Die Fans schmetterten mit Tränen in den Augen die ultimative Fußballhymne, aus den Boxen des Millerntorstadions dröhnte „You`ll Never Walk Alone“ – doch Alexander Blessin konnte den ungebrochenen Zuspruch des treuen Anhangs auf der Ehrenrunde des FC St. Pauli nicht wirklich genießen. „Ich hatte die totale Leere im Kopf und habe nicht viel mitbekommen“, sagte der Trainer hinterher.
Gut möglich, dass Blessin in den emotionalen Momenten nach dem 1:3 (0:1) im Abstiegsendspiel gegen den VfL Wolfsburg Abschied nahm, seine Zukunft beim Kiezklub ließ er offen. „Das ist jetzt kein Thema. Bei aller Liebe“, sagte Blessin bei Sky. Den letzten Spieltag, das war dem Schwaben deutlich anzumerken, hatte er sich anders vorgestellt. Statt mit St. Pauli den Rettungsanker Relegation zu feiern, geht es nach nur zwei Jahren zurück in Liga zwei,
Ohne Blessin zum Neuaufbau?
„Es tut wahnsinnig weh, aber man muss es akzeptieren, wenn man am 34. Spieltag dort steht. Es ist ein bitterer Moment für den Klub, aber es geht trotzdem weiter“, sagte Blessin. Ob mit ihm oder nicht: Dem Kiezklub steht im Sommer ein Umbruch bevor. Mit Torhüter Nikola Vasilj hat sich am Samstagabend bereits ein Leistungsträger abgemeldet. Für die Mission Wiederaufstieg wird der gegen Wolfsburg bis zu seinem bitteren Eigentor einmal mehr überragende Bosnier definitiv nicht zur Verfügung stehen.
Blessin wird sich dagegen in den kommenden Tagen mit St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann darüber unterhalten, ob und wie es weitergeht. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, dass er als Trainer den Neuanfang in Wolfsburg moderieren könnte. „Nach Regen kommt Sonne“, gab der 52-Jährige seinem Team am Samstagabend mit auf den Weg.
Blessin hatte die Hamburger nach dem Bundesliga-Aufstieg vor zwei Jahren übernommen. Nach dem Klassenerhalt in der ersten Saison beendete St. Pauli diese Saison aufgrund der Niederlage gegen Wolfsburg auf dem letzten Platz. „Es tut mir für die Fans natürlich unheimlich leid, für den Klub und für die Mannschaft“, sagte Blessin: „Ich bin da die kleinste Lampe in dem Moment.“
Vasilj bedankte sich unterdessen für „fünf wunderbare Jahre, das ist alles, was ich sagen kann“. Er erinnerte „an alle schönen Momente. Ich wollte nicht, dass es so endet. Mit dieser speziellen Community gehört der Klub in die erste Liga.“ Dorthin zurück dürfte es ein steiniger Weg werden. Ob mit oder ohne Blessin.

