Der FC Schalke 04 hat sich am Deadline Day mit einer Last-Minute-Leihe von Hee-chan Hwang verstärkt – und dabei ein ungewöhnliches Risiko in Kauf genommen. Der 30-jährige südkoreanische Mittelstürmer wurde ohne vorherigen Medizincheck unter Vertrag genommen, wie Sportchef Frank Baumann der „WAZ“ bestätigte.
Ein Transfer in letzter Sekunde
Ganz überraschend kam die Personalie für die Königsblauen nicht, verlief zuletzt aber alles andere als geradlinig. Man habe Hwang zwar schon länger auf dem Zettel gehabt, „in den letzten zwei oder drei Wochen war er aber kein konkretes Thema mehr“, so Baumann. Noch am Vormittag des Deadline Days rechnete der Klub nicht mehr mit einem weiteren Neuzugang. Erst im Tagesverlauf sei die „konkrete Möglichkeit einer Leihe zu sehr guten Konditionen“ auf den Tisch gekommen.
Auch danach blieb es spannend: „Gegen 17 Uhr war ungefähr klar, dass alle Seiten den Transfer wollten. Zunächst dachte ich, wir hätten noch genügend Zeit. Dann kamen jedoch technische und organisatorische Schwierigkeiten hinzu. Zeitweise hatten wir das Gefühl, dass der Transfer doch noch scheitern könnte“, schilderte Baumann die Hängepartie. Erst 35 Sekunden vor Schließung des deutschen Transferfensters um 20 Uhr wurde der Wechsel offiziell von der Bundesliga bestätigt.
Medizincheck nachträglich, Risiko überschaubar
Weil für eine reguläre Untersuchung vor Fensterschluss keine Zeit mehr blieb, wurde der Medizincheck erst am Mittwoch in Gelsenkirchen nachgeholt. Baumann begründete die ungewöhnliche Vorgehensweise: „Nach eigener Aussage ist er grundsätzlich einsatzbereit. Ob er bereits am kommenden Wochenende zum Kader gehört, hängt von den Tests und den Eindrücken der nächsten Tage ab. Wir werden nichts Unvernünftiges machen.“ Anders als bei vielen anderen Last-Minute-Deals am Dienstag war für Hwangs Wechsel kein Privatjet nötig – ein Umstand, der laut Baumann auch das überschaubare Risiko des Deals widerspiegelt. Nicht überall lief es an diesem Abend so reibungslos: In Stuttgart etwa wartete ein Flugzeug der AS Rom vergeblich auf Jamie Leweling, dessen Wechsel am Ende nicht zustande kam.
Günstige Konditionen für Schalke
Sportlich und finanziell ist der Deal für die Knappen mit überschaubarem Risiko verbunden: Schalke muss für die einjährige Leihe keine Gebühr zahlen, im kommenden Sommer besteht zudem eine Kaufoption über lediglich drei Millionen Euro. Zur Einordnung, wie stark Hwangs Marktwert zuletzt gefallen ist: 2024 wurde der frühere HSV- und Leipzig-Profi noch mit 25 Millionen Euro bewertet, mittlerweile steht er bei sechs Millionen Euro. Grund dafür ist eine deutliche Formdelle: Nach einer starken Saison mit 18 Toren in 47 Partien kam Hwang in den vergangenen zwei Spielzeiten nur noch auf sechs Treffer in 65 Einsätzen. Bei Absteiger Wolverhampton, wo er noch bis 2028 unter Vertrag steht, war für ihn zuletzt offenbar kein Platz mehr in den Planungen.
Wird Hee-chan Hwang Schalke weiterhelfen können?
Für Schalke ist die Verpflichtung angesichts der überschaubaren Kosten ein cleveres Geschäft mit begrenztem finanziellem Risiko – vorausgesetzt, der ausstehende Medizincheck bringt keine bösen Überraschungen. Ob Hwang direkt am kommenden Wochenende zum Kader gehört, ließ Baumann ausdrücklich offen und machte deutlich, dass der Klub bei der endgültigen Einsatzfreigabe keine Kompromisse bei der Sorgfalt eingehen wolle.

