Hannover 96 hat sich mit einem ungefährdeten 9:1 (6:0) beim Bremer Fünftligisten SV Hemelingen für die 2. Runde des DFB-Pokals qualifiziert – Sport-Geschäftsführer Jonas Boldt sparte trotz des Kantersiegs aber nicht mit Kritik an seiner Mannschaft.
Kantersieg nach Fehlstart in der Liga
Mit zwei Niederlagen war Hannover 96 in die neue Zweitligasaison gestartet, 1:3 in Cottbus und 0:1 gegen Wolfsburg, jeweils bei auffälliger Harmlosigkeit im Angriff. Im DFB-Pokal-Duell bei der SV Hemelingen lief es dagegen von Beginn an: Nach 21 Minuten stand es bereits 5:0, am Ende trafen mit Stefan Thordarson, Lars Gindorf, Marcel Hartel, Benedikt Pichler und Taycan Etcibasi fünf verschiedene Hannoveraner. Rückkehrer Gindorf stach mit einem Dreierpack heraus, laut Sky Sport sahen 13.000 Zuschauer im Bremer Weserstadion die klare Angelegenheit.
Boldt bemängelt Nachlässigkeit nach der Pause
Mit dem Ergebnis und dem Erreichen der 2. Runde zeigte sich Boldt bei Sky zufrieden, schließlich war Hannover in den vergangenen drei Jahren jeweils in Runde eins gescheitert. Den furiosen Start lobte er als „sehr seriös, sehr zielstrebig“, kritisierte aber offen den weiteren Verlauf: „In meinen Augen haben wir nach 35 Minuten die Seriosität verloren.“
Boldt sprach von einem „alten Problem zwischen Aufwand und Ertrag“ und verwies auf die Unsauberkeit vor dem Tor, die bereits die ersten Saisonspiele geprägt habe. Ein Fünftligist sei zwar „kein Maßstab“, schönreden wolle er den Auftritt trotzdem nicht: „Ich bin nicht hier hergekommen, um nach Niederlagen Trübsal zu blasen und mich nach Siegen zu freuen. Ich bin hier hergekommen, um das Ganze in eine Richtung zu strukturieren und um auch mal den Finger in die Wunde zu legen.“
Machtwort im Torwartstreit
Neben der sportlichen Kritik positionierte sich Boldt im schwelenden Torwartstreit zwischen Leo Weinkauf und dem im Sommer verpflichteten Pascal Loretz. Trainer Christian Titz hatte im Ligaspiel gegen Wolfsburg überraschend Weinkauf statt der als neue Nummer eins geholten Loretz aufgestellt, auch in Bremen hütete Weinkauf das Tor. Boldt stellte klar: „Wir haben zwei gute Torhüter. Wir haben schon mit Leo verlängert, bevor wir die Nummer eins geholt haben“ – ein deutlicher Fingerzeig, wen der Geschäftsführer zwischen den Pfosten sehen möchte, auch wenn er die Aufstellung selbst als Trainerentscheidung bezeichnete.
Bereits in der Vorbereitung hatte es zwischen Boldt und Titz geknirscht, als der Trainer vier bis sechs Neuzugänge forderte und der Geschäftsführer konterte, die Kaderplanung sei „kein Playstation-Spiel“. Seine Aufgabe sieht Boldt darin, „dafür zu sorgen, dass wir in eine Richtung gehen, und zwar möglichst bald“ – die Strukturen müssten geschärft werden, wie er es formulierte. Deckungsgleich sind die Vorstellungen von Sportchef und Trainer nach dem Kantersieg jedenfalls noch nicht.

