Bundesliga | Bayerns heimlicher Gewinner, Dortmund liefert, Schalke mit klarem Plan – Die Brennpunkte des Wochenendes

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Spotlight | Auch Spieltag zwei der Bundesliga-Saison 2022/23 bot viel Gesprächsstoff. Zeit, auf die drei wichtigsten Brennpunkte des Wochenendes zu schauen. 

1. Sabitzer als heimlicher Gewinner des neuen Bayern-Systems

Fünf Tore in Leipzig, sechs in Frankfurt. Gegen den VfL Wolfsburg zeigte der FC Bayern, dass er auch noch „normal“ gewinnen kann. Natürlich wird Julian Nagelsmann die wacklige Anfangsphase aufgefallen sein, an der es im Hinblick auf die kommenden Partien in Bochum, gegen Borussia Mönchengladbach oder an der alten Försterei zu arbeiten gilt. Dennoch konnte man sehen, dass das neue 4-2-2-2 auch mit einem Minimum an hohen Ballgewinnen auskommt, da die Wolfsburger das Zentrum gut zu verdichten wussten und vorzugsweise schnell oder lang den Weg nach vorne gesucht haben.

 



 

Einmal mehr wusste dabei Jamal Musiala zu überzeugen, der inzwischen mit drei Treffern die Torjägerliste anführt und kaum aus der Startelf wegzudenken ist. Das trifft auch auf einen anderen Spieler zu, der bislang genauso zuverlässig liefert, wenngleich weniger spektakulär: Marcel Sabitzer. Der Österreicher scheint in seiner zweiten Saison den Platz innerhalb der Mannschaft gefunden zu haben, läuft immer wieder gefährliche Angriffe ab und gibt dem Mittelfeld die Stabilität, die ihm vergangene Saison abging. So kann sich Joshua Kimmich auf seine gestalterischen Qualitäten fokussieren, ohne, dass in der Defensive bei jedem Ballverlust sofort heilloses Chaos ausbricht, weil der Sechserraum unbesetzt bleibt. Davon profitieren auch die Innenverteidiger Dayot Upamecano und Lucas Hernández. Besonders ersterer konnte in den letzten Wochen und Monaten ebenfalls einen klaren Leistungssprung verzeichnen.

Die Wechsel von Julian Nagelsmann sprechen daher eine klare Sprache: Leroy Sané für den angeschlagenen Serge Gnabry, Mathys Tel für Sadio Mané und vor allem Ryan Gravenberch nicht für Kimmich oder Sabitzer, sondern Musiala. Die Offensiven rotierte er durch, ohne dabei die stabile Defensive umzustellen. Genau das sollte auch der Plan für die kommenden Partien sein.

2. Dortmunds Comebackqualitäten werfen bei Freiburg Fragen auf

3:1 gewann Borussia Dortmund am Freitagabend beim SC Freiburg. Es war genau diese Art von Auftritt, die man bei Schwarzgelb lange Zeit vermisst hat. Nein, über weite Strecken machten sie nicht ihr bestes Spiel. Trotzdem wussten sie in den entscheidenden Momenten ihre individuelle Qualität auszuspielen und nehmen so die drei Punkte mit. Es waren genau diese Spiele, die ihnen der FC Bayern in den vergangenen Jahren voraushatte.

Natürlich, am 2. Spieltag irgendwelche Prognosen über den Ausgang der Saison zu treffen, ist hanebüchen. Zudem haben die Münchener noch immer mehr Qualität und Erfahrung auf dem höchsten Niveau im Kader, gelten daher zurecht als Topfavorit auf die elfte Meisterschaft in Folge.

Bundesliga Freiburg Dortmund

Photo by THOMAS KIENZLE/AFP via Getty Images

Trotzdem gibt es für Borussia Dortmund noch Saisonziele außerhalb der Bundesliga zu verfolgen. So erreichte man 2020/21 unter Edin Terzic das Viertelfinale der Champions League, aus der man sich vergangene Saison – nicht zuletzt in Ermangelung solch effizienter Auftritte, wie am Freitagabend – sang- und klanglos verabschiedete. Selbiges trifft auch auf das 1:2-Pokalaus am Millerntor zu. Ob Borussia Dortmund das Zeug zum ganz großen Wurf hat, müssen sie noch beweisen. Aber sie haben das Zeug, konstant Ergebnisse zu liefern. Das ist zumindest ein erster Schritt.

