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90PLUS » Frankfurts Riera im Fokus: Ein Exzentriker polarisiert
Bundesliga

Frankfurts Riera im Fokus: Ein Exzentriker polarisiert

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10.04.26, 17:46
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Die knallharten Gesetze des Fußballs kennt Albert Riera ganz genau. „Niemand besitzt Kredit“, lautet eines davon, sagt der Trainer von Eintracht Frankfurt: „Wenn du drei Spiele in Folge verlierst, ist es egal, ob du letztes Jahr die Champions League gewonnen hast.“ Solche Weisheiten gibt der Spanier regelmäßig zum Besten, schießt mit seinen Aussagen aber schon jetzt gelegentlich übers Ziel hinaus – und sorgt für Stirnrunzeln im Umfeld des Vereins.

Nach dem jüngsten Remis gegen den 1. FC Köln (2:2) ließ Riera mit skurrilen Erklärungen auf der Pressekonferenz aufhorchen und befindet sich seitdem im Kreuzfeuer der Medien. Nun täte ein Sieg am Samstag beim akut abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky) dem Coach sehr gut, um wieder etwas Ruhe zu erlangen.

Als er am 1. Februar in Frankfurt übernommen habe, sei die Mannschaft „nicht nur die schlechteste, was Gegentore angeht, in der Bundesliga, sondern in ganz Europa“ gewesen, hatte Riera etwa nach dem Köln-Spiel gesagt. Eine sehr drastische Ausdrucksweise, die noch dazu inhaltlich falsch ist. Der FC Metz hatte in Frankreich zum gleichen Zeitpunkt einen Gegentreffer mehr kassiert.

Riera schon jetzt in der Kritik

Nein, meinte Riera am Freitag gelassen, „was du vielleicht als Kritik siehst, sehe ich eher als eine Botschaft, um eine Reaktion hervorzurufen.“ Bei seiner Aufzählung der Spiele, die Frankfurt seit seiner Ankunft nicht gewann, sparte Riera dann das 0:0 auf St. Pauli aus. Ein zu verzeihender Fehler, klar, doch er passt ins Bild: So fachlich stark der Fußballfachmann auch sein mag, mit seinem Hang zur Selbstdarstellung eckt er an.

„Wenn ein Glas Wasser zur Hälfte gefüllt ist, siehst du es vielleicht als halb leer – und ich sehe es als halb voll“, sagte Riera mit Blick auf seine Herangehensweise: „Ich betrachte die Dinge also auf eine schöne Weise, durch eine rosarote Brille.“

Im kritischen Vereinsumfeld sorgt seine Art für Unmut. Auf einen Dolmetscher verzichtet Riera, er spricht schließlich fließend, aber sehr schnell und durch seinen Akzent teilweise undeutlich Englisch. Gepaart mit seiner Persönlichkeit ergeben sich daraus regelmäßig lange, ausschweifende Antworten, die den Kern der gestellten Frage regelmäßig verfehlen.

Ein Beispiel: Anstatt nach dem Köln-Spiel die Wichtigkeit des Torschützen Jonathan Burkardt wie angefragt zu erläutern, mündet Rieras zweiminütiger Monolog in einer Erklärung, was er bei der Eintracht erreichen möchte. „Wir sind auf dem Weg zum Fortschritt und etwas aufzubauen. Wir brauchen Zeit“, sagte er. Und Burkardt? „Johnny ist sehr wichtig.“ Das war’s.

Ungeachtet seiner charakterlichen Eigenarten tritt die SGE unter Riera bei zwei Niederlagen aus acht Spielen inzwischen ordentlich auf. Seine Handschrift wird langsam erkennbar, die zuvor extrem anfällige Defensive stabilisierte er im Großen und Ganzen. Gegen Köln führten einige gute Ideen im Spielkonzept dazu, dass sich seine Mannschaft bis in die Schlussphase auf der Siegerstraße befand.

Dennoch dämpfte der späte Ausgleich die Stimmung, sein Auftritt danach rückte ihn vor dem Spiel gegen Wolfsburg ungewollt in den Fokus. Denn auch Riera besitzt keinen Kredit – das weiß er selbst am besten.

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