Bobic: Hertha war von HSV oder Schalke „nicht weit weg“

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News | Im vergangenen Sommer hat Fredi Bobic sein neues Amt als Geschäftsführer Sport bei Hertha BSC angetreten. Seine Aufgabe ist nicht weniger als einen gesamten Traditionsverein zu transformieren und auf die Erfolgsspur zu bringen. Nun sprach Bobic über seine Vision, den Zustand von Hertha und seine Beziehung zu Trainer Pal Dardai.

Bobic: Dardai hätte „eigentlich fliegen müssen“

Zuletzt war zumindest Ruhe bei Hertha BSC eingekehrt. Die zwei Ligasiege gegen Eintracht Frankfurt (2:1) und Borussia Mönchengladbach (1:0) sowie das Weiterkommen im DFB-Pokal gegen Preußen Münster (3:1) wurden von der jüngsten Niederlage bei der TSG Hoffenheim (0:2) zwar getrübt, in Panik – wie noch ein paar Wochen zuvor – brach aber niemand aus. Dies kann wohl als erster Teilerfolg von Neu-Geschäftsführer Sport Fredi Bobic (50) gewertet werden, der großes mit Hertha vorhat, sich aber auch dem hohen Schwierigkeitsgrad der Mission bewusst ist.

„Als Erstes musst du dir anschauen, wie sich die Ist-Situation darstellt. Der Anspruch war es, von heute auf morgen nach den Sternen zu greifen. Auch bedingt durch die vielen Gelder, die geflossen sind. Ich bin da aber sehr realistisch und habe gesehen, dass das nicht möglich ist“, erklärte Bobic gegenüber DAZN. „Dazu kam jetzt noch Corona, das hat es noch schwieriger gemacht, Dinge in einer Transferperiode zu verändern. Wir haben viel verändert, werden aber in den nächsten Transferperioden noch viel mehr verändern. Das ist ein Prozess.“ Dort stehe man erst am Anfang, das Ziel ist, eine „stabile Saison“ zu spielen.

„Ich will bei der Hertha sehen, dass wir sukzessiv etwas Nachhaltiges aufbauen, das auf einem festen Fundament steht“, so Bobic. Für dieses Fundament ist auch Trainer Pal Dardai (45) verantwortlich. Dieser stand nach drei Auftaktniederlagen und unglücklichen Aussagen, mit denen er seinen Rücktritt anbot, öffentlich in der Kritik. „Pal hat gemerkt: Er hätte nach drei Niederlagen und seinem emotionalen Fehler eigentlich fliegen müssen“, berichtet Bobic. „Das habe ich aber nicht gemacht, weil ich ihm und dem Verein zeigen wollte: Wir brauchen Ruhe und Stabilität. Fakt ist aber eins: Solche Dinge dürfen in Zukunft nicht zu oft passieren.“

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Hertha hat „im Sommer die launischen Spieler aussortiert“

Die dritte Komponente für Erfolg – neben Manager und Trainer – ist der Kader. Hier hat Hertha den dritten Umbruch in drei Jahren erfahren. Knapp 20 Spieler wurden im vergangenen Sommer dazugeholt oder abgegeben. Zum einen geht es Bobic bei der Kaderplanung „um die Balance zwischen Jung und Alt.“ Neben eher jüngeren Spielern wie Marco Richter (23), Myziane Maolida (22) oder Jurgen Ekkelenkamp (21) verpflichtete Hertha mit Kevin-Prince Boateng (34), Stevan Jovetic (32) und Ishak Belfodil (29) auch erfahrenere Profis.

„Und dann wird die Mentalität heutzutage im Fußball immer wichtiger. Das begeistert die Menschen und die Fans“, fügt Bobic an. „Bei Eintracht Frankfurt habe ich gemerkt, dass sich die Leute mit dem Verein identifizieren, weil die Jungs alles auf dem Platz gelassen haben.“ Dann könne man auch mal verlieren. „Deswegen haben wir im Sommer die launischen Spieler aussortiert und Jungs geholt, die wissen, was ihre Aufgabe ist, und die für Qualität und Mentalität stehen.“

Neben dem Ist-Zustand denkt Bobic auch schon langfristig. „Wenn du nur oberflächlich oder an den kurzfristigen Erfolg denkst, landest du dort, wo Schalke und der HSV jetzt stehen. Und das meine ich nicht böse. Ich liebe diese Vereine, die fehlen uns in der Bundesliga, aber: Sie stehen da unten und haben es schwer, wieder zurückzukommen“, stellt Bobic klar. Die Entwicklung dieser Vereine sei das Ergebnis, wenn man sich von Medien und Fans treiben ließe. „Wenn man denkt: Wir müssen jetzt unbedingt was tun, dann im Geldbeutel sieht, da ist gar nicht so viel drin, und es trotzdem macht, vielleicht auf Pump. Und wenn es dann nicht funktioniert, hast du eine Entwicklung, die du manchmal nicht aufhalten kannst. Davon war auch die Hertha nicht weit weg.“

(Photo by Alex Grimm/Getty Images)

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

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