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Bundesliga-Brennpunkte: Bayern-Krise spitzt sich zu, DFL-Protest wird kreativer

19. Februar 2024 | Spotlight | BY Jannek Ringen

Der 22. Spieltag in der Bundesliga steht in den Büchern. Auch dieser Spieltag stand ganz im Zeichen der Proteste gegen das DFL-Votum pro Investor. Die Brennpunkte.

Bundesliga: Leverkusen marschiert an der Spitze

Am Wochenende wurde der 22. Spieltag in der Bundesliga ausgetragen. Dabei beendete Tabellenführer Bayer Leverkusen die Serie des 1. FC Heidenheim und thront weiter ungeschlagen an der Spitze der Liga. Durch den Patzer des FC Bayern, der mit 2:3 beim VfL Bochum verloren hatte, wuchs der Vorsprung auf acht Punkte an. Außerdem hat sich im Keller der Bundesliga einiges getan. Mainz 05 siegt erstmals in diesem Jahr und Union Berlin macht weiter große Schritte in Richtung Klassenerhalt. All das findet ihr in unseren Brennpunkten zum 22. Spieltag.



Dritte Niederlage binnen einer Woche – Titellose Saison für den FC Bayern?

Nach der 0:3-Demütigung im Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen und dem schwachen Auftritt in der Champions League bei Lazio Rom, wo der FC Bayern mit 0:1 im Hinspiel verloren hatte, wollte die Mannschaft von Thomas Tuchel im Auswärtsspiel beim VfL Bochum Wiedergutmachung leisten. Die Münchner starteten gut in die Partie, gingen mit 1:0 in Führung und mussten sich am Ende dennoch mit 2:3 geschlagen geben. Es war die dritte Niederlage binnen einer Woche für den Rekordmeister, dem erstmals seit 2012 eine Saison ohne Titel droht. Der Rückstand in der Bundesliga auf Bayer Leverkusen beträgt zwölf Spieltage vor dem Schluss acht Punkte.

Gegen engagiert auftretende Bochumer fand man nach Rückstand kaum noch ein Mittel. Erst nachdem die Bayern mit zwei Toren hinten lagen und nur noch zu zehnt auf dem Platz standen, kam es zu einer Schlussoffensive, die jedoch nicht mehr belohnt wurde. Zuvor schleppte sich die Tuchel-Elf teilweise lustlos über den Platz und hatte große Probleme in der Kreierung von Chancen. Es war die nächste Leistung, die Fragen aufwirft. Nachdem die Bayern noch im Herbst durch die Bundesliga gefegt sind und kaum aufzuhalten waren, häuften sich die Niederlagen gegen individuell deutlich schlechter besetzte Teams wie Werder Bremen oder den VfL Bochum.

Dabei fällt die Kritik auch auf Tuchel zurück, der spätestens seit dem nicht geglückten Matchplan im Gipfeltreffen mit Bayer Leverkusen unter Druck steht. Nicht mal ein Jahr nachdem der 50-Jährige vom FC Bayern installiert wurde, steht er bereits wieder zur Debatte. Die Bindung zwischen Mannschaft und Trainer scheint immer mehr zu bröckeln. Joshua Kimmich, der unter allen vorherigen Bayern-Trainern ohne Ausnahme gesetzt war, wird immer häufiger frühzeitig ausgewechselt oder steht nicht in der Startelf. Eine klare Hierarchie in der Mannschaft? Fehlanzeige.

Angesichts der Souveränität, welche Bayer Leverkusen in dieser Saison in der Bundesliga an den Tag legt, wird es immer wahrscheinlicher, dass die Meisterschale erstmals seit 2012 wieder in eine andere Stadt wandert. Acht Punkte in zwölf Partien aufzuholen, ist eine schwierige Aufgabe. Und über den Titel in der Champions League wird in München derzeit eh kaum jemand nachdenken.

Bundesliga: Die Spieler des FC Bayern sind ratlos.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

Die Proteste halten und werden kreativer – wann geht die DFL in den Austausch?

Auch an diesem Spieltage waren die Proteste gegen den Einstieg eines Investors bei der DFL ein großes Thema in den Stadien. Immer wieder sorgten die Fans dafür, dass Spiele aufgrund ihrer Protestaktionen unterbrochen wurden und teilweise sogar kurz vor dem Abbruch standen. In Mainz gab es 14 Minuten Nachspielzeit in der zweiten Halbzeit, in Darmstadt sogar 25 Minuten im ersten Durchgang. Die Unterbrechungen sind in der Bundesliga aktuell an der Tagesordnung und werden nicht weniger. In vielen Stadien gab es an diesem Wochenende die Ansage, dass das Spiel bei einem weiteren Gegenstand auf dem Feld abgebrochen werden.

