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90PLUS » Seimen, Baur & Co: Die Säulen des Paderborner Aufstiegs
2. Bundesliga

Seimen, Baur & Co: Die Säulen des Paderborner Aufstiegs

90PLUS Redaktion
27.05.26, 12:55
90PLUS Redaktion
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Dennis Seimen, Mika Baur, SC Paderborn
Foto: Getty Images

Sie haben es geschafft. Der SC Paderborn ist nach 2014 und 2019 zum dritten Mal in die Bundesliga aufgestiegen. Was auf den ersten Blick wie ein kleines Fußballwunder wirkt, ist bei genauerem Hinsehen das Ergebnis exzellenter Arbeit: klare Verantwortlichkeiten, gezielte Investitionen in Infrastruktur, Kontinuität und eine bemerkenswerte Ruhe im Umfeld.

Auch in Paderborn, wo der Etat selbst für Zweitliga-Verhältnisse überschaubar ist, gilt natürlich der bekannte Satz: Der Star ist die Mannschaft. Und selten passte er so gut wie in dieser Saison. Wer den Sportclub über die vergangenen Monate verfolgt hat, konnte erkennen, wie stabil das Gefüge war. Die Stimmung wirkte intakt, die Rollen waren klar verteilt, der Glaube an den gemeinsamen Weg wuchs von Woche zu Woche.

Und doch gibt es auch in dieser Paderborner Aufstiegsmannschaft einzelne Akteure, die herausragen. Spieler, die nicht nur den Aufstieg geprägt haben, sondern auf die nun auch in der Bundesliga besondere Blicke gerichtet sein dürften.

Vier Spieler, die vor der Saison kaum jemand auf dem Zettel hatte

Cheftrainer Ralf Kettemann brachte die Besonderheit dieser Mannschaft nach dem entscheidenden Spiel auf den Punkt: „Ich glaube, wir hatten heute vier Spieler in der Startelf, die vor der Saison nicht einmal 2. Bundesliga gespielt haben.“

Ralf Kettemann und Ruben Müller
Foto: Getty Images

Diese Aussage unterstreicht die Absurdität dieses Aufstiegs noch einmal deutlich. Gerade in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg, einen Gegner mit einem völlig anderen Marktwert, deutlich größeren finanziellen Möglichkeiten und zahlreichen international erfahrenen Spielern. Umso beeindruckender ist es, dass unter anderem jene Spieler, die Kettemann hervorhob, im Laufe der Saison zu echten Stützen wurden.

Dennis Seimen: Der ruhige Rückhalt mit außergewöhnlichem linken Fuß

Allen voran: Dennis Seimen.

Der 20-Jährige gilt unter Scouts schon seit Jahren als eines der größten Torwarttalente Deutschlands. Nach einer starken Spielzeit in der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart in der 3. Liga wechselte er vor der Saison an die Pader und bestätigte sein enormes Potenzial eindrucksvoll.

In allen 34 Ligaspielen stand Seimen von Beginn bis Ende auf dem Platz. Er strahlte eine bemerkenswerte Ruhe aus, überzeugte auf der Linie und zeigte im klassischen Torwartspiel konstant starke Leistungen. Abgesehen vom desaströsen 1:6 in Elversberg am 32. Spieltag war Seimen kaum ein Gegentor direkt anzulasten.

Seine vielleicht herausragendste Qualität liegt jedoch im Spielaufbau. Selbst unter hohem Gegnerdruck findet der Linksfuß Lösungen, spielt Bälle mit der richtigen Schärfe und bringt sie präzise zum Mitspieler. Aufmerksame Zuschauer konnten das auch im Relegations-Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg beobachten, als Seimen innerhalb weniger Minuten zwei rund 70 Meter lange Pässe punktgenau auf Laurin Curda spielte.

Für Paderborn war Seimen nicht nur ein Torhüter, der Fehler vermied. Er war ein aktiver Bestandteil des eigenen Ballbesitzspiels, ein Ruhepol im Aufbau und einer der Gründe, warum der SCP auch unter Druck immer wieder spielerische Lösungen fand.