Gleichwohl bleibt auch ein Nachgeschmack ob des Freiburger Auftritts. In der ersten Hälfte holten sie sich verdient die Führung – nur, um in den letzten Minuten mit drei Gegentoren zu implodieren. Wäre das ein einmaliges Phänomen, könnte man darüber hinwegsehen. Ist es aber nicht. Beim letzten Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern, einem ähnlich engen Spiel – glich Nils Petersen in Minute 63 zum 1:1 aus. Endstand: 1:4. Im Pokalfinale führte Freiburg gegen zehn Leipziger, verlor allerdings im Elfmeterschießen. Genau daran gilt es für Christian Streich im Hinblick auf die Europa League zu arbeiten. Sie können auf Gegner wie Arsenal treffen, die AS Roma um José Mourinho oder Copa-Sieger Real Betis, die letzte Saison schon den Frankfurtern im Achtelfinale das Leben sehr schwer gemacht haben. Will Freiburg als Verein den nächsten Schritt machen, müssen sie lernen, solche Resultate ins Ziel zu bringen.

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3. Schalkes vielversprechendes Remis gegen Gladbach

Nach dem 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach versammelte Frank Kramer seine Mannschaft im Kreis. Um die Resilienz, die Schalke gezeigt habe, sei es gegangen. Besonders ein Satz stach dabei – eingedenk der zuvor gezeigten Performance – besonders heraus: „Das ist unsere verdammte Pflicht, unser Herz auf den Platz zu schmeißen.“

Was eigentlich zu den Grundtugenden des Fußballs gehört, war bei Königsblau, besonders in der jüngeren Bundesligavergangenheit keine Selbstverständlichkeit. Das letzte Topspiel gegen Borussia Mönchengladbach, am 26. Spieltag der Saison 2020/21 war der genaue Kontrast zum vergangenen Samstagabend: Ein trostloses, leeres Stadion, gesenkte Köpfe und eine Mannschaft, die nicht kämpfte, weil sie auch nicht mehr an das Ergebnis und die eigenen Fähigkeiten glaubte. Der ganze Klub taumelte mit jedem weiteren Spiel immer näher dem Abgrund entgegen.

Bundesliga Schalke Gladbach

Photo by Frederic Scheidemann/Getty Images

Dieses Wochenende stand gegen Gladbach eine Mannschaft auf dem Feld, die leidenschaftlich verteidigte, intelligent umschaltete. Eine Mannschaft, die auch nach dem 1:2 an den Punkt glaubte und ihn sich letztendlich verdiente. Es war ein Schritt in die richtige Richtung. Nun gilt es, in Wolfsburg, gegen Union Berlin und in Stuttgart, daran anzuknüpfen.

Rouven Schröder hat den richtigen Mix einerseits aus jungen Spielern und Eigengewächsen, wie Malick Thiaw oder Tom Krauß gefunden. Auf der anderen Seite steht mit Maya Yoshida ein erfahrener Premier-League-Verteidiger im Kader und mit Simon Terodde ein nicht minder erfahrener Torjäger. Rodrigo Zalazar ist zudem ein Spieler, der jederzeit den Unterschied machen kann. Das alles garniert mit einem Trainer, in Frank Kramer, der der Mannschaft die richtige Einstellung zu vermitteln weiß und auch nachweislich einen wasserdichten Plan zum Klassenerhalt hat.

Schon seine Bielefelder hatten letzte Saison mit 53 Gegentoren die mit Abstand beste Defensive von allen Abstiegskandidaten. Stuttgart kam auf 59 Gegentreffer, 71 waren es bei Hertha BSC und deren 82 bei Greuther Fürth. Borussia Dortmund auf der gegenüberliegenden Seite des Tableaus kassierte nur ein Tor weniger als die Arminia. Letztendlich war der Abstieg weniger eine Frage der Taktik, sondern mehr der Kaderbreite und individuellen Qualität, vor allem im Angriff. Dahingehend hat Frank Kramer auf Schalke wesentlich mehr Optionen. Es wird spannend zu sehen sein, wie er sie ausspielt.

Photo by Alex Grimm/Getty Images

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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