2. Bundesliga | Magdeburg, Braunschweig, Kaiserslautern: Das sind die Aufsteiger

Der 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Magdeburg treffen in der 2. Bundesliga wieder aufeinander.
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Spotlight | Der 1. FC Magdeburg, Eintracht Braunschweig und 1. FC Kaiserlautern sammelten zusammengerechnet acht deutsche Meisterschaften, neun Pokalsiege und einen Europapokalsieg. Nun feierten die Traditionsklubs allesamt den Aufstieg – und kehren unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in die 2. Bundesliga zurück.

1. FC Magdeburg: Möglichst offensiv – auch in Liga zwei

Am 12.02.2021 befand sich der 1. FC Magdeburg als Tabellen-19. der 3. Liga in Reichweite der Regionalliga. Der glücklose Thomas Hoßmang (55) hatte den Trainerposten gerade geräumt, woraufhin der nur wenige Monate zuvor installierte Sportdirektor Ottmar Schock (64) Christian Titz (51) das Vertrauen aussprach. Die Skepsis war groß und wuchs nach misslungenem Start, doch nach den ersten Erfolgserlebnissen zeigte die Formkurve ausschließlich nach oben. Der Klassenerhalt gelang letztlich souverän als Tabellenelfter. Die Verantwortlichen hielten wichtige Bestandteile des Kaders und agierten klug auf dem Transfermarkt, indem sie sich überwiegend bei U23-Mannschaften bedienten. Torhüter Dominik Reimann (25), der nicht nur auf der Linie, sondern auch im Ballbesitz aufgrund des besonders offensiven Spielstils eine entscheidende Rolle spielt, kam aus Kiel, Jason Ceka (22) und Luca Schüler (23) aus der Schalker Zweitvertretung und der Titz bereits bekannte Amara Condé (25) von Rot-Weiß Essen.

Das Quartett passte ideal ins vom Chefcoach implementierte, stets nach vorne orientierte 4-3-3-System mit viel Ballbesitz, Geschwindigkeit auf den Flügeln, Kreativität im Zentrum und einem direkten Gegenpressing bei Ballverlust. Dazu gelang es Titz, das gesamte Potenzial von Baris Atik (27) zur Entfaltung zu bringen. Der 1. FC Magdeburg dominierte die vergangene Drittliga-Spielzeit nahezu nach Belieben, tütete bereits drei Spieltage vor Schluss den Aufstieg ein, sammelte 78 Zähler und erzielte 83 Tore. Atik war fast an der Hälfte beteiligt, netzte 19-mal ein und legte 22-mal für seinen Mitspieler auf, womit er einen neuen Drittliga-Rekord aufstellte.

1. FC Magdeburg: Baris Atik und Christian Titz

(Photo by Michael Titgemeyer/Getty Images for DFB)

Dementsprechend groß fällt die Euphorie im Umfeld des Europapokalsiegers von 1974 aus. Über 12.000 Dauerkarten gingen über den Ladentisch, das ohnehin zumeist sehr gut besuchte Stadion wurde auf 30.000 Plätze erweitert und dürfte zum Saisonauftakt gegen Fortuna Düsseldorf prall gefüllt sein. Die Hoffnungen sind groß, dass der 1. FC Magdeburg sich anders als nach dem Aufstieg 2018 in der 2. Bundesliga etablieren kann. Dabei zogen mit Kapitän Tobias Müller (28) und Raphael Obermair (26) zwei Leistungsträger nach Paderborn weiter. Trotz der bitteren Abgänge blieb Schork seiner Linie bei Transfers weitestgehend treu, holte talentierte Akteure wie Jamie Lawrence (19/FC Bayern München II) oder Léo Scienza (23/FC Schalke 04 II), der angesichts des Schüler-Ausfalls direkt in die Bresche springen könnte. Zum Kader stießen aber auch Malcolm Cacutalua (27/Erzgebirge Aue) sowie Mohamed El Hankouri (25/FC Groningen), die ihr Können bereits auf höherem Niveau nachwiesen.

Die Mischung aus Neuzugängen sowie einer eingespielten Aufstiegsmannschaft, mit der Achse aus Reimann, dem zum Innenverteidiger umfunktionierten Alexander Bitroff (33), dem umtriebigen Mittelfeldspieler Amara Condé (25) und, selbstverständlich, Baris Atik soll für den anvisierten Klassenerhalt sorgen. Titz will trotz der wesentlich stärkeren Gegner nur wenige Veränderungen vornehmen: „Von unserer Spielweise wollen wir möglichst viele Elemente beibehalten.“ Ob der bemerkenswerte Ansatz auch in der 2. Bundesliga umsetzbar ist, dürfte schon die Anfangsphase der Saison zeigen. Das Auftaktprogramm mit Heimspielen gegen in der Vorbereitung schwache Düsseldorfer und Holstein Kiel sowie einem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC bietet durchaus die Möglichkeit, das Punktekonto zu füllen und sich direkt eine vielversprechende Ausgangsposition im Abstiegskampf zu erarbeiten.

