Wochenlang stand Robert Andrichs Zukunft bei Bayer 04 auf der Kippe – erst der Verlust der Kapitänsbinde, dann die klare Ansage des Klubs, sich einen neuen Verein zu suchen. Jetzt, kurz vor Ende der Transferperiode, folgt die überraschende Wendung: Der 31-Jährige bleibt der Werkself doch erhalten. Und diese Entscheidung hat gleich mehrere Folgen für den Kader von Trainer Carles Martínez.
Die Kehrtwende: Vom Verkaufskandidaten zum Bleibenden
Noch vor wenigen Tagen war Andrichs Zukunft bei Bayer alles andere als sicher. Der Klub hatte dem Nationalspieler mitgeteilt, er könne sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen, da er in Leverkusen sportlich nur noch eine untergeordnete Rolle spielen werde – in den vergangenen Wochen kam Andrich, teils verletzungsbedingt, nicht mehr zum Einsatz. Nun ist die Personalie entschieden: Der noch bis 2028 gebundene Mittelfeldspieler bleibt.
Warum Andrich bleibt
Ausschlaggebend für den Verbleib sind laut übereinstimmenden Berichten fehlende passende Angebote. Andrich, der auf 19 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft kommt und laut eigener Aussage weiterhin hoch ambitioniert ist, lagen demnach keine konkreten Offerten vor, die sowohl sportlich als auch wirtschaftlich seinen Vorstellungen entsprachen. Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes hatte bereits nach der Auftaktniederlage in Elversberg durchblicken lassen, von einem Verbleib auszugehen. Auch der VfL Wolfsburg soll bereits im vergangenen Sommer Interesse an Andrich als Führungsspieler gezeigt haben – er entschied sich damals jedoch für Leverkusen und stieg dort in der Folge sogar zum Kapitän auf.
Casado-Interesse erledigt, Doué wird letzter Neuzugang
Der Verbleib hat direkte Konsequenzen für die weitere Kaderplanung: Eine mögliche Verpflichtung von Barcelonas Marc Casado, um den sich Leverkusen laut spanischen Medien für den Fall eines Andrich-Abgangs konkret bemüht hatte, ist damit vom Tisch. Der 22-Jährige, für den auch Besiktas Interesse gezeigt haben soll, bleibt vorerst bei den Katalanen.
Einzige verbleibende Personalie beim Bundesligisten ist damit Guéla Doué. Der 23 Jahre alte ivorische Nationalspieler wird nach einer Einigung zwischen Bayer 04 und Racing Straßburg zum Medizincheck nach Leverkusen erwartet. Berichten zufolge soll Straßburg für den Rechtsverteidiger, der bei der WM alle vier Partien der Elfenbeinküste bestritt, zwischen 35 und 40 Millionen Euro verlangt haben – eine Summe, die Leverkusens bisherigen Vereinsrekordtransfer übertreffen würde.
Vom „Ich rede nicht mit ihm“ zum „Führungsspieler“
Bemerkenswert ist der Stimmungswandel bei Trainer Martínez innerhalb weniger Tage. Nach dem torreichen 4:0-Erfolg im DFB-Pokal in Wiesbaden hatte der Spanier auf die Frage nach Andrichs Perspektive noch trocken geantwortet: „Ehrlich gesagt, rede ich nicht mit ihm.“ Nach der überraschenden 2:3-Auftaktniederlage in der Bundesliga bei Aufsteiger SV Elversberg schlug Martínez dagegen deutlich versöhnlichere Töne an und bezeichnete Andrich als „Führungsspieler unserer Mannschaft“. Seine frühere Aussage habe er inzwischen als Missverständnis erklärt, das auf seine womöglich noch nicht ausreichenden Englischkenntnisse zurückzuführen sei.
Für Andrich bedeutet die Entwicklung, dass er nun einen neuen Anlauf unternehmen kann, sich unter Martínez wieder eine feste Rolle im Kader zu erarbeiten. Für Bayer 04 bedeutet der Verbleib zugleich das Ende der diesjährigen Transferaktivitäten im zentralen Mittelfeld: Mit Doué dürfte am Dienstag, wenn das deutsche Transferfenster um 20 Uhr schließt, der letzte Neuzugang des Sommers feststehen.

