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90PLUS » Gelingt die Titelverteidigung für Argentinien? WM-Vorschau Gruppe J
WM 2026

Gelingt die Titelverteidigung für Argentinien? WM-Vorschau Gruppe J

90PLUS Redaktion
11.06.26, 16:04
90PLUS Redaktion
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Argentinien
Foto: Getty Images

In der Gruppe J findet sich der amtierende Weltmeister Argentinien mit Lionel Messi wieder. Der wohl beste Fußballer aller Zeiten wird seine vermeintlich letzte WM spielen und trifft in der Gruppe auf Algerien, Jordanien und Österreich. Wie gut sind die einzelnen Mannschaften aufgestellt? Und wird Argentinien die erste Nation seit 1962 die ihren Titel verteidigt? Die Vorschau zur Gruppe J!

Alle Kader der Gruppe J findet ihr hier

Algerien: Individuelle Qualität, aber noch schwer einzuschätzen

  • Trainer: Vladimir Petkovic
  • WM-Teilnahmen: 5
  • Player to Watch: Riyad Mahrez, Ibrahim Maza, Hicham Boudaoui

Algerien geht als schwer einzuschätzendes Team in diese Weltmeisterschaft. Auf dem Papier liest sich die Bilanz unter Vladimir Petkovic stark. 21 Siege in 28 Spielen unter Trainer Vladimir Petkovic, dazu starke 67 geschossene Tore zahlreiche und eine insgesamt souveräne Qualifikation. Das Problem: Algerien erwischte eine sehr leichte Gruppe und wurde nur selten ernsthaft gefordert.

Der Afrika-Cup 2025 zeigte ein differenziertes Bild. Algerien spielte phasenweise sehr attraktiven Fußball, presste intensiv, baute geduldig von hinten auf und zeigte technisch starke Lösungen im Ballbesitz. Petkovic ließ verschiedene Systeme ausprobieren und versuchte, die spielerische Qualität seines Kaders möglichst flexibel und gegnerabhängig einzusetzen. Im Viertelfinale gegen Nigeria passte dann aber gar nichts. Die Leistungsträger blieben unter ihren Möglichkeiten, die fehlende Eingespieltheit in einem System war sichtbar. Das exakte leistungsniveau Algeriens ist somit kurz vor Turnierstar nicht wirklich bemessabr.

Grundsätzlich will Petkovic mit Ball aktiv auftreten, was die Nordafrikaner zu einem spannenden Team für den neutralen zuschauer machen könnte. Algerien besitzt viele technisch gut ausgebildete Spieler, die unter Druck spielstarke Lösungen treffen können. Der große Name bleibt natpürlich Riyad Mahrez. Der Kapitän ist inzwischen 35 Jahre alt und fitnesstechnisch definitiv nicht mehr in seiner Prime. Trotzdem besitzt er weiterhin besondere Qualität am Ball, kann mit einzelnen Momenten Spiele entscheiden. Zudem altert sein Spielstil enorm gut. Doch auch für die Kabine und für die jungen Spieler in der Mannschaft ist er von enormer Wichtigkeit.

Einer der Shootingstars ist der in der Bundesliga bestens bekannte Ibrahim Maza. Der 20-Jährige entschied sich für Algerien und gegen Deutschland und bringt viele Eigenschaften eines modernen Mittelfeldspielers mit. Maza ist technisch unheimlich gut, kann den Ball auf engstem Raum behaupten und Spiele an sich reißen. . Bei diesem Turnier könnte er endgültig international auf sich aufmerksam machen. Mit Anis Hadj Moussa (Feyenoord Rotterdam) oder Rayan Ait-Nouri (Manchester City) besitzt Algerien noch weitere spannende Akteure in ihren Reihen.

Wie weit die Petkovic-Mannschaft kommen kann, ist besonders schwer einzuschätzen. Algerien kann unheimlich viel Spaß machen und auch in einer komplizierten Gruppe eine gute Rolle spielen. Spätestens ab der K.O.-Runde werden sie aber dann zum Außenseiter werden, doch Spiele mit ihrer Beteiligung versprechen Spektakel und Spaß.

Algerien
Foto: Getty Images

Argentinien: Der Weltmeister ist mehr als nur Messi

  • Trainer: Lionel Scaloni
  • WM-Teilnahmen: 19
  • Player to Watch: Lionel Messi, Julian Alvarez, Nico Paz

Argentinien reist als amtierender Weltmeister nach Nordamerika und gehört auch 2026 wieder zum engsten Favoritenkreis. Die Mannschaft von Lionel Scaloni wirkt eingespielt, selbstbewusst und hat den Kern des Triumphs von Katar weitgehend zusammengehalten. Doch auch bei der Albiceleste ist kurz vor Turnierbeginn nicht alles im grünen Bereich. Einige Spieler kommen nach einer langen Saison mit kleineren körperlichen Fragezeichen ins Turnier, außerdem fehlt mit Angel Di Maria eine prägende Figur der vergangenen Jahre.

