Es war ein Spiel, über das noch lange gesprochen wird. Was Paris Saint-Germain und der FC Bayern am Dienstagabend im Parc des Princes veranstalteten, das stellte alles in den Schatten, was man in den letzten Wochen, Monaten und Jahren gesehen hat.
Selbst die absolut spektakulären Spiele zwischen dem FC Barcelona und Inter aus dem Vorjahr wirkten wie ein laues Lüftchen gegen das, was in Paris auf dem Feld passierte. Sowohl PSG als auch der FCB kannten nur eine Richtung: Nach vorne.
Dass das Spiel 5:4 ausgeht, das ist die eine Sache. Dass man aber bei einem solchen Ergebnis nicht über einen Torwartfehler sprechen kann und Spielern wie Nuno Mendes oder Dayot Upamecano ohne jeden Zweifel eine sehr gute Leistung attestieren muss, das ist noch einmal ein anderes Kapitel. Denn trotz neun Toren waren die Defensivreihen nicht schlecht. Die Offensivreihen waren schlicht so gut.
PSG und Bayern: Eines der besten Spieler aller Zeiten
Sieht man dieses Ergebnis, dann könnte man der Ansicht sein, dass es hier nicht um Taktik ging, dass einfach beide mit offenem Visier aufeinander losgegangen sind. Nein, es war ein Spiel, das sich genau so entfaltete, wie diese beiden grandiosen Trainer es haben wollten. Sie wussten, dass sie jederzeit in der Lage sind, den Gegner zu verwunden. Die kurze Abtastphase, in der beide zu Beginn auf Kontrolle aus waren, diente lediglich der eigenen Sicherheit im Passspiel, dazu, zum eigenen Rhythmus zu finden.

Und den fanden beide. Beide Mannschaften spielten mit einer Klarheit, einem Selbstverständnis nach vorne, dass es beeindruckte. Ja, es gibt andere große Teams in Europa und ja, es spielen auch noch zwei starke Teams in einem anderen Halbfinale am heutigen Mittwoch, aber dieses Level, diese Präzision und diese Intensität kann momentan niemand mitgehen. Das ist auch ein Verdienst zweier Trainer, die es nicht nur geschafft haben, eine Philosophie zu entwickeln, sondern diese auch gnadenlos durchzuziehen. Nach dem 4:2 von PSG hat Bayern nicht etwa abgesichert, sondern weiter nach vorne gespielt.
Nun hätte das auch komplett schiefgehen können – ist es aber nicht. Bayern kam zurück, weil man an sich geglaubt hat. Die Rolle der Trainer sollte man hier nicht außer Acht lassen. Es standen zwar einige der besten Spieler weltweit auf dem Platz, aber Luis Enrique und Vincent Kompany haben es jeweils geschafft, aus ihnen eine Einheit zu formen, die kollektiv und intensiv presst, die defensive Wege mitgeht. Wer sich an Kylian Mbappé und Vinicius Jr. in den Spielen von Real Madrid gegen Bayern erinnert, der weiß genau, was das zu bedeuten hat.
Fußball aus der Zukunft
Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu werden, was am Dienstag passiert ist. Es war kein Fehlerfestival, sondern es war ein Ausdruck dessen, was passieren kann, wenn man Fußball wieder einmal ein wenig neu denkt. Vielleicht war es ein Wendepunkt im Fußball. Denn oftmals wird sich genau daran orientiert, was die besten Teams machen. So gesehen war das Spiel am Dienstag womöglich Fußball aus der Zukunft, etwas, wonach jetzt viele Trainer streben. Klar, der Pragmatiker wird sagen, man könne weniger Risiken gehen und abwarten. Dann steht man gegen solche Teams aber auch mit 30 % Ballbesitz am eigenen Strafraum und kassiert trotzdem drei, vier Gegentore. Weil die Wucht der Offensive so unglaublich ist.

Entwicklungen, die man aktuell im Fußball sieht, zeigen, dass die Offensive der Defensive überlegen ist. Sie ist allerdings schwieriger zu konstruieren. Und man muss sich dessen bewusst sein, dass Gegentore nicht per sé als Fehler zu sehen sind, sondern eher als Teil des Spiels, mit dem man umgehen muss. Es geht also simpel gesagt darum, dem Gegner das Leben so schwer wie möglich zu machen – und am Ende selbst häufiger zu treffen als der Gegner.
Das mag nicht jedem gefallen, vor allem nicht den Pragmatikern. Aber es ist die Realität. Fußball verändert sich immer, hat immer bestimmte Phasen und jetzt deutet vieles auf eine Phase des Offensivfußballs hin, der zumindest auf Vereinsebene gute Chancen hat, sich für eine gewisse Dauer zu etablieren. Und wer darauf hinweist, dass es auf dem Platz gestern so viele freie Räume gab: Ja, das stimmt. Aber es ist nun einmal das Risiko, das man wohl einfach gehen muss, um von der Elite des Fußballs, die eben diesen Spielstil präferiert, nicht komplett zerlegt zu werden.