Dabei werden die Proteste der Fanszenen immer kreativer. Am Freitag bei der Partie zwischen dem 1. FC Köln und Werder Bremen fuhren mehrere ferngesteuerte Spielzeugautos durch den Sechzehner der Bremer, die sich nur schwer einfangen ließen. Bei der Zweitligapartie zwischen Hansa Rostock und dem HSV hatten diese sogar Rauchtöpfe geladen. Noch etwas kurioser wurde es in Freiburg. Dort flog ein ferngesteuertes Spiel-Flugzeug durch die Arena. Alle diese Proteste liefen unter dem Motto „Wir lassen uns nicht fernsteuern!“ ab. Die üblichen Tennisbälle waren ebenfalls zu sehen.

Erstmals gab es kritische Stimmen zu den Protesten von Seiten der Spieler und Trainer. „Es muss so schnell wie möglich eine Lösung gefunden werden. Noch diese Woche, nicht nächste Woche. So kann es nicht weitergehen“, erklärte BVB-Profi Niclas Füllkrug im ZDF. Sein Teamkollege Emre Can pflichtete ihm bei. Das Spiel sei „kaum bewertbar. Es ist ultra schwer, so an Top-Leistung zu kommen“. Es sei „irgendwann mal gut“, meckerte der BVB-Kapitän: „Wir leiden extrem darunter.“ Die Profis sind zunehmend genervt aufgrund der endlosen Unterbrechungen und dem fehlenden Spielrhythmus.

Dass sich jetzt auch die Beteiligten über die Proteste, die am Anfang noch belächelt wurden, echauffieren, zeigt, dass die Proteste Wirkung zeigen und fruchten. Die DFL muss den Austausch mit den Fanszenen suchen, damit es nicht noch zu einem Spielabbruch kommt. Zudem nimmt ebenfalls der Druck der Vereine auf die DFL zu. Ein Austausch der Sichtweisen ist dringend notwendig, damit der Spielbetrieb in der Bundesliga nicht weiterhin gefährdet wird!

Bundesliga: Die Proteste gegen das DFL-Votum werden immer kreativer.

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Union Berlin auf dem Weg ins gesicherte Mittelfeld

Im Herbst ist Union Berlin krachend auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Nachdem es nach dem Aufstieg 2019 nur bergauf für die Köpenicker ging und diese Reise mit der Qualifikation für die Champions League endete, kam es zu einer beispiellosen Negativserie, die am Ende Urs Fischer, den Vater des Erfolgs, den Job kosten sollte. Auf ihn folgte der Kroate Nenad Bjelica, der nach seiner Entgleisung im Spiel gegen den FC Bayern und der Roten Karte bereits wieder in der Kritik stand. Doch unter Bjelica hat sich die Mannschaft gefangen und bewegt sich auf einem guten Weg in Richtung Klassenerhalt in der Bundesliga.

Er übernahm den FC Bayern am 13. Spieltag auf Platz 18 mit nur sieben Zählern und fand eine total verunsicherte Mannschaft vor. Zehn Spiele ist Bjelica nun im Amt und seine Statistik kann sich durchaus sehen lassen. Fünf Siege und nur drei Niederlagen aus diesen zehn Spielen haben 17 gesammelte Punkte zur Folge und entledigen Union Berlin der größten Abstiegssorgen. Nach dem 1:0-Sieg gegen die TSG Hoffenheim finden sich die Berliner mit 24 Punkten auf Platz zwölf wieder. Der Abstand auf die auf dem Relegationsplatz liegenden Kölner beträgt mittlerweile bereits acht Punkte.

Bjelica ist es vor allem gelungen, die Stärken von Union Berlin aus den vergangenen Jahren wiederzubeleben. Grundlage des Höhenflugs war der Verlass auf eine stabile Defensive. An den ersten zwölf Spieltagen der Saison fingen sich die Köpenicker 24 Gegentreffer. Seitdem der Kroate das Traineramt übernommen hat, sind es nur neun Gegentore in zehn Spielen und man blieb in der Hälfte der Spiele ohne Gegentreffer. Ebenfalls auffällig: Gehen die Köpenicker in Führung, sind sie nur schwierig zu knacken und geben so gut wie keine Punkte mehr ab. Eine Fähigkeit, auf welcher der Erfolg von des Clubs in den vergangenen Jahren fußte. Union Berlin ist unter Bjelica wieder in die Spur gekommen und befindet sich auf bestem Wege dahin, eine sorgenfreie Saison in der Bundesliga zu spielen.

Bundesliga: Union Berlin siegt erneut und klettert in der Tabelle.

(Photo by Helge Prang/Getty Images)

(Photo by Lars Baron/Getty Images)

Jannek Ringen

Sozialisiert durch die Raute von Thomas Schaaf, gebrochen durch den Abstieg unter Florian Kohfeldt. Fußball in Deutschland ist sein Fachgebiet, aber immer mit einem Blick in England und Italien.


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