Für die deutsche Nationalmannschaft kann es bei der kommenden Weltmeisterschaft laut Jürgen Klinsmann nur ein Ziel geben: den Titel. Der frühere Bundestrainer und Weltmeister von 1990 hat die Erwartungen an die DFB-Auswahl deutlich formuliert. Gleichzeitig hat er Kritik am Umgang mit dem EM-Aus 2024 geübt.
Im Gespräch mit der Rheinischen Post machte Klinsmann unmissverständlich klar, dass Deutschland bei einer WM immer mit höchsten Ansprüchen antreten müsse. „Wir haben die Verpflichtung, immer den WM-Titel ins Visier zu nehmen“, erklärte der 61-Jährige. Ein Viertel- oder Halbfinale dürfe aus seiner Sicht niemals als Erfolg gewertet werden.
Klinsmann kritisiert Umgang mit EM-Aus
Besonders das Narrativ rund um die Heim-Europameisterschaft 2024 sieht Klinsmann kritisch. Damals war Deutschland im Viertelfinale gegen Spanien ausgeschieden, wurde danach aber trotzdem vielerorts für das Turnier gelobt. Für den Ex-Bundestrainer ist das der falsche Ansatz. „Ich war schockiert, als es hieß, die Europameisterschaft war ein Erfolg mit dem Aus im Viertelfinale“, sagte Klinsmann deutlich.
Dabei zog er auch Vergleiche zu seiner aktiven Karriere. Nach dem Viertelfinal-Aus bei der WM 1994 gegen Bulgarien habe die Mannschaft massive Kritik einstecken müssen. Ähnlich sei es nach dem Aus 1998 gewesen. Laut Klinsmann habe damals niemand versucht, ein Scheitern schönzureden.

Mit seiner Titel-Ansage liegt Klinsmann allerdings durchaus auf einer Linie mit Bundestrainer Julian Nagelsmann. Auch der 38-Jährige hatte nach dem EM-Aus öffentlich erklärt, dass Deutschland bei der WM 2026 Weltmeister werden wolle. Zuletzt bestätigte Nagelsmann die Zielsetzung wieder. Klinsmann begrüßt den offensiven Anspruch ausdrücklich und fordert volle Konzentration auf den sportlichen Erfolg.
Skeptisch äußerte sich Klinsmann aber zum neuen XXL-Format der Weltmeisterschaft. Er befürchtet, dass das Turnier durch die Erweiterung auf 48 Mannschaften an Qualität verlieren könnte. „Ich habe die Sorge, dass es verwässert“, erklärte der frühere Stürmer. Einige Teams könnten sportlich nicht mit den Topnationen mithalten. Außerdem warnte er davor, politische Diskussionen rund um Gastgeberländer zu stark in den Vordergrund zu rücken. Mit Blick auf frühere Turniere in Russland und Katar sagte er, man habe in Deutschland teilweise „alles kaputt geredet“ und damit der eigenen Mannschaft eher geschadet.