Das Expertenpanel zur kommenden Zweitliga-Saison

Eintracht Braunschweig: Raus aus dem Fahrstuhl

Noch im Sommer 2017 verpasste Eintracht Braunschweig nur knapp den Aufstieg in die Bundesliga, nachdem es die Relegation gegen den VfL Wolfsburg (0:1/0:1) etwas unglücklich verlor. Ein Jahr später mussten die Niedersachsen den Gang in die 3. Liga, Vereinsikone Torsten Lieberknecht (48) trat zudem als Cheftrainer zurück. 2019 wäre sogar beinahe der Fall in die Regionalliga erfolgt, ehe 2020 die Rückkehr in die 2. Bundesliga gelang. Dort fanden sich die „Löwen“ allerdings nur schwer zurecht, die qualitativ unterlegende und wenig harmonierende Mannschaft stieg daher direkt wieder ab. Der nächste große Umbruch, verbunden mit dem Trainerwechsel hin zu Michael Schiele (44) folgte. Dieser sollte aus wenigen Verbliebenden sowie 15 Neuzugängen eine Mannschaft formen, die direkt im oberen Tabellendrittel mitmischen kann.

Nach mäßigem Saisonstart fand seine Auswahl zunehmend in die Spur. Dazugekommene Spieler wie Jannik Nikolaou (28), Robin Krauß (29), Bryan Henning (27), Maurice Multhaup (25) oder Lion Lauberbach – mit zwölf Treffern bester Schütze – fungierten direkt als Leistungsträger. Darüber hinaus fand sich hinter dem 1. FC Magdeburg keine übermäßig konstante Konkurrenz ein, sodass dem seit Spieltag 19 stets mindestens auf Rang drei liegenden BTSV, der insbesondere im Saisonendspurt viele knappe, hart erarbeitete Siege einfuhr, am Ende 64 Punkte aus 38 Spielen zum direkten Wiederaufstieg langten.

Die Fans von Eintracht Braunschweig feiern den Aufstieg.

(Photo by Christof Koepsel/Getty Images for DFB)

Der sportlichen Führung um Schiele, der bei seinen bisherigen Zweitliga-Stationen Würzburg und Sandhausen nicht sein Glück fand, und dem für die Kaderplanung zuständigen Peter Vollmann (64) war direkt bewusst, dass sie Verstärkung an Land ziehen müssen, um in der 2. Bundesliga bestehen zu können. Die Zusage erhielten sie vom bereits zwischen 2014 und 2017 in Braunschweig aktiven Saulo Decarli (30/VfL Bochum). Er wird in der womöglich häufiger zum Zug kommenden Dreierkette die Rolle des Abwehrchefs einnehmen. Die weiteren Neuzugänge besitzen nur wenig Zweigliga-Erfahrung, haben aber reichlich Potenzial wie der sich dem Konkurrenzkampf mit Kapitän Jasmin Fejzic (36) stellende Schlussmann Ron-Thorben Hoffmann (23/FC Bayern München), Außenverteidiger Anton Donkor (24/Waldhof Mannheim) oder Spielgestalter Immanuel Pherai (21/Borussia Dortmund II), dem direkt ein Platz in der Startelf winkt.

Schiele wird wohl vom in der 3. Liga bevorzugten 4-2-3-1-System abweichen und häufiger auf ein 3-5-2 setzen, dessen feste Bestandteile um Fejzic, Decarli und Brian Behrendt (30) im Abwehrzentrum, Nikolaou auf der Sechs, den spielstarken Pherai und Henning sowie der von Multhaup unterstützte Angreifer Lauberbach sein sollen. Insbesondere in der Offensive mangelt es aktuell jedoch an Alternativen. Der Start mit einem Heimspiel gegen den Aufstiegsfavoriten HSV, einem Gastspiel in Heidenheim sowie einem Heimspiel gegen das von Lieberknecht trainierte, nur knapp am Aufstieg vorbeirauschende Darmstadt 98 dürfte aufzeigen, wie hoch die Chancen stehen, dem Fahrstuhl zu entkommen – und auch die Transferaktivitäten maßgeblich beeinflussen.

