Lothar Matthäus sieht die deutsche Nationalmannschaft trotz des 2:1 gegen die USA noch nicht in Bestform. Für den Rekordnationalspieler war der Sieg in der Generalprobe zwar wichtig, spielerisch blieb für ihn aber klar erkennbar, dass vor dem WM-Auftakt gegen Curacao noch nicht alles sitzt. Deutschland wisse, „an welchen Stellschrauben man noch drehen muss“, betonte Matthäus in seiner Sky Kolumne.
Nach dem früheren Führungstreffer durch Kai Havertz verpasste es die Mannschaft von Julian Nagelsmann Spielkontrolle aufzubauen und ließ den Amerikanern zu viele Freiheiten. Für Matthäus ist das mit Blick auf den Turnierstart kein Drama, aber ein klarer Hinweis darauf, dass die Mannschaft in den entscheidenden Momenten noch stabiler und fokussierter auftreten muss. Gleichzeitig unterstrich der 65-Jährige, dass ein WM-Spiel grundsätzlich unter ganz anderen Vorzeichen stehe als ein solches Testspiel. Dann seien Spannung, Aufmerksamkeit und Druck noch einmal deutlich höher.
Matthäus lobt Brown und Havertz
Im personellen Bereich sieht Matthäus einige Gewinner der Vorbereitung. Nathaniel Brown habe sich auf der linken Seite „gut gemacht“ und Kai Havertz sei inzwischen ein Führungsspieler, der aus der Mannschaft kaum noch wegzudenken sei. Gerade Havertz schätzt Matthäus wegen seiner Vielseitigkeit, da er im Angriffszentrum, offensiver dahinter oder auch aus tieferen Räumen wertvoll sein könne. Auch Jonathan Tah sieht er eher in der Rolle des defensiven Anführers als Nico Schlotterbeck.
Im Mittelfeld hob Matthäus besonders die Entwicklung von Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha hervor. Beide stünden zwar noch am Anfang ihrer Nationalmannschaftskarrieren, würden ihre Aufgabe zusammen aber „hervorragend“ lösen. „Eine eingespielte Mannschaft und ein eingespieltes System sind wichtig für ein erfolgreiches Turnier“, so der gebürtige Erlanger. Entsprechend rechnet er gegen Curacao mit derselben Startelf wie gegen die USA, einzig Manuel Neuer könnte bei rechtzeitiger Fitness zurückkehren.
Musiala, Wirtz und Sane in der Pflicht
Den größten Fingerzeig setzte Matthäus aber in Richtung Offensive. Jamal Musiala, Florian Wirtz und Leroy Sane bezeichnete er als „drei Künstler“, die jetzt liefern müssten. Genau ihre besonderen Aktionen könnten am Ende darüber entscheiden, wie weit Deutschland bei dieser WM kommt.
„Gegen einen wahrscheinlich sehr tief stehenden Gegner aus Curacao könnte sich der Bundestrainer taktisch etwas einfallen lassen, zum Beispiel Havertz auch mal weiter hinten und vorne Deniz Undav oder Nick Woltemade spielen zu lassen“. An der Grundordnung selbst will Matthäus aber nichts verändert sehen.
Für das Auftaktspiel lässt der Weltmeister von 1990 keinen Interpretationsspielraum. Alles andere als ein deutlicher deutscher Sieg gegen den WM-Neuling aus Curacao wäre für ihn eine Überraschung. Genau deshalb fordert Matthäus zum Start direkt ein Zeichen. Es wäre auch das richtige Signal, um im eigenen Land WM-Stimmung aufzubauen.

