Vierzehn Profis abgegeben, rund 30 Millionen Euro eingenommen, ein Trainer, der offen von Existenz spricht – und Hertha BSC steht nach zwei Spieltagen auf Rang zwei. Wer heute Abend im Eintracht-Stadion nach einem Krisenklub sucht, sucht vergeblich. Auf beiden Seiten.
Die Ausgangslage ist eine andere als behauptet
| Eintracht Braunschweig | Hertha BSC | |
|---|---|---|
| Punkte | 3 | 6 |
| Tabellenplatz | 5. | 2. |
| Tore | 6:2 | 5:1 |
| Bisheriger Verlauf | 6:1 in Magdeburg, 0:1 gegen Bochum | 1:0 in Bochum, 4:1 daheim |
Beide Teams stehen im oberen Drittel. Beide haben gepunktet. Niemand steht bei null. Das Bild vom Kellerduell hält keiner Überprüfung stand – es beschreibt allenfalls das Vorjahr, als Braunschweig lange im Abstiegskampf hing.
Leitls Sparelf funktioniert – vorerst
Was Hertha diesen Sommer gemacht hat, war kein Umbau, sondern eine Amputation: 14 Profis weg, Einnahmen im Bereich von 30 Millionen Euro, ein spürbar geschrumpfter Kader. Stefan Leitl formulierte nach dem Pokalerfolg gegen Saarbrücken, den die Berliner erst im Elfmeterschießen klarmachten, warum das so kam: „Es geht um die Existenz des Vereins.“
Der 48-Jährige weigert sich, das Wort Umbruch zu benutzen. Nachvollziehbar – Umbruch klingt nach Wahl, hier war es Zwang. Sportlich hat er die Spielweise auf den vorhandenen Kader zugeschnitten, und bislang trägt das: drei Pflichtspiele, drei Siege, gegen Saarbrücken mit einem Schussverhältnis von 33:7 in regulärer Spielzeit und Verlängerung.
Die Frage ist nicht, ob Hertha gut gestartet ist. Die Frage ist, wie lange ein 20-Mann-Kader diese Intensität durchhält, wenn im Herbst die Sperren und Muskelverletzungen kommen. Marc Oliver Kempf – Verzeihung: Deyovaisio Zeefuik – fehlt heute bereits rotgesperrt.
Braunschweigs Heimproblem
Die Eintracht hat am ersten Spieltag in Magdeburg 6:1 gewonnen. Sechs Tore, auswärts, gegen einen Konkurrenten. Eine Woche später verlor sie das erste Heimspiel 0:1 gegen Bochum – ohne eigenen Treffer, gegen ein Team, das Ergebnisse verwaltet, statt sie zu erzwingen.
Das ist die Aufgabe für Lars Kornetka: eine Mannschaft, die im Umschalten glänzt, gegen einen Gegner aufzustellen, der ihr den Ball überlassen könnte. Dazu fehlen Heußer, Jäkel und Sané. Gegen Hertha hat Braunschweig in den vergangenen Jahren ohnehin selten etwas geholt – die direkte Bilanz spricht deutlich für die Berliner.
Wann kommt die Rechnung für Hertha?
Heute wohl noch nicht. Ein Team, das gerade lernt, dass es auch mit weniger geht, spielt in den ersten Wochen befreit. Der Test kommt später, wenn die Euphorie verbraucht ist und der Kader es allein tragen muss.
Anstoß im Eintracht-Stadion ist um 18:30 Uhr. Wer Braunschweig zutraut, den Berliner Lauf zu beenden, sollte auf die erste Viertelstunde achten. So lange dauert es meistens, bis man sieht, ob die Eintracht heute die Auswärtsmannschaft aus Magdeburg ist oder die Heimmannschaft von vergangener Woche.

