Sieben Spieler in den WM-Kadern sind 40 oder älter — Ronaldo, Modrić, Džeko, Neuer, Ochoa, dazu zwei Torhüter-Senioren, angeführt vom 43-jährigen Schotten Craig Gordon. Zur Einordnung: Vor diesem Turnier hat in der gesamten WM-Geschichte genau ein einziger Feldspieler jenseits der 40 gespielt. Es war Roger Milla. Es war 1994. Es war in den USA.
Die Symmetrie ist zu schön, um sie nicht aufzuschreiben: Als die WM zuletzt in Nordamerika gastierte, war ein Über-40-Feldspieler eine Sensation — Milla, 42, traf damals sogar noch gegen Russland. 32 Jahre später kehrt das Turnier zurück, und die Alterskategorie ist plötzlich ein Club: Džeko dürfte am Freitag gegen Kanada der zweite Über-40-Feldspieler der Geschichte werden, Ronaldo und Modrić folgen am 17. Juni. Auf die Frage nach 2030 antwortete Džeko übrigens erst nach einer Lachpause: „Definitiv nicht.“
Was belegt ist
Belegt sind die Eckdaten über die offiziellen Kaderlisten und Opta. Gordon würde bei einem Einsatz der zweitälteste WM-Spieler aller Zeiten — nur Ägyptens El Hadary war 2018 mit 45 älter. Ronaldo, 41, wäre der zweitälteste Feldspieler nach Milla. Dazu kommen Neuer (40, fünfte WM nach zurückgenommenem Rücktritt), Ochoa (40, sechste WM) und Lewandowski mit 37 als Polens Kapitän. Messi wird während der Gruppenphase 39. Am anderen Ende der Skala: die Elfenbeinküste mit dem jüngsten Kader des Turniers — und Spanien, das als Topfavorit zugleich eine der jüngsten Mannschaften stellt.
Warum gerade jetzt?
Aus der Logik des Bewertens heraus ist das Cluster kein Zufall, sondern das Ergebnis dreier Verschiebungen. Erstens die Sportwissenschaft: Belastungssteuerung, Regeneration und Ernährung haben die Leistungskurve am hinteren Ende abgeflacht. Zweitens die Karrierewege: MLS und Saudi-Liga erlauben Superstars, ihre Minuten zu dosieren, statt mit 38 gegen Pressing-Maschinen der Champions League zu verschleißen. Drittens das Format: 48 Teilnehmer bedeuten mehr qualifizierte Nationen, deren alternde Ikonen es noch einmal auf die Bühne schaffen — Džeko wäre 2014 zuletzt dabei gewesen, Bosniens Rückkehr brauchte zwölf Jahre. Die Alten sind nicht besser geworden. Der Weg zu ihnen ist kürzer geworden.
Was das Turnier daraus macht
An der Senioren-WM ist die Anekdote hübsch und der Test ernst. Fünf Wochen, bis zu acht Spiele, Mittagshitze — das ist das härteste denkbare Programm für Spieler jenseits der 40, und die Wahrscheinlichkeit, dass alle sieben es unbeschadet überstehen, ist gering. Die nüchterne Erwartung: Die meisten werden dosiert eingesetzt, einer oder zwei werden das Turnier prägen, und mindestens einer wird zur Verletzungsmeldung. Wer es durchsteht, schreibt Geschichte — die Messlatte hängt seit 1994 unverändert bei Roger Milla.