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1. FC Kaiserslautern: Zurück zu alter Stärke

Der 1. FC Kaiserslautern blickt auf eine beeindruckende Vergangenheit, garniert mit vier Meistertiteln – zuletzt 1998 – und zwei DFB-Pokalsiegen, zurück. Im laufenden Jahrhundert befand er sich allerdings kontinuierlich auf dem absteigenden Ast. Der Tiefpunkt schien 2018 erreicht zu sein, als der Traditionsklub aus der 2. Bundesliga absteigen musste. Doch es kam noch schlimmer: In der Drittklassigkeit befand sich der FCK nicht einmal in Reichweite der Aufstiegsplätze, meldete stattdessen im Juni 2020 Insolvenz an. Der Gang in die Regionalliga, der womöglich mit der Vereinsauflösung verbunden gewesen wäre, vermied der FCK mit einem Kraftakt – auf sportlicher wie finanzieller Ebene.

Hoffnung auf Besserung trat jedoch auch in der vierten Drittliga-Spielzeit zunächst nicht ein. Magere fünf Punkte aus sieben Partien bedeuteten einen katastrophalen Start, dennoch hielt die Vereinsführung an Trainer Marco Antwerpen (50), wenige Monate zuvor noch als Retter im Abstiegskampf erfolgreich, fest. Dies zahlte sich aus. Die Lauterer starteten einen Riesenlauf, verloren nur noch zweimal in 26 Ligaspielen. Hauptsächlich dank einer herausragenden Defensive, die letztlich nur 27 Gegentore zuließ. Sieben davon kassierte sie in den letzten drei Begegnungen, die der FCK allesamt verlor, wodurch der direkte Aufstieg verspielt wurde, aber zumindest noch die Relegation zu Buche stand. Thomas Hengen (47), der Geschäftsführer Sport, sah sich dennoch zum Handeln gezwungen, entließ Antwerpen und installierte Dirk Schuster (54). Die unpopuläre Entscheidung mündete in einer klaren Leistungssteigerung. Der 1. FC Kaiserslautern setzte sich in der Relegation gegen Dynamo Dresden (0:0/2:0) verdientermaßen durch und feierte die Rückkehr in die 2. Bundesliga.

Der 1. FC Kaiserslautern feiert den Aufstieg in die 2. Liga.

(Photo by Ronny Hartmann/Getty Images)

Welche Bedeutung der Fußballstandort immer noch inne hat, unterstrichen die letzten drei Heimspiele der vergangenen Spielzeit. Das Fritz-Walter-Stadion war jeweils – selbst gegen die Zweitvertretung von Borussia Dortmund II – mit fast 50.000 Fans ausverkauft. Die Euphorie setzte sich bei der Dauerkartenverteilung fort. Rund 16.500 Anhänger ließen sich diese Möglichkeit nicht entgehen, was wohl auch mit den Neuzugängen zusammenhängt. Mit Andreas Luthe (35/Union Berlin), der auf den zum HSV gewechselten Matheo Raab (23) im Tor folgt, sowie Erik Durm (30/Eintracht Frankfurt), Weltmeister von 2014, kamen zwei gestandene Bundesliga-Profis. Die Verpflichtungen unterstreichen, dass der FCK nicht nur die Klasse halten und sich in der Zweitklassigkeit etablieren will, sondern mittelfristig weiter nach oben schaut.

Ebenfalls neu am Betzenberg sind der erfahrene Ben Zolinski (30/Erzgebirge Aue), Lex-Tyger Lobinger (23/Fortuna Düsseldorf), Lars Bünning (24/SV Meppen) und Julian Krahl (22/Viktoria Berlin). Selbiges gilt für Schuster, der die Mannschaft nach seinem Einstieg vor den Relegationsspielen erst im Verlauf der Vorbereitung genauer kennenlernen wird. Seinen auf Stabilität beruhenden Spielstil dürfte er im Vergleich zu vorherigen Stationen wohl wenig verändern und daher auf ein 4-2-3-1 setzen. Der Kader scheint dafür geeignet, besitzt er seine Qualitäten doch überwiegend in der Defensive, wo mit Luthe, der überzeugenden Innenverteidigung um Boris Tomiak (23) und Kevin Kraus (29) sowie dem zentralen Mittelfeldspieler Marlon Ritter (27) eine Achse vorhanden ist. Offensiv wirkte der FCK dagegen auch in der 3. Liga teils leicht ausrechenbar. Zu Spielgestalter Mike Wunderlich (36) und dem in der Zweitklassigkeit bislang recht wirkungslosen Terrence Boyd (31) müssen Alternativen gefunden werden, sowohl intern – Daniel Hanslik (25) ist ein möglicher Kandidat – als auch extern, um nicht in größere Bedrängnis zu geraten.

(Photo by Ronny Hartmann/Getty Images)

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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