Dennis Seimen
Foto: Getty Images

Laurin Curda: Der bekannteste Name dieser Aufstiegsmannschaft

Apropos Curda.

Der Rechtsfuß, der im Dreierkettensystem des SCP über die rechte Seite kommt, dürfte in der breiteren Öffentlichkeit der bekannteste Name dieser Mannschaft sein. Schon vor dem feststehenden Aufstieg wurde Curda mit Klubs aus England und der Bundesliga in Verbindung gebracht.

Ein Blick auf seine Zahlen erklärt schnell, warum: 34 Spiele, acht Tore, acht Vorlagen, dazu der entscheidende Siegtreffer gegen den VfL Wolfsburg und zwei Treffer gegen den FC Schalke 04. Nach der Verletzung von Raphael Obermair und der Angeschlagenheit von Felix Götze übernahm Curda zudem die Kapitänsbinde und führte seine Mannschaft in die Bundesliga.

Sportlich bringt der 24-Jährige ein außergewöhnlich komplettes Paket mit. Curda besitzt ein gutes Tempo, ist als gelernter Rechtsverteidiger stabil im direkten Zweikampf, stark in der Luft und gleichzeitig offensiv enorm wertvoll.

Besonders auffällig ist sein Raumgefühl. Curda erkennt Situationen früh, schleicht sich bei Flanken immer wieder in Richtung des zweiten Pfostens und kommt dort regelmäßig in gefährliche Abschlusspositionen. In diesen Momenten kann er seine hervorragende Schussqualität ausspielen. Sowohl gegen Schalke als auch gegen den VfL Wolfsburg traf er per Volleyabnahme platziert ins Eck.

Laut einem Bericht der Neuen Westfälischen geht man in Paderborn von einem Verbleib des 24-Jährigen aus. Für den SCP wäre das ein wichtiges Signal. Und die Bundesliga darf sich auf einen spannenden Spieler freuen, der noch einiges an Upside besitzt.

Laurin Curda
Foto: Getty Images

Calvin Brackelmann: Der Hidden Gem mit Bundesliga-Interesse

Etwas weniger im Rampenlicht, aber dennoch längst auf dem Zettel einzelner Bundesligisten: Calvin Brackelmann. Der Linksfuß ist ein spezieller Fall. Ex-Coach Lukas Kwasniok sagte einst sinngemäß über ihn, dass er mit der Fitness eines Bezirksligaspielers in Paderborn ankam, sich aber unglaublich entwickelt habe.

Diese Entwicklung ist bemerkenswert. Brackelmann ist mit seinen 1,96 Metern physisch enorm präsent, stark in der Luft und gerade bei Standardsituationen ein wichtiger Faktor. Im Relegations-Rückspiel gegen den VfL Wolfsburg bereitete er das 1:1 durch Filip Bilbija per Kopfballverlängerung vor.

Sein eigentliches Alleinstellungsmerkmal liegt jedoch am Ball. Brackelmann ist im Spielaufbau ein echter Hidden Gem. Der Innenverteidiger besitzt einen außergewöhnlich sauberen linken Fuß und nutzt diesen immer wieder mutig. Er spielt scharfe, vertikale Pässe durch das Zentrum, findet Mitspieler punktgenau zwischen den Linien und verfügt auch bei Seitenverlagerungen über eine hohe Qualität.

Dazu bringt Brackelmann eine Eigenschaft mit, die sich statistisch nur schwer greifen lässt: Er ist enorm clutch. Gerade in wichtigen Spielen, in engen Phasen und unter hohem Druck wirkt er häufig besonders präsent. Dann läuft „Fackelmann“ zur Höchstform auf. Sein Profil ist außergewöhnlich, nicht immer makellos, aber extrem unterhaltsam und für viele Mannschaften interessant.

Der FC Augsburg soll Brackelmann schon länger beobachten und den ablösefreien Linksfuß nun verpflichten wollen. Auch SCP-Präsident Thomas Sargel geht offenbar von einem Abgang des Lüneburgers aus. Für Brackelmann wäre es der nächste große Schritt, nachdem er seiner Karriere in Paderborn massiven Schwung verliehen hat.

