)

Michael Bojkov

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