Fabrizio Romano berichtet, der FC Bayern habe nach dem geplatzten Gordon-Wechsel Gespräche mit Ismael Saibari von der PSV Eindhoven aufgenommen. Was als Ausweichlösung gerahmt wird, ist bei näherem Hinsehen keine — sondern dieselbe Budgetzeile unter einem anderen Namen.
Die Erzählung ist sauber: Erstwunsch Anthony Gordon entscheidet sich für Barcelona, München sucht eine Alternative und findet sie in der Eredivisie. Nur trägt diese Alternative ein Preisschild, das die Sparlogik einer Ausweichlösung nicht erfüllt.
Die Zahlen: 40 Millionen Marktwert, 60 plus Forderung
Transfermarkt taxiert Saibaris Wert auf 40 Mio. Euro. Die PSV, deren Lokalzeitung Eindhovens Dagblad das Bayern-Interesse bestätigt, soll eine Ablöse jenseits der 60 Mio. Euro aufrufen — also eine Prämie von rund 50 Prozent auf den notierten Wert. Das ist kein ungewöhnlicher Aufschlag für einen Leistungsträger mit Vertrag bis 2029, aber es ist auch keine Schnäppchen-Konstellation.
Der Vertrag ist hier der entscheidende Hebel. Ein bis 2029 gebundener Spieler zwingt den Verkäufer zu nichts. Die PSV verhandelt aus der komfortabelsten Position, die der Markt kennt: ohne Zeitdruck und mit einem Käufer, der öffentlich Bedarf signalisiert hat.
Plan B ist kein Sparmodell
Für Gordon zahlte Barcelona an Newcastle zunächst rund 70 Mio. Euro, mit Boni bis etwa 80 Mio. — bei einem Marktwert des Engländers von knapp 60 Mio. Bayern war in dieses Bieten involviert und unterlag. Der Wechsel der Personalie verschiebt das Budget also nicht nach unten, sondern nur das Ziel: Eine Forderung von 60 Mio. plus liegt in derselben Größenordnung, in der sich München beim Erstwunsch bewegt hat.
Finanzierbar wäre das. Der Kicker beziffert Bayerns Sommer-Etat auf rund 100 Mio. Euro für einen Offensivspieler und einen Außenverteidiger, und über die Personalie João Palhinha — Tottenham hält eine Kaufoption im Bereich von 30 Mio. — ließe sich zusätzlicher Spielraum schaffen. Die Frage ist nicht, ob Bayern zahlen kann. Sie ist, ob ein Plan B zum Plan-A-Preis noch ein Plan B ist.
Passt das Profil zur Lücke?
Hier wird es analytisch interessanter als die reine Summe. München sucht laut eigener Darstellung einen vielseitigen Offensivspieler — einen, der die Flügel besetzt und Harry Kane im Zentrum entlasten kann. Saibari kann beide Rollen ausfüllen, seine Heimat ist aber die Zehn, das offensive Mittelfeld.
Das ist kein Ausschlusskriterium, wohl aber eine Unschärfe. Ein Spieler, dessen belastbarste Werte aus der zentralen Position stammen, ist nicht automatisch die Antwort auf einen Bedarf, der primär als Flügel- und Sturm-Backup formuliert wurde. In den vergangenen beiden Eredivisie-Spielzeiten hat Saibari jeweils zweistellig getroffen, in der Saison 2024/25 zudem zweistellig vorbereitet — mit maßgeblichem Anteil an aufeinanderfolgenden Meistertiteln. Das ist eine belastbare Stichprobe. Sie stammt nur aus einer Liga, deren Abwehrniveau sich nicht eins zu eins in die Bundesliga oder die K.o.-Phase der Champions League übersetzt.
Was die Zahlen nicht hergeben
Drei Punkte bleiben offen. Erstens steht keine Ablöse fest; die Marke jenseits der 60 Mio. ist eine Forderung, kein Vollzug. Zweitens könnte die WM die Rechnung verschieben: Saibari geht als marokkanischer Stammspieler in das Turnier, und ein starker Auftritt — Marokkos Gruppe mit Brasilien, Schottland und Haiti lässt das Erreichen der K.o.-Phase als realistisches Ziel zu — dürfte die Forderung eher erhöhen als senken. Drittens, und das ist der Kern, bleibt die Profilfrage unbeantwortet.
Was die Zahlen nicht hergeben, ist die Gewissheit, dass hier die richtige Lücke gefüllt wird. Ein vielseitiger Spieler mit guter Bilanz zu einem Preis über Marktwert ist kein Fehlgriff. Er ist nur etwas anderes als das, was das Wort Ausweichlösung suggeriert.