Scaloni dürfte grundsätzlich an seinem 4-3-3 festhalten. Argentinien will weiterhin über eine stabile Defensive und ein dynamisches Mittelfeld Kontrolle entwickeln. In der Qualifikation zeigte der Weltmeister erneut seine Klasse, gewann die CONMEBOL-Gruppe souverän und feierte unter anderem einen historischen Auswärtssieg in Brasilien. Dieses Team weiß, wie man enge Spiele gewinnt, wie man mit Druck umgeht und wie man Turniere spielt. Gleichzeitig zeigt die WM-Geschichte, dass sich amtierende Titelverteidiger beim anschließenden Turnier häufig schwer tun.

Natürlich steht Lionel Messi weiterhin im Mittelpunkt. Der Kapitän bestreitet seine sechste Weltmeisterschaft und wird während des Turniers 39 Jahre alt. Er ist der wohl beste Spieler aller Zeiten und stellt auch im fortgeschrittenen Alter immer noch sehenswert unter Beweis, welchen Einfluss er auf ein Spiel haben kann. Nach seiner Einwechslung beim 3:0-Sieg über Island riss er die Partie an sich, spielte einen überragenden Ball in die Spitze und erzielte selbst einen Treffer. Im Schatten von Messi hat Argentinien aber weiterhin einiges zu bieten.

Natürlich ist dabei Julian Alvarez zu nennen. Der 26-Jährige, der von Real Madrid und Barca umgarnt wird, dürfte als alleiniger Stürmer auflaufen und passt mit seiner Intensität, seinem Tiefgang und seiner Arbeit gegen den Ball nahezu perfekt zu Scalonis Idee. Mit Lautaro Martinez hat die Albiceleste zudem eine hochklassige Alternative. Beide Stürmer besitzen zusammen einen Marktwert von 185 Millionen Euro.

Spannend wird zudem, wer die Lücke von Di Maria schließt. Thiago Almada könnte hierbei zu einem der Breakout-Spieler des Turniers werden. Der 25-Jährige läuft bei Atletico etwas unter dem Radar, genießt in der Nationalmannschaft aber als absoluter Teamspieler das volle Vertrauen. Mit dem Ex-Stuttgarter Nico Gonzalez und Como-Shootingstar Nico Paz besitzt Argentinien weitere spannende Waffen.

Die Stärke Argentiniens liegt aber nicht nur in einzelnen Namen, sondern vor allem in der Struktur. Scaloni hat eine intakte Mannschaft gebaut, die emotional extrem verbunden wirkt und taktisch sehr reif auftritt. Diese Mischung aus individueller Klasse, Turniererfahrung und mannschaftlicher Geschlossenheit macht den Weltmeister erneut so gefährlich.

Die Mission Titelverteidigung wird dennoch eine schwierige. Bis auf Italien 1934 und 1938 sowie Brasilien 1958 und 1962 hat keine Nation zwei Weltmeisterschaften nacheinander gewonnen. Argentinien bringt aber vieles mit, um erneut sehr weit zu kommen. Lediglich die Fitnesszustände einzelner Akteure sorgen kurz vor dem Turnier noch für gewisse Bedenken.

Lionel Messi
Foto: Getty Images

Jordanien: Klare Außenseiterrolle trotz „jordanischem Messi“

  • Trainer: Jamal Sellami
  • WM-Teilnahmen: 1
  • Player to Watch: Mousa Tamari, Ali Olwan, Nizar Al-Rashdan

Jordanien erreichte zum ersten Mal überhaupt eine Weltmeisterschaft und schreibt somit bereits vor dem Turnier Geschichte. Nach mehreren gescheiterten Anläufen gelang diesmal der große Durchbruch. In der asiatischen Qualifikation überzeugte die Mannschaft mit stabilen Auftritten, erreichte die Finalrunde und sicherte sich dort hinter Südkorea das direkte WM-Ticket. Bereits die Teilnahme darf also als großer Erfolg angesehen werden.

Trainer Jamal Sellami hat der Mannschaft eine klare Struktur gegeben. Der Marokkaner setzt meist auf ein 3-4-3, in dem Jordanien kompakt stehen und nach Ballgewinnen schnell umschalten will. Die Defensive um Yazan Al-Arab, Abdallah Nasib und Mohammad Abualnadi soll für Stabilität sorgen, während insbesondere die Wing-Backs das Spiel nach vorne ankurbeln sollen. Im Zentrum sind die zweikampfstarken Nizar Al-Rashdan und Noor Al-Rawabdeh unersetzlich, um zweite Bälle zu sichern und die Balance zwischen Defensive und Offensive zu halten.