Ein Risikofaktor bleibt allerdings seine Verletzungsanfälligkeit. Immer wieder wurde Brackelmann von muskulären Problemen ausgebremst, weshalb er in der Aufstiegssaison nur auf 24 Einsätze kam. Bleibt er fit, dürfte er aber definitiv ein Spieler sein, der in der Bundesliga für Aufsehen sorgen wird.

Calvin Brackelmann
Foto: Getty Images

Mika Baur: Der Dreh- und Angelpunkt

Zu guter Letzt ist Mika Baur zu nennen. Der Mittelfeldspieler kehrte nach einer nur bedingt erfolgreichen Leihe aus Dresden nach Paderborn zurück. Ein Abgang schien zeitweise wahrscheinlich. Doch Neu-Trainer Ralf Kettemann schenkte ihm Vertrauen und veränderte zugleich seine Rolle.

Anders als zuvor wurde Baur nicht primär auf der Zehn eingesetzt, sondern etwas tiefer im zentralen Mittelfeld. Eine Entscheidung, die sich als Volltreffer herausstellte.

Baur wurde zum Dreh- und Angelpunkt des Paderborner Spiels. Er gab den Rhythmus vor, strukturierte den Aufbau und konnte Partien auch im Alleingang prägen. Wie wichtig er für diese Mannschaft ist, zeigte sich besonders in der Relegation. Im Hinspiel gegen den VfL Wolfsburg fehlte Baur gelbgesperrt. Seine Abwesenheit war deutlich zu spüren. Im Rückspiel kehrte er zurück und unterstrich sofort seine Bedeutung.

Der U-21-Nationalspieler verfügt über eine hervorragende Technik, eine hohe Passqualität und das Gespür, wann er das Spiel beschleunigen oder beruhigen muss. Als tieferer Spielmacher wurde er für Paderborn zur zentralen Verbindung zwischen Defensive und Offensive.

Bemerkenswert ist dabei vor allem seine Präsenz in großen Spielen. Während Paderborn in der regulären Zweitliga-Saison gegen die Top-4-Teams keinen Sieg einfahren konnte, war Baur gerade in diesen Duellen dennoch häufig einer der auffälligsten Akteure. Ob gegen Schalke oder Wolfsburg: Wenn die Bühne größer wurde, legte Baur noch einmal eine Schippe drauf.

Dass diese Entwicklung Interessenten auf den Plan ruft, ist wenig überraschend. Stand jetzt gehen die Verantwortlichen in Paderborn jedoch von einem Verbleib aus. Für den SCP wäre das enorm wichtig. Das große Ziel Klassenerhalt wird Qualität, Stabilität und Spielkontrolle benötigen. Mit Laurin Curda und Mika Baur könnten immerhin zwei der vier beschriebenen Schlüsselspieler auch in der kommenden Saison in Schwarz-Blau auflaufen.

Mika Baur
Foto: Getty Images

Ein Aufstieg, der größer ist als einzelne Namen

Paderborns Aufstieg war kein Produkt einzelner Stars. Dafür war diese Mannschaft zu geschlossen, zu stabil und zu sehr über das Kollektiv definiert. Aber er wurde möglich, weil mehrere Spieler in entscheidenden Rollen über sich hinausgewachsen sind.

Die Geschichten der Spieler erklärt auch, weshalb der Aufstieg so besonders ist und trotz unattraktivem Stadion und kleiner Stadt eine schöne Geschichte für den neutralen Fußballfan sein sollte. Der SC Paderborn hat nicht mit Namen, Marktwerten oder großen Ansagen überzeugt, sondern mit Entwicklung, Struktur und einer Mannschaft, die in den entscheidenden Momenten gewachsen ist.

Nun wartet die Bundesliga. Und mit ihr die Frage, wie viel von diesem Paderborner Weg auch eine Etage höher trägt. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass von der Startelf am 1. Spieltag in der kommenden Saison noch kein einziger eine Minute Bundesliga gesehen hat.

THEMENCalvin BrackelmannDennis SeimenLaurin CurdaMika BaurSC Paderborn
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