Liverpool steht vor einem der größten Umbrüche der letzten Jahre. Der Abgang von Mohamed Salah zwingt die Reds dazu, ihre Offensive neu zu denken. Klar wird dabei sein, dass sich die Rolle des 32-Jährigen wohl nicht eins zu eins ersetzen lässt.
Im Fokus stehen mehrere unterschiedliche Profile. Vom sofortigen Unterschiedsspieler bis hin zu vielversprechenden Talenten. Entscheidend wird sein, wer die rechte Seite besetzen kann und wie realistisch ein Transfer überhaupt ist.
Olise als Königslösung auf rechts
Michael Olise wäre die naheliegendste und wohl passendste Lösung. Als linksfüßiger Rechtsaußen bringt er genau die Qualitäten mit, die man in Liverpool seit Jahren gewohnt ist mit Einrücken, kreieren und abschließen. Die Auftritte, und vor allem die Zahlen (39 Pflichtspiele, 16 Tore, 27 Assists), des Franzosen bei Bayern zeigen, dass er Spiele ganz alleine dominieren kann.

Hinzu kommt seine Spielintelligenz: Olise entscheidet schnell, erkennt Räume und ist im letzten Drittel extrem effizient. Er wäre kein Projekt, sondern sofort ein absoluter Fixpunkt. Das Problem liegt aber ganz klar auf der Hand. Die Münchner wollen ihn nicht abgeben, und wenn, dann wäre die Ablöse extrem hoch. Realistisch ist der Deal nur ansatzweise, wenn Liverpool bereit ist, ein echtes finanzielles Statement zu setzen.
Diomande und Doue als nächste Generation
Yan Diomande bringt ein ganz anderes Profil mit. Der Leipziger ist ein klassischer Flügelspieler, bleibt breit, sucht das Eins-gegen-eins und kommt über Tempo und Direktheit. Mit seinen starken Scorerwerten in seiner ersten Bundesliga-Saison (26 Spiele, 10 Tore, 7 Assists) zeigt er, dass er Output liefern kann. Als rechter Flügel wäre er sofort einsetzbar, allerdings noch nicht auf konstantem Topniveau.

Desire Doue hingegen ist variabler. Er kann auch rechts spielen, zieht aber häufig ins Zentrum und kommt über Technik und Kreativität. Im Vergleich zu Olise fehlt ihm noch die klare Endprodukt-Konstanz (25/26 für PSG: 30 Pflichtspiele, 10 Tore, 7 Assists). Dafür bringt er eine hohe Spielintelligenz mit, einen Champions-League-Titel und könnte langfristig eine zentrale Rolle im Offensivspiel einnehmen.
Beide wären eher Investitionen in die Zukunft, haben aber ihre Qualität schon gezeigt. Die Reds würden damit das Risiko eingehen, dass die unmittelbare Salah-Lücke nicht direkt geschlossen wird.
Barcola und Conceicao als flexible Lösungen
Bradley Barcola (38 Pflichtspiele 25/26, 12 Tore, 6 Asists), ebenfalls von PSG, bringt Tempo, Tiefe und Abschlussstärke mit. Er kann auf beiden Flügeln spielen, fühlt sich aber eher links wohl. Auf rechts müsste er sein Spiel leicht anpassen, könnte aber durch seine Dynamik wohl trotzdem funktionieren. Im Vergleich zu Doue ist er vermeintlich etwas weiter in seiner Entwicklung und könnte schneller Impact liefern.

Francisco Conceicao von Juventus Turin ist ein spannender, aber riskanter Ansatz, der erst ganz frisch aufkam. Der Portugiese lebt von seiner Explosivität, seinem Dribbling und seiner Aggressivität im Eins-gegen-eins. Er ist ein klassischer Flügelspieler, der auch rechts spielen kann und dort durch seine Direktheit auffällt. Allerdings fehlen ihm aktuell noch Konstanz und Scorerwerte auf Topniveau (34 Spiele, 4 Tore, 3 Assists). Er wäre eher ein typischer Liverpool-Transfer im Sinne von „Entwicklung statt fertigem Star“.
Leao, Ndiaye und Yildiz als Systemfrage
Rafael Leao (24 Spiele, 10 Tore, 2 Assists) wäre die spektakulärste, aber auch komplizierteste Lösung. Der AC-Milan-Star ist klar links beheimatet, lebt von Raum und Tempo und bringt enorme individuelle Qualität mit. Als Salah-Ersatz würde er in jedem Fall eine Systemanpassung erfordern, weg vom klassischen Rechtsfokus hin zu einer variableren Offensive.
Iliman Ndiaye ist da deutlich bodenständiger. Durch den FC Everton schon Premier-League-erprobt, flexibel einsetzbar, stark im Dribbling, aber kein Spieler, der konstant zweistellige Scorerzahlen liefert (27 Spiele, 6 Tore, 2 Assists). Er könnte eine Rolle im Kollektiv einnehmen, aber nicht die zentrale Figur werden.

Kenan Yildiz (40 Spiele, 11 Tore, 10 Assists), ebenfalls von Juve, schließlich ist kein klassischer Flügelspieler. Er denkt eher wie ein Zehner, bewegt sich zwischen den Linien und kommt über Technik und Spielverständnis. Rechts könnte er sicherlich spielen, würde dort aber eher einrücken und Räume für andere öffnen.
Neue Verteilung statt direkter Ersatz
Am Ende zeigt sich klar, dass Liverpool einen langjährigen Superstar wie Salah, der den Verein sowie die Liga nachträglich geprägt hat, definitiv nicht direkt 1:1 ersetzen kann, sondern seine Rolle womöglich aufteilen muss. Olise wäre die einzige echte „Plug-and-Play“-Lösung auf rechts, während Spieler wie Diomande, Doue oder Conceicao für die Zukunft stehen.
Genau darin liegt die große Challenge für die Verantwortlichen der Reds. Die Entscheidung wird nicht nur bestimmen, wer auf dem Flügel spielt, sondern wie Liverpools Offensive in den kommenden Jahren grundsätzlich funktioniert.

