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90PLUS » Hertha legt mit fünf Siegen den besten Start der Vereinsgeschichte hin – und spricht nicht darüber
2. Bundesliga

Hertha legt mit fünf Siegen den besten Start der Vereinsgeschichte hin – und spricht nicht darüber

90PLUS Redaktion
13.09.26, 18:56
90PLUS Redaktion
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OSNABRUECK, GERMANY - SEPTEMBER 13: Farid Alfa-Ruprecht of Hertha BSC Berlin scores the third goal during the 2. Bundesliga 2026/27 match between VfL Osnabrück and Hertha BSC at Stadion an der Bremer Brücke on September 13, 2026 in Osnabrueck, Germany. (Photo by Christof Koepsel/Getty Images)

Es regnete in Strömen an der Bremer Brücke, als Josip Brekalo in der 50. Minute den Ball aus der Luft nahm und volley ins Tor setzte. Es war sein viertes Saisontor, das erste des Nachmittags, und der Beginn eines 3:1 (0:0), das Hertha BSC in eine Region bringt, die der Klub aus seiner eigenen Geschichte nicht kennt: fünf Spiele, fünf Siege, 15 Punkte, bester Saisonstart aller Zeiten. Dazu der Einzug in die zweite Pokalrunde. Und ein Motto, das inzwischen wie eine Prophezeiung klingt.

„Einen Aufstieg ruft man nicht aus“

Der Satz stammt von Geschäftsführer Peter Görlich und fiel vor der Saison – nach Jahren, in denen Hertha das Ziel Aufstieg laut formuliert und dann verfehlt hatte, zuletzt als Sechster. „Einen Aufstieg ruft man nicht aus, sondern erarbeitet man sich“, sagte Görlich. Im Sommer gingen Leistungsträger, der Klub erwirtschaftete ein Transferplus von 29 Millionen Euro, die Sportschau stufte Hertha vom „größten Aufstiegsfavoriten“ zum „Underdog“ ab. Viele hätten die Alte Dame im Mittelfeld erwartet.

Fünf Spieltage später steht sie zwei Punkte vor Nürnberg an der Spitze, und niemand im Klub spricht über Mai. Kapitän Brekalo nach dem Spiel: „Ich hab kaum noch Worte dafür, was für Leistungen wir Woche für Woche auf den Platz bringen. Wir geben alles, jeder ist mit hundert Prozent dabei. So macht es einfach Spaß!“ Gustaf Nilsson, eingewechselt, formulierte die Marschroute: „Für uns als Team gilt es jetzt, sich nicht auf den Ergebnissen auszuruhen und weiter hart zu arbeiten.“ Erarbeiten – Görlichs Wort ist zum Vokabular der Mannschaft geworden.

Ein Sieg mit Elfmeter, Traumtor und Konter

Erarbeitet war auch dieser Sieg. Stefan Leitl hatte umstellen müssen: Pascal Klemens ersetzte den gesperrten Paul Seguin, und Oluwaseun Adewumi, nach drei Jokertoren in Folge, stand erstmals in der Startelf. Die erste Halbzeit gehörte den Chancen, nicht den Toren: Robin Meißner, der Osnabrücker, der im Pokal gegen Bayern getroffen hatte, stand nach einem katastrophalen Rückpass frei vor Marius Gersbeck – der Hertha-Torwart parierte mit vollem Körpereinsatz. Auf der anderen Seite grätschte Bjarke Jacobsen einen Schuss von Jón Dagur Thorsteinsson zwei Meter vor der Linie weg.

Nach der Pause kam der Regen, und mit ihm Brekalos Volley. Zehn Minuten später hätte das Spiel kippen können: Handspiel Klemens, Elfmeter für Osnabrück, Meißner tritt an – Gersbeck hält. Es war die zweite Rettungstat des Torwarts gegen denselben Spieler in einem Spiel. In der 70. Minute fiel Kevin Sessa nach einer Ecke der Ball buchstäblich vor die Füße: 2:0, sein erstes Tor für Hertha im 46. Zweitliga-Einsatz. „Aber wie in den anderen Spielen auch haben wir uns durchgekämpft und unser Leben auf dem Platz gelassen“, sagte Sessa – nach einer nach eigener Aussage „schwierigen“ ersten Halbzeit.

Osnabrück gab nicht auf. Jonathan Gómez traf in der 82. Minute aus spitzem Winkel über den Innenpfosten – ein Tor mit zwei Prozent Torwahrscheinlichkeit, das schönste des Tages. Doch in der Nachspielzeit fuhr Hertha den Konter, den diese Mannschaft in dieser Saison immer fährt: Farid Alfa-Ruprecht, die Leverkusen-Leihgabe, vollendete zum 3:1. Sein erstes Tor im Hertha-Trikot. Adewumi hatte zuvor mit 35,07 km/h den Sprintrekord des Spieltags aufgestellt.

Die Formel

Was Hertha in fünf Spielen ausmacht, lässt sich in drei Punkten fassen. Erstens: Torhüter. Gersbeck hat in Magdeburg einen Fehlpass produziert und wurde von einem Abseitstor gerettet; in Osnabrück hielt er zweimal gegen Meißner, einmal vom Punkt. Zweitens: späte Tore. Adewumi dreimal als Joker, jetzt Alfa-Ruprecht – Hertha entscheidet Spiele in den letzten 20 Minuten, weil die Bank trifft. Drittens: Brekalo. Vier Tore, dazu Vorlagen, dazu die Binde. Der Kroate, dessen Vertragsverlängerung im Sommer als Bekenntnis zum Klub gelesen wurde, ist die Konstante in einer Mannschaft, die sonst kaum Konstanten hat.

Der Expected-Goals-Wert erzählt die Kehrseite: 2,30 für Osnabrück, 2,64 für Hertha. Das war kein Spaziergang. Es war ein Spiel, das ein Aufsteiger mit etwas Glück hätte drehen können, und das Hertha gewonnen hat, weil es die entscheidenden Momente traf. Fünfmal in Folge ist das keine Serie mehr. Es ist eine Eigenschaft.

Was jetzt kommt

Nürnberg verlor am Freitag nicht, sondern gewann 2:1 gegen Hannover – der Verfolger bleibt dran, mit einem Trainer namens Miroslav Klose, der den besten Start seit 26 Jahren hingelegt hat. Magdeburg schlug Kaiserslautern 3:0. Die Liga hat Spitzenteams. Hertha ist eines davon, ob es das Wort benutzt oder nicht.

Görlich hat gesagt, den Aufstieg erreiche man „nur durch fleißiges Arbeiten“. Nach fünf Spieltagen hat seine Mannschaft das Wort verstanden. Ob sie auch den Rest des Satzes versteht, entscheidet sich zwischen Oktober und Mai. Bis dahin gilt, was Brekalo sagt: Es macht einfach Spaß.

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