Der klare Star der Mannschaft ist Mousa Al-Tamari. Der Flügelspieler von Rennes mit einem Marktwert von zehn Millionen Euro ist der bekannteste Name im Kader und wird nicht umsonst von den eigenen Anhängern als „jordanischer Messi“ gefeiert. Mit seiner Qualität, die er mit sechs Toren und neun Vorlagen in der laufenden Ligue-1-Spielzeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, ist er die wichtigste Waffe im Umschaltspiel. In der Gruppe mit Argentinien, Österreich und Algerien wird Jordanien nicht viel Ballbesitz für sich beanspruchen können. Umso entscheidender wird es sein, Al-Tamari in Kontersituationen einzusetzen.

Neben ihm ist Stürmer Ali Olwan der wichtigste Offensivspieler. Der Angreifer war Jordaniens bester Torschütze in der Qualifikation und bringt eine gute Abschlussqualität mit. Schwer wiegt allerdings der Ausfall von Yazan Al-Naimat, der mit einem Kreuzbandriss fehlt. Damit muss Cheftrainer Sellami einen Spieler ersetzen, der in der Nationalmannschaft bereits 23 Treffer erzielt hat.

Für Jordanien gilt aber, ähnlich wie für viele kleinere Nationen, dass das Team der Star ist. Bedingungsloses Zweikampfverhalten, Standardsituationen und das Lauern auf Konter werden im Mittelpunkt stehen. Nur wenn Jordanien geschlossen verteidigt und seine wenigen Umschaltmomente sauber ausspielt, kann die Mannschaft stärkere Gegner vor Probleme stellen.

Sportlich bleibt die Aufgabe natürlich extrem schwer. Argentinien ist klar überlegen, auch Österreich und Algerien bringen mehr individuelle Qualität und internationale Erfahrung mit. Jordanien wird deshalb als Außenseiter in jedes Gruppenspiel gehen. Ein Weiterkommen wäre somit eine riesige Überraschung.

Jordanien
Foto: Getty Images

Österreich: Rangnick-Fußball mit klarer Identität

  • Trainer: Ralf Rangnick
  • WM-Teilnahmen: 8
  • Player to Watch: Konrad Laimer, Paul Wanner

Österreich geht mit einer der klarsten fußballerischen Identitäten in dieses Turnier. Seit Ralf Rangnick die Mannschaft übernommen hat, steht sie für die klassische „RB-Schule“. Bedeutet: Intensität, Gegenpressing und schnelles Spiel nach vorne. Die Österreicher wissen genau, wie sie Gegner mit diesen Attributen vor Probleme stellen können. Sie wollen stressen, Fehler erzwingen und nach Ballgewinnen sofort vertikal werden.

Dabei profitiert Österreich vor allem von Kontinuität. Der Kern des Teams spielt seit Jahren zusammen, viele Abläufe wirken fast automatisiert. Spieler wie Konrad Laimer, Nicolas Seiwald, Xaver Schlager, Marcel Sabitzer oder Philipp Lienhart kennen sich teilweise bereits aus dem Vereinsfußball. Österreich ist keine Mannschaft, die primär über große individuelle Stars kommt, sondern über Struktur, Laufbereitschaft und ein sehr gutes kollektives Verständnis. Diese Eingespieltheit kann bei einem Turnier, in dem Nuancen über Weiterkommen und Ausscheiden entscheiden, ein großer Vorteil sein.

Der schmerzhafte Ausfall von Christoph Baumgartner trifft das Team dennoch hart. Baumgartner war unter Rangnick der Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff und zugleich der beste Offensivspieler des Teams. Sein Fehlen verändert die Statik Österreichs enorm.

In Abwesenheit von Baumgartner ist Konrad Laimer der Fixpunkt der Mannschaft. Der Bayern-Profi verkörpert den Rangnick-Fußball nahezu perfekt. Er ist laufstark, zweikampfstark und kann sowohl im Mittelfeld als auch auf den Außenverteidigerpositionen auf höchstem Niveau spielen. Seine Intensität, die ihn in München mittlerweile unverzichtbar gemacht hat, bekommt nun die nächste große internationale Probe.

Spannend ist außerdem Paul Wanner, ein ehemaliger Spieler des deutschen Rekordmeisters. Der Linksfuß, der in den Jugendnationalmannschaften lange für Deutschland auflief, entschied sich nun für Österreich und ist der technisch versierteste Spieler im Team. Im sehr umschaltlastigen ÖFB-Team kann Wanner zum Schlüsselspieler gegen tiefstehende Mannschaften werden. Defensiv muss aber auch er sich den Rangnick-Prinzipien unterwerfen.

Die Gruppe mit Argentinien, Algerien und Jordanien ist anspruchsvoll, ein Weiterkommen aber alles andere als unmöglich. Gegen Jordanien ist ein Sieg Pflicht, gegen Algerien dürfte Österreich ebenfalls leicht favorisiert sein. Die Mannschaft hat genug Qualität, um in die K.O.-Phase einzuziehen und dort den einen oder anderen Favoriten vor Probleme zu stellen.

Österreich
Foto: Getty Images
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